Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 23 (6.6.1902)
- Date
- 1902-06-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 384 Dr. Bloch's Wochrnfchrrfk. Kr. 23 hebt, ist bei ihm das religiöse Pflichtgefühl stark entwickelt; dies, sowie seine Üinstlerisch gesangliche Begabung hat nicht wenig dazu beigetragen, ihn in der Achtung Aller zu heben, weshalb sein Scheiden nicht nur bei dem überwiegend größten Theile der Mitglieder der Cultusgemeinde, sondern auch bei der gebildeten Bevölkerung der Stadt bedauert wird. Prag. (Das 40jährige Jubiläum) ihres Bestandes feiert die Prager Verlagsbuchhandlung Samuel W. Pascheles. Die rührige Firma hat es verstanden, sich von kleinen Anfängen zu ihrer heutigen großen Ausdehnung emporzuarbeiten. Ihr weltbekannter Verlag umfaßt unter Anderem sämmtliche Festgebete und Andachtsbücher von Pros. Kämpf und Landau, die berühmte illustrirte P r a ch i b i b e l von Prof. F ü r st, das bei den israelitischen Hausfrauen bestbekannte und unentbehrliche Kautz e r' s ch e Kochbuch und viele andere schätzenswerthe Werke, die wegen Raummangels hier nicht ausgezählt werden können. Jmrgbunzlau. Einen unserer Besten haben wir am 1. Juni zur letzten Ruhe geleitet. Im Alter von 80 Jahren st«rb Herr Beit B. Goldberg, Gründer und gewesener Gesellschafter der weltbekannten Firma V. B. Goldberg & Eidam in Jungbuuzlau. Der Verblichene war durch vierzig Jahre Mitglied des Vorstandes der Chewra-Kadischa, gehörte viele Jahre dem Vorstände der Cultusgemeinde an, leitete lange die Armenpflege in derselben in musterhafter Weise und wirkte auf allen Gebieten der Humanität segensreich. Welch' großer Verehrung er sich erfreute, kam bei seinem Leichenbegängnisse in imposanter Weise zur Geltung. Außer dem Bürgermeister unserer Stadt, Herrn JUDr. Slavik und einigen Stadtverordneten nahmen corporativ theil der verstärkte Cultusvorstand, die Chewra-Kadischa, der Borstand des Humanitären Vereines Bikkur Ckolim und eine nach Hunderten zählende Menge, worunter auch die gesammte Arbeiterschaft der Firma. In der Ceremonienhalle hielt Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Hoch eine tiesdurchdachte und meisterhaft vorgetragene Grabrede, worauf unter Leitung des Herrn Obercantors B. Singer ein Quartett des Tempelgesangvereines „Harmonie" in ergreifender Weise den Scheidegruß darbrachte. Beit B. G o l d b e r g's sterbliche Hülle bedecken die Schollen, sein Andenken aber ist unauslöschlich in unseren Herzen, was er geleistet, ist mit goldenen Lettern in die Geschichte der Cultusgemeinde Jungbunzlau eingezeichnet. — Er ruhe in Frieden! — Der Verstorbene war der Schwiegervater des Herrn Fabrikanten S. Haas, Präsidenten der Ortsgruppe des Hilfsvereins für die jüdische Bevölkerung Galiziens. Leitomlfchl. Am 14. Mai starb hier Herr Moritz Großmann im 84. Jahre seines dem Wähle der Familie gewidmeten Lebens. An dem Verblichenen verliert die hiesige Cultusgemeinde einen ihrer ältesten Begründer und Berather. Er gehörte durch fünfzig Jahre derselben an und war wiederholt Vorstand der Gemeinde sowohl als auch der Chewra-Kadischa. Der Verstorbene hinterläßt vier Söhne, wovon zwei angesehene Stellungen in Wien einnebmen, und zwar der bekannte Mathematiker und Nationalökonom Herr Dr. Ludwig Großmann und der behördlich autorisirte Bau-Ingenieur und Ingenieur der Donauregulirungs-Commission Herr Max Großmann. Die einzige Tochter ist an den Rabbiner und Prediger Herrn Dr. Jakob Kohn in Jnowraclaw (Preußen), der den Ruf eines hervorragenden Kanzelredners genießt, verheiratet. Der Verewigte war ein Ehrenmann in des Wortes vollster Bedeutung. Strenge Rechtlichkeit, Bescheidenheit, Auftichtigkeit und Friedensliebe, das waren seine Grundcharakterzüge, daher erfreute er sich jederzeit in allen Kreisen der größten Verehrung und Hochachtung. Die überaus zahlreiche Betheiligung der Bevölkerung von Nah und Fern an seinem Leichenbegängnisse gab Kunde davon. Dasselbe gewann besonders an Feierlichkeit durch die ergreifende, tiefempfundene Rede, welche sein Schwiegersohn Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Kohn am offenen Grabe hielt. Alles war mächtig ergriffen und die zahlreichen trauernden Versammelten lauschten in wehmuthsvoller Andacht dieser ausgezeichneten Rede. Kein Auge blieb thränenleer. Ehre seinem Angedenken! Jglau. Unter zahlreicher Betheiligung und in Anwesenheit ihrer Kinder, des Oberlehrers Herrn Emil Fuchs und Frau aus Wien, der Frau Rabbiner Johanna Dr. U n g e r und des k. k. Steuereinnehmers Herrn Heinrich Fuchs und Frau aus Herzogenburg, der Enkel Herrn und Frau Dr. Siegfried Wertheimer sammt Urenkel aus Pilgram, fand am Freitag den 30. Mai l. I. das Leichenbegängniß der hochbetagten Oberlehrerswitwe Frau Auguste Fuchs statt. Als Gattin des in weiten Kreisen bestbekannten Oberlehrers Herrn Solomon Fuchs aus Jamnitz zählte die Verblichene zu den strebsamsten und verdientesten Frauen der dortigen Cultusgemeinde und erfreute sich jederzeit der allgemeinen, rückhaltslosen Achtung und Werthschätzung. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes widmete ihr der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. I. I. U n g e r, Schwiegersohn der Verewigten, tiefempfundene Abschiedsworte. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, sowie die Vorstände der Chewra-Kadischa und des Frauenvereines betheiligten sich corporativ an der Leichenfeier. — m — Pirnitz. Die Tempelverwaltung der israelit. Cultusgemeinde Pirnitz in Mähren sieht sich veranlaßt, allen Spendern, die zur Renovirung unseres Tempels in so hochherziger Weise beigetragen, besten und innigsten Dank auszusprechen. Zugleich bittet die Tempelverwaltung um weitere gütige Gaben. David Schulz, Tempelvorsteher. Spenden liefen ein von folgenden Herren und Frauen: Babette Wallmann, Triest; Heinrich Weiner, Wien; Josef Grünseld, Jglau; Adolf Rosenfeld, Groß-Kanizsa; Sigmund Berstl, Joachimsthal; Karl Freund, Wien; Dr. Jacob Trost, Wien: Ignaz Weiner, Jglau; Sigmund Grünfeld, Jglau; Moriz Bretschneider, Jglau; Hermann Herschmann, Jglau; k. k. Finanzrath Julius Berstl, Wien; Nathan Kölbl, Salzburg; Samuel Herschmann, Trebitsch; Julius Fabian, Trebitsch; Philipp Polnauer. Trebitsch; Wilhelm Fabian, Branzaus; Moriz Gutherz, Wien; Josef Fabian, Branzaus; Emma Schick, Wien; Bertha Kern, Ledetsch; Simon Furcht, Polna; Freund, Prag; Komita, Brünn. Zolynia (Galizien). Folgender Fall beweist wieder einmal, wie weit die Verdummung des Bauernvvlkes durch seine Führer und Lehrer getrieben wird. Die Bewohner des genannten Dorfes leben seit undenklichen Zeiten im größten Frieden mit den daselbst wohnenden Juden. Vor einiger Zeit starb der Ortspsarrer und an seine Stelle kam ein neuer aus der „modernen Schule" hervorgegangener Priester. Diesem gelang es in ganz kurzer Zeit, das friedliebende, arbeitsame Volk mit den Lehren des alleinseligmachenden Antisemitismus zu vergiften. Diese Saat sollte nun auch bald die gewünschten Früchte zeitigen. Vor kurzer Zeit verschwand das achtjährige Mädchen des hiesigen Landwirthes Jan Kochmann, das schon einigemale vor seiner es mißhandelnden Mutter in das Nachbardorf flüchtete, wieder einmal plötzlich aus dem Dorfe. Die Juden waren eben mit dem Mazzothbacken beschäftigt und die gelehrigen Schüler des neuen Pfarrers begannen nun erst leise, dann immer lauter darüber zu sprechen, daß die Juden die kleine Kochmann gefangen halten, sie, da sie zu mager ist, erst gut ausfüttern und dann abschlachten werden, um ihr Blut zu den Mazzoth zu verwenden. Es kam natürlich auch zu Thätlichkeiten, Demolirungen jüdischer Häuser, wobei sich die Missethäter ganz unverhohlen damit rechtfertigen, daß „Se. Ehrwürden, der Herr Geistliche, ausdrücklich erklärt habe, daß man wegen Mißhandlung eines Juden nicht zur Verantwortung gezogen werden könne." Aber glücklicherweise hat der .Teufelsapparat wieder einmal nicht verläßlich genug functionirt, denn das Kind wurde Dank den Bemühungen des jüdischen Großtrafikanten Josef Leistyna in Zolynia in der Nachbargemeinde ausgeforscht, wohin es sich vor der unmenschlichen Behandlung der Stiefmutter geflüchtet und verborgen gehalten hatte. Die Bluthunde hatten also wieder Pech, aber jetzt wird es doch bald nothwendig werden, daß die Juden die christlichen Kinder bewachen, denn sie werden ja in allen Fällen für deren Verschwinden verantwortlich gemacht. Feuilleton. Gr« Zeitbild. Nach wahren Begebenheiten erzählt von Richard Rolfs. (Fortsetzung.) „Wenn Sie den Knaben so genau kennen, so ist in Wirklichkeit nicht das Geringste zu fürchten. Zu allem Ueberfluß können Sie ja sehen, daß Sie ihn selbst sprechen und können ihn um Entschuldigung bitten, und außerdem sollten Sie den Poldi dazu zu bringen, daß er ihn um Verzeihung bittet." „Dazu sollte ich den Poldi bringen? — Unmöglich, Herr Wiesner —" „Ich wollte ihn schon dazu bringen", rief der Kranke, indem er mit seinen bleichen, abgemagerten Händen in der Luft fuchtelte, „hei, wie wollte ich den gemeinen Buben durchwalken, bis er den Himmel für eine Baßgeige ansehen würde. Aber geschenkt ist's ihm nicht, laß mich nur erst gesund sein, sobald ich nur erst einen Stock wieder heben kann, soll er ihn kosten