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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-21 · 47 (21.11.1902) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 47 Dr. BLortz's Wochenschrift. Gelte 777 herrliche Aussicht auf Karlsbad und Umgebung. Primarius Dr.Hofmeister sen. untersuchte in Gegenwart des Anstaltsarztes alle Angekommenen (monatlich werden 32 ausgenommen) und traf dann gemeinschaftlich mit Letzterem die nöthigen ärztlichen Anordnungen. Die Eisenbetten, in denen die Curgäste ruhen, sind sauber und gut; die Reinlichkeit im Hause läßt nichts zu wünschen übrig. Die Zimmereinrichtung ist sehr einfach. Um 5 Uhr Morgens läutet die elektrische Glocke. Man sieht auf und begibt sich zu den diversen Brunnen. Um 8 Uhr wird das Frühstück servirt; dasselbe besteht aus Thee mit Milch und zwei kleinen Semmeln. Um 10 Uhr Vormittags erhalten die Zuckerkranken eine vorzügliche Suppe; die übrigen Patienten müssen des Gabelfrühstückes entralhen. Das Mittagmahl, das präcise mit dem Glockenschlage Zwölf aufgetragen wird, besteht aus Suppe, Rindfleisch mit Sauce oder Gemüse uud einer curgemäßen Zuspeise; es war immer gut zubereitet. Die Zuckerkranken erhalten so große Fleischrationen, wie ich selbe noch nie serviren gesehen habe. Die Jause (4 Uhr) besteht aus Thee mit Milch und zwei kleinen Semmeln. Das Nachtmahl (7 Uhr Abends) ist für die Zuckerkranken reichlich, für die andern Patienten spärlich. Letztere erhalten nämlich zweimal wöchentlich zum Abendessen Fleisch, fünfmal jedoch entweder je zwei weiche Eler oder je em Ei und eine Suppe ohne Semmel. Die Haus- Ordnung wurde von uns Allen eingehalten. Zu bedauern ist es, daß man schon um acht Uhr Abends zu Hause sein muß; es könnte wohl mit Rücksicht auf die langen Tage das Fernbleiben bis neun gestattet werden. Der Primarius besucht während des Monates einigemal, der Anstaltsarzt sehr oft die Patienten. Es ist wohl unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit derer zu gedenken, die dieses ennnent wohlthätige Institut ins Leben gerufen. Eine Gedenktafel im Hause nennt als Gründer die Herren: Salomon Löwy Kuh in Prag, gst. am I. October 18lv. M. I. Landau in Prag, gest. am 4. Mai 1852. Wolsgang Löwenfeld in Prag, gest. am 22. Juni 1879. Marcus Schmelkes in Prag, gest. am 28. Mai 1858. Jsak M. Taussig in Prag. gest. am 23. October 1858. Gottlieb Wehle in Prag, gest. am 14. Februar 188 i. Bernhard Schwalb in Earlsbad, gest. am 23. Juni 1886. Eine andere Gedenktafel bezeichnet als hervorragende Wohlthäter des Institutes: S. v. Bleichroeder. Moritz Freiherr o. Königswarter. Freiherr v. Rothschild. Philipp und Rosalie Reach, Prag. Frau Bertha Paderstein, Berlin. Da sich das hier geschilderte Hospital als zu klein erweist und den Anforderungen der modernen Zeit und Hygiene nicht mehr ganz entspricht, errichteten israelitische Wohlthäler ein neues, großartiges, mit allem Comfort eingerichtetes Hospital, das in Goldbuchstaben den Namen „Kaiser Franz Josef-Regierungs-Jubiläums-Hospiz für arme Israeliten" führt. Dasselbe wurde von dem bekannten Wiener Baurathe und Architekten Stiaßny entworfen und vollendet und gereicht Earlsbad zur Zierde. Es ist äußerst elegant eingerichtet und für hundert Patienten bestimmt. Das Hauptverdieust um das Zustandekommen dieses neuen Hospizes gebührt unstreitig dem Carlsbader Rabbiner und vorzüglichen Kanzelredner Herrn Dr. Ignaz Ziegler. Während das alte Hospital nur Oesterreicher und Reichsdeutsche aufuimmt, wird das neue einen internationalen Charakter haben. Dieses neue Gebäude ist em wahrer Prachtbau, enthält auch einen Betsaal, Bäder, einen herrlichen, großen Garten und entspricht in seinen Einrichtungen allen Gesetzen der modernen Sanität. In der nächsten Saison wird dasselbe eröffnet werden. Es erübrigt mir noch, über die Gesellschaft zu berichten, in der ich den Ferialmonat August im israelitischen Curhause verbrachte. Es waren unser 9 Herren und 22 Frauen. Die letzteren waren meist aus Böhmen, darunter zwei aus Prag, zwei aus Wien, eine aus Ungarn. Von den Herren waren ein Schneidermeister aus Berlin, ein Kaufmann aus Stettin, ein Lehrer aus Ungarn, ein solcher aus Croatien, ein Typograph aus Wien, ein Rabbiner aus Böhmen, ein Cantor aus Mähren, ein Bauer aus Böhmen und meine Wenigkeit. Wir — die Herren — hielten innig zusammen und verbrachten die freien Stunden, besonders bei ungünstiger Witterung, woran der heurige August so reich war, sehr angenehm. Wir versammelten uns im Zimmer Nr. 11 und erzählten von unsere Stellungen und Erlebnissen dies und jenes; hie und da würzte eine drollige Anekdote das Gespräch; auch ernste Stoffe wurden von uns lebhaft discutirt. Dem Berliner Schneidermeister, dessen Anzüge einen tadellosen Schnitt aufwiesen, gebührt das Verdienst, unsere Lachmuskeln durch verschiedene Aufschneidereien des Oeftern aufgeregt zu haben. Ihm sendet gleich den übrigen Hospitalscollegen und Colleginnen auf diesem Wege herzliche Grüße Klattau, im November 1902. Oberlehrer Alexander Baum. Kiterator. Hallet wes im roh. Heber dieses vom Obercantor Mayer S ch o r r veröffentlichte Synagogengesangswerk, über welches wir bereits in voriger Nummer referirt haben, liegen bereits fachmännische Aeußeruvgrn voller Anerkennung vor. Nachstehend mögen einige Urtheile hervorragender Fachmänner eine Stelle finden: Professor Ignaz Brüll-Wien schreibt: »Ihre „Lobgesänge der Synagoge" sind, sowohl vom religiösen wie vom rein musikalischen Standpunkt betrachtet, sehr werthvolle Gesänge; sie vereinen weihevolle Stimmung mit schöner Melodie von oft alterthümlich orientalischem Charakter und mit reicher Stimmführung. Besonders liebe ich „Adonoj sechoronu jeworech“ und ist da die Anfangs- und Schlußmelodie in dem Schönen das Schönste." Obercantor Singer-Wien schreibt: „Ihre, unserem ausgezeichneten Philanthropen Herrn Salo Cohn gewidmete neueste musikalische Veröffentlichung „Hallei wesiniroh“ begrüße ich als e.ue bemerkenswerlhe Bereicherung der altsynagogalen Gesangsliteratur. Sowohl die interessante, stets rationelle musikalische Wortillustcation, als auch die farbenprächtige, doch ruhig hmgleitende Harmonisirung müssen und werden eine ihrer Entstehungsumrahmung entsprechende, glückliche Wirkung ausüben, wozu ich Ihnen herzlich Glück wünsche." Oberrcantor Bachmann - Budapest schreibt: „Das mir zugesandte Exemplar Ihres gediegenen Werkes „Hallel wesimroh“ habe ich mit großer Aufmerksamkeit und steigendem Interesse durchgesehen, und kann ich nicht umhin, zu erklären, daß mir die in demselben enthaltenen Compositionen einen wahren Genuß bereiteten. Ich bin dessen gewiß, daß die geehrten Herren Collegen es nicht unterlassen werden, das Werk, welches allen musikalischen Anforderungen vollkommen entspricht, im eigenen Interesse zu beziehen." Briefkasten. Abonnent. Am 25. Cheschwan fand die Einnahme und Zerstörung von Samaria durch Johann Hyrkan statt. — Die Ausweisung der Juden aus Frankreich im Jahre 1394 war am 26. Cheschwan. F. Der Canonicus Rohling hat sich fünfmal zum Meineid erboten, zweimal hat er ihn vollzogen. B. R. Der bekannte Dichter Wilhelm I e n s e n schreibt über die Juden: „Das Leben hat mich mehrfach in engere Beziehung zu „Juden" gebracht, die ich nach ihren Charakter und Gemüthsbildung oen edelsten mir bekannt gewordenen Menschen beizählen muß, und schamerröthend würde ich mcht wagen können, ihnen ins Gesicht zu sehen, wenn ich mich im Sinne des Antisemitismus über ihre Stammesarl als solche ausspräche. — Robert Keil sagt bei ähnlicher Gelegenheit: „Unter allen den Irrungen des 19. Jahrhunderts erscheint der Antisemilismus als die widerwärtigste." K. Im österreichischen Parlament hielt Herr Dr. Pattai eine Vertheidigungsrede für die Wiener Christlich-Socialen, die er schilderte als Muster der Anständigkeit und Correctheit. der Rechtlichkeit und Unparteilichkeit und beschwerte sich bitter über die Roheit und Rücksichtslosigkeit der Gegner. Seine Parteigellossen wären das Muster der Tugend. Herr Dr. Pattai fügte hinzu: „Es ist möglich, daß über Juden rohe Ausdrücke aus unserer Partei gefallen find." Wie conciliant, wie objectiv, wie gerecht, wie wahrheitsliebend! „Es iü mögsich . . ." Herr Dr. Pattai erlmist sich in seiner Wahrheitsliebe auf derselben Höhe wie die Unparteilichkeit und der Gerechtigkeitssinn des Bürgermeisters Dr. Lueger. H. S. in Budapest. Ein hebr. Wörterbuch für wissenschaftliche Studien hebr.-demsch: Gesenius-Buhl, 13. Auflage; für Mittelschüler: Stade-Siegfried oder Cassel hebr.-deutsch. Allgemein: F ü r st: hebr.-deutsch. Handwörterbuch 2 Bände, Schulwörterbuch i Band. mit mehrjähriger kraxis als Hauslerhrer, der ein hiesiges Gymnasium besucht hat, sucht Stunden oder HoMstorpostoi. ===> Unterrichtet auch Stenographie und hebräisch. Gefällige Zuschriften a. B. D., IX., Liechtensteinstrasse 81, IL Stiege, Thür 17.

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