Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-28 · 48 (28.11.1902) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
48 (28.11.1902)
Date
1902-11-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021488--12258-3036842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

. |tv. 48 Dl*« Bloch’s Jahrgang XIX Centrslorgan für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. Wien, 28. November 1902. Erscheint jeden Freitag. -•> - Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berg gaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie«. A. kr. Postsparrassrn-Arnl I Clearing-Verkehr! Nr. 810.976. LrdsrNon und Administrativv Wien IX/1, Vrrggaffe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. j * ■ . »emgsprei» für Sefterrrtch Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare Sv Heller. Für'» Ausland r Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeige«: Die 4mal gespaltene Detitzeile 24 Heller. *=— ■—=!=■ —-=m Inhalt: Leitartikel: Die Wiener Eultusgemeindewahlen. — Europa gegen Rumänien. — Tie Juden in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. — Quellen zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien. — VomJabrniarktdesLevens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die Oesterreichisch-Jsraelitische Woblthätigkeits-Gesellschaft in New-Uork. Berurtheilung des Grafen Pückler. ' Ein sittlicher Werthmesser des alten Judenthums. Eine Religionsdisputation des achtzehnten Jahrhunderts. Richard Wagner und der „Judendoctor". - „Staat, Volk, Nation. — Wissenschaft und Glaube. — Korrespondenzen: Eingesendet Wien, Bielitz-Biala, Nikolsburg, Budapest, Darmstadt, Hamburg. Rumänischer antisemitischer Kongress. Petersburg, Jaffa. Jerusalem. Jüdische Bürger- und Oberbürgermeister in England. New-York. — Vermischtes: Wien, Klattau, Prag, Bischofteinitz, Pribram — Feuilleton: Am Weichselstrande. — Brieftasten. — Inserate. Die Wiener Cullusgemeindeivahle«. Sonntag den 23. November wurden die diesjährigen Wahlen in den Vorstand und in die Bezirkscommissionen der Wiener Cultusgemeinde vorgenommen. Abgegeben wurden 4735 Stimmen, und davon erhielten: Für die Neuwahl mit 6jähriger Mandatsdauer: Cohn Salo. Privatier. 4352 Stimmen Ehrmann Salomon, Dr., k. k. Universitäts- Professor . . . . .. 3339 „ Fleischer Max, Architekt. 4464 „ Rappaport Benjamin, Dr., k. k. Oberfinanzrath . 3387 „ Rosner Salomon, Fruchthändler .... 4410 „ Stein Adolf, Dr., Hof- und Gerichtsadvocat 3398 „ Taußig Gottlieb, Fabrikant . 3339 „ Teltscher Heinrich, Fabrikant. 3221 „ Für die Ersatzwahl mit 2jähriger Mandatsdauer: Kauders Sigmund, Wein-Großhändler, nahezu sämmtliche Stimmen. Von den Candidaten der unter zionistischer Führung vereinigten Opposition erhielten: Brecher Adolf, Banquier.1174 Stimmen Kahn Leopold, Dr., Hofu. Gerichtsadvocat 1414 „ Marmore! Oskar, Architekt .1400 Rappaport Richard. 1269 „ Weisl Ernst Franz, Dr.1313 „ Das Wahlergebniß wurde in der Sitzung des Vertretercollegiums vom 25. November öffentlich verkündet. Eine gerechte und objektive Würdigung der Wahlziffern ist nur möglich durch eine Zusammenstellung mit den Ergebnissen der unmittelbar vorangegangenen Wahl. Bei der letzten Wahl vor zwei Jahren wurden 3150 Stimmen abgegeben; davon erhielten die Oppositionscandidaten Dr. Kahn 1320, Banquier Brecher 1240, Jfidor G ewitsch 1238, Hermann Eltbogen 1407, Dr. Schreiber 1286. Die Oppositionsparteien haben somit trotz ihrer trefflichen Organisation und intensiven ausdauernden Agitationsarbeit einen wesentlichen Stimmenzuwachs nicht erhalten, aber auch keine Verluste erlitten. Eine Einbuße in der Leopoldstadt haben partielle Erfolge in den Sectionen der Peripherien wieder wettgemacht. Bedeutsam bei dieser Wahl erscheint lediglich das starke Anwachsen der Stimmenzahl bei den Majoritätscandidaten, die plötzliche Steigerung, welche die Anzahl der Abstimmenden überhaupt erfahren hat. An sechzehnhundert Wähler sind diesmal mehr zur Wahl erschienen, und fie Alle kamen, um dem amtirenden Cultusvorstand und dem ausgezeichneten Präsidenten ein Vertrauensvotum zu votiren. Diese Bedeutung des Wahlergebniffes springt umso Heller in die Augen und ist umso höher anzuschlagen, als die zwei angesehensten und einflußreichsten Vereine, welche sonst bei den Cultuswahlen in Wien das gewichtigste Wort redeten, sich diesmal der Wahlarbeit vollständig fernhielten. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" hatte sich von der Wahlbewegung gänzlich ausgeschaltet und ihr Präfident, Herr Maximilian Paul - Schiff, hat von allem Anfang an erklärt, daß er nur als Privatmann an die Spitze des Bereinigten Wahlcomitßs treten wolle. Dem Beispiele der „Union" ist der zweitgrößte Verein, der „Politische Bolksverein", nachgefolgt, dessen Präsident, Herr Dr. Fialla, seine Stelle als Obmann-Stellvertreter des Wahlcomites noch vor Beginn der Wahlaction niederlegte. Wählerversammlungen wurden nicht abgehalten und die Führung des Kampfes nach dem Muster politischer Wahlen von Vorneherein verschmäht. Wenn trotz alledem die Zahl Derjenigen, welche ihr volles Einverständniß mit der bisherigen Leitung der Cultusgemeinde manifestiren wollten, fich um volle sechzehnhundert steigerte, so ist dies fast ausschließlich auf das persönliche Eingreifen des Präsidenten Herrn kaiserlichen Rathes Kling er zurückzuführen. Der Präsident hat gerufen und die Wählerschaft hat diesem Rufe freudig und bereitwillig Folge geleistet. Herr kaiserlicher Rath Klinger hat am Tage vor der Wahl an die Wahlberechtigten die Aufforderung gerichtet, an der Urne zu erscheinen. Nicht um eine Beeinflussung der Wähler in der einen oder anderen Richtung war es dem Präsidenten zu thun, sondern um die Bekämpfung jener bedrohlichen Indolenz in der jüdischen Wählerschaft, welche die Gefahr einer Berumpfung des Gemeindelebens in sich schloß. Es muß ihm als ein großes, auf die Zukunft hinaus wirkendes Verdienst angerechnet werden, daß er diese Mahnung, von dem Wahlrechte in den Cultusvorstand Gebrauch zu machen, an die Wählerschaft ergehen ließ. Es offenbart sich darin ein merkwürdiger Wandel der Verhältnisse. Auch der conservative Theil der Wählerschaft gelangt mehr und mehr zu der Erkenntniß, daß in dem Maße, in welchem die Judenschaft aus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.