Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 19 (9.5.1902)
- Date
- 1902-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 19 Dr. Bloch's Wochenschvifk. Sette 311 Ri ch te r: „Sie hätten allen Grund, Herr Koblinger, den Herrn Dr. Steiner um Verzeihung zu bitten, denn so handelt.man gegen den Retter seines Lebens nicht/ Der Verklagte folgte diesem Rath, worauf der Kläger die Klage zurückzog. Ferien der Arme«. Die schöne, von Jung und Alt ersehnte Zeit naht heran, in der Jeder nach seinen Verhältnissen Erholung sucht von den Strapazen des täglichen Lebens. Sehnsüchtig erwartet die Schuljugend den Tag, an welchem Bücher und Requisiten auf eine Zeit lang zur Seite gelegt werden können. Und dann geht es hinaus, in Gottes freie Natur. „Aufs Land" — so heißt der Jubelruf, der sich den jugendlichen Kehlen entringt. Aber die Armen? — Sie werden sich in dieser Zeit so recht des Druckes ihrer Armuth bewußt. Rathlos steht die arme Mutter da, die gar so gerne ihrem kranken Kinde Gesundung, dem schwächlichen Erholung bieten wollte. Dem Armen Brot und Kleidung zu geben, ist unsere Pflicht; sein Herz zu erfreuen, ein Verdienst! Und dieses Verdienstes kann jene Schaar von Frauen sich rühmen, die bestrebt ist, alljährlich Hunderten von Kindern unserer armen Glaubensgenossen durch Entsendung in Heilbäder, Curorte und Sommerfrischen Gesundung und Erholung zu bringen. Mit Recht kann der Verein „F e r i e n h e i m", der nun seit einem Jahrzehnt diese Aufgabe erfüllt, als eine der segensreichsten Institutionen bezeichnet werden, die der jüdische Wohlthätigkeitssinn geschaffen. Schon im Februar eines jeden Jahres beginuen die Anmeldungen für die Colonien des „Ferienheim". Alle Petenten werden von den ärztlichen Beiräthen gründlich untersucht, und das Ergebniß der Untersuchung wird am Anmeldebogen vorgemerkt. Die Damen des Vorstandes, sowie einige jüdische Frauenvereine, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt haben, erheben nun die Dürftigkeit der Petenten. Mit aller Gewiffenhaftigkeit werden nunmehr diejenigen Kinder ausgewählt, welche dem ärztlichen Parere und der Recherchen zufolge überhaupt berücksichtigt werden. In erster Linie kommen die kranken und dann, soweit es die Mittel des Vereines erlauben, die erholungsbedürftigen. Ist diese Sichtung geschehen, so werden die Fürgewählten in die verschiedenen Colonien und Serien eingetheilt, die kranken Kinder den Heilbädern zugewiesen, jene bezeichnet, welche als Einzelcolonisten an Pflegeparteien übergeben und schließlich andere für die Colonien ungeeignete mit Subventionen betheilt werden sollen. Die zwei letzten Fälle treten ein, wenn das betreffende Kind geistig abnormal oder mit Veitstanz behaftet ist. Scrophulose Kinder entsendet das „Ferienheim" nach Bad Hall. Es besteht ferner für herzkranke Kinder eine Sondercolonie. Ein wahres Samariterwerk! Blaß und schwächlich, schlecht genährt und oft krank, scheu und mürrisch geworden von dem Druck ihrer Armuth, werden die Kinder hinausgeführt. Sie athmen auf unter Menschen, die für sie besorgt sind, die sie nähren und pflegen und ihnen eine Fülle landschaftlicher Schönheit zeigen, von der sie bisher kaum eine Ahnung gehabt. Wenn dann die Zeit vorbei ist, kehren sie geheilt — soweit dies durch die Kunst der Aerzte und geeignete Euren möglich ist — gekräftigt und gebräunt in die Stadt zurück. Die wenigen Wochen bleiben für ihre geistige und körperliche Entwicklung von dauernd gutem Einflüsse. Ein betrübendes Zeichen der Zeit ist es, daß dieser Verein, der sich aus bescheidenen Anfängen zu bewundernswerthen Leistungen emporgeschwungen hat, in diesem Jahre, trotz der immer größer werdenden Noch unter unseren Glaubensgenossen, die Zahl der zu Entsendenden bedeutend verringern muß, wenn ihm nicht die Unterstützung edler Menschen zu Therl wird. Der Bericht über das abgelaufene Bereinsjahr schließt mit einem Deficit von 10.000 Kronen, das aus der Verringerung der Einnahmen resultirt. Wer jemals in die traurigen Augen eines leidenden Kindes gesehen, wenn fich die von großstädtischer Noch gezeitigten Gebrechen der kleinen Körper nur einmal enthüllt, der würde gerne sein Scherflein beitragen, um einer immer zunehmenden Kinderschaar die Pforten des „Ferienheim" erschließen zu können, um deren Leiden durch die Entsendung in Heilbäder zu beheben. Wahrlich, das Contingent der Bittsteller um Aufnahme in die Colonien des „Ferienheim", welches sich alljährlich in steter Zunahme den ärztlichen Beiräthen zur Untersuchung stellt, bietet ein so trauriges Bild socialen Elends, die schlechten Wohnverhältnisse der Eltern machen eine Sommerpflege unserer Heranwachsenden Generation derart zu Gebote, daß der Verein, um seiner Aufgabe gerecht werden zu können, alle Besitzenden auffordern muß, ihr Theil den Minderbemittelten abzugeben. Möge der traditionelle jüdische Wohlthätigkeitssinn dieser Institution, einer Frauenarbeit im edelsten Sinne des Wortes, beistehen und möge ein jeder Besitzender die Zahl der abzuweisenden kranken Kinder verringern helfen. Er wird das Bewußtsein haben, den Aermsten der Armen, den kranken Kindern, zu ihrem Rechte auf Erholung und Feriengenuß verholfen zu haben. Das Präsidium des Vereines, Frau Sofie Grünfeld, Präsidentin,!., Schottenring 2, Frau Sofie Quittner, Vice -Präsidentin,!., Landesgerichtsstraße 18, und Frau Adele Neumann, Eassierin, XIX., Cottagegaffe 31 nehmen dankbarst Spenden und Beiträge für die edlen Zwecke des „Ferienheim" entgegen. Correspondenzen. Aus der Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien vom 4. Mai 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Klinger. Beginn der Sitzung um IO Uhr Bormittags. Aus dem Einlaufe wird bekanntgegeben: An Spenden: Bon Herrn S. Kohnberger, zur Vertheilung an Arme K 300.— „ Herrn Rudolf Perger, anläßlich der Vermählung seiner Tochter, für die israelitische Armenanstalt .K 100*— für den israelitischen Waisenverein . „ 100'— „ 200*— „ Herrn Moriz Edler von Kuffner, für die israelitische Armenanstalt.. 200*— „ Herrn Sigmund Jaray, anläßlich des Ablebens seiner Gattin, für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten. . „ 140*— „ Herrn Jacob Mensch, für Arme.. 20*— „ Herrn Ferdinand Pick, für Arme.. 20*— „ „Anonymus", für Arme.. 4*— „ Herrn Oberrabbiner Dr. Moriz Güdemann, Kleidungsstücke für Jnsaffen der israelitischen Bersorgungsanstalt. „ Herrn Maximilian Jellinek, Kleidungsstücke für die Jnsaffen der israelitischen Versorgungsanstalt. An Tempetspenden, welche anläßlich des Peffachfestes für verschiedene Wohlthätigkeitsanstalten und Vereine gewidmet wurden: 1. Im Gemeindebethause Innere Stadt: Von Herrn Adolf Rosenbaum .. „ „ David Ritter von Gutmann . . . . „ „ Dr. Alfred Stern. „ „ Jakob Schick. . . . „ „ S. Simon. „ „ Adolf Stöffel . .. „ „ Moriz Waizner. „ „ Dr. Gustav Kohn. 1 - - Dr. Alois Friedjung. \ „ Simon Deutsch. w „ Hermann Löwin. w „ Leopold Simon, Commerzialrath . . . „ „ Bernhard Frankl, Regierungsrath . . " „ Salomon Kohn . .!. w „ Hermann Löw. „ „ Jakob Marmarosch. „ „ Jacques Feitler. „ Moriz Karpeles. „ „ Heinrich Klinger, kais. Rath . . . . 2. Im Gemeindebethause Leopoldstadt: Von Herrn Ignaz Barany. „ Hermann Subak. „ „ Dr. Adolf Schmiedl. „ „ Sigmund Bruckner. „ „ Michael Neurath. , „ Jakob Adler .. K 60*— „ 300*— „ 125* - 20*- „ 40'— „ 150*— „ 20*— „ 60- , 20*- . 40- , 20*- „ 50- „ 30 — „ 40*- . 10*- „ 200*- » 200*- „ 250 - „ 500*— K 200*— „ 40*- . 110*- » 150*- - 60*- „ 800*-