Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 26 (27.6.1902)
- Date
- 1902-06-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 26 Dr■ Bloch’s Jahrgang XIX Centralorgan für die gesammten Interesten des Iudenthums. Wir«. 37. Juni 1903. -H-H' —4- Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. x -x K. ft. xofifpsrrsffrn-A«ck Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Adnünifirsttor» Wien IX/1, Verggaffe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. X - - —=X X= Vexugsprei» fllr SrstrrrrUH Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ansland: Halbjährig 10 fronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die4malgespaltene Prtitzeile 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Politische Entartung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesxeschichte. — Die rumänische Judenfrage im ungarischen und englischen Parlamente. — Eine dringende Aufgabe. — Ein Wahlbild aus Galizien. — Correspondenzen: Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cnltusgemeinde. Das Elend der jüdischen Hauslehrer. Das Blutmärchen mit irrthümlicher Adresse. Preßburg. Die Bajaer Cnltusgemeinde und ihre Institutionen. Darmstadt. Die Einweihungs-Feierlichkeiten der neuen Synagoge in Kissingen. Frankfurt a. M. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" ln Wien. Wien, Wien-Mariahilf, Klosterneuburg, Neutitschein, Gablonz. Lichtenstadt b. Carlsbad, Troppau, Nasice, Rokitzan, Berlin. — Feuilleton: Ein Zeitbild. „Schema Jisroel". — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lautenden Abonnementsgebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man die beigelegten Postenlagscheine benützen Die Administration der „Oesterr. Wochenschrift?' Politische Entartung. Herr Red acteur! Sie haben in Ihrer vorletzten Nummer einen vom Grafen Friedrich Schönborn signirten Artikel des „Vaterland" abgedruckt, in welchem anläßlich einer gehässigen Aeußerung Daszynski's gegen die österreichische Armee die „unleidliche Wildheit und Zügellosigkeit unserer parlamentarischen Sitten" beklagt wird, und Sie haben ganz richtig als die Urquelle dieser zunehmenden Wildheit und Zügellosigkeit die von den Protectionskindern Sr. Excellenz, den Wiener Christlich-Socialen, in das Parlament eingeführte Gemeinheit und Brutalität bezeichnet. Ich möchte mit dieser Feststellung die in mehrfacher Beziehung lehrreichen Ausführungen des Grafen Schönborn noch nicht abgethan haben. Als ich jüngst, um auf meinem einsamen Landsitze der Langweile einer dreiwöchentlichen Regenperiode zu trotzen, in alten Papieren kramte, fiel mir ein anderer Artikel des „Vaterland" in die Hände, der eben jetzt der Vergessenheit entrissen zu werden verdient. Am 17. September 1899, einen Tag nach Verkündigung des Todesurtheils im Kuttenberger Hilsner-Processe, schrieb das Organ der feudal-clericalen Partei wörtlich Folgendes: „Was vor Gericht nickt zulässig ist, das ist desto mehr und d e st o lauter außerhalb des Gerichtssaales Gegenstand der Erörterung: Man spricht direct und unverhohlen von einem sogenannten jüdischen Ritualmord. Der Staatsanwalt hat durch eine weitere Bemerkung dieser Ansicht nicht wenig Halt gegeben. „Wenigstens zwei müßten diese That (Herabreißen der Kleider) vor dem Morde besorgen, während der Dritte den Schnitt führte". Wir wollen die in diesen Worten liegenden Jndicien nicht weiter ausführen, sie liegen ja ziemlich unverkennbar zwischen den Zeilen und bieten in Verbindung mit der Art der Schnittwunde, der vollständigen Blutleere des Leichnams die schwerwiegendsten Verdachtsmomente. „Also doch einmal ein Ritualmord? Gibt es einen solchen? Hat es je einen solchen gegeben? Diese Fragen drängen sich hier mit unwiderstehlicher Gewalt auf. Daß die jüdische Religion, soferne sie auf der göttlicken Offenbarung des Alten Testamentes beruht, keinen rituellen Menschenmord kennt, braucht nicht erst gesagt zu werden. Aber die n a ch ch r i st l i ch e n Juden sind nicht mehr das Volk der Offenbarung und ihre religiösen Satzungen haben keine göttliche Gewähr vor Jrrthümern mehr an sich. In Bezug auf menschliche Zuthaten der gegenwärtigen jüdischen Religion läßt sich also allerdings die Frage aufwerfen, wie sie sich zum Ritualmord verhält. Man muß aber hier der Wahrheit gemäß sagen, daß sich aus keinem religiösen Buche der Juden, betreffend die Lehre, oder den Sittencodex oder den Cultus, Nachweisen läßt, daß die Juden als solche und im Großen und Ganzen Christenblut zu rituellen Zwecken gebrauchten. Man kann es auch dahingestellt sein lassen, ob auch nur einzelne Juden oder irgend eine jüdischeSecteChristenblut zueinem eigentlich rituellen Zwecke verwendet. Wenn man dies auch zugeben mag. so kann doch Niemand, der geschichtlich beglaubigte Nachrichten gelten läßt, in Abrede stellen, daß im Laufe der Jahrhunderte und in verschiedenen, weit von einander entlegenen Ländern Christen von Juden einzig und allein aus Religionshaß ermordet wurden; eine ganze Reihe solcher Fälle sind erwiesen. Die Knaben Andreas von Rienn und Simon von Trient werden mit kirchlicher Genehmigung als Märtyrer verehrt. Letzterer von dem großen Papste Benedict XIV. in seinem Werke über „Selig- und Heiligsprechung" behandelt; der heilige Peter von Arbuas wurde von den Juden seiner Religion und des Amtes wegen, das er in ihr bekleidete, erstochen; und so lassen sich leicht 30—40 Fälle anführen. Der letzte streng beglaubigte Fall ist unseres Wissens die Ermordung des Kapuziners Pater Thomas zu Damaskus in den Vierziger-Jahren. „Wirwollen von gewiffen, nicht aufgeklärten Fällen der letzten Jahre absehen. Aber angesichts all jener Thatsachen, kann man es unmöglich als Märchen bezeichnen.. daß Juden bald da, bald dort, bald zu dieser, bald zu jener Zeit Christenblut vergossenhaben, undzwarausReligionshaß, und der jetzt in Rede stehende Mord kann f a st auf die Absicht schließen lassen, das Blut zu einem ganz bestimmten Zwecke zu gebrauchen. Wir find weit entfernt, diesen Fall irgendwie verallgemeinern