Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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. 38 Dr. Bloch’s Iahrgan- XU Centralorgan für die gesammten Interelfen des Iudenthums. #= # -s -Ä, x= A. ft. Pofifparcagen-Arnl Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Ledsclion und Administrstto» Wien IX/1, Verggassr Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. Wien, 19. September 1903. Erscheint jeden Freitag. - 'H1 »■<" - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. »-rugVPrri» für Srftrrrrtch Halbjährig 8 Jtroiten. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Betitzeile 24 Heller. W- Jnhalt: Leitartikel: Vom XIII internationalen Orientalisten-Eongreß zu Hamburg. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Wieder ein mißglückter Ritualmord. — Unsere Intelligenz. — Korrespondenzen Wien. Ablösung von Neujahrs-Gratulationen. Zum Proceß Hilsner. Eine amerikanische Protestnote an Rumänien. Wien. Znaim. Olmütz, Prag. Breslau. Virchow über den Antisemitismus. Memel, Paris. Trotz Dreyfus und Antisemitismus avanciren jüdische Officiere in der französischen Armee. Petersburg, New-Aork. — Vermischtes: Wien, Kremsier, Krumau, Oedenburg, Bosnisch-Brod, Effegg, Virovitica, Brody, Komorn, Nizza. — Feuilleton: Bilder aus Sibirien. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. - Inserate. Uom XIII. internationalen Orientalisten- Congreß zn Hamburg. Hamburg, 7. September Seit Mittwoch tagte hier, wie Ihre Leser wohl bereits aus den Tageszeitungen wissen, der 13. internationale Orientalisten-Congreß. Aus dem entlegensten Winkel der Wiege der Menschheit, Asien, aus allen Theilen Amerikas, aus dem „sagenumwobenen" dunklen Afrika, von aller Herren Länder kamen die Forscher zusammen. Fast kein europäischer Staat des „gebildeten" Erdtheils, der nicht officiell vertreten war. — Bon den mehr als 500 Theilnehmern und zahlreichen Gästen ragte durch seinen charakteristischen Kopf der Mitbegründer des Orientalistencongresses, - der weltberühmte Entdecker der Keilschrift, Professor Dr. Jules Oppert aus Paris, den die „Ehrenlegion" schmückt, unser Glaubensgenosse und vielleicht der Nestor der Versammlung, hervor. Seine Borträge: 1. Die Uebersetzung der großen Cylinder von Gudea, 2. Eine magische Quadrattafel aus alter Zeit, 3. Die deutsche Expedition in Babylon, fanden großen Beifall. — Unter den zuerst Eiugetroffenen bemerkten wir unter Anderen: Oberrabbiner S i m o n s e n-KoPenhagen, Professor Dr. I. Bart H-Berlin, Oberrabbiner Dr. G a st e r-London, Privatdocent Dr. M. Lidzbarsk i-Kiel, Rev. Dr. G i n s b u r g-London, Rev. Professor Samuel Jves C u r t i ß-Chicago, Rabbiner Professor Dr. Klein-Stockholm, Dr. H. Hirschfeld-London, Professor G o l d z i h e r-Budapest, Dr. I. H a l 6v Y-Paris, Theodor R a i n a ch-Paris, Dr. E. Mahle r-Budapest, Dr. Eugen Mittwoch und Dr. Sobernheimer-Berlin, Oberrabbiner Dr. Lern er in Altona, Rabbiner Dr. R a h m e r-Magdeburg, Dr. Peritzin Liegnitz, Dr. M. S ch w ab in Paris,Dr. Deutsch- Cincinnati, Prediger Dr. L e i m d ö r f e r, Dr. R i e g e r und Rabbiner Dr. G r u n w a l d-Hamburg; Letzterer als Vertreter der „Gesellschaft für jüdische Volkskunde"; ferner als Vertreter der serbischen Regierung Generalkonsul Henri Lion. Es würde weit über den Rahmen meines Berichtes hinausgehen, wollte ich sämmtliche klangvollen Namen unserer Glaubensgenossen hier aufzählen. Erwähnen will ich nur noch, daß dem Hamburger Comite von Glaubensgenossen unter Anderen die Herren Siegmund Hinr i ch s e n, Präsident der Bürgerschaft, und Generaldirector der Hamburg-Amerika-Linie A. Ballin angehörten. — Von Vorträgen, die uns besonders interessiren, seien hervorgehoben: Der Einfluß des Alten Testamentes auf die Entwicklung und Ausgestaltung der Universalgeschichte von Professor Merx; Mittheilungen über die jemenische Aussprache des Hebräischen mit Vorschlägen zur Regelung der hebräischen Aussprache im Unterricht von Professor D a l m a n; die Ueberschrift des Buches Jeremia von Professor Budde; über die Herkunft der hebräischen Fragmente des Buches Sirach von Professor Ryssel; das Alter der Ansiedlung der Juden in Alexandria von Theodor R a i n a ch; eine Mittheilung über die Hamburger portugiesischen und hochdeutschen Juden von Rabbiner Dr. Grün Wald; der Farbensinn der alten Hebräer von Dr. Kotelmann; semitische Kosenamen von M. L i d z b a r s k i; die Form der alttestamentarischen Liebeslieder, Tarsis. Citate im Alten Testament von Professor Haupt; die heutigen ursemitischen Opferstätten von Professor C u r t i ß; über die Etymologie des Namens „Efläer" von Dr. M i t tw o ch; über das Buch Daniel von Rabbiner Dr. Klein u. A. Von unseren Glaubensgenossen haben außerdem gesprochen: die Herren Dr. Gaster über „Der erste Druck des hebräischen Pentateuchs in Hamburg", Dr. S i m o n s e n über „Die ersten hebräischen Drucke in Kopenhagen". Dr. Rahm er über „Die Lpiswlae des Kirchenvaters Hieronymus", Professor Halevy u. A. — Anläßlich des Congresses hatte der Vorsitzende, Senator Behrmann, eine Schrift herausgegeben über „Hamburger Orientalisten", aus der wiederum zu ersehen ist, daß unsere Hamburger Glaubensgenossen an der Erforschung des Orients einen ganz hervorragenden Antheil haben. „Der Einfluß des Alten Testamentes auf die Entwicklung und Ausgestaltung der Univerfalgeschichte." Herr Professor Dr. Merx aus Heidelberg sprach über dieses Thema in der zweiten Plenarsitzung des Congresses. Die Ausführungen des Redners, die ungefähr eine Stunde in Anspruch nahmen, waren außerordentlich interessant; wir können sie für heute nur in aller Kürze skizziren. Es ist zunächst zu untersuchen, was wir unter Weltgeschichte verstehen und wie der Begriff der Weltgeschichte entstanden ist. Es ist nicht zu verkennen, daß das, was wir Weltgeschichte nennen, ein enormer Factor des Gemeinbewußtseins ist und mit Philosophie und Religion eng zusammenhängt. Sie wird completirt durch Philosophie und Naturwissenschaften; denn was in unser Bewußtsein eintritt, gründet sich auf dem geschichtlichen und naturwissenschaftlichen Bewußtsein. Der Begriff „Weltgeschichte" ist entstanden durch Verschmelzung des Oceidents mit dem Orient. Bon Haus aus gibt es keine Weltgeschichte; jede Geschichte ist von Anfang an national. Das beweist klar und