Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 42 (17.10.1902)
- Date
- 1902-10-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Kr. 42 Dr. Bloch's Dortzrnschrifk. Sette 887 in London (The Jewish Colonial Trust) verboten hat. Die Actien dieser Bank haben in Russisch-Polen unter den Zionisten große Verbreitung gefunden. In Lodz allein sollen für 100.000 Rubel, in der Umgegend von Lodz fürmehr als 30.000 Rubel Actien verkauft worden sein. DasVerbot istdie erste Anwendung einer kurz vorher erlassenen Bestimmung, die dem Finanzminister das Recht einräumt, nach Uebereinkunft mit dem Minister des Aeußern diejenigen Actien und Obligationen zu verbieten, deren Einfuhr den Staatsinteressen zuwiderläuft. F. H. Sonnenfels, dem das Standbild vordem Rathhans gilt, war der Sohn eines Rabbiners R. Vom Zionisten-Congreß in Minsk wird berichtet: Herr Günzberg hielt bei dieser Zusammenkunft eine mehrstündige begeisterte Rede, in der er die. althebräische Sprache pries und den Zionisten als nationale Sprache 8er Juden anempfahl. Die anwesenden Zionisten gaben ihrer Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Redners durch anhaltenden Beifall Ausdruck. Danach betrat Herr Lokolow, der Herausgeber des „Hazefirah", die Tribüne und redete die Versammlung im reinsten Hebräisch an. Aber schon nach wenigen Minuten wurde er mit großem Lärm unterbrochen, und die begeisterten Zionisten brüllten den Redner entgegen: „Russisch reden! russisch reden! russisch reden!" S. Im Gegensatz zu den österreichischen Preßbestien der antisemitischen Secte, welche aus Anlaß des Ablebens Emile Zola's ihren ganzen Geifer gegen das Judenthum ausspieen, sagt die ehrliche ultramontan — katholische „Schlesische Volkszeitung" den französischen Katholikenbittere Wahrheiten: „Das Eintreten Zola's für den angeblichen „Verräther" Dreyfus ist in Frankreich sowie im Auslande sehr verschieden beurtheilt worden. Der Erfolg hat dem kühnen Angreifer der Generalstabspartei un Großen und Ganzen Recht gegeben; wenn auch eine förmliche Freisprechung Dreyfus' nicht erreicht wurde, so ist doch thatsächliche Befreiung des Unglücklichen erzielt, die Schuldlosigkeil desselben höchst wahrscheinlich gemacht und die Bosheiten und Dummheiten seiner Ankläger in überraschender Weise aufgedeckt worden. Die Verdächtigungen, als ob Zola wegen materieller Vortheile oder in einer Art Freimaurerdienst sich zum Sachwalter vorgedrängt habe, sind bei ruhigem Rückblick gewiß nicht haltbar. Der Mann handelte offenbar aus ehrlicher Entrüstung und Theilnahme und trat mit einer Tapferkeit, die unter den damaligen Verhältnissen wirklich nicht gering war, für das ein, was er als Recht erkannte. Daß er sich in Dinge mischte, die seinem Berufe fern lagen, war wohl zum Theil auf ein übermäßiges Selbstbewußtsein zurückzuführen; die Ueberschätzung seiner Volksthümlichkeit hat er ja auch durch die verächtliche Behandlung im Gerichtssaal und durch die Gehässigkeit „seines" Pariser Publicums bitter büßen müssen. Unsere Gesinnungsgenossen in Frankreich sollten den Tod des Dreyfusanwalts zu einem kleinen Rückblick benutzen auf die unerquickliche Rolle, welche die katholische Partei in jener „Affaire" gespielt har. Sie glaubte sich mit den Gegnern des Dreyfus solidarisch machen zu sollen, wie einst mit Boulanger. Und wie einst Boulanger sich als ein verlotterter Schwachkopf entpuppt hatte, so brach auch die ganze Generalstabspartei nebst dem „Nationalismus" in ihren Thorheiten und Unthaten elend zusammen. Wir haben damals gleich gesagt, daß die Katholiken die Zeche zu bezahlen haben werden, und jetzt ist der Culturkampf ja auch da. Auf eigenen Füßen stehen die französischen Katholiken aber noch nicht." Das klingt ganz anders, als die famosen Reden des Prinzen Liechtenstein und seiner Wiener Parteifreunde. K. Der am 1. Oktober in Paris im Alter von 79 Jahren verstorbene Brigadegeneral der Artillerie in Reserve B. Abraham entstammte einer angesehenen jüdischen Familie in Nancy, wo sein Vater Mitglied des israelitischen Consistoriums war. Im Krimkriege erhielt er für tapfere Führung bei Sebastopol das Ritterkreuz der. Ehrenlegion. Auch am italienischen und deutsch-französischen Krieg hat er theilgenommen und erhielt nachher das Officierskreuz der Ehrenlegion. R. Der berühmte Professor an der medicinischen Facultät an der niederländischen Universität I. B. S t o k v i s, der in der Geschichte der Medicin sich eine hervorragende Stellung erobert hat, war ein treuer Jude und Vorsteher des niederländisch-israelitischen Krankenhauses in Amsterdam. „Germanischer Moralprediger." Ein wirklich prachtvoller Kerl ist doch der Heimdall, „Zeitschrift für reines Deutschthum und All-Deutschthum, zugleich Vereinsblatt des Alldeutschen Sprach- und Schriftvereines, des Allgemeinen deutschen Schristvereins und anderer Vereine, Herausgeber, Schriftleiter und Verleger Adolf Reinecke." Im Sprechsaal der Nr. 19, datirt „Berlin, den 1. Gilbhart 2015/1902", finden wir höchst gediegene „Beiträge zur Deutschkirche", deren tiefer Gedankeniuhalt sich am besten aus folgenden Sätzen erkennen läßt: Um aber auch den kristeugegnerischen Deutschkirchlern zu beweisen, daß die Lehren Jesus Krists sich mir germanischen Herzens- und Gemüts- Anschauungen segensvoll vereinigen lassen, ziehe ich gerade den so heiß umstrittenen kristlichen Glaubenssatz von der „Feindesliebe" zur Probe heran. Vorausgeschickt sei. daß nach obigen Grundanschauungen der „Nächste" des Germanen natürlich nur der Germane sein kann. Dieser deutschkristliche Grundsatz würde etwa lauten: Wehe Dir Germanin, wehe Dir Germane, so Du Deinen (germanischen) Nächsten mordest oder knechtest, so Du Dein Edelblut vermischest, so Du Dein Volk und Vaterland verleugnest und verrätst; Du hast den göttlichen Geist in Dir verleugnet. Du hast Gott entheiligt und bist verflucht! Du sollst aber auch Deinen (gernianischen) Nächsten nicht kränken und beleidigen, ihn nicht schlagen, denn du beleidigst und schlägst den göttlichen Geist in ihm. Du entheiligst Gott, sondern Du sollst Deinen (germanischen) Nächsten, Dein Volk und Vaterland lieben über alles in der Welt, so wie Dich selbst! Und schlägt Dich Dein (germanischer) Nächster auf eine Wange, oh, so sei auch ein Held im Verzeihen und Dulden. Habe Mitleid und Erbarmen mit den Fehlern und Schwächen Deines Nächsten, Deines Volkes! Schlägt und beschimpft Dich (Deinen Nächsten oder Dein Volk) aber ein Fremdling, so schlage ihn nieder, denn er hat den göttlichen Geist geschlagen und ist des Todes schuldig. - - -. - DrtiihfttfUtnr. "" Allen verehrten Collegen, Freunden und Bekannten, von Nah und Fern, die mich gelegentlich der hohen Feiertage mit Glückwünschen erfreuten, entbiete ich hiemit innigen und herzlichen Dank. Obercantor Singer» Wie». Der Derri« für ««entgeltlicher» Arbeitsnachweis, Wie«, ll., Taborstraße 59 (Telephon Nr. 13920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt» »:r männliche und weibliche qualificirte Arbeitskräfte» sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 11. Oktober 1902 standen in Vormerkung: I. Claffe: Manuelle Arbeiter 1 Anstreicher 7 Aufpapper 5 Bäcker 8 Buchbinder 2 Buchdrucker i Cartonnagearbeiter 6 Fleischhauer 4 Friseure x Glaser 9 Goldarbeiter und Silberarbeiter 18 Hausknechte,Geschäfts-u. Bureaudiener 47 Hilfsarbeiter 1 Kellerarbeiter 8 Kellner 2 Kürschner 5 Kutscher 2 Lautburschen 8 Lehrlinge 2 Magazineure 4 Maschinisten und Heizer 7 Metallarbeiter r Monteur 28 Sch osser 10 Schneider r Schriftsetzer r Schuhmacher 6 Spengler 2 Tapezierer 4 Taschner 2 Tischler 9 Uhrmacher 2 Zeichner 5 Zimmermaler 3 Zuckerbäcker II. Claffe: Kaufmännische 91 n g e ft eilte. 6 Branntweinverschleisser 26 Buchhalter und Correspondenten 99 Commis diverser Branchen 5z Comptoiristen und Strazzisten 3 Incassanten Weibliche 8 Kanzlisten und Schreiber 3 Manipulanten und Expedienten 6 Platzagenten 44 Praktikanten | 2 Reisende Abtheilung. 14 Bonnen und Kindergärtnerinnen 72 Comptoiristinnen u. Kanzlistinnen 2 Dienstmädchen 8 Expedientinnen und Manipulant. 5 Hillsarbeiterinnen r Kindermädchen 2 Köchinnen 2 Miedernäherinnen 2 Modistinnen 6 Näherinnen 30 Praktikantinnen 39 Verkäuferinnen 4 Verschleisserinnen 7 Wirthschalterinnen und Stützen der Hausfrau Ul. Claffe: Geistige Arbeit. 4z Hauslehrer u. Hofmeister(meistens 1 6 Lehrerinnen und Erzieherinnen Hochschüler .welcheGyranasiasten j und Realschüler unterrichten) j Das Bureau des Vereines hat seit seiner Eröffnung im November 1888 bis incluflve 11. Oktober 1882 — 5042 Vermittlungen durchgeführt, und zwar: 2823 Vermittlungen in der I. Claffe ^manuelle Arbeiter)» 1130 „ »» ,» 1L „ (Handelsangestellte)» 1428 „ „ „ weiblichen Mbtheiluug 100 „ „ .. III. .. (geistige Arbeit). Israelitische Cultusgemeinde Wien. Kundmachung. Sonntag den 19. October d. I. um 10 Uhr Vormittags finden die Einschreibungen für den Barmizwah- Vorbereitungscurs in der Religionsschule I, Seitenstettengasse Nr. 2, II. Stock statt. Dieser unentgeltliche Curs ist nur für unbemittelte Schüler bestimmt Wien, 13. October 1902. Der Vorstand.