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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-06-13 · 24 (13.6.1902) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
24 (13.6.1902)
Date
1902-06-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 402 dx. Vloch'S Wochenschrift Nr. 24 die hiesige Cultusgemeinde und Ehewra-Kadischa, die hochwürdige Geistlichkett, Herr Hauptmann mit den Herren Beamten der k. k. Bezirkshauptmannschaft, der Herr Laudcsgerichtsrath mit den Herren Beamten des k. k. Bezirksgerichtes, der Herr Bürgermeister unserer Stadt mit den Herren Stadtverordneten, die k. k. Gendarmerie, sämmtliche Herren Aerzte, Herren Professoren und'Lehrer, der löbliche Gesangsverein, Feuerwehr und Veteranenverein, sowie viele Arbeiter aus hiesigen Fabriken, nebst Bekannten und Verehrern des Verblichenen ans Nah und Fern. Die cantorale Function versah in Abwesenheit unseres Herrn Rabbiners, Herr Dr. Thieberger, Rabbiner aus Prag. Herr Eultusvorsteher Dr. Emil Weisner sprach am offenen Grabe im Namen der Cultusgemeinde warme Worte der Anerkennung und nahm einen sehr rührenden Abschied von einem Manne, dessen Andenken ewig gesegnet bleiben wird. Friede seiner Asche und Ehre seinem Namen! L—g. Oedeuburg. (Das Ende einer alten Jsraeliten-Gemeinde.) Durch einen Erlaß des ungarischen Ministeriums des Jn.iern wurde der viele Jahrhunderte alten, politisch selbstständigen Jsraelitengemeinde Mattersdorf, im Oedenburger Comitat, die Autonomie entzogen und deren Einverleibung in die Mattersdorf er Großgemeinde angeordnet. Die ehemals blühende Gemeinde war im Laufe der Jahre so weil zurückgegangen, daß sie die Lasten der Autonomie nicht mehr bestreiten konnte und ein bedeutender Schuldenstand sich ergab. Nunmehr hat von den ungarischen Jsraelitengemeinden nur mehr E i s e n st a d t die Autonomie. Triest. Der langjährige Bicepräsident des hiesigen Stadtrathes, Moses L u z z a t t o, wurde aus Anlaß seines Scheidens aus diesem Amte einstimmig zum Ehrenbürger ernannt. Die Tciester Blätter bringen aus diesem Anlasse Festartikel, welche die Verdienste des Herrn Moses Lu z z a t to um den Aufschwung Triests in den letzten 30 Jahren feiern. Budapest. Die juridische Facultät an der Budapester Universität hat den Profestor Dr. Gustav Schwarz zum Decan gewählt. Sarajewo. Hier ist der Hausbesitzer Javer Effendi Baruch im 60. Lebensjahre gestorben. Unter zahlreicher Betheiligung der israelitisch-sephardischen Gemeinde wurde der Verstorbene am spaniolischen Friedhofe in Kovaöoi beerdigt. Szt. Kereszt. (Todesfall.) Am 31. Mai starb hier im 72. Lebensjahre einer der ausgezeichnetsten Männer, der in unserer Mitte zu finden war. Es ist dies Herr Max G m e i n e r, welcher in allen Schichten der Bevölkerung seit langen Jahren angesehen gewesen und fich den wohlbegründeten Ruf eines Ehrenmannes erworben hat. Komorn. (Kaiserliche Auszeichnung.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Rabbiner Dr. Armin Schnitzer, hier, das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen. Jassy. Die hiesige B’nai Lrild-Gesellschaft hat die Initiative ergriffen, die Idee des Präsidenten Herrn A. S. Goldenthal zu verwirklichen und in Jassy für die Juden des ganzen Landes eine Ackerbauschule zu gründen. Die Anstalt weihte Herr Rabbiner Dr. Niemirover mit einem Vortrag über die Bedeutung der Agricultur bei den Juden ein. Die Schule, welche mit 20 Schülern angefangen hat, lenkt vorläufig auf den praktischen Theil ihr Augenmerk. Die rumänischen Juden setzen auf diese Anstalt große Hoffnung. Feuilleton. Gm Zeitbild. Nach wahren Begebenheiten erzählt von Richard Rolfs. (Fortsetzung.) Und meinst Du, wir Arier fühlten uns den Juden zu Dank verpflichtet, weil sie verhältnißmäßig so überaus viel für uns thun? Keine Idee! Hier im Zimmer zwar nennst Du die Juden hochherzig, edel, draußen auf dem Markt aber heißt es nur: „was die Juden für Geld haben müffen, daß sie so viel thun können!" Und statt Dank und Anerkennung ernten sie im Allgemeinen Neid und Mißgunst und überdies Verachtung —" „Du übertreibst, Du übertreibst —" „Ich übertreibe nicht. Daß heißt, ich spreche ja nur im Allgemeinen, ich weiß sehr wohl, daß Du Dich Deinem Chef und dessen Familie, obgleich sie Juden sind, aufrichtig verpflichtet fühlst." „Ganz gewiß, ich wäre ein elender Mensch, wenn ich mich ihnen nicht zu Dank verpflichtet sühlen würde." „Und Du bist nicht der Einzige, der so denkt —" „Nun freilich bin ich nicht der Einzige. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus allein zählt doch, wie ich glaube, Tausende von Mitgliedern, bist Du nicht auch Mitglied?" „Nein. Offen gestanden, es ist mir gar nicht in den Sinn gekommen, dem Vereine beizutretcn, obgleich ich allerdings anerkenne, daß seine Tendenz die reinste ist. Daß er aber seinen Zweck erreicht, daß nämlich der Antisemitismus durch die Wirksamkeit des Vereines zurückzedräugt oder auch nur in seinen Folgen abgeschwächt wird, das glaube ich nicht. Der Verein ist in meinen Augen nichts anderes, als ein Sammelplatz, der die vornehmsten Geister der Gegenwart vereint, die durch ihre Vereinigung es aussprechen wollen, daß sie den Schmutz der Gegenwart von sich abweisen. Das ist an und für sich ganz schön." „Gewiß ist das schön, aber weshalb bist Du nicht Mitglied? — ich bin sofort eingetreten." „Das finde ich natürlich, Du hast mit Rücksicht auf Deinen Chef erforderlich gehalten, Deine diesbezügliche Ansicht durch Deinen Eintritt in den Verein zum Ausdruck zu bringen. Aber weshalb hätte ich beitreten sollen?" „Um der guten Sache willen." „Um der guten Sache willen? — ich wüßte nicht, wie so mein Beitritt die sogenannte gute Sache hätte fördern können. Nicht auf die Masse der Vereinsmitglieder kommt es an, sondern auf deren Namen, und meiner hat keinen Klang, wenn ich auck mein Schäfchen ins Trockene gebracht habe und in meinen nun etwas allzureichlichen Mußestunden zuweilen politisire und philosophire." „Der Ansicht bin ich nicht. Je mehr Mitglieder der Verein zählt, umso leichter wird es ihm werden, den Ausschreitungen des Antisemitismus ein Ziel zu setzen." „Das wird ihm nicht gelingen, namentlich nicht, so lange die Judenheit selbst sich ihrer Haut nicht wehrt." „Das hast Du vorhin auch schon gesagt. Aber wie meinst Du denn eigentlich, daß die Juden sich wehren könnten und sollten?" „Indem sie das thun, was ihre Feinde mit Unrecht ihnen vorwerfen. — Im vorigen Jahr war ich in Karlsbad mit einem Israeliten aus Lincoln zusammen, der hat mir erzählt, wie die Juden in Amerika die Ausschreitungen des Antisemitismus einzudämmen wissen. Ich weiß nicht, war es in seinem Wohnort oder in der Nähe desselben, daß sich ein Hotelier gegen einen jüdischen Geschäftsreisenden irgend etwas hat zu Schulden kommen lassen. Der Wirth ist, wie ich glaube, aus Deutschland, dem Vaterlande des Antisemitismus, er hatte zufälligerweise sein ganzes Haus besetzt; als aber der erwähnte Reisende ein Zimmer verlangte, da hat der Wirth sich nicht begnügt, ihm zu sagen, daß keines frei ist, sondern hinzugefügt, „für Juden habe er heute kein Zimmer." Am folgenden Tage erschien in dem in jener Gegend meistgelesenen Blatte eine Erklärung sämmtlicher jüdischer Geschäftsleute, daß sie fortan mit keinem ein Geschäft machen werden, der in dem erwähnten Hotel logiren würde. Da war der Wirth ruinirt, denn, obgleich er von dem Einen zum Andern gelaufen ist, den jüdischen Geschäftsleuten jede erdenkliche Satisfaction angeboten hat, sie haben ihr Verdick nicht zurückgenommen, und der edle Deutsche, der das Product seiner Heimat in Amerika hat impyrtiren wollen, hat fort müssen. — Wenn die hiesigen Juden in ähnlicher Weise Vorgehen würden, wäre den Ausschreitungen des Antisemitismus sehr rasch ein Ziel gesetzt." „Die Geschichte ist ganz nett — aber antisemitische Gastwirthe, die ihren Antisemitismus so offen zu Schau tragen, gibts wohl nicht gar zu viele — also sehe ich auch nicht ein, wie die Juden sich, wie Du es nennst, ihrer Haut wehren sollten." Um Herrn Wiesner's Lippen spielte ein überlegenes Lächeln. „Was meinst Du, wenn sämmtliche Juden, die mehr als eine Viertelmillion im Vermögen haben, erklären würden, daß sie das Land verlassen, wenn nicht binnen kürzester Frist energische Maßregeln getroffen werden, daß die gegen ihre Religion und Nation gerichteten Schmähungen re. aufhören, wenn sämmtliche jüdische Großindustrielle dasselbe erklären würden? — Meinst Du nicht, daß in diesem Falle die Behörden sehr bald Mittel

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