Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 34 (22.8.1902)
- Date
- 1902-08-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 562 Nr. 34 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. des Untersuchungsverfahrens wußte das „Deutsche Volksdlatt" mit aller Genauigkeit anzugeben, daß zwei Juden auf dem Bahnhofe in Deutsch-Schützendorf gesehen wurden, von denen der eine ein langes Schächtmesser und der andere ein Gefäß mit dem abgezapften Blute trug. Auch die merkwürdige inquisitorische Thätigkeit. welche Herr Hans Arnold Schwer in Gemeinschaft mit dem Schuster Schütz gegenüber den Bruder Leopold Hilsner's, Jtzig, in Groß-Meserttsch entwickelte, ferner die Einflußnahme auf verschiedene Zeugen im Polnaer Rathhause, ist noch in Aller Erinnerung. Fast scheint es. als ob das berüchtigte „RechtscomitL" in der Befürchtung, daß verschiedene Zungen, die bisher über das Polnaer Geheimniß geschwiegen oder falsch ausgesagt haben, anfangen könnten, die Wahrheit zu sprechen, seine Thätigkeit noch immer fortfttzt und einen terroristischen Druck auf die öffentliche Meinung ausübt. In verschiedenen antisemitischen Blättern finden sich Notizen des Inhaltes, daß die angeblich von der „Alliance Jsraelite" noch immer betriebene Wiederaufnahme des Hilsnerprocefles mit allen Mitteln hintertrieben werden müsse. Eine solche Notiz stand erst am 17. d. M. in der „Oesterreichischen Volk-Presse". und offenbar in der Angst, daß doch früher oder später Umstände zutage treten könnten, welche die moralischen Urheber der ganzen Hilsner-Affaire belasten, arbeitet diese Presse im Vereine mit dem „Rechtscomite" unausgesetzt daran, neue Beweise für die Schuld Hilsner's zu ersinnen. Das angebliche Brrschwinden Leixner's, für welches sie so gerne die Juden verantwortlich machen möchten, kommt ihnen dabei augenscheinlich sehr gelegen. Die Enthüllung des ..Deutschen Volksblatt" ist selbstverständlich nicht eine solche, durch welche thatsächlich eine Wideraufnahme des Hilsner-Proceffes bewirkt werden könnte, aber es ist gut, diese angesichts der res juäieLts. noch immer fortdauernden Treibereien der antisemitischen Blut- und Hetzpresse sorgfältig in Evidenz zu halten, weil dieselbe seinerzeit werthvolles Material zur Beurtheilung der Frage ergeben könnte, von welcher Seite die ungeheuere Verwirrung der öffentlichen Meinung in diesem Gerichtsdrama ausgegangen ist und noch jetzt unausgesetzt betrieben wird. Das Elend der jüdischen Studenten. Die Ferien nähern sich dem Ende und binnen Kurzem schon werden sich die Pforten der Schulen öffnen. Fürsorgliche Estern werden rechtzeitig bedacht sein, Vorbereitungen für die ihren studirenden Kindern erforderliche Nachhilfe zu treffen. Da ist es wohl am Platze, unseren Glaubensgenossen wärmstens und eindringlich ans Herz zu legen, bei der Wahl der Correpetitoren der armen jüdischen Studenten zu gedenken. Die „O e st e r r e i ck i s ch e Wochenschrift" hat schon wiederholt bei der Behandlung dieses leidigen Themas darg^- than, daß die jüdischen Studenten nach jeder Richtung hin ihren arischen Collegen überlegen sind, denn sie besitzen hohen Jntellect, unermüdlichen Fleiß, lauteres Streben und sittlichen Ernst. Die jüdischen Sludenten nagen am Hungertuche, sind außer Stande, der Unbill der Witterung durch angemessene Kleidung Widerstand zu leisten, müssen mit einer elenden, jämmerlichen Bequartierung sich begnügen und haben den Kopf von Sorgen und Kummer voll, wie sie den nächsten Tag verbringen werden. All dies vermag jedoch nicht sie von ihren Studien abzuwenden und ihren Lerneifer zu zähmen, die Nothlage spornt und eifert sie vielmehr an, je eher, je lieber das vorgesteckte Lehrziel zu erreichen und die Studien mit ausgezeichneten Erfolg zurückzulegen. Daß wir bei dieser Schilderung nicht übertreiben, ist wohl männigl ch bekannt und durch die Erfahrung bekräftigt. Es ist erue feststehende Thatsache, daß die Koryphäen des Judenlhumes zum allergrößten Theile aus der armen jüdischen Studentenschaft hervorgegangen sind, daß die großen Gelehrten und Forscher des jüdischen Volkes arme jüdische Studenten gewesen, die unter Noth und Entbehrungen ihren Studien obliegen mußten, die hervorragenden Männer der Wissenschaft, die den Judenthum zur Ehre und Zierde gereichen, sie sind nahezu sämmtlrch aus den ärmsten Volksschichten hervorgegangen. Die jüdischen Eltern, die die Wahl auf jüdische Aushilfslehrer lenken, besitzen nicht nur eine Gewähr dafür, eine passende vorzügliche Kraft gewonnen zu haben, sie vollbringen auch ein gottgefälliges Werk damit, daß sie den unbemittelten jüdischen Studenten die Möglichst bieten, den Studien obzuliegen, dieselben zu vollenden und zu einer angesehenen Lebensstellung zu gelangen, die den Judenthum zur Ehre gereicht. Es liegt uns ganz fern, die arischen Studenten herabzusetzen oder irgendwie zu beeinträchtigen. Diese finden, wenn sie nur ernstlich wollen, in arischen Kreisen paffende Stellungen. Ueberdies können sie sich um Stipendien bewerben, und es gibt factisch keinen armen arischen Studenten, der nicht im Genüsse eines Stipendiums steht. In einer ganz andern Situation befinden sich unsere jüdischen Studenten, denn sie haben auch bei den jüdischen Eltern gegen eine vollständig ungerechtfertigte Abneigung zu kämpfen, in Folge welcher ihnen bei der Wahl als Aushilfslchrer der arische College vorgezogen wird. Weiters reichen die ausschließlich für Jpden bestimmten Stipendien lange nicht hin, auch nur den kleinsten Theil der Bewerber zu befriedigen, da auch die von Juden errichteten Stipendienstistungen, wenn sie nicht ausdrücklich für jüdische Bewerber stipulirt erscheinen, arischen Bewerbern zugewiesen werden. Wir richten daher an unsere Glaubensgenossen, an die jüdischen Väter und Mütter in Wien und in der Provinz, den ebenso warmen als eindringlichen Appell, bei der Wahl von Correpetiioren, Hauslehrern und Hofmeistern die jüdischen Studenten zu bevorzugen und denselben dadurch die Möglichkeit zu bieten, ihren Studien obzuliegen und sie zu vollenden, ohne dabei vor der Sorge um das tägliche Brot erliegen zu müssen. Die „Oesterreichische Wochenschrift" ist nach wie vor gerne bereit, diesfalls die Vermittlung kostenfrei zu bewerkstelligen. Eduard Beer. Der „Rilualmord" im Peklowalde. Aus Prag wird telegraphirt: Am 18. d. M. langte die Bestätigung des Todesurtheils gegen den Raubmörder I a r o s herab, welcher von dem Schwurgerichte in Königgrätz im Juni dieses Jahres abgeurtheilt wurde. Jaros hatte ein ILjähriges Mädchen im Walde Peklo bei Hronov meuchlings überfallen, verg»waltigt und hierauf ermordet. Der Unhold zerstückelte die Leiche, verbrannte einen Tbeil der Gliedmaßen seines Opfers und warf den Rest in die Moldau. Vor der Verhaftung des Mörders wurde dieser Mord bekanntlich zu Ritualmordzwecken auszubeuten versucht und Jaros erklärte auch, dieJuden mögen es gethan haben, .wegen des Blutes". Der Mörder hatte aber von den Habseligkeiten seines Opfers einige Gegenstände zu verkaufen gesucht, und dies führte zu seiner Verhaftung, worauf die obigen Gerüchte verstummten. Die Justrficirung hat der Prager Scharfrichter Wohlschläger vorgenommen. Correspondenzen. Der Geburtstag des Kaisers. Wie alljährlich wurde auch diesesmal das Geburtsfest Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph!, in allen Synagogen in festlichster Weise begangen. Der Tempel in der Seitenstettengasse erstrahlte in glänzendem Lichte. Mit dem vom Altmeister des Synagogengesanges, weil. Prof. Salomon S u l z e r, so herrlich vertonten Festpsalm, vom Chorpersonale unter Leitung des Ober-Cantors Singer trefflich wiedergegeben, eingeleitet, hat Ober-Rabbiner Dr. Güdemann sodann vor geöffneter Bundeslade ein Gebet für das theuere Haupt unseres erhabenen Monarchen gesprochen, mit dem Jntoniren der Volks- Hymne war die Feier beendet. Unter den zahlreichen Erschienenen waren u. A. zu bemerken: die Vicepräsidenten der Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern und Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, Commercialrath Jonas Weil, Bethausvorsteher Flaschner, Gemeinderath Donat Zi fferer, Bezirksrath Ludwig Waldstein, der Vorsteher der Armenanstalt Josef Jelinek, der Beamtenkörper der Cultusgemeinde unter Führung des Secretär- Stellvertreters Dr. Emil A d l e r u. v. A. m. — Im Leopoldstädter Tempel fand um 10 Uhr Bormittags die Feier statt, bei welcher die Herren Obercantor Guttmann und Rabbiner Dr. S ch m i e d l functionirten. welch' Letzterer in einer herrlichen Festrede erwähnte, daß er bereits zum 53. Male die Segenswünsche für den Kaiser erfleht. E. «J. Wien. (Kaiserfest-Gottesdienst.) Am 18. d. M. Bormittags fand im Tempel des IX. Bezirkes ein feierlicher Festgottesdienst statt. Das Gotteshaus war hell erleuchtet. In der Vorsteherloge sah man den Obmannstellvertreter Herrn Dr. Schn epp, die Vorsteher Herren Goldschmiedt und Trebitsch. Brausende Orgelklänge leiteten die Feier ein, worauf der Königspsalm von Herrn Obercantor Kläger und dem Tempelchor stimmungsvoll vorgetragen wurde. Dann feierte Herr