Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Uv. 44 Dl*» BIOCH’S Iahrgan, XIX Centrslorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Wie«, 31. Ortoder 1SV2. - >» -H» »^- - Lrsch eint jeden Freitag. --n—>-»- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. X — — -x K. k. poßfparraflTen-Bntt Clearing-Verkehr Nr. 810 976. NrLarlion und AdministraNo» Vien IX/l, Berggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. s- — - m= Bejugapret* fitr Srflrrrrtch Halbjährig 8 Lronea. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Aronea. Banzjährig 20 Anzeige«: Die4malgepalte« Petitzeile 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Rumänische Lügen. — Aus der zionistischen Bewegung. — BomJahrmarkt desLebens: Glossen zur Tagesgefchichte. Ein Hochofen vor 3000 Jahren. Bald so, bald so. Eine interessante Entscheidung des höchsten Badischen Verwaltungsgerichtshofes. Das Ophir der Bibel. Der Allgemeine israelitische Bund an den Präsidenten Klinger. — Correspondenzen: „Die Arbeitsscheu der Juden." Wien, Krumau, Lemberg, Ahlem bei Hannover, Bucarest, Florenz. Die Bestätigung des neuen Lord- Mayors von London. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Lomnitz, Lemberg, Serajewo, Zala-Egerszeg, Warschau, Odessa, Troppau. — Feuilleton: Bilder aus Sibirien. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Rumänische Hägen. Unter dem gewaltigen Eindrücke der amerikanischen Note über den von Rumänien begangenen Vertragsbruch haben die in Rumänien und außerhalb Rumäniens lebenden und von Rumänien mehr oder weniger reichlich gefütterten Reptilien sich in ihre Höhlen zurückgezogen und das antisemitische Lumpengesindel allein den Kampf führen lassen, um die Wirkung der amerikanischen Note auf die civilisirte Welt, in der das gegebene Wort hochgeachtet, der Wortbruch aber, von wem immer er ausgehen mag, verachtet wird, abzuschwächen. Da aber den Einen ihr Schreien nichts genützt hat, um die Welt zu überzeugen, daß Niemand ein Recht habe, Rumänien seine Treulosigkeit vorzuhalten, und daß nach fünfundzwanzig Jahren selbst ein wirkliches Recht schon erloschen sei, daß Niemand ein Recht habe, die Judenfrage gegen Rumänien aufzuwerfen, weil diese Frage eine „innere" Angelegenheit des Landes sei, so kommen jetzt die anderen Reptilien wieder aus ihren Löchern hervor und wollen Rumänien vor Europa weiß waschen. Echte Mohrenwäsche! Vergebliches Mühen! Auch wenn sie in „großen" Zeitungen, wie in der „Kölnischen", den ihnen aufgetragenen Mist abladen, vermögen sie die schlechte Waare nicht mit dem Renommee der Zeitung zu decken, sondern sie können nur bewirken, daß die Zeitung umso tiefer in der öffentlichen Achtung sinkt, je weniger sie an solchen Einsendungen Kritik übt und je öfter sie sich zum Werkzeuge gedungener Lügner hergibt. Und nicht nur diese „große" Zeitung, sondern auch noch andere werden dazu benützt, um über Rumänien falsche Anschauungen zu verbreiten, die Judenfrage blos als eine wirthschaftliche darzustellen, den Rechtsstandpuukt zu verdrehen oder zu verwischen und die öffentliche Meinung irre zu leiten. Welchen Zweck man in Rumänien mit dieser Verbreitung von Lügen verfolgt, liegt auf der Hand. Rumänien hat den fremden Credit in Anspruch genommen und wird ihn über kurz oder lang wieder in Anspruch nehmen. Wenn man sich auch heute mit der Reduction der Beamtengehalte und äußerster Anspannung der Steuerschraube, Unterlassung der dringendsten Investitionen, Vernachlässigung der Verkehrsentwicklung behilft, um ohne Deficit auszukommen, wenn man auch durch Festlegen des Budgets auf sechs Jahre die ganze wirthschaftliche Thätigkeit der Kammern illusorisch macht, die dann, um ihre Existenzberechtigung vor ihren Wählern zu erweisen, die brutalste Judenverfolgung insceniren — und wenngleich die Ern^e eines oder zweier guten Jahre die Noth der Bauern zeitweilig banlck — auf die Dauer kann dieser von einer corrupten Beamtenschaft ausgesogene, von gewissenlosen Abgeordneten mißleitete, in wirthschaftlicher und kultureller Beziehung zurückgebliebene Staat nicht ohne fremde Hilfe be- ' stehen, und um dieser für spätere oder frühere Tage nicht durch seinen Vertragsbruch verlustig zu werden — werden die Lügen verbreitet, daß die Judenfrage eine innere Ang - legenheit sei. versucht man der Welt Sand in die Augen za streuen, indem man vorgibt, es seien keine Ausnahmsgesetztseit 1878 gegen die Juden erlassen worden. Die rumänischen Ausnahmsgesetze gegen die Jüdin sind allgemein bekannt und wurden wiederholt in der europäischen Presse chronologisch zusammengestellt. 1864. Gesetz, welches den Juden den Advocatenstand verschließt. - 1866. Constitution, deren Artikel 7 alle Juden zu Fremden macht. 1873, 28. März. Gesetz, welches den Juden den Spirituosenhandel untersagt. 1881, 6. April. Gesetz, welches der Polizei das Recht der Hausdurchsuchung und Ausweisung zugesteht. 1881, 4. Juli. Gesetz, welches die Berufe der Geldwechsler und Commissionäre ausschließlich den Rumänen vorbehält. 1883, 18. Juli. Gesetz, wodurch Lotterien unterdrückt wurden. (Mehr als 1000 jüdische Familien sind durch dasselbe brotlos geworden.) 1884, 17. März. Gesetz, welches die Colportage verbietet. (5000 jüdische Familien sind hiedurch ihres Erwerbes beraubt.) 1884, 8. Juni. Gesetz, welches den Juden das Plaidiren vor den Friedensrichtern untersagt.