Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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*r. 49 Dr. Bloch’s Jahrgang HL Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. =%t U. ft. poprparcaflTen-Bmt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. AedarUon und Adminiprsttor» Wien IX/1, Verggasse Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. #= Mie«> 5. December 1902. Lrsch eint jeden Freitag. - ■» -4. - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. »rpigsprri» für Sesterrrtch Laibjährig 8 Aronen. Sinzclrxemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Arouea. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die 4mal gaspalteu« Detitzeile 24 Heller. Jnhalt: Leitartikel: Vergebliche Reinwaschung Rumäniens. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Ein Schadenersatz gegen das „Deutsche Volksdlatt" — Harnack und Bousset über die historische Bedeutung der Diaspora der Hellenen. — Hieronymus Lorm gestorben. — Gedankenloses Judenthum. - Correspondenzen: Wien, Budapest, Lemberg, Pilsen, Melnik, Bukarest, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Wratzow b. Bisenz, Teschen, Frauenberg. — Feuilleton: Chaike. — Briefkasten. — Inserate. Nergedtiche ReinmaschungRumäniens. Man braucht gar kein Rumänenfresser zu ft in und darf dennoch den Verdacht hegen, daß es mit den Finanzen dieses Landes und Volkes nicht zum Besten bestellt sei. Und es bedarf auch weder irgend eines „geheimen" Beschlusses, noch irgend einer Agitation, um einen vorsichtigen Finanzmann zu warnen, sein Geld an die untere Donau zu tragen. Die Rumänen sorgen nämlich vollauf genug selbst dafür, daß das Mißtrauen gegen sie immer rege bleibe. Daß ihren eigenen Versicherungen Niemand mehr glaubt, seit sie ganz Europa hinters Licht geführt haben, darf sie wahrlich nicht verwundern und daß die von ihnen besoldeten Reptilien, die den rumänischen Mist in die „Kölnische Zeitung" und andere Blätter einschmuggeln, vergeblich die rumänische Finanzwirthschaft anpreisen, dürften dieBukarester Regierungsmänner wohl deutlich genug erkannt haben. Sie haben sich also hinter eine noch nicht so abgenützte Autorität gesteckt. Ein bisher noch ganz unbekannter deutscher Nationalökonom, Herr v. Brakel, hat die Daten erhalten, durch die er beweisen soll, daß Rumänien Geld im Ueberflusse hat. Wer Herrn v. Brakel aufs Wort glauben will, wie unfern Antisemiten, denen nichts daran liegt, ob Jemand sein Geld in Rumänien verliert oder nicht, oder unfern Officiösen, die par ordre du Mufti Rumänien weißwaschen müssen, der mag es auf seine Gefahr hin thun. Wir ziehen die Glaubwürdigkeit des Herrn Brakel auch nicht in Zweifel, was uns aber auffällt, und zur sorgfältigen Prüfung haben wir das volle Recht, das ist die Absichtlichkeit, mit der man seit einer gewissen Zeit die Zahlungsfähigkeit Rumäniens immer neu zu beweisen sich bemüht. Warum der übergroße Eifer? Wenn die Zahlungsfähigkeit so feststeht, warum die wiederholten Versuche, sie erst glaubwürdig zu machen? Wer verlangt denn die Beweise? Hat Rumänien wirklich so heidenmäßig viel Geld, als man glauben machen will, so ist's ja sehr gut für dieses Land — dann kann es seine alten Schulden bezahlen und braucht keine neuen zu contrahiren. Das wird daun nicht durch Zeitungsartikel und Broschüren, sondern durch Thatsachen bewiesen. Schreien hilft da wirklich nichts. Viel eher erweckt gerade dieses viele Schreien den Verdacht, daß es mit dem heidenmäßig vielen Geld, das angeblich in den rumänischen Casien liegen soll — gesehen hat es ja doch auch der Herr v. Brakel ganz gewiß nicht — nicht so weit her sei. Aber nehmen wir den Fall an, die Rumänen Hütten jetzt wirklich einige überflüssige Millionen. Wozu erzählen sie das aller Welt? Wer fragt sie danach? Wenn sie das Bedürfniß fühlen, sich als reich darzustellen, so muß es einen Zweck haben. Und ist da nicht der Verdacht naheliegend, daß sie es wieder auf einen Fischzug in Europa abgesehen haben, bei dem sie Goldfische ins Netz locken wollen? Ist da der Verdacht nicht gerechtfertigt, daß im Hintergründe der Finanzartikel und Finanzbroschüren doch wieder der Klingelbeutel lauere? Streckt man nicht wirklich mit den Versicherungen vom momentanen rumänischen Reichthum nur den Köder aus, au dem sich die Finanzleute verfangen sollen, wenn wieder ein „Vertrauensmann" mit der Anlehenscasie umherzieht? Braucht man das Anlehen aber nicht — weshalb posaunt man dann seine Zahlungsfähigkeit aus, weshalb rechnet man Europa seine in Investitionen angeblich steckenden Werthe vor? Da müßte man wirklich taub und blind und dumm sein, wenn man die Absicht nicht merken sollte! Nein, so dumm werden auch die auf Profit versessensten Geldmänner nicht sein, um sich durch diese Leimspindel fangen zu lassen, und mag Herr v. Brakel ein noch so ehrlicher Nationalökonom sein, als Anlehenswerber hat er sich gewiß noch nicht bewährt und wird sich, was Rumänien betrifft, auch künftig nicht bewähren. Wir werden ihn aber über die Gründe seines Mißerfolges auch nicht einen Augenblick lang im Zweifel lassen. Seine Ziffern in allen Ehren, wir setzen ihnen gar kein Mißtrauen entgegen, er hat sie gewiß aus den besten rumänischen Quellen geschöpft; Herr Sturdza, sicherlich eine ganz unzweideutige Persönlichkeit, hat sich auch schon auf ganz gleiche Daten berufen; in der „Kölnischen Zeitung" sind sie sogar auch gestanden. Herz, was begehrst Du noch mehr? Also wäre Rumänien doch creditwürdig? Nein, und tausendmal nein! ' Die Creditunwürdigkeit Rumäniens fußt nämlich nicht auf den periodisch in der Folge sich immer wiederholenden, wegen ökonomischer und agricoler Verhältnisse, will sagen wegen cultureller und wirthschaftlicher Rückständigkeit des Volkes, mit Regelmäßigkeit wiederkehrenden Mißernten und Nothlagen. Man kann einem armen Teufel, der Unglück hat. den die Elemente