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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-16 · 20 (16.5.1902) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
20 (16.5.1902)
Date
1902-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. ro Dr. Blocll S Jahrgang XIX Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. -^-- Wen. 16. Mai 1902. - ■>- g- »-<.- Erscheint jeden Freitag. ->>— - Brief-Adreffe: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. #= -X K. ft. Pogsparraffen-Amt Clearing-Verkehr Nr. 610.876. LrdarNon und Adminiflrattor» Wir« IX/1. Berggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. X -M BejugaprBtH fltr Sestrrrrtch Halbjährig 8 Lronea. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. - .-*t Inhalt: Leitartikel: Rumänische Ableugnungsversuche — Rumänien in der Sackgasse. — „Brimanus der Jüngere". — Vom JahrmarktdesLebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Harnack's Gelehrsamkeit und Wahrheitsliebe. Der Ritualmord-Schwindel im Peklothale Bet Nachod. Mißgeschick der Täuflinge. Die Mandanten der jüdischen Notare. Der Arzt der Königin Wilhelmine' Die jüdischen Chemiker. Jüdischer Bankerott. Ein Mord aus Aberglauben. Jüdische Seeleute. — Correspondenzen: Aus . der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Wien, Berlin. Karlsruhe. Gießen. Bukarest, Paris, Antwerpen, New-Aork. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten „der Chewra-Kadischa" in Wien. Wien, Horn, Mißlitz, Litten, Kojetein, Patzau, Abbazia, Pirnitz, Jglau. Neu-Bidschow, Rokitzan, Preßburg, Budapest. Posen, Kopenhagen, Sarajewo. — Feuilleton: Der Sabbath von Einst und Jetzt. Bechaj Adoschem. — Literatur. — Briefkasten. — Erklärung. — Danksagung. — Inserate. Rumänische Ableugnungsversuche — Rumänien in der Sackgasse. Die Rumänen fangen an einzusehen, daß sie sich mit ihrer „Fremden"-Gesetzgebung verrannt und verrechnet haben. Die Schlauheit, die sie angewendet haben, um durch Benützung des Wortes „Fremde" in dem Gewerbegesetz sich freie Hand zu verschaffen und eventuell ein Doppelspiel treiben zu können, kehrt die Spitze gegen sie selbst. Sie haben sich in eigener Falle gefangen und möchten nun gern aus der Schlinge heraus, die ihnen den Hals zuzuschnüren droht. Das Mittel, durch feile Zeitungscorrespondenten Europa Sand in die Augen streuen zu lassen, hat auch nicht verfangen. Man kennt diese Correspondenten „auf Heller und Pfennig" genau und ihr Wort hat so wenig Glauben, daß es die Tinte nicht werth ist, die sie zum Niederschreiben desselben verwenden. Der Wortlaut des Gesetzes ist ein vollkommen klarer und überdies war seine Begründung eine so unzweideutige, daß es gar keiner weiteren Auslegung bedarf. Die Rumänen wollen eine „nationale Industrie" haben und werfen alle Fremden —unter „Fremde" versteht die rumänische Gesetzgebung jeden nicht naturalisirten Rumänen, also sämmtliche Angehörige fremder Staaten, sowie die eingeboren e, nichtrecipirte jüdische Bevölkerung — zum Laude, aus dem Gewerbe und Erwerbe hinaus! Das kann ein noch so reich bestochener Korrespondent nicht ableugnen, das kann keine Erklärung des Ministeriums — auch wenn man solchen Versicherungen auch nur den allerwenigsten Glauben schenken wollte — aus der Welt schaffen. Da nun die Ableugnung durch die Preßcorruption ihr Ziel verfehlt hat, soll Herr Demeter Sturdza sich selbst vor die Bresche stellen, um den Kammern zu verkündigen, daß das Fremdengesetz gegen „Niemand" gemünzt sei. Es ist selbstverständlich, daß die Kammern diese Erklärung mit dem gebührenden Ernste entgegennehmen und Herrn Sturdza oder Herrn Missir nicht ins Gesicht lachen werden. Sie wissen doch selbst genau, was sie beschlossen haben, ebenso wie sie wissen,, daß diese Erklärungen weder am Inhalt noch an der Ausführung des Gesetzes auch nur ein Jota ändern. Und dennoch wird eigens zu dem Zwecke der Abgabe dieser Erklärungen sogar eine außerordentliche Kammersitzung einberufen? Wozu dieser Kraftaufwand? Wen will man irreführen? Die eigenen Landsleute doch gewiß nicht! Also die europäische Diplomatie? Wenn diese diesmal ebenso wie im Jahre 1878 den Rumänen aufsitzen und sich von den nichtssagenden Worten eines rumänischen Ministers, und enthielten diese auch die ollerfeierlichsten Erklärungen und Zusagen, irreführen ließe, dann verdiente sie nicht nur ausgelacht zu werden, sondern dann wäre es um ihr Ansehen bei allen Völkern geschehen. In ihren eigenen Ländern müßte man ihr sagen, daß sie von den Rumänen sich dupiren lasse und die Balkanvölker hätten das volle Recht, fick weiter um dieses entweder köpf- oder gewissenlose Corps nicht zu bekümmern und zu thun, was ihnen beliebt und nicht was die Diplomaten, die so mit sich umspringen lassen, verlangen. Um ihrer eigenen Würde und Macht willen müßte also vor Allem die europäische Diplomatie Herrn Sturdza zu verstehen geben, daß seine Erklärungen absolut werthlos sind, solange das Gesetz selbst bestehen bleibt. Will aber Herr Sturdza nicht die Diplomaten irreführen — wen denn sonst? Die öffentliche Meinung? Die bezahlte braucht er nicht neuerdings zu täuschen und die ehrliche läßt sich nicht täuschen. Das sei ihm ein für allemal gesagt. Bleibt also nur die Finanzwelt als die zu täuschende übrig. Wir zweifeln nicht, daß auch in dieser Beziehung Herr Sturdza eine Enttäuschung erfahren wird. Sowie er jüngst vergeblich seinen Vertrauensmann Karadja an die Finanzmächte abgesendet hat, um sie wegen Rumäniens „zu beruhigen", so werden auch seine Versicherungen und Erklärungen erfolglos bleiben. Man traut Rumänien nicht und vertraut den Worten seiner Minister gar nicht. Daran ist aber nicht ein „jüdisches Comito" und eine von diesem „beeinflußte Presse" schuld — sondern Rumänien selbst. Die Erklärungen, daß es an den Geldmarkt nicht appe lliren werde, sind erlogen und die Versicherungen,-daß seine Gesetzgebung

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