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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Date
1902-08-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 672 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 35 Mit Rücksicht auf diese wirklich exacten Forscher hätten wir in griechischen und lateinischen Dingen eine größere Genauigkeit gewünscht. Schon Seite 2 ist das griechische Wort iäiotes schlecht gedruckt, und so noch viele Vocabeln. Mit richtigem Tacte fügt Ziegler die griechischen und lateinischen Vocabeln in der Original-Schrift bei und sammelt sie auch in einem besonderen Register; warum thut er aber das nicht immer? Sein Register wäre viel stärker ausgefallen. Verweisungen wie Vita Pertinax Aurelian rc. sind ganz ungrammatisch; das Citat Seite 281 Irebellius Zenobia wird Ziegler schwerlich verificiren können, denn meines Wissens hat l'rebellius Pollio die Vita der Zenobia nicht geschrieben. Da sich Z i e g l e r nur auf die Königsgleichnisse beschränkt und dennoch das ganze römische Leben umspannt, so hätte erst festgestellt werden müffen, was der Midrasch unter „König" versteht; zumeist ist allerdings der Kaiser gemeint, aber sehr oft nennt der gedrückte Jude auch irgend einen römischen Machthaber in der Provinz einen „König". Dies ist psychologisch leicht erklärlich und ist schon von Vielen bemerkt worden. Nun sagt auch Ziegler einmal, daß auch das Alltagsleben der Römer im Midrasch in die Form von Königsgleichniffen gekleidet ist (S. 336 vgl. S. 363), das sollte aber berücksichtigt werden und nicht alles, was im Midrasch vom „König" gesagt wird, auf das Hofleben bezogen werden. Durch den Ziegler'schen Plan muß z. B. in dem Capitel „Augusta"-—Kaiserin von allem Möglichen gesprochen werden; das Schluß-Capitel: „Söhne und Töchter des Kaisers" enthält 165 Gleichnisse, die aber nur zu geringem Theile für das römische Leben wirklich charakteristisch sind. Das alles ist meines Erachtens durch den Plan des Werkes verschuldet worden; besser wär's gewesen, wenn, wie gesagt, das ganze Gebiet des Midrasch in Bezug auf römische Verhältnisse mit dem hier gebotenen Fleiße und der hier aufgewandten Gelehrsamkeit zur Erörterung gebracht worden wäre. So erhalten wir durch Ziegler's Werk ein schönes, recht intereffantes Lesebuch, das sowohl durch seinen Stoff, als durch seinen Umfang und durch seine Ausstattung eine Bereicherung der jüdischen Literatur bedeutet. Wir erhalten aber nicht das, was uns wirklich nothwendig wäre, nämlich die Bearbeitung der römischen Alterthumskunde auf Grund des reichen Stoffes, der im Talmud und Midrasch aufgehäuft ist. Hoffen wir, daß sich der gelehrte Verfaffer auch noch dieser Aufgabe unterziehen wird; sein schöner gewandter Stil wird dem außerjüdischen Gelehrtenkreise eine neue schöne Welt zur Darstellung bringen. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Krieflrasten. R. Die Königskrönung in London zeigte wiederum einmal, daß die arische Welt von dem semitischen Geiste durchtränkt ist. Vor der Salbung sprach der Erzbischof ein längeres Gebet, worauf der Chor das Antiphon sang: „Zadok der Priester und Nathan der Prophet salbten Salomon zum König, und alles Volk fteute sich und rief: „Gott erhalte den König! Lange lebe der König! Möge der König ewig leben! Amen. Hallelujah." Unterdessen hatte der König sich von seiner Andacht erhoben, war vom Lord Great Chamberlain der purpurnen Kleider entledigt worden, hatte seine Staatshaube (cap of State) abgelegt und war, wie früher unterstützt und geleitet, zum Altar geschritten. Er setzte sich nun in den Stuhl des heiligen Eduard, der dem Hochaltar gegenüber aufgestellt war und in dem er gesalbt wurde Vier Ritter vom Hosenband-Orden hielten ein reichverziertes seidenes Tuch über ihn, das ihnen der Lord Chamberlain überreicht hatte. Der Decan von Westminster nahm die Ambulla und den Löffel vom Altar, goß vom Salböl etwas in den Löffel und reichte ihn dem Erzbischof, der den König in der Form des Kreuzes salbte. ' Zuerst auf dem Scheitel, indem er sagte: „Sei Du gesalbt mit heiligem Oel, wie die Könige, die P r i e st e r und die Propheten gesalbt wurden." Dann auf die Brust, indem er sagte: „Es sei Deine Brust mit heiligem Oele gesalbt." Dann auf die Flächen beider Hände, indem er sagte: „Es seien Deine Hände mit heiligem Oele gesalbt. Und so wie Salomon von Zadok, dem Priester, und Nathan, dem Propheten, gesalbt wurde, so sei Du gesalbt und gesegnet und geheiligt als König über dieses Volk, das Gott Dir gegeben hat, damit Du darüber herrschest und regierst." Ueber allen religiösen Handlungen von besonderer Weihe schwebt der Gei st des Judenthums. Das Judenthum ist das gemeinsame Fundament. Servietten-Cato. Die antisemitische Presse sammelt bekanntlich mit rührendem Eifer alle Mittheilungen, aus denen sich ergibt, daß irgend ein Jude irgend eine Strafthat begangen hat. Darin liegt wenig Sinn, denn wenn schon die Juden an und für sich angeblich besonders schlechte Menschen sind, dann ist doch die Hervorhebung der Thatsache, daß Einer von ihnen sich verfehlt hat, überflüssig. Wenn das Sammelgeschäft nicht ergiebig genug ist, dann pflegt die antisemitische Presse einen Nichtjuden aufs Gerathewohl durch ein Ausrufungszeichen oder noch deutlicher zum Juden zu stempeln. Das macht Schule, und es gibt getreue Leser solcher Blätter, Solcve, die sie nicht blos als Witzblätter betrachten, die sich wandelnden Catonen gleich dünken. Ein solcher Cato verkehrte seit Jahren in einer großen Bierwirthschaft in der Friedrichstadt. Man sah ihn niemals ohne das hi.sige Antisemitenblatt, und er hegte der „jüdischen llnreellität" gegenüber die' tiefste Verachtung. Da geschah es, daß der gute Mann in Concurs verfiel, was ja keine Schande ist. Aber die Schande kommt noch. Dieser Tage erschien bei dem Wirth jenes Restaurants der bisherige Geschäftstheilhaber des antisemitischen Fanatikers und überreichte säuberlich 18 Servietten, die der Feind der Unreellität nach und nach heimlich hatte mitgehen heißen, um sie dann im Geschäft als Wischtücher zu verwenden. K. Ein reizendes Antisemitenstückchen, welches auch in Antisemitenkreisen viel belacht wird, meldet man aus einem deutschböhmischen Fabriksstädtchen. Wendet sich da kürzlich eine als scharfe Antisemitin bekannte Dame an einen Leinenwaarenhändler, der eine Stütze der Partei bildet, um Wäsche zu kaufen. Dieser schickt ihr auf Wunsch eine Auswahl zu, erhält dieselbe aber mit der Bemerkung zurück, daß die Dame keine Judenwäsche kaufe. Die Wäsche stammte nämlich aus einer allerersten Fabrik Oesterreichs, deren Inhaber Juden sind. Die Dame hatte trotzdem nichts Eiligeres zu thun, wie sich direct an die jüdische Fabrik zu wenden und sie zu ersuchen, ihr zum — Fabrikspreise die fragliche Wäsche zu überlassen. Die Firma lehnte dies jedoch ab mit der Begründung, daß sie an Privatpersonen nicht verkaufe, theilt aber der rabiaten Antisemitin mit, daß sie ihren Vertreter, den erwähnten Leinenwaarenhändler, beauftragt habe, ihr das Gewünschte zu übergeben. Der Kaufmann lieferte auch entsprechend dem Aufträge der Fabrik die Maaren prompt ab, und zwar legte er gleichzeitig mit der Nota auch den von der Dame an die Fabrikanten gerichteten Brief vor. Tableau! P. Die leitenden Grundsätze der Alldeutschen und Antisemiten werden heute offen bekannt. In der neuesten Nummer der Herzog'schen „Deutschen Wacht im Wienerwald" lesen wir folgenden Leitspruch: „Frei von Schwindel — ist die Losung, Gilt es Hochgebirgs Bezwingung, Aber auf des Lebens Höhen Ist der Schwindel oft Bedinguug." Ein Leser in Klagenfurt. Der Bericht ist uns aus der Gemeindekanzlei zugekommen. Arthur R. Der 15. November 1901 war am — 4. Kislew, das ist Donnerstag den 4. December v. I., doch wird im ersten Jahre das Kadisch erst am Beerdigungstag gesagt. Uotirr». K. k. Wiener Polizeilollerie. Die Ziehung dieser mit 1500 Treffern ausgestatteien Lotterie findet unwiderruflich am 4. Oktober dieses Jahres statt und kostet ein Los, welches auf sämmtliche Treffer, darunter auch solche im Werthe von 25.000, 5000, 1000 Kronen, mitspielt, nur 1 Krone. Solche Lose sind zu haben in allen Wechselstuben, Tabaktrafiken, Lottocollecturen und im Polizeilotterie-Bureau, 1., Singerstraße 2. Olmützer Ausstellungs-Lotterie. 30.000 Kronen beträgt der Haupttreffer der Olmützer Ausstellungs-Lotterie. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß die Ziehung unwiderruflich am 25. September 1902 stattfindet und sämmtliche Treffer mit nur 10 Percent Abzug von den Lieferanten baar eingelöst werden. Zur gefällige« Keachtung. . Nachdem wir in den nächsten Wochen mit dem Drucke einer neuen Auflage der Adreßschleifen für die „Oesterreichische Wochenschrift" beginnen» ersuchen wir alle jene unserer geschätzten Abonnenten, deren Adreßschleife irgend welchen Mangel oder Unrichtigkeit in der Adresstrung enthält, uns dies gefälligst postwendend bekanntgeben zu wollen. Dir Administration. Lin Knabe aus gutem Hause wird bei achtbarer Familie in ganze Verpflegung genommen. Gefällige Zuschriften unter „J. Z.“ an die Administration des Blattes. in höherer Stellung in Wien, nimmt Knaben aus gutem jüdischen Hause in ganze Pension. Gewissenhafte Nachhilfe. Zuschriften unter „Pädagog 100“ an die Expedition des Blattes.

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