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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-07 · 45 (7.11.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
45 (7.11.1902)
Date
1902-11-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Str. 45 Sette 733 Dr. Bloch's WochrnfchrM zur Verurtheilung Dreyfus' führte, sei von Dreyfus' Hand geschrieben. Warum legen sie nicht die Waffen nieder? Aber Geduld! Das ist mein letztes Wort: Die Frage der Gerechtigkeit, wenn es sich um die Unschuld und die Ehre eines Mannes handelt, ist unverjährbar. Im Namen des Gesetzes wird eines Tages trotz Allem die Rehabilitirung Dreyfus' ausgesprochen werden. An diesem Tage werden Jene, die uns überleben, eine schöne Mission zu erfüllen haben. Sie werden auf das Grab Zola's das Urtheil tragen oder es am Sockel seines Denkmals eingraviren müssen — dieses Urtheil, welches seinen Anklagebrief vollkommen rechtfertigen und das Buch „Justice" ersetzen wird, das seine zu früh erstarrte Hand nicht mehr Zeit hatte zu schreiben. Dieser Tag wird ein Tag der Gloristcation sein für Zola, für Dreyfus, für die Gerechtigkeit, für Frankreich." Petersburg. Die in den nächsten Tagen in Petersburg zusammentretende Rabbinerconferenz wird sich ausschließlich mit dem von der Regierung kürzlich veröffentlichten und von uns bereits skizzirten Gesetzentwurf über die Ehe, insoweit derselbe die Juden betrifft, befassen. Leider wird den einberufenen Rabbinern nur der Abschnitt über die Abschaffung der Chalizzah sowie die Bestimmungen über die Trennung oer Ehe verlassener Frauen zur Begutachtung vorgelegt werden; die übrige in die Reinheit der jüdischen Familie tief einschneidende anderweitige Bestimmung über die Trennung jüdischer Ehen gedenkt die Regierung selbstherrlich, und ohne erst die Betheiligten zu befragen, zu erledigen. Das Wichtigste in dem ganzen Gesetzentwurf sind §§ 163 und 190. § 163 trennt auf Wunsch einer der beiden Ehegatten eine Ehe, wenn 1. einer der beiden Ehegatten spurlos verschollen (Agunoh), 2. wenn er zur Verbannung nach Sibirien verurtheilt worden ist, 3. wenn einer der Ehegatten dem andern nach dem Leben trachtet oder dasselbe sonst in Gefahr bringt. § 190 gestattet die Trennung der Ehe auf einseitigen Wunsch eines der Ehegatten, wenn 1. die Ehe 10 Jahre nach stattgehabter Verheiratung kinderlos geblieben ist, 2. wenn einer der Ehegatten an einer ansteckenden oder ekelerregenden Krankheit erkrankt ist, 3. wenn er 3 Jahre lang an einer unheilbaren Geisteskrankheit leidet, 4. wenn einer der Ehegatten den anderen Theil schwer beschimpft hat, und 5. wenn einer der Ehegatten den anderen zur Begehung eines Verbrechens oder einer Unkeuschheit zwingen will. Alle diese Gründe zur Trennung einer Ehe kennt das jüdische Gesetz nicht, welches überhaupt zur Trennung einer Ehe bekanntlich unter allen Umständen die beiderseitige Zustimmung der Betheiligten verlangt. London. Die Reisen des bekannten englischen Majors Gordon durch die großen Ghettos von Rußland, Galizien und Rumänien haben bewirkt, daß dieser große aber ehrliche Fremdenhasser bekehrt und aus einem hartnäckigen Gegner der in England einwandernden Juden ein warmer Freund derselben wurde. Es wiederholt sich hier die alte Geschichte von Bileam, dessen Fluch sich schließlich in Segen verwandelte. Gleich nach seiner Rückkehr nach London theilte Major Evans Gordon brieflich Herrn Sokolow, dem Herausgeber der „Hazefirah" in Warschau, seine Absicht mit, im Parlament eine Interpellation über die Stellung der englischen Regierung zur Judenfrage in Rumänien einzubringen. Am 20. d. M. hat Major Gordon sein Versprechen eingelöst und an den ersten Lord des Schatzes Mr. Balfour, die Frage gerichtet, ob die Note der amerikanischen Regierung wegen der Behandlung der Juden in Rumänien veröffentlicht werden und ob dem Hause Gelegenheit gegeben werden wird, die Frage zu besprechen. Wegen vorgerückter Zeit mußte die Antwort schriftlich ertheilt werden, dieselbe lautete: „Die Correspondenz über die Note der Regierung der Vereinigten Staaten, auf die mein verehrter Freund Bezug genommen hat, ist noch nicht abgeschlossen, und bin ich daher nicht im Stande, den wichtigsten Theil der Anfrage zu beantworten". Philadelphia. (Ein jüd i s ch er H eld.) Viele Ihrer Leser werden sich erinnern, vor einigen Monaten in den Zeitungen gelesen zu haben, daß ein Gelehrter, Namens H e i l p r i n, nach Martinique gereist war, um den damals Tod und Verderben speienden Mont Pelöe daselbst zu besteigen. Furchtlos erklomm der tapfere Gelehrte den in Feuer und Rauch gehüllten, einen Regen feiner glühender Asche auswerfenden Vulcan bis dicht vor dem Krater und machte da eine Reihe werthvoller Beobachtungen, über welche er dann der „American Geographica! Society" Bericht erstattete. Um diesen Bericht durch weitere Beobachtungen an Ort und Stelle zu ergänzen, reiste Professor Heilprin zum zweiten Male nach Martinique und bestieg am 30. August abermals den Mont Pelße. Die Atmosphäre war voll Elektricität, aus dem Hauptkrater drang eine gewaltige 1000 Fuß dicke Rauchsäule zum Himmel empor und verkündete dem erfahrenen Auge des kühnen Forschers, daß ein neuer Ausbruch unmittelbar bevorsteht. Dennoch wagte Professor Heilprin den Aufstieg und, sich in Rauch und in nächtlicher Finsterniß durch eine dicke Schichte glühender Asche den Weg bahnend, gelang es dem jüdischen Helden, bis 400 Fuß vor dem Krater vorzudringen. Fünf Stunden später erfolgte der zweite Ausbruch des Mont Pelße, welchem 200 Menschenleben zum Opfer fielen. Die Amerikaner glaubten nun, daß auch der kühne Forscher bei dieser Gelegenheit ums Leben gekommen ist, und betrauerten bereits dieses neueste Opfer der Wissenschaft. Glücklicherweise ist diese Befürchtung nicht eingetroffen. denn Professor Heilprin kehrte am 14. August ganz unverhofft nach Philadelphia zurück und wurde von den Mitgliedern der dortigen geographischen Gesellschaft, deren Präsident er ist, mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. Profeffor Angelo Heilprin ist der Sohn des bekannten jüdischen Encyklopädisten Michael Heilprin, eines geborenen ruffischen Juden. Noch als ganz junger Mensch istAnfangs der Bierziger-Jahre Michael Heilprin aus Russisch-Polen nach Ungarn ausgewandert, wo er als Secretär K o s s u t h' s an der ungarischen Revolution von 1848 hervorragenden Antheil nahm. Nach Niederwerfung des Aufstandes floh er nach Amerika, wo er ein wahrer Wohlthäter der auf den Hochschulen von Philadelphia studierenden ruffich-jüdischen Jugend geworden ist. Die Tapferkeit des Vaters scheint in vollem Maße auf den Sohn übergegangen zu sein, der ein kühner Reisender und ein waghalsiger Bergsteiger geworden ist. Einen großen Theil seines thatenreichen Lebens hat dieser heldenmüthige jüdische Gelehrte auf wissenschaftlichen Reisen zugebracht, auf welchen er Asien, Afrika und die Halbinsel Alaska besucht hat und die höchsten bisher als „uneinnehmbar" geltenden Berggipfel Central- und Südamerikas bestiegen hat. Auch die arktischen Länder hat, in der Suche nach dem Nordpol, Profeffor Heilprin bereist, zum letzten Male im Jahre 1891, wo er den verschollenen Lieutenant P e a r y in den Eisfeldern Grönlands ausgesucht und glücklich heimgebracht hat. Seine jüngste Heldenthat, die zweite Besteigung des Mont Pelöe, hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Ein ungeheurer Lavaklumpen, so groß wie eine Tonne, stürzte vor seinen Füßen nieder, als er und sein Begleiter sich bereits außerhalb des Bereiches der Eruption wähnten. Der zweite Ausbruch des Mont Pelse war noch weit heftiger als der erste, und wenn diesesmal statt 40.000 nur 200 Menschen dabei ums Leben gekommen sind, so rührt es nur daher, daß im weiten Umkreise des Bulcans jetzt kein lebendes Wesen mehr wohnt. Professor Heilprin war viele Jahre hindurch Curator der naturwissenschaftlichen Akademie zu Philadelphia gewesen. Vernnlchtes. Zur jüdischen Wirtschaftsgeschichte. Ueber dieses Thema beginnt Herr Siegmund Mayer am 8 d. M. in der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" einen Cyclus von Borträgen. Der erste derselben, den wir weiter unten anzeigen: „Die öconomischeEntstehungderWienerJudens ch a f t" bringt die G e n e s i s des jüdischen Waarenhandels in Wien; der zweite demnächst stattfindende „die Gegenwart und Zukunft desselben". Diesem soll sich in weiterer Folge ein dritter: „Die Geschichte des Wiener Getreidehandels" anschließen. Wir können es nur als ein höchst dankenswerthes Unternehmen begrüßen, wenn ein genauer Kenner der Wiener Stadt-, wie der Gewerbe- und Handelsgeschichte sich diesem bisnun brach liegenden Gebiete zuwendet. Holen sich doch die Antisemiten ihre Hauptwaffen aus der gefälschten Darstellung der wirthschaftlichen Thätigkeit der Juden früherer wie jetziger Zeit. Die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" versendet nachstehende Einladung: Im Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, l., Eschenbachgasse 11, findet am Samstag den 8. November 1902, präc. halb 8 Uhr, eine Plenarversammlung mit der Tagesordnung: Einlauf, und einem Bortrage des Herrn Siegmund Mayer: „Die ökonomische Entstehung und Entwicklung der Wiener Judenschaft", statt. — Um Störungen zu vermeiden, wird um pünktliches Erscheinen ersucht. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der ».Chewra-Kadischa" in Wien. I.. Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Moises Straschnow von Herrn Julius Straschnow und Familie, VI., Aegidigasse 20, K 100.—.

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