Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-07-18 · 29 (18.7.1902) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
29 (18.7.1902)
Date
1902-07-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021439-3021469--11937-3036502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 29 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 487 nachdem es doch ein Geldbetrag sei, zu dessen Hingabe sich nur ein wirklich reicher Mann entschließen könne. Doch vergebens alles Spähen. Allen Gesichtern lag zwar deutlich der Ernst des heutigen Tages ausgeprägt, Alle hörte aufmerksam den Auseinandersetzungen des Redners zu, besondere Erregung hatten sie aber an allen diesen nicht bemerkt. Ja, wenn ihre Blicke weiter hinabgeschweift wären, wo die Minderbemittelten ihre Sitze hatten, da hätten sie wohl in einer der letzten Bänke eine Gestalt bemerkt, welche eingehüllt in den Talis unter diesem bebte und zitterte und nur mit Mühe das fast krampfhafte Schluchzen unterdrücken konnte, welches den ganzen Körper erschütterte. Das aber fiel ihnen nicht ein. Wer von diesen Leuten, die dort unten saßen, konnte tausend Gulden entbehren, wer konnte sie so ohneweiters, ohne sich zu nennen, hergeben? Alle Vorbereitungen zur Einrichtung dieses gemeinnützigen Institutes wurden in Angriff genommen, aber immer noch fand sich keine Spur des großmüthigen Spenders, oder wie ihn der Vorsteher nannte, des reumüthigen Sünders und Büßers. (Fortsetzung folgt.) Kteratur. Neue Bücher. Dr. I. Guttmann. Die Scholastik des dreizehnten Jahrhunderts in ihren Beziehungen zum Judenthum und zur jüdischen Literatur. Berlin 1902. Verlag von M. & H. Marcus. Die geistige Cultur der semitischen Völker. Von Lie. Justus Köberle, Privatdocent und Repetent der Theologie. Verlag von A. Deichert's Rachf. (George Böhme), Leipzig 1901. „Ost und West". Jllustrirte Monatsschrift für Modernes Judenthum. Juli 1902, Heft Nr. 7. Inhalt: Die Anfänge des jüdischen Capitalismus (Schluß) von Dr. Franz Oppenheimer. Die Freiheit (Gedichte) von Israel Auerbach. Richard Goldberg (mit 12 Illustrationen) von Georg K u t n a. Hebräisch und jüdisch von Mathias A ch e r. Hausierer (Gemälde) von S. Heymann. Bei Max Rabes von Theodor Zlo cisti. Aus den „Gedichten der Bibel" von M. A. Klausner. Rachel Mironowna Chin von Josef M e l n i k. Juden als Rheder und Seefahrer von Dr. M. G r u n w a l d. Esra, der Schriftgelehrte (Sculptur) von L. Bernstein (Paris). Sterben (Novelle) von Felix P i n k u s. Ich wandelte unter den Bäumen (Lied) von Hirsch Liwschütz. Literatur, Miscellen, Aphorismen, Revue der Presse. Preisausschreiben. Verlag von S. C a l v a r y u. Co. Berlin, N.-W. 7. Neue Wilhelmstraße 1. Die Allegorie in ihrer exegetischen Anwendung bei Moses Maimonides. I. und II. Theil, dargestellt von Dr. Philipp Goldberger, Rabbiner in Marienbad. Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig. Was hat Mohammed aus demJudenthume ausgenommen? Eine von der königl. preußischen Rheinuniversität gekrönte Preisschrift von Abraham Geiger. Verlag von M. W. Kaufmann, Leipzig, 1902. Jahrbuch der Wiener k. k. Krankenanstalten, VIII. Jahrgang 1899, herausgegeben von der k. k. niederösterreichischenStatthalterei Wilh. Braumüller, k. k. Hof- und Universitäts - Buchhändler, Wien, und Leipzig, 1902. Demnächst erscheint vom Herrn Dr. K. Lippe aus Jassy eine neue Schrift: „M eine 25jährige z i o n i st i s ch e Agitation^ vom historisch-literarischen Standpunkte. Inhalt: Summe der Inhalte aller im Verlaufe von 25 Jahren gehaltenen Reden und Vorträge. Der Gesammterlös fließt dem Nationalfonde zu. In Rußland verboten wurde die bei I. L. Pollak, Wien, erschienene Schrift von Dr. Martin Engländer: „Die auffallend häufigen Krankheitserscheinungen der jüdischen Race". Daß die löbliche russische Censur die volksaufklärenden oder der allgemeinen Aufklärung dienenden Schriften im h. Reiche verbietet, ist bekannt, daß sie aber auch eine nur die Juden interessirende und in diesem Sinne geschriebene Broschüre verbietet, ist wohl gar traurig zu nennen. Krirfkasterr. K. Das ist indischen Ursprungs. Eine indische Schöpfungsgeschichte erzählt, als Vulkan, der Schöpfer des Welltalls, die Frau schaffen wollte, habe er gefunden, daß der zu seiner Verfügung stehende Stoff bei der Schöpfung des Mannes schon ausgebraucht war. Da nahm er die Windungen einer Schlange, die Zähigkeit sich festzuklammern von den Kletterpflanzen, das Zittern des Grases, die aufrechte Haltung des Schilfrohrs, den Sammet der Blume, die Leichtigkeit eines Blattes, den Blick der Gazelle, die Heiterkeit des Sonnenstrahls, die Thränen der Wolken, die Unbeständigkeit des Windes, die Weichheit der Daunen, die Süße des Honigs, die Grausamkeit des Tigers, die sengende Hitze des Feuers, die erstarrende Wirkung des Eises, das Schwatzen der Elster, mischte alle diese Elemente zusammen und bildete — das Weib. I. General Gabriel Valensi in Tunis wurde zum Chefdolmetsch und Ordenskanzler ernannt — Professor Dr. Eruest Cohen in Amsterdam wurde zum ordentlichen Professor der Naturwissenschaften an der Universität Utrecht ernannt. M. K. in Karlsbad. Hat gar keine Gesinnung. S. Pater S ch e i ch e r, der unermüdliche Schimpfer im Reichsrath und Landtag, notirt in seinem „Correspondenzblatt für den katholischen Klerus" folgende Klage eines Geistlichen: »In Frankreich faßte unlängst ein Verein den Beschluß, Scandalhistörchen aus dem Leben der Priester nachzuspüren und dieselben zu veröffentlichen. Bei uns beschäftigt sich schon längst ein Theil der öffentlichen Presse mit dieser Arbeit. Ich bin Priester, und wenn ich so etwas lese, thut mir immer das Herz wehe; es tangirt uns ja Alle und wir haben ja auch ein Gefühl wie jeder Andere. Ich denke immer, warum veröffentlichen das diese Leute mit solcher Schadenfreude? Was wollen sie damit beweisen? In dieser Art der Berichte sehe ich nicht das Bestreben nach Besserung, sondern brutale Bosheit, das Bestreben, zu beleidigen, zu verwunden. Will die Presse eine wirkliche Besserung erzielen, muß dieselbe einen anderen Weg einschlagen. Man soll prüfen, woher solch' traurige Fälle bei den Priestern ihren Ursprung haben, uud diese Quelle soll man beseitigen, gegen diese arbeiten". Ja warum hatte Herr Dr. S ch e i ch e r niemals nach diesen Grundsätzen gehandelt, in Bezug auf die Juden? Bedürfen blos die Mitglieder des Clerus der Milde und Nachsicht in der Beurtheilung? Wir bitten unsere p. 1. Abonnenten, welche aufs Land riehen, uns rechtzeitig die neue Adresse (unter gleichzeitiger Angabe der bisherigen Stadtadresse) mittheilen zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung des Blattes rintretr. M. L. Biedermann-Waisenstiftung. Es wird hiemit verlautbart, daß aus den Zinsen der obgenannten Stiftung per 1902 ein Betrag von 6200 Kronen zur Vertheilung gelangt. Um Betheilung aus diesen Stiftungserträgnissen können sich hilfsbedürftige Waisen bewerben, welche das 20. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und directe Nachkommen der ursprünglichen Stifter, der Herren: M. L. Biedermann, Simon Biedermann, Josef Biedermann jun., Hermann Biedermann. Anton Biedermann, Josef Biedermann sen., Samuel Biedermann, I. Goldschmidt, S. I. H. Goldschmidt. I. L. Hosmann Edler v. Hofmannsthal, Aron Hermann, R. M. Kanla, Jacob Löwy, I. H. Mannheimer, M. Stroß, H. Edler v. Wertheimstein und der Frau Amalie Lang sind. Um den nach Vertheilung an diese Nachkommen etwa verbleibenden Rest des Stistungserträgnisses können sich hilfsbedürftige israelitische Waisen bewerben, welche das zwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht haben und deren verstorbene Väter Mitglieder der israelitischen Cultusgemeinde in Wien waren. Die mit dem Geburts-, Verwandtschafts-, Armuths und Sittenzeugnisse, sowie dem Nachweise der Verwaisung belegten Gesuche sind im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde (I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock) bis längstens 31. Juli 1902 zu überreichen. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Wien, 1. Juli 1903. Der Vorstand der israel. Cultusgemeinde Wien. Cin tüchtiger Jalmudist sucht Stunden in. allen hier einschlägigen Gegenständen. Gefl- Zuschriften erbeten an J. M., H., Schmelzgasse 9, I. Stiege; 3. Stock, Thür 17.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.