Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 776 Dr. Bloch's Wmtzvnfchrifk. Nr. 47 Feuilleton. Der Fr«hli«g. Von Sz. Asz. — Uebersetzt von Malwina Blumberg. Frühling! Frühling! Die sündhafte, nichtsdestoweniger jedoch geliebte Erde hat Gott an seinen Busen gedrückt, und ihre Stirn mit einem warmen, innigen Kuß berührt! . . . Und von seinem schöpferischen Athem angeweht, gewann Alles neues Leben. Alles sang das Lied der Freiheit, und weite, bis nun unter dem Schnee träumende Flächen erblühten in wunderbarer Pracht. Hei, die Sonne! die Sonne! Sie sandte den Feldern ihre goldig zitternden Strahlen, den duftenden Blumen ihrer Liebe hellblickende Boten, und die aus ihrem Schlummer erwachenden Flüsse, Berge und Wälder rufen voll Entzücken: »Die Sonne! die Sonne!" Ich bade meine Augen im Sonnenlicht, meine Seele trinkt die Pracht des Frühlings, meine Brust wird so weit im Gefühl der Freiheit. Frühling! Frühling! Um solche Zeit muß es gewesen sein, als Moses nach Egypten kam, um seine Brüder von dem Jahrhunderte lang auf ihnen lastenden Joch der Sclaverei zu befreien. Wischet von euren Stirnen das Zeichen der Sclaverei! Befreiet eure Arme von den erniedrigenden Fesseln! Es ist die Zeit der Auferstehung eures Geistes, denn er ist gekommen, der Frühling! Vom strahlenden Himmel rufet auf euch die Sonne — und Moses harret eurer! Und das Volk erwachte aus seinem Schlafe, warf von sich die erniedrigenden Fesseln und verließ das Land der Verbannung. Vor ihm einher schreitet eine Feuersäule, und gleich einem Banner der Freiheit weist sie ihm den Weg. Jeder der Knechte fühlt in seiner Brust die singende Pracht des Frühlings, und am Himmel und in den Seelen Aller herrscht strahlender Sonnenschein! . . . * * * . . . Ich werde in das Gotteshaus treten, die Thür der »Heiligen Lade" feierlich öffnen, das Schofar herausnehmen und aufs Feld damit gehen. Ich gehe aufs Feld, erklimme den höchsten Berg, und auf seinem Gipfel stehe» bleibend, schmettere ich triumphirende Klänge in den weiten Raum. »Tkuo! Truo!" »Höret! Es ist Zeit, zu erwachen aus dem Winterschlaf, denn er ist da — der Frühling! »Gott hat seine geliebte Erde an seinen Busen gedrückt, und ihre Sttrn mit einem warmen, innigen Kuß berührt! Und von seinem schöpferischen Athem angeweht, hat Alles neues Leben gewonnen, Alles singt das Lied der Freiheit, und wette, bis nun unter dem Schnee ttäumende Flächen sind in wunderbarer Pracht erblüht! »Hei, die Sonne! die Sonne!" * * * Aber Knechte müßt ihr bleiben, so lange ihr die Sonne nur mit dem leiblichen Auge betrachten werdet. In der Natur ist es Frühling geworden, aber eure Seelen sind noch im tiefen Winterschlaf versenkt. Hei, der Frühling! der Frühling! Hei, die Sonne! die Sonne! Ende. Gebe« ist seliger de«« Dehme«. Ueber das Capitel von dem Vergnügen, von der Freude am Geben oder Schenken ist schon viel Tmte verschrieben worden, und ich habe jüngst erst in einer Zeitschrift eine Abhandlung darüber gelesen, in welcher der Verfasser auf Grund gemachter Beobachtungen und Erfahrungen datthut. daß beim Geben nicht immer das gute Herz, sondern auch gewisse psychologische Momente ausschlaggebend sind. Ich will hier nicht des Näheren auf diese Ausführungen eingehen und nur bemerken, daß die Beobachtungen des Verfassers sich mit den von mir gemachten vollständig decken und auf Richtigkeit beruhen. Was mich zu diesen Zeilen veranlaßt, ist der im jüngsten'Hefte der „Oesterreichischen Wochenschrift" erschienene Artikel „Oeffentliche Wohlthätigkeit". Der geschätzte Autor, der das bevorstehende Ehanukafest und d>e damit verbundenen üblichen Kinderbekleidungen zur Grundlage seines Artikels macht, steht diesbezüglich auf dem Standpunkte der Ethik und spricht mir — ich bekenne es offen — aus der Seele. — Aber der Herr Verfasser, dessen Intentionen gewiß die edelsten sind, hat eben nur das ethische Moment im Auge und vergißt, daß jede Sache zwei Seiten hat. Wenn ich auch zugebe, daß — nehmen wir die Bekleidung armer Schulkinder als Beispiel — das vom Verfasser verurtheilte Zurschaustellen der bekleideten Kinder der cthffchen Seite entbehrt, so muß ich auch anderseits betonen, daß — so beschämend es auch sein mag — gerade diese Schaustellung zur Bedingung der Prosperität eines derartigen Vereines gemacht wird. Schreiber dieser Zeilen ist zufällig Obmann eines Vereines zur Bekleidung armer Schulkinder und ferne Beobachtungen und Erfahrungen gipfeln in Folgendem: In erster Linie stehen die beitragenden Mitglieder eines solchen Vereines auf dem Standpunkte, sich überzeugen zu wollen, wie mit ihrem Gelde gewirthschaftet wird und ob der Verein auch seinen Verpflichtungen nachkommt, und diese Ueberzeugung kann eben nur auf dem Wege der Demonstration ad oculus gegeben werden, während eine Controle der Vereiusgebahrung in der von dem Herrn Verfasser angedeuteten Weise ganz unmöglich wäre. Anderseits liegt es nun schon einmal in der Natur des weitaus größeren Theiles der „öffentlichen Wohlthäter", daß auch „ihre Linke wisse, was die Rechte thut", denn darin mag wohl die „Seligkeit des Gebens" liegen, der Welt gegenüber als „öffentlicher Wobllhäter" zu gelten; das beweisen ja auch die großen Sammlungen, wo man größere gespendete Beträge unter vollem Namen ausgewiesen findet, während sich kleine Spenden meist unter dem bescheidenen Pseudonym N. N. bergen; und wie es im Großen ist, so auch im Kleinen Der Spender, welcher für irgend einen Humanitären Verein irgend einen Betrag hergibt, will dafür wenigstens die Genuglhuung, zu sehen, was mit diesem Betrage geschieht, und wenn man diesem — unter den angeführten Umständen sozusagen — berechtigten Wunsche nicht Rechnung trüge, so würden — wenn wir das Beispiel der Kinderbekleidung festhalten, noch weitaus weniger Kinder die Wohlthat der Betheilung genießen, wie es bisher der Fall ist. Ich komme nun zur ethischen Seite meiner Ausführungen. Wer einmal Gelegenheit hatte, zur Zeit einer bevorstehenden Bekleidung zu beobachten, wie sich die armen Leute dazu drängen, einem ihrer Kinder die Bekleiduug zu sichern, wie sie um die Protection dem Vereine nahestehender Personen bnhlen und welche Kniffe oft angewendet werden, eine solche Protection zu ergattern, der wird von Ethik nicht sprechen, umsoweniger, als ja zumeist Kinder eines Bezirkes betheilt werden, die einander kennen und deren Eltern im Bezirke als arme Leute bekannt sind. Von einer Verletzung des ethischen Gefühles kann daher nicht die Rede sein und auch nicht davon, daß der Neid und das Gefühl der Bitterkeit in den Kindern geweckt wird, wenn man sie in den hell erleuchteten Saul führt, um den Anwesenden zu zeigen, daß die „öffentliche Wohlthätigkeit" wieder einmal so und so viele arme Kinder vor des Winters Unbill geschützt hat; ein Moment übrigens, auf welches sich sowohl die betreffenden Kinder, als auch deren Eltern herzlich freuen und die den Titel dieses Artikels variirend sich sagen: Nehmen ist seliger denn geben". Julius Wo ttitz. Gin Mo«at im israelitischen Hospital z« Karlsbad i« Kahme«. „Mau soll gleich zum Schmiede, nicht zum Schmiedel gehen", sagt der Volksmund. Ich befolgte diesen Rath und begab mich zum „Schmiede der Diagnostik", Herrn Docenten Dr. Münzer nach Prag. Nach einer gründlichen, eine Stunde währenden Untersuchung constatirte der Genannte, daß ich an Nervosität des Magens, hervorgerufen durch Ueberanstrengung, litte. Herr Dr. Münzer gab mir Verhaltungsmaßregeln mit auf den Weg und sandte mich nach Karlsbad. Zu Hause angelangt, wandte ich mich an die löbliche Direction des Karlsbads israelitischen Hospitales in Prag, als deren Präses Herr kais. Rath L. Haurowitz fungirt, mit der Bitte um einen Freiplatz für den Monat August. Meinem Ersuchen wurde willfahrt und am Elften des genannten Mondes pilgerte ich in Karlsbad der Anhöhe zu, auf der sich das israelitische Hospital befindet. Mit beklommenem Herzen trat ich ein; denn ich hatte nicht viel Rühmenswerthes über die Anstalt erfahren. Ich muß gleich eingangs bemerken, daß alle diese Gerüchte zum größten Theile jedes Grundes entbehren. Das Hospital ist ein schöne-?, zweistöckiges Gebäude sammt einem Mezzanin. In letzterem befindet sich die Küche, der Speisesaal, das Verwaltungs- und Ordinationszimmer des Anstaltsarztes Herrn Dr. Siegmund Lang und die Wohnung der Verwalterin, der Doctorswitwe Frau Lang, der Mama des genannten Arztes. Diese führt eigentlich das Regiment und ist eine energische, resolute Frau, was mir von Wichtigkeit scheint; denn die häusliche Wirtschaft eines solchen Institutes bedarf einer gewissen Energie und Disciplin. Die Zimmer enthalten zumeist theils e zwei, theils je vier Betten, sind hoch, licht, freundlich und luftig. Sie befinden sich im ersten und zweiten Stockwerke und gewähren eine