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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-09 · 19 (9.5.1902) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
19 (9.5.1902)
Date
1902-05-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 19 Or■ BIOCH’S Jahrgang XIX Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. -- Wie«, 9. Mm 1992. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien. IX/1, Berg gaffe 39. Telegramm-Adresse: Blcch's Wochenschrift, Wien. Inhalt: Leitartikel: Die Wissenschaft gegen den Antisemitismus. — Die rumänische Preßcampagne. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Wreschen und Tombrowa. Der Antisemitismus im Fahrplan. Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. Verein zur Ausspeisung armer jüdischer Schulkinder in den westlichen Bezirken Wiens. Harnack und Kornill. Der jüdische Arzt und der arische Patient. — Ferien der Armen. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Wien, Juden- und Arier-Moral in Karlsbad. Lemberg, Innsbruck. Zum 50jährigen Regierungs-Jubiläum des Großherzogs von Baden. Posen, Warschau. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Wien-Ottakring. Ober-Hollabrunn, Waidhofen. Jglau, Prag-Smichow, Croat.-Kreuz,. Humpoletz, Stanislau, Frankfurt a. M. — Feuilleton: Bechaj Adoschem. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. m ■■ —« K. ft. Postsparcassrn-Arnk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdnrlion »nd Administrativ» Wien IX/1, Brrggaffr Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. M - Bezugspreis für Sryerrrich Halbjährig 8 Krone«. Einzelexemplare 50 Heller. 2ür'» Änatanb: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 , Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * —.- =m Die MUenfchaft gegen den Antisemitismus. In dem groß angelegten Werke: „Das System der technischen Arbeit" von Max Kraft, 0.0. Professor in Graz. Erste Abtheilung: Die ethischen Grundlagen der technischen Arbeit. Leipzig, Verlag von Arthur Felix. 1902, Seite 176—177 kommt der Verfasser auf die confessionelle Frage zu sprechen und äußert sich hierüber in folgender Weise: „Was nun die confessionelle Frage betrifft, so äußern sich die heute bestehenden Spannungen namentlich in derjenigen Strömung, die wir als Antisemitismus zu bezeichnen gewohnt sind. Jeder, der den Werth des Menschen nach dessen religiöser Ueberzeugung zu bemessen gewohnt ist, hat sich entweder nie mit der Geschichte und Cultur geschichte befaßt oder längst vergessen, daß die ethischen Qualitäten vorchristlicher Völker, wie z. B. der Juden, Griechen und Römer, im Verhältnisse zu ihrer geistigen Höhe bedeutende waren; daß die höhere ethische Wirkung des Christenthums nur unter gleichzeitiger Betonung der höheren geistigen Bildungsfähigkeit der westeuropäischen Völker verständlich wird; daß alle Religionen das ethische Moment in gleicher Weise betonen, in gleicher Weise zur Wirkung zu bringen versuchen. Wenn sich nun Jemand gezwungen steht, eine ganze Religionsgemeinschaft und zwar jedes Individuum ohne Ausnahme anzufeinden, so kann dies, wenn derselbe folgerichtig denkt, nicht in der Confeffion, sondern höchstens in gewiffen unangenehmen und schädlichen allgemeinen Eigenschaften der Race, des Volkes, der Nation begründet sein. In diesMi Falle verlangt jedoch die ethische Gerechtigkeit, daß eine Verfolgung derselben als Race nur dann eintrete, wenn diese Eigenschaften nur in dieser und nicht auch in der eigenen Race gefunden werden können. Ist dies nicht der Fall, sind die betreffenden unangenehmen und schädlichen Eigenschaften auch im eigenen Volke vorhanden, dann ist für den logisch, namentlich aber gerecht Denkenden nur mehr ein Kampf gegen diese Eigenschaften und nicht mehr gegen die Race möglich, ein Kampf gegen jeden, in dem diese Eigenschaften constatirt werden, möge er welcher Race immer angehören Jeder logisch denkende Mensch wird sofort bereit sein, überzeugungstreuer Antisemit zu werden, wenn ihm Jemand mit der Evidenz der Gewißheit folgende zwei Beweise führt; 1. daß in allen Semiten, in jedem Individuum derselben ohne Ausnahme diese schädlichen Eigenschaften vorhanden sind, und * 2. daß diese selben Eigenschaften inkeinemeinzigen Individuum christlicher Confeffion gefunden werden können. Er steht hiebei auf einem Fundament, das vom heutigen Strafrecht civilisirter Staaten als die Grundlage der Gerechtigkeit anerkannt, von der ethischen Gerechtigkeit in verschärfter Weise verlangt wird und das m der stricten Forderung besteht, daß keine Gemeinschaft von Menschen in Pausch und Bogen, sondern nur jeder Einzelne nach seinen individuellen Eigenschaften und Handlungen be- und verurtheilt werden dürfe. Derjenige, der im westlichen Europa heutigentags das ernste Verlangen stellen würde, daß alle Mitglieder einer politischen Versammlung gleicher Gedankenrichtung und Ueberzeugung, in deren Mitte eine körperliche Verletzung verübt wurde, in Pausch und Bogen ohne weitere individuelle Untersuchung des Verbrechens der körperlichen Verletzung schuldig gesprochen werden müssen, würde für das Irrenhaus reif erklärt werden, zum mindesten aber beweisen, daß er mit seinem Denken auf einer viele Jahrhunderte zurückliegenden Stufe der Cultur steht. Man kann gegen jedes Mitglied irgend einer Race, eines Volkes den Verdacht hegen, daß es die allgemeinen Race—Volkseigenschaften besitzt; es ohneweiters, ohne jeden Beweis, ohne jede Untersuchung des Besitzes dieser Eigenschaften und der aus diesen folgenden Handlungen zeihen, heißt der ethischen Gerechtigkeit brutal ins Gesicht schlagen. Das Wenigste, was jedes Mitglied der westeuropäischen Gesellschaft, welcher Confeffion, Race und welchem Volke es angehören mag, fordern kann, ist, daß es ungehört, ohne strenge Beweisführung, auf Grund irgend eines Geredes, irgend einer Verleumdung und selbst der öffentlichen Meinung nicht verurtheilt werden dürfe. Hat irgend eine Gemeinschaft diesen Stand der ethischen Gerechtigkeit bis jetzt nicht erreicht, so steht sie, trotz Kunst und Wissenschaft, trotz elektrischer Beleuchtung und Telephon, auf einer weit tieferen Culturstufe. als dies der Augenschein ahnen läßt, sie hat die Culturentwicklung eben nur scheinbar mitgemacht. Die technische Arbeit wird sonst von der confeffionellen Frage höchstens nur insofern berührt, als sich der in der technischen Arbeit herrschen sollende Geist der Rührigkeit und der sich über die ganze Erde ausbreitenden Thätigkeit mit dem von einzelnen Confessionen geforderten Geist der Weltabgewandtheit absolut nicht verträgt, und wer sich die Wirkungen verschiedener Confessionen auf die technische Arbeit vergegenwärtigen will, der möge einen Vergleich zwischen dem durch eine reiche und üppige Natur begünstigten katholischen Spanien und dem evangelischen Deutschland ziehen und diesen Vergleich auch auf die einzelnen,

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