Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 40 (5.10.1902)
- Date
- 1902-10-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Rr. 40 Dr. Bloch's Wochrnschrifl. Sette «47 die Josef Spitzer'sche Stiftung für Arme (4 Plätze k K 60.-); die Heinrich Krall'sche Widmung für kranke Männer (10 Plätze aU-); die Benedict Karplus'sche Stiftung für Gewerbeschüler (2 Plätze k K 54.-); die Salomon Altmann'sche Waisen-Stiftung (2 Plätze k L 58.-); die, Nathan und Jda Figdor'sche Wöchnerinnen - Stiftung (1 Platz zu L 17.-); die Abraham Adolf Kuh'sche Sterbegedächtniß - Stiftung (2 Plätze 11 20.-): die Betti Horschetzky'sche Armen - Stiftung (2 Plätze ä K 8.40); die Ignaz und Eleonore Fluß'sche Techniker-Stiftung l l Platz zu L 80.—): die Hermann Kohnberger'sche Wohlthätigkeits - Stiftung (2 Plätze ä K 19.50); die Eitel Goldschmidt'sche Krankenwärter-Stiftung (1 Platz zu L 60.—); die Eitel Goldschmidt'sche Lehrerswitwen-Stistung (1 Platz zu K 200.-); die Eitel Goldschmidt'sche Techniker-Stiftung (1 Platz zu L 200.-). Ueber Antrag des Herrn Vertreters Oberingenieur v. Mises wird behufs Anschaffung von Dienstkleidern für die Bediensteten des Friedhofes ein Nachtragscredit bewilligt und wird die Anschaffung im Wege einer beschränkten Offertverhandlung beschlossen. Herr Oberbaurath T a u f f i g berichtet über die im Ottakringer-Tempel auf Grund der Beschlüsse des Vertretercollegiums vorgenommenen dringlichen Renovirungsarbeiten, welche als nahezu vollendet bezeichnet werden können. Die hiefür in Anspruch genommenen, im Budget vorgesehenen Kosten werden genehmigt.' Auf Grund der Anträge des Bertretercollegiums und der Commission für Cultusangelegenheiten wird das Ansuchen eines Kcankenvereines um Errichtung eines ständigen Bethauses mangels eines Bedürfnisses abgelehnt. Herr Bicepräsident Dr. K o h n referirt in Bethausangelegenheiten, Die mehreren Tempelvereinen gewährten außerordentlichen Subventionen werden nach einer durchgesührten Debatte, an welcher sich die Herren Salo Cohn, Vertreter Ritter v. T a u s s i g und Dr. Katz au betheiligten, nachträglich genehmigt. Nach Erledigung von Personalien wird die Sitzung um 1 Uhr Mittags geschlossen. Die „Arbeitsscheu" der Juden. Das antisemitische Hetzorgan Lat exoeben, »Deutsches Volksblatt" kommt immer wieder auf das jüdische Sprichwort »Biel Meloches, wenig BrocheS" zurück, als Argument für die Arbeitsscheu der Juden. Es citirt dieses jüdische Sprichwort im Gegensatz zu dem Dictum »Arbeit bringt Segen, oder viel Arbeit, viel Ehr'." Derartige Verdrehungen befremden uns wahrlich nicht. Der Sinn des Sprichwortes »Viel Meloches, wenig Braches" ist zum Beispiel anwendbar aus den exbürgermeisterlichen Defraudanten und defraudirenden Exbürgermeister B e r g a n i, weiters aus den antisemitischen Kampfhahn Geßmann, der Amanuensis an der Universitätsbibliothek, Reichstagsabgeordneter, Landtagsabgeordneter, Landesausschußbeisitzer, Stadtrath, Gemeinderath und weiß der Himmel noch was weiters ist, für welche Aemter und Würden er in summa riesige Gehalte einsteckt, nebst noch recht ansehnlichen Beträgen an Sporteln und Diäten. Die Symbolik des jüdischen Sprichwortes »Biel Meloches, wenig Braches" ist sinnbildlich am besten wiedergegeben in dem lateinischen: ne sutor supra erepiäarn, »Schuster bleib bei Deinen Leisten." »Viel Meloches, wenig Broches" heißt daher so viel, daß. wenn man eine Beschäftigung hat, ein Handwerk ausübt, es von Vortheil sei, einzig und allein sich mit demselben zu befassen, nicht auf andere Erwerbszweige überzugreifen, für die das Berständniß mangelt, weil man ja folgerichtig dann dem erbgeseffenen Metier nicht die erforderliche Aufmerksamkeit zuzuwenden vermag, seine Kräfte zersplittert und in der Vielseitigkeit die Pflege der mannigfaltigen Berufe vernachlässigen muß. Das jüdische Sprichwort »Biel Meloches, wenig Broches" ist ein uraltes. Es sei praktischer, sich mit seinem ganzen Wollen und Können dem angestammten, regulären Berufe zu widmen, als vielerlei Berufen und Geschäften nachzujagen. Es enthält eine Warnung vor Bielgeschäftigkeit, vor der sogenannten »Gschastelhuberei". Es liegt in diesem Sprichworte ein tiefer fittlicher Ernst, für welchen die antisemitischen Radaubrüder, die sich angewöbnt haben, von fremden Mitteln ein Wohlleben zu fristen, kein Berständniß besitzen. Im Nachstehenden bringen wir einige das Handwerk ehrende, geflügelte Worte und Sprichwörter: Die Arbeit und Handwerk in Bibel und Talmud gepriesen. Schon die ersten Menschen »im Schweiße des Angesichts . ." Isaak segnet Jakob mit Ackerbau. Er preist ihn mit den Worten: »Der Geruch meines Sohnes ist wie der Geruch des Ackers, womit ihn Gott gesegnet." — I. B. M., C. 27, B. 27, 28. — Pf. 128, 1, 2 wird glücklich gepriesen, »der von seiner Hände Arbeit sich nährte In den Sprüchen Salomos wird fortwährend die gesunde Arbeit empfohlen und Cap. 18, B. 6 gelehrt, daß »derjenige schon ein Genosse des Verderbers ist, der auch nur lässig in seiner Arbeit ist." Das Gebet lautet hier (Sprüche Salom. C. 30, B. 8): »Armuth und Reichthum gib mir nicht, gib mir mein täglich verdientes Brot." —' Es ist bekannt, welches Weiber-Jdeal in den Sprüchen Salomos, C. 31, 11—31 aufgestellt ist: das schwer arbeitet vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Sie arbeitet auf dem Felde und im Hause; Arbeit, nichts als Arbeit. — In der talmudischen Zeit war es Sitte, daß selbst die Lehrer des Talmud, um nicht die Wissenschaft »zu einer Hacke zu machen, um sich damit das Brot zu verdienen", d. h. um sie nicht zur Melkkuh zu machen, ein Handwerk erlernen und ausüben mußten. Wir finden Gesetzeslehrer, die Schmiede, Schuster rc. rc. find. — In den Sprüchen der Väter (Pirke Abot) heißt es: »Liebe das Handwerk und hasse die Herrschaft", d. h. das Herrenleben. Ferner: »Mache den Sabbath zu einem Wochentag", d. h. arbeite selbst am Sabbath, um nur nicht die Unterstützung Anderer zu brauchen. — Im Talmud heißt es: »Jeder Vater ist verpflichtet, seinem Sohn ein Handwerk erlernen zu lassen." Diese die Liebe zur manuellen Arbeit darthuenden Eitate ließen sich aus der Bibel und dem Talmud ins Unendliche fortsetzen. Den Juden Scheu vor manueller Thätigkeit vorzuwerfen, erweist sich als eine Verdächtigung, die, wenn auch an dieser Stelle so oft beweiskräftig widerlegt, von unseren Feinden und Widersachern dennoch in frivoler Weise immer wieder erhoben wird. In Rumänien wurden eben Hunderttausende jüdische Professionisten vertrieben, einzig und allem deshalb, weil die Concurrenz, die sie den arischen Handwerkern durch Fleiß, Eifer, Sparsamkeit und Nüchternheit bereiten, unbequem geworden ist. In Kleinafien, namentlich in den Hafenstädten, werden die Lastträgerarbeiten, Ladungen und Löschungen der Schisse ausschließlich von Juden besorgt. Eduard Beer. Rumänische Auswanderer in Wien. In der abgelaufenen Woche sind alltäglich theils größere, theils kleinere Auswanderer - Gesellschaften aus Rumänien nach Wien gekommen, die nach kurzem Aufenthalte von hier die Reise fortsetzten. Die Ursache der verstärkten Auswanderung ist das seit 18. v. M. in Kraft getretene Handwerkergesetz, dessen Anwendung für Tausende und Abertausende die vollständige Lahmlegung ihrer Existenz bedeutet; die Arbeiter müssen, um nicht gerade dem Bettel anheimzufallen, zum Wanderstab greifen. Unter den Mitgliedern der heute weiterbefördernden Auswanderertruppe befinden sich zumeist starke, gesunde und kräftige Handwerker, wie: Tischler, Spängler, Schlosser, Schuhmacher, Zimmermaler rc. Ein Mann im Alter von 49 Jahren, seines Zeichens Klempner, erzählte, daß er durch länger als 25 Jahre sein sehr gut gehendes Gewerbe ausüben konnte, sogar die Arbeiten für die Gemeinde Bukarest übertragen erhielt, seit drei Jahren jedoch in des Wortes vollster Bedeutung boycottirt war, so daß er nicht nur den letzten Sparpfennig verbrauchte, sondern nicht einmal seinen Kindern den Besuch der Schulen ermöglichen konnte. Einer Zuschrift, die aus Rumänien an einen Freund unseres Blattes gelangt ist und uns von diesem zur Verfügung gestellt wurde, entnehmen wir Folgendes: »Das Handwttkergesetz bedeutet nach dem Urtheile aller Kenner der rumänischen Verhältnisse den dauernden Ruin der jüdischen Handwerker, deren letzte Hoffnung die Auswanderung bleibt. Indessen ist