Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 52 (26.12.1902)
- Date
- 1902-12-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 52 Bloch’s Jahr«,««- XH Centrslorgsn für die gefsmmten Interelfen des Iudenthums. A. k. Postspsrcaffen-Amr j! Clearing-Verkehr! | Nr. 810.976.! Ledartton und Administratior» I! Wien! IX/1, Brrggaffe Nr. 39.! 7»Ispkon Nr. 14.847. I W ' ■. Wien, 26. Derember 1962. - ,>!mm .f- -- Lrsch eint jeden Freitag. -*> -i~ - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Verggasse 39. Tcle^rcimin-Adresse' Bloch'? Wochenschrifr, Wien. x .---» |! BeplgsPrri» für Srstrrrrtch n Halbjährig 8 Kronen. Einzeleremplare Sv Heller, Für'» Ausl «ud:! Halbjährig 10 Kronen. | Ganzjährig 20 „ < Anzeigen: Die 4tnal gispalteur j Petitzeile 24 Heller. •' ' -===* Inhalt r Leitartikel: Zwanzig Kriegsjahre. - Chanuka. — Harnack und Bousset über die historische Bedeutung der „Diaspora der Helenen". — VomJahrmarktdes Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Der Indische Almanach. — Abwehr gegen Antisemitismus. — Correspondenzen: Weihnachtsbaum und Chanuka-Abend. Die Staats.uänner Englands und Amerikas für die rumänischen Juden. Wien, Prag, Berlin, Tiflis. Die Cholera in Palästina. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Jüdische Statistik. Wien, Wien-Mariahilf, Czernowitz. Neutitschein, Falkenau a. Eger, Königswart, Troppau, Krakau. Györ, Breslau, Pasewalk, Weener. — Feuilleton: DreiR. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Betrage wolle man die beigelegten Postei»lagscheine benützen. Die Administration der „Oeflerr. Wochenschrift." Zwanzig Kriegsjahrr.? A » unsere P. T. Freunde und Leser. Am 1. Jänner 1903 tritt die „Oesterreichische Wochenschrift" in das zwanzigste Jahr ihres Bestandes. Es sind , wanzig Kriegsjahr^verbracht in aufregenden, rastlolen, ehrlichen Kämpfen gegen die Feinde des Judenthums. ISie Aufgabe, welche in diesem langen Zeiträume die jüdische Presse zu erfüllen hatte, war eine doppelte. Nach der einen Seite die Vertheidigung unserer wichtigsten staatsbürger- Zchen Rechte, unserer Ehre und Existenz gegen die anti- ^mitifdjra Verleumder, nach der anderen Seite die Wiedererweckung des jüdischen Lebens, des jüdischen Selbstbewußts.ins in unseren eigenen Reihen. Das Eine war ohne das Andere nicht möglich; Muth und Kraft zur Abwehr konnten :oir nur dann gewinnen, wenn wir uns auf den alten 'historischen Boden des jüdischen Glaubens und der jüdischen Solidarität zurückzogen. ^Langsam, aber stetig hat sich dieser Proceß entwickelt. Lar^e" Zeit haben die Juden im Gefühle ihrer gesetzlichen Gleichberechtigung die Vertheidigung ihrer Zechte den fortschrittlichen Parteien anvertraut, welche ja für alle Unterdrückten und daher vermeintlich auch für die unterdrückten Juden einzutreten hatten. Aber mehr und mehr 6en wir einsehen gelernt, daß wir auf Niemanden zu hoffen haben, als auf unsere eigene Kraft; daß man sich wohl in allen Lagern unsere Dienste gerne gefallen ließ, sich r.' er verstimmt von uns abwendete, wenn wir selbst unsere Ansprüche geltend machten. Die jüngsten Landtagswahlen waren hiefür wieder ein sehr lehrreiches Beispiel. Sie haben gezeigt, wie arg jene Selbsttäuschung war, die von fremden Bundesgenossen Hilfe in der Noth erwartete. Sie haben gezeigt, daß wir auf lange Zeit hinaus auf Niemanden zu rechnen haben, als nur auf uns selbst, und diese Situation, durch welche Illusionen zerstört, aber eine gesunde Nüchternheit in ihre Rechte eingesetzt wird, bestimmt auch den Werth und die Bedeutung der jüdischen Presse für die nächste Zukunft. Zwanzig Jahre find wir auf der Warte gestanden, den Blick hinausgerichtet auf das weite Kampffeld, jeben Pfeil des Gegners mit einem nicht minder scharf gespitzten Geschoß erwidernd. Die Aufgabe der Abwehr haben wir nach bestem Wissen und Gewissen in dem Maße erfüllt, als ein einzelnes Blatt und ein einzelner Mann sie erfüllen konnte. Die Streiche der Gegner haben uns verwundet, aber nicht geschmerzt; aber schmerzlich betroffen waren wir oft von der Gleichgiltigkeit, von der Theilnahmslosigkeit, denen wir in^unseren Reihen begegneten. /und nun beginnt ein neuer Abschnitt des Kampfes Soll das Judenthum dem Anstürme seiner Bedränger widerstehen, soll es nach dem Dichterworte „allen Gewalten zum Trutz sich erhalten", dann genügt es nicht mehr, daß auf einzelnen Punkten, da und dort, streitbare Männer hervprtreten, den Bogen spannen und den Kolben schwingen. Tas gesammte, in sich geschloffene, einheitlich organisirte Judenthum muß in diesen Kampf geführt werden, und gottlob, wir sind auf gutem Wege dazu.^Jn dem Maße, als wir auf uns selbst zurückgeworfen werden, in dem Maße, als die zweifelhaften Allianzen von rechts und von links ihre Unverläßlichkeit erwiesen haben, ist das Vertrauen auf unsere eigene Kraft gewachsen und hat sich das Interesse für alle Angelegenheiten der jüdischen Glaubensgemeinschaft auch in solchen Kreisen gesteigert, die bisher kühl, wenn nicht sogar spöttisch abseits gestanden sind. Ein mächtiges Leben, ein gewaltiges Schieben und Drängen, ein Kampf der Geister hat unter uns selbst begonnen; die letzten Wiener Cultuswahlen standen unter diesem Zeichen des wiedererwachten jüdischen Selbstgefühls. Wie in den Zeiten vor der Eman-