Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 18 (2.5.1902)
- Date
- 1902-05-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 Bloch’s Hahr-a», XIX Centralorgsn für die gefsmmten Interesten des Iudenthums. Wien. 3. Mai 1903. -- Erscheint jeden Freit ag. ->-• - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39. Telegramm-Adreste: Bloch's Wochenschrift» Wien. m =m A. k. Pofisparraisrn-Amt Clearing-Verkehr Nr. 610.976. Ledartton und AdmimyraNor« Wien IX/1, Berggaffe Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. Bezugspreis für Srsterrrich Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare Sv Heller. Dir'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen- Ganzjährig 20 » A nzeigen: Die4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: Ein Preßproceß über die zionistische Colonialbank. — Brimanus, der Jüngere. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Generalversammlung der Wiener Israelitischen Allianz. — Die russischen Juden als Soldaten. — Corres p.ondenzen: Agemeines österreichisches Taubstummeninstitut in Wien. Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten, sowie dessen Lehrlingsheim. Wien, Horazdiowitz, Lemberg, Bukarest, Berlin, Paris, London. — Vermischtes: Wien. — Feuilleton: Bechaj Adoschem. — Literarische Notiz. — Briefkasten. — Danksagung. — Inserate. M« Preßproceß «der die Monistische Cotonialdank. In der letzten Generalversammlung der Israelitischen Allianz haben die Herren Dr. Herzl und Genoffen in Bezug auf ihre Colonialbank eine außerordentliche Nervosität und Gereiztheit an den Tag gelegt. Eine ziemlich harmlose, wenn auch ironische Bemerkung des Herrn Dr. Hoffmann über diese Bank und deren Bilanz brachte diese Herren in solche Erregung, als hätte man ihr Lieblings-Hühnerauge schmerzhaft berührt, und sie veranstalteten, einen Scandal und Tumult, der bösartige Formen anzunehmen drohte und die Verhandlungen eine lange Zeit vollständig unterbrach. Nur der bewunderungswürdigen Ruhe und der überlegenen Taktik des Präsidenten Herrn v. Gutmann, der mit Geduld abwartete, bis in Folge natürlicher Ermüdung der Kehlen die Ruhe wieder einkehrte, war es zu danken, daß die Verhandlung zu Ende geführt werden konnte. Herr Dr. Herzl schleuderte nach berühmtem Muster seine Notizen auf den Präfidententisch, und wenn man bei dem ungeheuren Tumult auch wenig vernehmen konnte, was jeder Einzelne schrie, so vernahm man doch deutlich, daß Herr Dr. Herzl auch einen bevorstehenden Proceß (oder »Berleumdungsproceß"?) der zionistischen Colonialbank ankündigte. In Nr. 15. des officiellen Parteiorgans war auch uns ein solcher Proceß angekündigt, oder sagen wir: angedroht worden.. Vederemo! Unsere Aufforderung an die Bankleitung, einen näher erläuterten Rechenschaftsbericht zu veröffentlichten, wurde am 8. April mit einer »Berichtigung" aus Grund § 19 des Preßgesetzes, gezeichnet von den beiden Advocaten Dr. Kahn und Dr. Kokesch, beantwortet. Diese »Berichtigung" hatte große Aehnlichkeit mit der zionistischen Bankbilanz. So wenig diese den Erforderniffen einer wirklichen Bilanz entsprach, so wenig hatte die famose »Berichtigung", ob sie auch gleich in dem Parteiorgan zur öffentlichen Kenntniß gebracht wurde, den Erforderniffen des § 19, auf den sie Bezug nahm, entsprochen. Die beiden Herren Advocaten bequemten sich zur Abfassung einer zweiten »Berichtigung", die, wie der nachfolgende Wortlaut zeigt, sich wesentlich nur gegen jene Bilanzkritik richtet, welche wir im Namen des Mainzer »Israelit" citirten. An die Redaktion von Dr. Bloches „Oesterreichische Wochenschrift" in Wien. Auf Grund des § 19 des Preßgesetzes fordern wir Sie im Aufträge des Auffichtsrathes des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited, London auf, nachstehende Berichtigung in der nächsten Nummer Ihres Blattes an derselben Stelle und mit denselben Schriftzeichen abzudrucken, wo in Ihrer Nummer 14 vom 4. April 1902 der Artikel: »Ein Preßproceß über die zionistische Colonialbank" stand: Es ist unwahr, »daß seit der Erklärung der Actionsfähigkeit der Colonialbank eine Bilanz zum erstenmale in der Nummer 11 der »Welt" vom 14. März 1902 veröffentlicht wurde." Wahr ist vielmehr, daß schon in Nummer 3 der »Welt" vom 17. Januar 1902 eine Bilanz veröffentlicht wurde. Es ist ferner unwahr, »daß der Trust trotz der statutarisch erlangten Actionsfähigkeit seine eigentliche Eröffnung nicht gefeiert hätte." Wahr ist vielmehr, daß der Trust seine Geschäftsthätigkeit im Januar 1902 begonnen hat. Es ist unwahr, daß die unter dem Posten »Discontirte Wechsel" vorkommende Ziffer 48.762.18'07, ferner der unter dem Titel »Lombardvorschüffe" vorkommende Betrag per 5371.12*02, also zusammen circa 54.000 Pfd. St. (1,080.000 Mark) »aus den sorgsam zu behütenden Caffen der Bank, spazieren gegangen sind." Wahr ist vielmehr, daß die discontirten Wechsel in der angegebenen Höhe und die entsprechend belehnten Papiere in den wirklich sorgsam behüteten Caffen der Bank sich befinden. Es ist ferner unwahr, daß »unter den Eingängen keinerlei entsprechende Zinsen und Einnahmen von Escomptirungen gegenüberstehen", da es auch unwahr ist, daß die Bank überhaupt noch keine Geschäfte macht. Wahr ist vielmehr, daß unter den Eingängen für die Dauer der Geschäftsthätigkeit auch die entsprechenden Zinsen und Einnahmen von Escomptirungen in der Bilanz gegenüberstehen. Es ist folglich auch unwahr, »daß hinter den erwähnten, eine Million Mark übersteigenden ausstehenden Posten sich ganz oder zum großen Theile Geschenke ä fonds perdu an türttsche Ceremonienmeister und andere Functionäre verstehen, durch welche die bekannten momentanen Effecte in Constantinopel zu Reelamezwecken erhascht werden konnten, die für eine solide Entwicklung des Zionismus absolut nutzlos find." Wahr ist vielmehr, daß von den erwähnten, eine Million Mark übersteigenden ausstehenden Posten auch nicht ein Pfennig zu Geschenken an wen immer verwendet worden ist. Es ist unwahr, daß unter den Activen: Correspondenten Nostro 37.294*13 Pfd. St., Loro 2933*14, zusammen 40.228 Pfund Sterling (804.500 Mark), der Bank effectiv gar nicht zugefloffen seien.