Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 13 (28.3.1902)
- Date
- 1902-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ihr. 13 Dr. Bloch’s Jahr-«»- XIX Centrslorgan für die gesammlen Interessen des Iudenthum». ■ - Wien. 38. Wiir» 1903. -—K «. ■—fr- Lrsch eint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien» IX/1» Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wie«. * - - m K. ft. Postsparrapsen-Amt Clraring-Verkehr Nr. 610.976. NedgrUon und AdMnistrattom Wien IX/1, Berggalse Ar. 39. Talephon Nr. 14.847. K— »erngsxrri, flir Oesterreich Halbjährig 8 Annen. Sinzerexemplare 50 Heller, FLr'» Au»l«rd r Halbjährig 10 Krone». Banzjährig 30 „ Anzeige«: Die4malgespaltene Detitzeile St Heller. Inhalt: Leitartikel: Die Getauften in der jüdischen Gesellschaft. — Eiuwanderungsverbote in England und Amerika. — VomJahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Unsere Aufgabe. Professor Dr. L. Wahrmund in Innsbruck und das Judenthum. Anatole Leroy-Beaulieu: „Die Lehren des Hasses." — Die Juden als Streitobject zwischen Hamburg und Dänenmark. — Correspondenzen: Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Wien, Teplitz, Mährisch-jüdischer Waisenhilfsverein, Krakau, Agram, Drohobycz. Zur Naturgeschichte des „Ritualmordes". — V e r m i s ch t e s: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Mödling, Pilsen, Troppau, Nasice, Innsbruck, Bischofteinitz, Temesvar, Berlin, London. — Feuilleton: Jsajka, der Segelflicker. — Zur Steuer der Wahrheit. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der lausenden Abonnementsgebühr, damit dir Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Emsendung der Beträge wolle man die beigelegten Post Checks benützen Dir Administration ' der „Oesterr. Wochenschrift". Die Getauften in der jüdischen Gesellschaft. Der Artikel über die Stellung der Getauften zur jüdischen Gesellschaft, den wir in unserer letzten Nummer veröffentlichten, hat überzeugend dargethan, daß der Jude, der nicht aus innerer Bekehrung, sondern um persönlicher Vortheile willen seinen Glauben abschwört, ein erbärmlicher Lügner, ein Meineidiger und Gotteslästerer ist, den jeder ehrenhafte Mensch — gleichviel ob Jude oder Christ — mit dem Fuße von sich stoßen müßte. Nicht vom Standpunkte des religiösen Zelotismus, sondern von jenem der bürgerlichen Rechtschaffenheit und der gesellschaftlichen Reinlichkeit müßten solche Individuen der öffentlichen Verachtung anheimfallen. Die Gesellschaft übt auch mehr oder weniger ihre Justiz an ihnen, aber leider sind Staat und Gesellschaft in diesem Falle nicht identisch. , Aus dem bürgerlichen Tode, den die Letztere über die Getauften verhängt, weil sie in ihnen instinctiv entsittlichte, im innersten Kerne faule und verkommene Elemente ahnt, erweckt der Staat die Justificirten zu neuem Leben. Ja mehr als das, er setzt auf den Glaubenswechsel aus selbstsüchtigen Motiven geradezu eine Prämie. Im Widerspruch mit dem geschriebenen Rechte ist die Erlangung der öffentlichen Aemter an die Beibringung des Taufscheines gebunden. Mit anderen Worten: der Staat befördert den Abfall vom angestammten Glauben, der Staat fördert die Lüge und den Meineid und er deckt die Ehrlosigkeit mit einer goldgestickten Uniform und belohnt sie mit der Aussicht auf ein sorgloses Alter. In der Theorie weist die Kirche jede Conversion zurück, die nicht aus innerer Ueberzeugung erfolgt, und die Gelöbnißformel läßt nach dieser Richtung nichts zu wünschen übrig. Wer diesen Schwur leistet, ohne wirklich bekehrt zu sein, muß sich tatsächlich selbst verachten. Der Staat aber ist minder scrupulös als die Kirche. Er fordert die Conversion, ohne nach deren Motiven zu fragen, ja er wirft einen förmlichen Köder nach solchen Täuflingen aus, welche die Taufe als eine „leere Form" ansehen. Ihm genügt der documentarische Nachweis der äußeren Zugehörigkeit zur katholischen Kirche, um Ehren und Würden zu ertheilen, deren just die Anständigen, die Ehrlichen, die Gesinnungstreuen und Glaubensstarken nicht theilhastig werden können. Ist es nicht eine blutige Ironie, daß man die Juden insgesammt der Corruption beschuldigt, daß aber der Staat nur dem corrumpirten Juden seine Arme öffnet, während er die Tausende zurückstößt, denen der Glaube ihrer Väter nicht um ein Linsengericht feil ist? Ist es nicht eine Verhöhnung jedes religiösen Empfindens, daß auf die Verleugnung der Religion ein Preis gesetzt wird? Ist es nicht eine Untergrabung jeglicher Autorität, daß Menschen zur Handhabung von Recht und Gesetz berufen werden, die an sich und an ihrer Glaubensgemeinschaft meineidig und wortbrüchig geworden sind? Solange der Staat sanctionirt, was die Kirche und die Gesellschaft verdammt, muß die Lüge und Heuchelei sich immer tiefer in unser öffentliches Leben hineinfressen. Denn darüber sind heute die Urtheile Aller einig: Wer in einer solchen Zeit feige und verrät h e r i s ch aus den Kampfreihen sich fortschleichtundmitseinerschmählichen^ahnenflucht die bei der ruhmreichen Fahne der Pflicht treu Ausharrenden entmuthigt, der ist auch vom Standpunkt der bürgerlichenEhrediffamirt. Es sind naturgemäß darum die erbärmlichsten, die weichlichsten, die wandelbarsten und darum charakterlosesten Elemente, die sich durch den Uebertritt eine sichere Existenz, irgend eine Stellung erkaufen wollen und die dann das