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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-20 · 25 (20.6.1902) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 420 Dr Bloches Wochvnfchrifk. Nr« 25 „Heirat" iu N« Im Tractat Jebamoth 62, b, wird die Ehelichung einer Nichte als besonders verdienstlich gepriesen und Demjenigen, der dieses Verdienst sich erwirbt, die Erfüllung seiner Wünsche durch die göttliche Vorsehung verheißen. „Afsimilant". Die Blüthen arisch-christlicher Cultur sind sichtbar allerwegen. In T s ch o r l o u (Vilajet Adrianopel) cultiviren seit altersher die christlichen Griechen den Brauch, eine künstlich angefertigte Gestalt als Judas Jschariot zu verbrennen. Oft ist es dabei zu Ruhestörungen seitens der fanatischen Menge gekommen. Diesmal hat der fromme Brauch dazu geführt, daß man sich zum jüdischen Friedhofe begab und dort aus dem Grabe den Leichnam eines am vorhergehenden Freitag begrabenen Knaben, Sohn des Josef Moreno B a r o k a s, herausholte. Man begoß ihn mit Petroleum, nagelte ihn auf ein Holzstück und verbrannte ihn unter dem Gejohle der Menge. Seit Jahren war im Orte bekannt, daß man am Charsamstag Gebeine Köpfe, Arme u. s. w.) auf dem jüdischen Friedhofe ausgräbt, um sie öffentlich zu verbrennen. Die geängstigten Juden, eine verschwindende Minorität, wagten nicht, Klage zu erheben. Diesmal aber haben sie sich an die competenten Behörden gewendet, und es ist zu hoffen, daß wenigstens die Todtcn von nun an vor den Griechen die Ruhe haben mögen, die den lebenden Juden ihrerseits niemals zutheil wird. Kunstfreund. Der Maler David Mose, welcher in Nom solch tragisches Ende gefunden, war der Schöpfer des Bildes „Begrabene Hoffnung", welches auch im Wiener Künstlerhause ausgestellt gewesen, und bei der letzten Ausstellung in Venedig für die dortige Sammlung moderner Meister angekauft worden ist. Mose litt seit längerer Zeit an einer hochgradigen Nervosität, die sich wiederholt bis zu Ausbrüchen von Verfolgungswahn steigerte. Er glaubte sich von den Antisemiten verfolgt, die ihm nach dem Leben trachten. Im Vorjahre hatte er einen solchen Anfall in Berlin, während er in der Kunstakademie mit Professor Oettinger sprach. Er wurde damals ins Irrenhaus gebracht, bald darauf aber wieder entlassen und reiste nach Venedig. Den Selbstmord mußte er schon einige Tage vorher begangen haben; man fand ihn mit den Revolver in der rechten Hand ganz starr und langgestreckt auf den Fußboden seines Ateliers liegen. Die Künstler Venedigs betrauerten den frühen Tod des geistvollen kaum dreißigjährigen Genossen. Als junger Anfänger hatte Mose in Wien nach dem Tode Kronprinzen Rudolf bei dem Hofamte die Erlaubnis erwirkt, eine Bleistiftskizze des Kopfes des Kronprinzen, als dessen Leiche in der Burg auf dem Bette lag, aufzunehmen, und diese Zeichnung ist dann unseres Wissens in den Besitz des Hofes übergegangen. N. Den merkwürdigsten Taufschein besitzt König Leopold von Belgien. Obwohl sein Vater Protestant war, wurde er mit Rücksicht auf seine künftige Stellung katholisch getauft, und da nun nach dem belgischen Gesetz die Taufscheine vom Vater, von dem taufenden Geistlichen und vom Bürgermeister unterzeichnet werden müssen, so zeigt König Leopold's Taufurkunde eine äußerst tolerante Namens-Zusammenstellung. Der Vater war ja Protestant, der taufende Geistliche war katholischer Cardinal, und der Bürgerm e i st e r (von Lacken bei Brüssel) war — Jude. m m. m. Eocal- Veränderung! Die B U R E AU X der AN NONCEN-EXPEDITION M. DUKES NACHF. (Max Augenfeld & Emerich Lessner) befinden sieb nun —■ - I., Wollz&ile för. 9 (gegenüber dem alten Locale). ■<W/s. <W/,, -£?//, £?///: ■. M'. d -E '<&►>' 'd' "W “y. Ey. . ^y. . W/,. MM (aff City Wien, IX., Porzellangasse 1. Die ergebenst Gefertigte erlaubt sich zum Besuche ihres neu und elegant, im modernen Style eingerichteten und vorzüglich ventilirten Cafes höflichst einzuladen. 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