Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Date
- 1902-08-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Bloches Wochenschrift. Seite 867 verbrennungswürdige Ketzer hieltest, und doch hast Du dich mit uns vertragen, mich Deinen „Lieben Freund" geheißen und einem Anderen im gewollten Gegensatz zu den persönlichen Widersacheul und in genauer Kenntniß der philiströsen, heuchlerischen Anwürfe gegen ihn das Duwort angetragen. Ja warum? Neige Tein Ohr, viellieber Freund, zu meinem Mund, daß ich Dir's geheim sage. Hörre es Einer, er würde Dich einen nichtswürdigen Schuften heißen, und das lhäte mir um unserer Freundschaft willen leid. Weißt Du, darum, weil Du uns gebraucht Haft, weil Du über inner Können nicht hinwegkonniest, iuiL Du die Macht unserer Gedanken gefürchtet hast, weil Du Dir sagen mußtest, sei klug. Jro, halte Frieden mir diesen „Scherer"-Leuten" Dann wirft Habermann dem Jro vor, daß ec deshalb gegen die „ Scherer" Ast-ute grob geworden, well diese ein Concurrenzunlernehmen gegen seinen „Zeitweiser" herausgegeben, daß er mit der Höhe der Auflage seines „Zeitweisers" nationale Geschäftshäuser aiigeschwindelt habe rc. Zum Schlüsse faßt Habermann alle die Grobheiten, die er dem Jro an den Kopf wirft, in folgenden kräftigen Sätzen zusammen: „Ein erbärmlicher Moralkomödiant bist Du. ein gewissenlo,er, selbstsüchtiger Streber, der zu Ansehen und Besitz einporgetrochen ist. ein Schmeichler um die Gunst Derer, von denen Du Dir einen Vortyeil versprichst, ein Feigling aber, wo es gilt, Mann zu sein, Mannesthal zu vollbringen und dafür einzustehen. Und nun gebe ich Dir das Duwort zurück, das Du mir seinerzeit angeboten; wenn ich ferner es Dir gegenüber gebrauchen sollte, wird's m anderer Verbindung sein, als mit dem Worte Freund; Du magst es wählen, mir erscheint keines schleckt genug, aber auch keines als zu gering und Deiner Tücke und Bosheit unwerth" — So wird jeder dieser — „Ehrenmänner" von einem Anderen abgethan. Nur schade, daß alle die,e alldeutschen Heire» eine so schreckliche Angst vor dem Gerichtssaale haben! K. Wie wenig das Verbrechen durchaus ein „Vorrecht" der Niedergebornen ist, wird durch die Thalsache bewiesen, daß gegenwärtig nicht weniger als z w a n z i g t a u s e n d Aristokraten in europäischen Gefängnissen schmachten. Eme französische Revue plaudert in einem Artikel über aristokratische Sträflinge interessante. authentischen Quellen enlstanimende Einzelheiten im Bezug auf die „Vornehnisten" unter dieser Armee adeliger Verbrecher aus. Rußland allein beherbergt in seinen Gefängnissen etwa I2.0uu Aristokraten. Auch in Italien wird die Notabllirät in den Strafanstalten durch Tausende ihrer Mitglieder vertreten. Zum größten Theil sind das Leute, die zu unwissend oder zu stolz waren, um auf ehrliche Weise ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Nachdem sie ihren ererbten Besitz vergeudet hatten, suchten sie durch Belrügereien aller Art so viel aus ihren besser situirten Nebenmcnichen herauszuziehen, um ihr extravagantes Leben mühelos fortsetzeu zu können. Unter diesen Hochstaplern schlimmster Sorte befindet sich mancher Prinz und Herzog mit einer stattlichen Ahnenreihe. Die Mehrzahl aber setzt sich aus den oft noch sehr jungen Sprößlingen verarmter Adelsfamilten zusammen. Zu verwundern ist es nicht, daß auch eine beträchtliche Anzahl von Mördern mit klingenden Namen ihre Blutschuld in den Zuchthäusern des Landes, in dem die Eitronen blühen, verbüßen müsse». In dem berühmten italienischen Gefängniß „La Maddalena" sind auf Lebenszeit zwei Brüder, die Herzöge von Notarvartolo, eingekerkert. Diese beiden Edelleute verübten einen so brutalen Mord, wie er nur selten in der Verbrecherchronik zu verzeichnen ist. Ein junger bürgerlicher Artillerieofficier, der es gewagt hatte, seine 'Augen zu der schönen Schwester der Herzöge zu erheben, war das Opfer. Die hochgebornen Brüder heuchelten, um ihren Zweck zu erreichen, dem ahnungslosen Verehrer der jungen Herzogin aufrichtige Freundschaft, und nachdem sie ihn mit ihrer Liebenswürdigkeit völlig umstrickt hatten, luden sie ihn zu einem Diner zu Dreien. Das Ende dieser intimen Tafelei, bei der man mit feurigem Wein und guten Wünschen durchaus nicht sparsam umging, war eine Tragödie. Der glückstrahlende junge Officier wurde hinterrücks erstochen und seine Leiche zum Fenster hinausgeworfen. Eine zehnjährige Strafe verbüßt in demselben Gefängniß noch ein Herzog von C a r a c c i o l a, der seine Gemalin. eine geborene Prinzessin A v a l o s, die seinerzeit das schönste und reichste Mädchen in ganz Süditalien war. mittelst Giftes ins Jenseits beförderte. Vorher hatte er sie zu überreden gewußt, ihm ihre colossalen Reichthümer testamentarisch zu vermachen. In den Mauern eines belgischen Zuchthauses weilt in langjähriger Einzelhaft ein Prinz Charles de L o o z- C o s w a r e m. dessen Abstammung in directer Linie auf einen Fürsten zurückzuführen ist, der Premierminister unter König Karl V. von Spanien war. Auch im Lande Calderon's zählen die adeligen Sträflinge nach vielen Hunderten. Der bemerkenswertheste dieser noblen Verbrecher ist ein Marquis Var ela, dem man für die Ermordung seiner Mutter lebenslängliche Zwangsarbeit zudictirt hat. Von adeligen Verbrechern deutscher Nation schweigt die Höflichkeit des französischen Chronisten Wir haben deren aber auch genug, wie man fast täglich in der Gerichtssaalrubrik sehen kann. Aufruf! Vor einigen Tagen hat der 36 Jahre alte Agent Adolf S e ß l e r, Untere Augartenstraße 25 — durch Herabspringen von der elektrischen Tramway — sein Leben eingebllßt. Er hinterläßt eine Frau und drei unversorgte Kinder in der bittersten Nothlage. Ich appellire an alle unsere Glaubensgenossen, die Nothlage der so plötzlich unglücklich gewordenen Familie durch eine wenn auch noch so kleine Spende zu lindern. Dieselben werden entgegengenommen und quittirt vom Eafetier Max Schwarz, II., Obere Donäüstraße Nr. 1. Zur gefälligen Beachtung. Nachdem wir in de» nächste» Wochen mit dem Drucke einer neuen -Auflage Der dreßschleifen für die ,,Oesterreichische Wochenschrift" beginnen» ersuchen wir alle jene unserer geschätzten Abonnenten» deren Adreßschleife irgend welchen Mangel oder Unrichtigkeit in der Adressirung enthält, uns dies gefälligst postwendend bekanntgeben zu wollen. Die Administration. Danksagung. Für die vielfachen und ehrenvollen Beweise der Fleundschaft. die mir anläßlich meines siebzigsten Geburtstages aus Nah und Fern zugekvmmen. sage ich allen meinen lieben Freunden und Bekannten meinen tiefgefühlten Tank. Jacob Pick N a ch o d. Die Geburt eines Söhncbens zeigen auf diesem Wege allen Freunden und Bekannten an Bezirks rabbiner Dr. M. Rosenmann und Frau. Floridsdorf. 19. August 1902. —— Eia stimmbegabter, religiöser Sehaeüris - V orbet er wird für die hohen Feiertage aufgenommen. Anmeldungen mit Gehaltsansprüchen an Josef L. Reiss, Vsetin. 1154 Quartett-Sänger. Ein I. Tenor, ein II. Tenor, ein I. Bass, ein II. Bass, nur erste Kräfte, tüchtige Blattleser, werden für die hohen Feiertage bei Cantor Th. Fleck, VIII., Florianigasse Nr. 50, Th. 8, aufgenommen. »st Israelit, d. böhm. u. deut Sprache mächtig, tüchtig. Verkäufer, Auslage-Arrangeur, wird in meinem Confections- und Schnittwarengeschäft sofort auf genommen. Stockerau Musikalischer Cantor tüchtiger jüdischer Chasen, sucht Stellung als Vorbeter tüi Mussolim für die hohen Feiertage in einer Gemeinde Mährens oder Böhmens Auskunft bei Herrn Obercantor Moor, Prag, Altstädter- Bing 12 imd Herrn Obercantor Davidsohn, Teplitz, Böhmen. n5y Letzter Monat jgr Oloiülzer Ausstellungs-Lose -H, ä 1 Krön« Haupttreffer 30*000 Kronen empfiehlt^ Wechselstaben-Aßtisn-Gesellschaft „ MRercur“ WIEN, I. BEZIRK, WOLLZEIU3. -