Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 30 Dr. Bloch’s Jahrgang II! Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. #= —©>- X- K. ft. PvMpsrraffen-Amk Clearing-Verkehr Nr. 610.976. ArLarUon und AdmiMfirslivnr Wir« IX/1, BerggEe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847 Wien, 35. Juli 1903. «>— ‘fr'fr Lrf ch eint jeden Freitag. - ■> - Brief-Adreffe: Wien, IX/1» Derggaffe 39. Telegramm-Adresse: Vloch's Wochenschrift, Wien» »erugsxrri» flir Srstrrrrich Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Anzeige«: Die4malgespalten: Petitzeile 24 Heller. X= Inhalt: Leitartikel: lieber den Brüsseler Kongreß „pro Armeula". — Zum Proceß Hilsner. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Die englische Einwanderungs-Kommission. — Correspondenzen: Wien. Ein „Zeuge" aus dem Proceß Hilsner. Wien. Frau Julie Schlesinger, Ehrenpräsidentin des Allgemeinen österreichisch-israelilüchen Taubstummen-Jnstituts in Wien. Lemberg, Mainz, Aus Amerika, Rew-Uork. — Vermischtes: Kranzablösungsspendcn zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien. Karlsbad, Bielitz, Wolin, Wischau, Vügujhely, Sarajevo, München, Kattowitz- — Feuilleton: Der Chanukaleuchter. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Weber de« KrMeler Cougreß „pro Armenia“1 erhalten wir folgende Mittheilung: Der Congreß „pro Armenia" hat am 17. und 18. in Brüssel getagt und seine Berathungen mit einer Resolution zu Gunsten der endlichen Ausführung des Artikels 61 des Berliner Vertrages beendigt. Es wurde überdies eine Organisation geschaffen und ein Bureau eingerichtet, die Propaganda zu Gunsten der Armenier in allen Ländern zu erhalten und zu überwachen. Folgendes Communiquß gelangte zur Versendung: „1. Es wird ein provisorisches internationales C o m i t e geschaffen, das sich an die in den verschiedenen Ländern bereits vorhandenen armenierfreundlichen Vereinigungen wenden soll. Diese hätten in jedeni Lande ein nationales ComitL ins Leben zu rufen, das die endgültigen Mitglieder eines internationalen Comites zu ernennen hätte. (In das provisorische deutsche Co mite werden Prof, von Bar (Göttingen), Mitglied des internationalen Schiedsgerichtes, Professor Wilhelm F ö r st e r (Berlin) und Eduard B e r n st e i n gewählt; in das österreichische Baronin v. Suttner und Victor Adler, in das belgische Staatsminister Lejeune, Senator Hoseau de Lehaye und Senator Lafontaine rc) 2. Es wird der Wunsch ausgesprochen, daß, ohne die territoriale Integrität der Türkei zu verletzen und im Interesse der Türkei selbst, Europa der Pflichten eingedenk werde, die es durch den § 61 des Berliner Vertrages übernommen habe. (Dieser Artikel lautet bekanntlich: Artikel 61. „Die Hohe Pforte übernimmt die Verpflichtung» ohne weiteren Verzug die durch locale Bedürfnisse in den von den Armeniern bewohnten Provinzen erforderlichen Verbefferungen und Reformen ins Werk zu setzen und den Armeniern Sicherheit vor Kurden und Tscherkessen zu garantiren. Sie wird die in dieser Richtung gethanen Schritte in bestimmten Zeitabschnitten den Machten bekanntgeben, die ihr Inkrafttreten überwachen werden.") Das Comits übernimmt die Verpflichtung, bei den Regierungen, in den Parlamenten und bei der Presse für die endliche energische und loyale Anwendung dieses Paragraphen zu wirken. 3. Der Congreß nimmt von der neuerdings erfolgten Vermehrung der Zahl der consularen VertreterFrankr e i ch s und Rußlands in Armenien mit G-nugthuung Kenntniß und fordert die anderen Regierungen auf, in der gleichen Richtung vorzugehen. 4. Der Congreß drückt den Wunsch aus, daß die europ ä i s ch e Presse den künftigen Mittheilungen des Comites der Freunde Armeniens die weiteste Verbreitung gebe. (Auf Vorschlag von Madame Severine wird ein Zufatzantrag angenommen, wonach auf dem nächsten Congreß ein Bericht zu erstatten ist, wie die Haltung der einzelnen großen europäischen Zeitungen zu den Mittheilungen des Comitäs gewesen sei.) 5. Man beschließt, alljährlich einen Congreß abzuhalten; man bezeichnet Brüssel als den vorläufigen Sitz des permanenten Bureaus und ernennt Pierre Q u i l l a r d zum Secretär." Mlt der rumänischen Judenfrage, welche von Wien aus durch die Publicationen der „Oesterreichischen Wochenschrift/ durch den Antrag des Herrn Gundacker Baron Suttner und die Petition des „Politischen Volksvereines" den Mitgliedern des Congreffes in so eindringlicher Art ans Herz gelegt wurde, beschäftigte man sich blos inofficiell, indem man die Frage eingehend und mit Ernst prüfte, ob man die Angelegenheit der rumänischen Judenverfolgungen zur Discuffion bei diesem Congreffe zulaffen solle. Die Initiatoren des Congreffes, die eigentlichen Urheber und Veranstalter, welchen es zunächst darum zu thun war, die Frage der armenischen Autonomie in Fluß zu bringen, weigerten sich, die Sache der Armenier mit irgend emer anderen Angelegenheit zu verquicken, und bemühten sich mit großer Energie und einem Aufwand von Scharfsinn jeden anderen Drscuffionsstoff von dem Congreß fernzuhalten. Nicht die rumänische Judennoth allein forderte von dem Brüffeler Congreß Beachtung und Theilnahme, auch aus Finnland kamen Pelttionen um öffentliche Verdammung des russischen Despotismus; polnischerseits bemühte man sich die p r e u ß i s ch e P o l e n p o l i t i k zur Sprache zu bringen, Macedonier und Albanesen waren ebenfalls erschienen und wünschten und erhofften Förderung ihrer nationalen Aspirationen von diesem Congreß. Die Freunde der Armenier wußten es durchzusetzen, daß von all diesen Fragen keine einzige offlciell zur Verhandlung beim Congreß zugelaffen wurde. Die Wahrheit erfordert es, zu constatiren, daß die Mitglieder des Congreffes in privaten Aeußerungen das Vorgehen der rumänischen Regierung gegen die unglücklichen Juden in den schärfsten Ausdrücken brandmarkten, man anerkannte allgemein die Nothwendigkeil, das Gewissen der europäischen Völker und Regierungen aufzurütteln, um gegen die rumänischen Grausamkeiten energisch Einspruch zu erheben. 200 jüdische Auswanderer aus Rumänien wandten sich überdies persönlich mit nachstehendem Telegramm an den Präsidenten des Congreffes: Au Gongres „Pro Armenia“ Bruxelles. Monsieur, Veuillez demander que la loyaut6 vis-ä-vis des obligatio ns et les observations exactes du Trait6 de Berlin sont exöcutees non seulement des Turcs, mais aussi des Chretiens roumains. G’est la priere ardente et douloureuse des deux cents Juifs roumains qui sont forces de quitter leur patrie cherie ä cause des persöcutions terribles.