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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 313 Tempelspenden: Herr Nagel Sigmund L 100'—, Herr K arpeles Moriz L 100'—, Herr Dr. Katzau Felix L 1OO'—, Herr Heinrich Klinger, kais. Rath L 100'—, Herr Dr. Alfred Stern K 250-, Herr Adolf StösselL 100'—, Herr Theodor Ritter von T a u f f i g L 100, Herr David Ritter von Gutmann L 100'—, Herr Dr. Alfred Stern L100'—. Wien. Der Vorstand der „Oe st.-Israel. Union" hat an das langjährige Vorstandsmitglied dieses Vereines, Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Sigmund Zins nachstehendes Schreiben gerichtet: Wien den 1. Mai 1902. Hochverehrter Herr! Der neugewählte Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" hat in seiner constituirenden Sitzung vom 30. April a. c. neuerdings seinem lebhaften Bedauern über Ihren Rücktritt Ausdruck gegeben und mich beauftragt, Ihnen, hochverehrter Herr, nochmals für Ihre selbstlose Opferwilligkeit und stets hilfbereite Mitarbeit in den Aufgaben der „Union" den innigsten Dank auszusprechen. Sie sind als Gründer an der Wiege unseres Vereines gestanden und haben auch in der Ferne den regsten Antheil an seiner Entwicklung genommen. Als Sie wieder unser Mitbürger wurden, betrachteten Sie es als Ihre Nächstliegende Pflicht, der „Union" wieder Ihre volle Thatkraft, Ihre ausgezeichneten juristischen Kenntnisse, Ihre reichen Lebenserfahrungen zu widmen. Die jüngste Generalversammlung hat diese unvergänglichen Verdienste einmüthig anerkannt, und es gereicht mir zur angenehmen Pflicht, mich im Namen des Vorstandes dieser Anerkennung aus ganzem Herzen anschließen zu dürfen. Das Bedauern, Sie nicht mehr regelmäßig in unserer Mitte begrüßen zu können, wird gemildert durch Ihre willkommene Erklärung, daß Sie unserem Rechtsschutzbureau Ihren einsichtsvollen Rath, Ihre oft bewährte Mithilfe auch fernerhin als Beirath erhalten wollen. Wir nehmen mit herzlicher Befriedigung von diesem Anerbieten Kenntniß und sagen Ihnen auch hiefür unseren . innigsten Dank. Mit dem Ausdrucke collegialer Hochschätzung und Verehrung Ihr ergebener „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" Der Präsident: Paul-Schiff m. p. Wien. (Wegen der Aehnlichkeit mit einem Kadimahner.) Vor dem Bezirksgerichte Josefstadt hatte sich dieser Tage der Hörer der Philosophie Eugen T u t t'e r, ein Führer der alldeutschen Studenten, wegen leichter Körperverletzung und wegen Ehrenbeleidigung zu verantworten. Es handelte sich um jenes nächtliche Rencontre am 29. März l. I.. welches sich in der Rothensturmstraße abspielte und einen großen Menschenauflauf zur Folge hatte. Der Studirende Walter S t r o ß, welcher protestantischer Confession ist, wurde von Tutter irrthümlich für einen Kadimahner gehalten, weshalb er ihm den Weg vertrat. Als nun Stroß den Tutter zur Rede stellte, beleidigte ihn dieser und weil Stroß angeblich nicht „studentisch reagirte", nannte ihn Tutter „Judenbengel" und versetzte ihm drei Stockhiebe, worauf ein Wachorgan einschritt und Tutter zur Wachstube escortirte. Hier gab ec den Thatbestand mit dem Beifügen zu, er halt: Stroß für einen Juden und Kadimahner, dessen Eide seien nichtig, er freue sich, daß er „einmal einem Juden den Schädel eingehaut" habe. Die Rettungsgesellschaft leistete dem am Kopfe arg verletzten Stroß die erste Hilfe und es kam zur gerichtlichen Anzeige. Nach Vorhalt der amtlichen Meldung erklärte sich der Angeklagte für nichtschuldig, weil er Sttoß mit einem Kadimahner verwechselt habe, den er kenne und der Stroß ähnlich sei; er selbst sei damals von einer Kneiperei aus dem Habsburgerkeller gekommen, aufgeregt und angeheitert gewesen. — Richter: Haben Sie den in der Klage angeführten Ausdruck gebraucht? — An ge kl.: Es ist möglich, da ich sehr aufgeregt war. — Richter: Weshalb? — Angekl.: Ich hatte in jüngster Zeit viel mit Mitgliedern der „Kadimah" zu thun, die mich als Deutschnationalen nach ihrer Art zum Schlagen herausfordern wollten, und da dieser Herr einem Kadimahner ähnlich sieht, hielt ich mich durch ihn provocirt. — Nicht er: Haben Sie die Worte: „Verfluchter Judenbengel" gebraucht? — Angekl.: Ist auch möglich, aber ich weiß es nicht mehr. — Richter: Und die Stockschläge? — A n g e k l.: Da ich ihn für einen Kadimahner hielt und meinte, er wolle mich provociren, habe ich ihm a bsichtlich einige Stockhiebe versetzt, um dadurch ihn zu zwingen, daß er commentmäßig reagire. — Richter: Er hatte eine 3 bis 4 Cm. lange Wunde am Kopfe. - Angekl.: Dafür kann ich nicht, denn meine Rechte ist zerschlagen und besitzt keine solche Kraft, ein Draht an dem Stocke dürfte diese Verletzung hervorgerufen haben. — Richter: Laut Anzeige des Wachinspectors sollen Sie Ihre Beschimpfungen noch bei der Polizei fortgesetzt haben. — Angekl.: Das dürfte richtig sein. — Richter: Und die Aeußerung: „Es freut mich, einmal einem Juden den Schädel eingebaut zu haben"? — Angekl.: Das Hab' ich ganz zuverlässig gesagt, denn ich glaubte ja. es mit einem Kadimahuer zu thun zu haben. Der Vertreter des Verletzten legte dem Richter das Endparere des behandelnden Arztes vor. Nach demselben stand Stroß bis zum 31. März in Behandlung. — Staatsanw. Funktionär: Da die Heilungsdauer die Verletzung als eine schwere qualificirt, beantrage ich die Abtretung des Actes an's Landesgericht. — Der Richter gab diesem Anträge Folge, da der Verdacht des Verbrechens der schweren Körperverletzung vorliege. Wien. Durch die Bauthätigkeit in den älteren Theilen der inneren Stadt sind in den letzteren Jahren mehrfach Funde zu Tage getreten, die für die ältere Geschichte Wiens in vieler Hinsicht von besonderem Interesse sind. Auch in der letzten Zeit wurde beim Neubau an der Ecke der Rotheuthurmstraße und Kohlmessergasse ein beachtenswerther Fund gemacht. Er besteht aus vier Steinen mit hebräischen Inschriften, von denen drei Grabsteine sind, der vierte, stark verwitterte und schwer lesbare möglicherweise eine Bauinschrift trug. Bon den Grabsteinen ist nur einer fast ganz, von den beiden anderen sind nur Bruchstücke erhalten; doch läßt sich der eine dieser beiden genau datiren: er zeigt gleich dem vollständigen das gleiche Jahr 5007 der Erschaffung der Welt, das ist 1247 gewöhnlicher Zeit. Auch der dritte Stein dürfte in dasselbe Jahrhundert, etwa in das Jahr 1290 bis 1299, gehören, während der vierte vielleicht aufs Jahr 1310 weist. Diese Grabsteine sind die drei ältesten datirten, die bis jetzt in Wien erhalten sind und sie gehören überhaupt zu den ältesten aus dem Mittelalter erhaltenen und datirten Steinen; es gibt nur sehr wenig ältere. In den letzten Jahren find wohl mehrfach hebräische Grabsteine gefunden worden, so vor einigen Jahren vier Fragmente in der Spiegelgaffe Nr. 6, im Vorjahre zwei in der Wippling:rstraße Nr. 29. Jene waren, der Schrift nach zu schließen, vielleicht älter, aber undatirt. Der älteste, bisher jüdische Friedhof in Wien befand sich vor dem Kärntnerthor; er wurde im Jahre 1455 nach der Verfügung der Juden den Bürgern überlaffen. Gleich den ftüher zu Tage getretenen waren auch die neugefundenen Steine als Baumaterial im Fundamente des abgetragenen Hauses verwendet worden. Will man nicht annehmen, daß jener Friedhof so alt war und daß die Steine so weit verschleppt worden sind, so darf man vielleicht vermuthen, daß ein älterer Friedhof sich in der Nähe des von den Juden damals bewohnten Stadttheils, dessen Mittelpunkt der heutige Judenplatz war und der über die heuttge Wipplingerstraße und andere Theile hinabreichte, sich befunden habe. Die an sich wegen der schönen, tief eingegrabenen Schrift interessanten, zumal für die Geschichte der Juden in Wien zur Zeit der Babenberger und der ersten Habsburger wichtigen hebräischen Inschriften wurden dem Museum der „Gesellschaft für Sammlung und Erhaltung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" überlassen. Juden- und Arier-Moral in Carlsbad. In altersgrauer Zeit wurde ein Hirsch von einer blutlechzenden Meute verfolgt und sprang in seiner Todesnoth von der Höhe in das Thal hinab, mitten hinein in eine siedend heiße Quelle Auf diese Localsage führt Carlsbad seine Entstehung zurück. Es scheint aber, als ob gewisse Elemente in der Sprudelstadt diese Sage von dem gehetzten Wild modernisiren und zur Wahrheit machen, d. h. auf einen Theil jener leidenden Menschen übertragen wollten, die in den Thermen Carlsbads Heilung ihrer Gebreste suchen. Die „Oesterreichische Wochenschrift" war bereits vor Jahren in der Lage, von dem zunehmenden Judenhasse in der autochthonen Bevölkerung Carlsbads zu berichten. Es regnete damals Berichtigungen und Dementis von den vfficiellen Kreisen Carlsbads. Die Herren haben sich dort ein eigenes System zurechtgelegt. Sie sind im Winter unverfälschte, waschechte Antisemiten, im Sommer werfen sie den Mantel des Weltbürgerthums um die Schultern und geberden sich überaus liberal und tolerant. Sehr natürlich! Da ja die Juden, den hygienischen Ueberlieferungen ihres Glaubens getreu, eifrig auf die Erhaltung ihrer Gesundheit bedacht sind und ein starkes Contingent zu den alljährlichen Besuchern des Weltcurortes stellen. Die wütheude Meute, die

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