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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-03-21 · 12 (21.3.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
12 (21.3.1902)
Date
1902-03-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Ml Ml ■■■■■■■ Sette 200 zum Schriftführer-Stellvertreter, Herrn Alexander Holzapfel zum Caffier, Herrn Leo Horn zum Caffier-Stellvertreter, die Herren Israel Gräber, Adolf Fischel zu Controloren, und die Herren Alexander Siederer, Sano Grünberger, S. L. Schmiedt und Julius Fischel als Beiräthe. Wie«. Der Wäschefabrikant Samuel K o h n, XVII., Dorner- Platz 7, begeht Samstag den 29. d. M., 9 Uhr Vormittags, im israelitischen Tempel, XVI., Hubcrgasse 8, die Confirmationsfeier seines Sohnes Robert. Eger. In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes, geehrter Herr Redacteur, brachten Sie eine Localnotiz aus Eger, die weder für unsere hierortige Gemeinschaft noch auch für die große Oeffentlichkeit von Interesse ist. Ihr Herr Korrespondent scheint aber auch schon deshalb aus den Unberufensten der Unberufenen hervorgegangen zu sein und ohne Mandat den Retter in der Noth gespielt zu haben, weil er für den Inhalt seimr schriftstellerischen Kraftleistung die Verantwortung nicht übernehmen kann. Im wohlgemeinten Interesse unserer Gemeinde erlaube ich mir die höfliche Bitte, in Zukunft ähnlich uncoutro- Urbaren Gerüchten keine Aufnahme in Ihrem vielgelesenen Blatte gewähren zu wollen. Für die freundliche Veröffentlichung dieser Z-ilen bestens dankend, zeichne ich Hochachtungsvoll Moritz Beck, Cultusvorsteher. Prag. Am 11. d. M. fand hier im »Hotel Bristol" im Vereine »Afike Jehuda" ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Nathan Grün über »Reichthum und Armuth in der Bibel" statt. Der beliebte Redner, der über einen reichen Schatz talmudischer Kenntniffe verfügt, bot ein anschauliches Bild der nationalökonomischen Verhältnisse in der alten Welt und fand bei den zahlreichen Anwesenden den lebhaftesten Beifall. Dem Bortrage folgte ein geselliger Abend, an welchem von den Herren Fuchs, Rabbiner Dr. Hirsch, kais. Rath Ph. Falkowicz und Rabbiner Dr. Grün Reden gehalten wurden, in welchen die Verdienste des Vortragenden, der vor 30 Jahren seinen ersten Bortrag in diesem Vereine gehalten und sich um denselben viele Verdienste erworben hat, wie auch die gediegenen Veranstaltungen dieses wissenschaftlichen Vereines, welcher der erste seiner Art in Oesterreich-Ungarn war, hervorgehoben wurden. Lemberg. Am 15. April 1902 finden die Wahlen für die Handels- und Gewerbekammer in Galizien statt. Die hohe Bedeutung dieser Wahlen für den jüdischen Handels- und Gewerbcstand ist jedem halbwegs Gebildeten sofort klar. Das Verhalten der Handelskammern bei der Aenderung der Artikel 59 und 60 des Gewerbegesetzes, wodurch Tausende jüdischer Kleingewerbetreibender zu Bettler geworden sind, ist noch in aller Erinnerung. Das Wahlcomitß des Vereines »Schomer Israel" in Lemberg versendet einen Wahlaufruf zu dem Zwecke, eine tüchtige und gesinnungstreue Vertretung des jüdischen Handels- und Gewerbestandes in der Kammer herbeizuführen. Für Samstag, den 22. März ist eine Wahlbesprechung und eine große Wählerversammlung geplant. Brody. In jüngster Zeit hat unsere arme schwer heimgesuchte Stadt zwei sehr kühlbare Sterbefälle zu,beklagen: Am 16. März verschied nach längerem schmerzensreichen Leiden Frau Tora Münz. Die Verblichene entstammte einer angesehenen, frommen Familie und war das Muster einer jüdischen Frau. Die Ausstattung armer Braute war ihre Eardiualtugend. Arme Hilfsbedürftige wendeten sich nie vergebens an sie. Hungerige zu sättigen, Nackte zu bekleiden, Thronen zu stillen, war ihr heißes Streben im Leben, darum stoffen auch reichlich Thränen um ihren Heimgang. ,Sie war Mitglied aller philanthropischen Vereine, die armen Waisen- und Schulkinder trauern um sie, wie um eine wahre Mutter. Pilsen. Freitag den 14. März starb hier Herr Dr. Heinrich Steinschneider im 74. Lebensjahre. Derselbe war in Reichenau a. K. geboren, wo er zunächst das Gynmasium absolvirte. Obwohl ursprünglich für den Berus eines Rabbiners bestimmt, zu welchem Zwecke er bei dem damaligen sehr gelehrten Rabbiner Goldschmidt in Reichenau vorbereitenden Unterricht in den einschlägigen Disciplinen genoß, wandte er sich später, nachdem eine günstigere Zeit eingetreten war und eine freiere Lust in Oesterreich zu wehen begonnen hatte, der Jurisprudenz zu, worauf er sich der Advocatie widmete und nach den Bestimmungen des Numerus clausus zum Advocaten für Neugedein ernannt wurde. Im Jahre 1867 erfolgte seine Versetzung nach Pilsen, wo er sich gar bald bei allen Schichten der Bevölkerung die größte Hochachtung erwarb. Eine Reihe von Jahren gehörte er dem Vorstände der hiesigen Culttrs gemeinde an, war langjähriges Mitglied des Ortsschvlrathes, sowie Verwaltungsrath der Pilsner Waggonbau- und Maschinenfabriks- Acffcngcstllschaft. Während der Zeit, als er dem Vorstande der Cultvs- Nr. 12 gemeinde angehörte, machte sich eine Strömung für Auflassung der israelitischen Volksschule geltend, welcher er energisch entgcgcntrat und davor warnte, diese einzige Stütze des religiösen Jndenthums und der jüdisch-religiösen Erziehung der Jugend fallen zu lassen. Er unterlag in diesem barten Kampfe, die Schule wurde aufgelöst; aber Recht behielt er insofern, indem seine Voraussicht eintraf und man mit Fug und Recht behaupten kann, daß die Kenntniß der Religion hier tief gesunken ist. Den trauernden Söhnen und Töchtern des Verstorbenen kamen von Rah und Fern bic wärmsten Beileidsbezeugungen zn. Das hiesige Bürgermeisteramt, sowie auch der Ortsfchulralh condolirten in einer Zuschrift des Bürgermeisters Dr. Petak an den Sohn des Verblichenen, .Herrn 100. Ludwig Steinschneider. Das Lcichenbegängniß, welches Sonntag den 16. März stattfand, war eine Trauerknndgebung von eminenter Bedeutung; Behörden, Advocaten, Bürgermeisteramt, Eultusvorstand, die gesummte Intelligenz der Stadt und viele Gäste von Auswärts, ein unabsehbarer, nach Tausenden zählender Zug von Leidtragenden gaben dem Verblichenen das Geleite bis auf den alten jüdischen Friedhof, wo Herr Dr. Posnanski in einem Nachrufe das verdienstvolle Leben des Dahingeschiedenen schilderte. Er ruhe in Frieden! Ph. L. Olmütz. Am 16. d. M. fand die Generalversammlung unseres „Armen- und Kranken-llnterstiitzungsvereincs" unter lebhafter Beiheiligung der Mitglieder statt. Der Rechenschafts- und Eassabericht wurde schon zu Anfang des Jahres veröffentlicht, und kann die rührige Vereinslcitung auf die stattlichen Einnahmen und Spenden, sowie ganz besonders ans die verbältnißmäßig große Summe der Ausgaben zum Zwecke wohlihätiger Unterstützungen mit berechtigtem Stolz blicken. Unter der bewährten Präsidentschaft der Damen Sophie Zweig und Sophie Kauf m a n n hat die Vercinsleitung ihre schweren Aufgaben in rühmenswerther Weise erfüllt, so daß die bisherigen Mitglieder des Vorstandes einstimmig wiedergewählt und durch zwei Damen, Eäeilie Fischer und Julie G r o ä k, ergänzt worden sind. Herr Dr. Gams, Mitglied des Cultuspräsidirnns, stellte den Antrag, den bisherigen Namen des Vereines in „Israelitischer Frauenverein" umzuändern. In den Zeiten des immer mehr um sich greifenden Antisemitismus sei es nothwendig, fest und treu zu einander zu stehen, in dem Bewußtsein der Reinheit und Lauterkeit unserer Religion offen und ehrlich unser Judenthum zu bekennen und ohiie jedwedes Deckmäntelchen seinen Namen' auf den äußeren Schild dieses Vereines zu schreiben. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Namens des israelitischen Gemeindevorstandes dankte Herr Vicepräsident Josef L ö w den Vereinsdamen für ihr segensreiches Wirken, und Herr Rabbiner Dr. O pp e n h e im sprach sowohl diesen als besonders Herrn Dr. Gams für die aufrichtige, Liebe und Treue zum Judenthum athmende Ansprache die rückhaltlose Anerkennung aufs Herzlichste und Wärmste aus. Kattowitz o./S. Der israel. Krankenpflegeu. Beerdigungs- Verein feierte fein Stiftungsfest durch ein Festessen im Stadthaussaale mit daranffolgenden humoristischen und theatralischen Darstellungen. Nach Begrüßung der sehr zahlreich erschienenen Gäste durch den Bereiusvorsitzeuden Herrn L. Altmann brachte derselbe den Kaisertoast aus. Die vielen anderen Toasts'und Tischreden aufzuführen oder ' auch nur zu streifen, würde zu weit führen. Es sei daher nur die Rede des Herrn Rabbiner Dr. Cohn erwähnt, der es versteht, immer wieder aufs Neue durch seiueu geistvollen Vortrag zn fesseln und zu segensreichen Wirken anzuspornen. Nächstdem zündeten die Reden der Herren Stadtrath Wiener und Rechtsanwalt Epstein. Ganz besonders erwähnenswerth sind auch die gesanglichen Vorträge des Herrn Obercantor Singer, die einen wirklichen Genuß boten. Auch in den anderen Festanfführuugen wurde Vorzügliches geleistet. Das aufgeführte Theaterstück war ein Eczeuzniß eines hiesigen Arztes. Im Ganzen verlief das Fest in schönster Weise. . „Kiddnsch Haschen»." Von Emanuel Reiß. (Fortsetzung und Schluß.) Der begeistertste Zuhörer war sichtlich der edle Junker, dessen Augen vor Freude strahlten und als der Gesang zu Ende war, den Anstoß zu stürmischem Applaus gab. »Das haben Sie, bei meiner Ehre, gut gemacht, Herr C a n t o r!" sprach er ganz entzückt. Er zog die Börse hervor, entnahm derselben eine Fünfer-Note und wollte sie ihm hinreichen. Diesen Moment hielt das Gigerl für geeignet, um mit seinem Tric in Action zu treten: »Wissen Sie auch, mein Herr, was der Mann gesungen hat?" Dr. Bloch's Wochenschrift.

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