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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-05-02 · 18 (2.5.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 296 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 18 geleistet. Allerdings können wir keine Heere ausrüsten, um Rumänien mit Krieg zu überziehen. Wir klammern uns nicht an unser Ehrenamt, und wenn Herr Dr. Herz! und seine Freunde uns unsere Aufgabe abnehmen wollen, wir sind bereit, ihnen unsere Plätze zu räumen. Gegen die unglücklichen rumänischen Flüchtlinge, welche mit zionistischen Anweisungen (Dr. Herzl: Welche Anweisungen?), ja mit den zionistischen Bank-Shares in der Hand nach Wien geströmt sind, haben wir uns bemüht, mit aller Anstrengung unserer Kräfte unsere Pflicht zu erfüllen und den Nothleidenden zu helfen. (Lebhafter Beifall.) Bei der Abstimmung wird der Rechenschaftsbericht einstimmig genehmigt und für die Castagebahrung dem Vorstande das Absolutorium ertheilt. (Lebhafter Beifall.) - Die Zionisten verlangen hierauf die Abstimmung über die beantragten Resolutionen zu Gunsten der Studenten und der Turner. Sie würden sonst die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung fordern. Trotz mehrfachen Widerspruches aus der Versammlung mit Hinweis auf das Statut bringt der Präsident diese Resolutionen zur Abstimmung, für welche sich blos eine kleine Minorität ausfpricht. Die Zionisten verlangen die Gegenprobe und es zeigt sich, daß die Anträge mit überwiegender Majorität abgelehnt werden. Zum letzten Punkt der Tagesordnung: Neuwahlen in den Vorstand (als Scrutatoren waren die Herren Dr. H o f f m a n n und G e w i t s ch bestellt) wird beantragt, von der umständlichen und langwierigen Wahl mittelst Stimmzettel abzusehen und die ausscheidenden Vorstandsmitglieder per Acclamation wiederzuwählen. Der Präsident Herr David Ritter v. Gutmann richtet an dieGeneralversawmlung dieAnftage, ob sich gegen den beantragten Wahlmodus per Acclamation ein Widerspruch erhebt? Da dies nicht der Fall ist, erklärt der Präsident die austretenden Vorstandsmitglieder einstimmig wieder gewählt. (Lebhafter, langanhaltender Beifall.) Mit einem Dankeswort an die Versammlung für das zahlreiche Erscheinen und die rege Theilnahme an der Debatte erklärt der Vorsitzende die Generalversammlung für geschloffen. -i° * * Die Versammlung verlief äußerst stürmisch und drohte oft in Thätlichkeiten auszuarten, die Gegensätze prallten heftig aufeinander. Der Versuch Dr. B l o ch's. durch Vorführung erschreckender Beispiele völliger Rechtlosigkeit der Juden in Oesterreich die Discusswn auf ein Gebiet gemeinsamer Interessen und Anschauungen hinüberzuleiten, scheiterte an dem hartnäckigen Widerstand der Zionisten, welchen die Durchsetzung ihrer Resolutionen als Kraftprobe und eine Art Heerschau (sie verlangten anfänglich ^namentliche Abstimmung") das Allerwichtigste dünkte. In manchen Momenten der stürmischen Vorgänge schien es, als ob Herrn Dr. Herzl die Herrschaft über seine Schaar den Händen zu entgleiten drohte, daß er die gerufenen Geister nicht mehr nach freiem Belieben zu dirigiren vermochte. Allein auch die Wahrnehmung, welche sich dem Herrn Architekten Marmore! in der Generalversammlung der »Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" bereits aufgedrängt haben mochte, daß in Kreisen speciell des Wiener jüdischen Mittelstandes gegen den Zionismus eine Energie kraftvoller Abwehr sich zu regen anfängt, — auch diese unerfreuliche Wahrnehmung konnte Herr Dr. Herzl aus dem ganzen Verlauf und aus mancherlei Zwischenfällen in dieser Versammlung machen. Als Herr Dr. Theodor Herzl während des gegen Dr. Marcell Hoffmann veranstalteten Tumultes auf einen Sessel stieg, um, wie er sagte, die Ruhe wiederherzustellen, wurde ihm von sonst ruhigen, Vereinsmitgliedern mit solchem Nachdruck und, sagen wir, solcher — Unzweideutigkeit klar gemacht, daß das in dieser Versammlung nicht seine Aufgabe sei, man verbitte sich seine Führung, daß Herr Herzl es für gerathen hielt, sich schleunigst zurückzuziehen und den Ton merklich herabzustimmen. Nach der Abstimmung über die Resolutionen gab die Opposition jeden Widerstand als aussichtslos auf, erhob keinen Einspruch gegen die Wiederwahl der Vorstandsmitglieder per Acclamation und hat selber mitgewirkt und Antheil genommen an einem eclatanten, demonstrativen Vertrauensvotum für die derzeitige Leitung der Israelitischen Allianz, gegen welche sie und ihr Parteiorgan Monate hindurch die bösartigsten Anklagen öffentlich erhoben haben. Es würde sich der Mühe verlohnen, manche Artikel aus der »Welt" in der Erinnerung wieder aufzufrischen, um jenen schweren Beschuldigungen und Angriffen gegen die »Israelitische Allianz" das eclatante Vertrauensvotum in der Generalversammlung vom 27. April entgegenzuhalten. Mit der Erkenntniß ihrer numerischen Schwäche, nach der ersten Niederlage,, hatte die Opposition offenbar jede Kraft des Widerstandes eingebüßt und ließ ruhig geschehen, was sie schließlich doch nicht hindern konnte. Dabei war die Opposition für die Versammlung wohl gerüstet und lange vorbereitet. Aus den Mittheilungen des Vice-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern konnte man entnehmen, daß erst unmittelbar vor der Generalversammlung eine große Anzahl Personen dem Vereine als Mitglieder beigetreten sind, die wenige Tage später als Wortführerder unzufriedenen Opposition die Vereinsleitung begrüßten. Herr Dr. Herzl erschien, umgeben von dem gesammten Generalstab, und der aufgebotene Anhang der Partei, meistens junge Leute, war im Saal zweckmäßig vertheilt, und wenn die Campagne trotz alledem und alledem kläglich scheiterte, so war vor Allem Schuld daran die Thatsache, daß sie jedes großen Gedankens entbehrte. In einer Zeit raffinirtester Verfolgung der Juden in einer großen Anzahl europäischer Staaten kennen diese Oppositionsführer keine anderen Wünsche als Unterstützung von Turnern, Subventionirung einiger Studentenvereine und — Publicirung ihrer in einer Generalversammlung gehaltenen Reden! Und derlei »Forderungen" werden mit einem Pathos und mit einer Selbstgefälligkeit, mit einer Wichtigthuerei und einem Wortschwall, mit einer Leidenschaftlichkeit und mit Kraftausdrücken vorgetragen, als ob das Heil der Welt, die Erlösung unserer Brüder von diesen Redeübungen abhingen! Dabei finb aber die Herren, die so „große" Ziele verfolgen und so »Hohes" anstreben, sich so wenig der Sachlage bewußt, daß sie im Handumdrehen oder auf den Wink ihres Commandanten, die halben Resolutionen verschlucken oder unter den Tisch werfen. Mitseinenverfänglichen»Anfragen" andas Präsidium glaubte HerrDr.H e r z ldieses in Verlegenheitzu versetzen. Allein der Präsident Herr David R. v. G u t m a n n hat sich in dieser Versammlung als Taktiker Herrn Dr. Herzl ungleich überlegen gezeigt. Worauf nicht zu antworten war, darauf verweigerte er eben die Antwort. Vergebens versuchte der redegewandte wortmächtige Doctor Alexander M ü n z den »Anfragen" eine geschicktere Stilisirung zu geben, derHerr Präsident konnte unterZustimmung der Versammlung mit allem Fug auf das Beispiel des Herrn Doctor Herzl selber verweisen, der seinerseits ebenfalls auf unbequeme Anfragen die Antwort verweigert oder Antworten ertheilt, die keine sind. Was aber hat die Opposition mit ihrer Campagne am 27. April beabsichtigt und was hat sie erreicht? Wenn Herr Dr. Theodor Herzl ruhigen Erwägungen noch zugänglich ist, so wird er auf diese Frage sich selber die Antwort ertheilen: Es war ein verlorener Tag, eine frucht- und nutzlos vergeudete Kraftanstrengung. Muthwillig, ohne ersichtlichen Zweck unternommen, ungeschickt geleitet, endete die Schlacht mit einer wohlverdienten Niederlage. Me imslische« Juden ul« Soldaten. von Paul Dimidow. (Nachdruck oder Auszug verboten.) Mit einer bei einem russischen Beamten anerkennenswerthen Beschleunigung hat der eben ermordete russische Minister des Innern bereits am 31. Jänner dem Kaiser Bericht über die Ergebnisse der Recrutirung pro 1901 erstattet. Das in Nummer 34 des „Regierungsboten" veröffentlichte Aktenstück darf diesmal umso erhöhteres Interesse beanspruchen, als kurz vorher die Ergebnisse der 1P97 zum erstenmale in ganz Rußland auf wissenschaftlicher Grundlage vorgenommenen allgemeinen Volkszählung bekanntgegeben wurden. Durch den Vergleich dieser Ergebnisse mit den vom Ministerdem KaiservorgelegtenRecrutirungstabellen läßt sich die alte, von den russischen Militärbehörden immer von Neuem gegen die Juden erhobene Anklage, als seien diese mit ebenso viel Eifer wie Geschick bestrebt, die von allen russischen Bürgern gleichmäßig zu tragende Militärlast von sich auf Andere abzuwälzen, einmal gründlich auf ihre Richtigkeit prüfen. Nebst der „Jüdischen Ausbeutung" und der Blutbeschuldigung bildet obige Anklage eine der wichtigsten Waffen aus der Rüstkammer der russischen Antisemiten, und wie die „Jüdische Ausbeutung" sie vom. socialen, die Blutbeschuldigung vom religiösen, so ist die Anklage der Militärentziehung dazu bestimmt, die Juden vom politischen Standpunkte aus herabzusetzen. Daher haben die russischen Antisemiten in Generalsuniform, die angebliche Scheu der „Hebräer" vor dem Kaisers-Rock stets lebhaft betont undsteso beim sparen zu verleumden gewußt« Die Widerlegung derAnklage der Militärentziehung ist deshalb für die russischen Juden von ebenso

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