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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-22 · 34 (22.8.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
34 (22.8.1902)
Date
1902-08-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 564 Dr> Nloch's Wochrnsüzrm. Nr. 34 höchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef L statt. Der Tempel war mit sehr werthvollen, vom 16. Jahrhundert herrührenden, in Gold gewirkten Vorhängen der heiligen Lade geschmückt. Nachdem Obercantor Spitz das Na towu abgesungen und das Minchagebet verrichtet hatte, erstieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Marge! die Kanzel und hielt eine tiefempfundene, in Form und Inhalt überaus ausgezeichnete Festrede, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Ec sprach darauf vor offener Lade ein eigens hiezu verfaßtes Kaisergebet in deutscher und hebräischer Sprache. Vor Olenu sang der Chor unter Leitung des Herrn Spitz die Kaiserhymne. Graf Thun, der auch der Feier beiwohnte, dankte unserem H rrn Rabbiner für die sehr schönen Worte. Piesling (Mähren). Infolge Auflösung der deutschen Volksschule in der hiesigen Jsraelitengemeinde hat sich die Nothwendigkeit ergeben, daß unser nunmehr seit 3 t Jahren hier wirkende Schulleiter Herr Salomon Weltlinger auf einen neuen Dienstposten nach Eiwanowitz in Mähren versetzt wurde, wobei ihm seitens des Bezirksschulrathes von Mähr.-Budwitz die vollste Anerkennung ausgesprochen wurde. Zu Ehren des scheidenden Lehrers, welcher am 21. d. M. unseren Ort verließ, fand am 18. d. M. ein feierliches Abschiedsfest statt, welches erst recht den Beweis lieferte, welche Hochachtung und Werthschätzung unser Lehrer genoß. Die hiesige politische Gemeinde ernannte den Scheidenden in Anerkennung der vielen Verdienste, welche er sich während der 31 Jahre seiner Thätigkeit in Piesling als Lehrer sowohl wie als Secretär der politischen und Cultusgemeinde Piesling, als Matrikenführer und TempelVorsteher erworben hatte, einstimmrg zum Ehrenbürger der Pieslinger Gemeinde. Bürgermeister Michael Färber feierte in hinreißenden Worten diese Verdienste und überreichte dem jüngsten Ehrenbürger als Symbol seiner dauernden Verbindung mit der hiesigen Gemeinde einen kostbaren Siegelring. Districtsarzt Dr. Hermann Bix rühmte die persönlichen Eigenschaften des Abschiednehmers. Herr Lehrer Weltlinger batte während der langen Zeit seines hiesigen Aufenthaltes die verschiedensten Ehrenstellen inne. Er hat die hiesige Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen und bekleidete in derselben die Stelle eines Cassiers und Schriftführers; in derselben Eigenschaft fungirte er beim hiesigen Los-Verein. Nicht blos bei der jüdischen Bevölkerung unseres Ortes, auch bei unseren christlichen Landsleuten erfreute er sich stets der höchsten Verehrung. Sein Scheiden ist für uns Pieslinger ein schwerer, ja geradezu unersetzlicher Verlust. Möge unser hochgeehrter Lehrer Weltlinger an der neuen Stätte seiner Thätigkeit, in Eiwanowitz, ebenso ehrenvoll wirken wie in unserer Gemeinde! Wir Pieslinger sind stolz auf unseren jüngsten Ehrenbürger, der allen jüdischen Lehrern zum Muster und Vorbild dienen kann." Nachod. Haben unsere Ovationen in der verflossenen Woche dem großen Todten, dem unvergeßlichen früheren Vorsteher, Herrn Jsaac Mautner gegolten, so galten sie am letzten Samstag dem gegenwärtigen Vorsteher Herrn Jakob Pick. Derselbe feierte nämlich Samstag den 16. August im Kreise seiner Kinder und Enkel in noch wunderbarer Frische seinen 70. Geburtstag. Die Gemeinde ließ es sich nicht nehmen, dem Mann, der seit mehreren Decennien für das Wohl der religiösen und politischen Gemeinde wirkte, ihre Huldigung darzubringen. Er ward deshalb am bezeichneten Samstag feierlich zur Thora gerufen. Nach dem Gottesdienste begab sich der gesammte Vorstand in Begleitung des Herrn Rabbiners und der Beamten der Cultusgemeinde in seine Wohnung, überreichte demselben eine künstlerisch allsgeschmückte Adreffe, in welcher der Dank für seine großen Verdienste um die Cultusgemeinde ausgedrückt war. Herr Dr. Brody hielt eine herzliche Anrede. Tiefgerührt und mit von Thränen erstickter Stimme dankte der Jubilar für diese Auszeichnung und versprach, auch ferner, soweit seine Kräfte reichen, für das Wohl der Gemeinde zu sorgen und zu streben. Er und seine Familienmitglieder bedachten an diesem Tage die Vereine und die Armen mit reichlichen Spenden. Auch die Stadtvertretung überreichte eine Adreffe und entbot durch eine Deputation, geleitet von Herrn Dr. oiöek, ihre Glückwünsche. Dann erschienen die Vertreter der städtischen Sparcasse, deren Mitbegründer der Jubilar war und zu deren Aufblühen er so viel beigetragen hatte, und überbrachten nebst einer Adreffe die herzlichsten Glückwünsche. Schließlich erschienen die Beamten und eine Deputation der Arbeiter, um auch dem Jubilar auf Herzlichste zu gratuliren. Die Beamten erhielten des Abends im Hotel „Lamm" ein Festmahl, bei dem viele Toaste ausgebracht wurden. Die Arbeiter erhielten Jeder bei der Auszahlung einen Gulden mehr. Kranzablösungssstenden zu Gunsteu der „Chewra-Kadischa" in Wien, L, Seitenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Josef Mautner: Von Herrn Jakob Pick in'Nachod, K 10'—; Herrn Friedrich Pick in Wien, L 10> -; Frau Ottilie Kurz in Wien, K 5*—. Zusammen K 25'—. Wien. Fräulein Sophie Heit, Tochter des ob seines humanen Wirkens bestbekannten Ortsschulrathes Herrn S. Heit in Wien, verlobte sich in Baden mit Herrn Emil R e i n i tz, Beamten des Wiener Bankvereines. Wien. (Todesfall.) Montag den 11. August starb in Gleichenberg der 20 jährige hoffnungsvolle Sohn des Religionslehrers Herrn Alexander Neubauer. Drösing. (Todesfall.) Am 5. d. M. starb in dem hohen Alter von 81 Jahren Frau Marie Körner, geb. Heittler, die Gattin des vor 23 Jahren dahingeschiedenen Friedrich Körner, die wegen ihrem frommen Lebenswandel und großer Herzensgüte, welche in zahlreichen Acten. stiller Wohlthätigkeit Ausdruck fand, allgemeiner Sympathien sich erfreute. Die Leiche der braven Frau wurde nach Göding überführt und dortselbst unter zahlreicher Theilnahme ihrer Verwandten und der Bevölkerung an der Seite ihres Gatten zur ewigen Ruhe bestattet. An ihrer Bahre trauern vier Söhne und zwei Töchter. Die Trauerrede wurde in Abwesenheit des Herrn Rabbiners aus Göding von Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Groß aus Lundenburg gehalten, welche auf alle Anwesenden ergreifend wirkte. Prag. Es wird gewiß Jeden, dem nicht nur jüdisches, sondern überhaupt deutsches Schulwesen in Böhmen am Herzen liegt, sehr erfreut haben, daß Se. Majestät abermals den Landesadvocaten in Prag, Dr. Ludwig Bendiener, zum Landesschulrath ernannt hat. — Mit Dr. Ludwig Bendiener tritt wieder ein wahrhafter Verfechter jüdischer Schulangelegenheiten auf den Plan, und wer sich jener segensreichen Thätigkeit seiner ersten 6 jährigen Wirksamkeit erinnert und auch jener Sitzungen im Landesschulrath, in welcher er den Vertreter der Prager Stadtgemeinde jenes berühmte Wort von ^Mangel anWohlwollen" entgegenschleuderte, der wird diese Wahl unter den jetzigen Verhältnissen in Böhmen als eine glückliche bezeichnen. Pardubitz. Am 13. d. M. haben wir einen Mann zu Grabe getragen, der sich hier allgemeiner Sympathien erfreute und die Werthschätzung vollauf verdient hat, die ihm von Jedermann gezollt wurde. Es ist dies Herr Jacob Winternitz, Cultusvorsteher, Obmann der hiesigen Beerdigungsbrüderschaft und Gemeinderath der Stadt Pardubitz. Seine persönlichen Eigenschaften, die Offenheit und Biederkeit seines Wesens und die Friedfertigkeit seines Charakters haben ihm einen großen Kreis von Freunden verschafft, die sein Andenken noch lange ehren werden. Ein Ehrenmann in des Wortes bester Bedeutung, hat ihn die hiesige Cultusgemeinde zu ihrem Präses gewählt, und als solcher hat er mit Treue und Hingebung seines Amtes gewaltet. An seiner Bahre schilderten die Rabbiner Dr. Weiner aus den königlichen Weinbergen, Dr. Hoch aus Jungbunzlau und Nähnadl aus Pardubitz den Verlust, den die Familie, unsere Cultusgemeinde und deren Humanitären Vereine durch den Heimgang dieses biederen Mannes erlitten. Am Grabe hielt das Cultusvereinsmitglied Herr Wilhelm Hoch dem allverehrten Präses einen herzlichen Nachruf, in welchem er dem Verblichenen im Namen der ganzen Cultusgemeinde dankte und den Gefühlen fortdauernder Erkenntlichkeit Ausdruck gab. Anwesend waren der k. k. Bezirkshauptmann Scheller und viele andere christliche Honoratioren, so wie eine unübersehbare Menge dem Verstorbenen das letzte Geleite bis auf den 30 Minuten von der Stadt entfernten Centralfriedhof gegeben. Berlin. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meyer-Cohn wurde zum Justizrath ernannt. Berlin. Bei dem alljährlichen Festact in der hiesigen Universität wurden die Ergebnisse der Preisausschreibungen pro 1901/02 verkündigt. Den Preis der juristischen Facultät erhielt stuä. jur. Ernst Feder-Berlin, einen

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