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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-02-28 · 9 (28.2.1902) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
9 (28.2.1902)
Date
1902-02-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 9 Dr Vloch's Wochenschrift. Seite 145 Neufeld, Josef Neumann. Friedrich Reiß, Michael Samek, Moriz Stärk, Leopold Weinwurm und Julius Wottitz, wurden per Acclamation wiedergewählt. Hierauf schloß die Generalversammlung. Die langjährigen und verdienten Vorstandsmitglieder Herr Leopold Weinwurm und Moritz Stark wurden in der nun folgenden vertraulichen Sitzung zu Ehrenmitgliedern ernannt. Karlsbad. Ein hriteres Moment in ertifler Zeit bildete das am 16. Februar d. I. vom jüdischen Wohlthätigkeitsverein „Eintracht" veranstaltete Maskenkränzchen das einen geradezu massenhaften Be'uch aufwies. Die großen Räume des neuerbauten „Orpheums" waren bis auf das letzte Plätzchen von einem distinguirten Publicum gefüllt, das sich aus allen Ständen und Classen der hiesigen jüdischen Bewohnerschaft recrutirte. Auch aus der näheren und weiteren Umgebung hatten sich Besucher eingestellt. Wohl an die 1000 Teilnehmer, zumeist in geschmackvollen und eleganten Costumen, durchwogten den prächtigen Tanzsaal und boten besonders den die Logen innehabenden Beschauern ein farbenreiches, kaleidoskopartiges Bild. Das Arrangement, in trefflichen Händen gelegen, war tadellos und war das Urtheil allgemein, daß dieses Maskenfest jede Concurrenz mit einer derartigen Veranstaltung selbst in der Großstadt nicht zu scheuen hätte. Aus der bunten Fülle besonders eleganter Masken seien speciell nachfolgende hervorgehoben: „Regenbogen" (Frl. Irma Neubauer), „Bergknappe" (Frau Julie H a u r v w i tz), „Zigeunerin" (Frl. Therese Goldman n), „Neu - Griechin" (Frl. Kohner) „Veilchen" (Frl. Dub-Schlackenwerth) „Mohnblume" (Frl. Else Grün bäum). „Gigerl" (Frl. Lomse Lederer), „Alt-Wienerin" (Frl. Jsabella Gartenzaun), „Friedenspalme" (Frau Fischer), „Indische Tänzerin" (Frl. Rosa Epstein). Es würde zu weit führen und auch zu schwer fallen, diese Liste zu vervollständigen. Hochoriginell in Maske und Gehaben gab sich ein Bauernpaar (Herr und Frau Josef L a P p e r t-Falkenau), ferner zwei fesche „Schusterbuam" (ein reizendes Schwesterpaar aus Kaaden), zwei Chinesen (Herr H o l z n e r und A l t s ch ü l e r), ein in Costum, Maske und Sprache charakteristischer „Mephisto" (Herr Gustav Schulhof) und Herr Simon Holzner aus Karlsbad als „Ansichtskarte". Viel belacht wurde auch ein Kapuziner (ein hiesiger Advocat), der seine geistreichen Sentenzen stets an eine andächtig lauschende Zuhörerschaft zum Besten geben mußte und dabei immer den Nagel auf den Kopf traf. Allgemeinen Beifall ernteten weiters die vom Turnclub gestellte Burengruppe und vier vornehme Spanier (Herren Sommer, Nathan, Steiner, Lederer). Kurz und gut, es war ein in allen Theilen vorzüglich gelungener Abend. Getanzt und gescherzt wurde bis in den grauen Morgen und mag die allgemeine Befriedigung dem Vereine „Eintracht" und dem Vergnügnngscomits desselben eine Entschädigung für ihre große Mühe sein. Der Dank jener armen Glaubensgenossen aber, die von dem verhältnißmäßig sehr bedeutenden Ueberschusse der Unterhaltung mit namhaften Beträgen unterstützt werden können, möge ihnen ein Ansporn sein, weiterhin mit vollem Eifer für die Humanitären Zwecke des Vereines zu wirken. Es sei mir gestattet, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, daß der nun seit fünf Jahren bestehende Verein „Eintracht" überhaupt eine Vereinigung humaner Israeliten ist, die die Wohlthätigkeit in weitmöglichster Weise üben, und bereits alljährlich mindestens 600 Kronen zur Bertheilung brachte. Für die Zukunft wird der Verein wohl noch mehr zu leisten im Stande sein. Dabei vergißt er aber durchaus nicht aus die Pflege der Geselligkeit, und wäre es eigentlich die Pflicht aller Glaubensgenossen, die „Eintracht" mit allen Kräften und in jeder Hinsicht zu unterstützen. Nicht zumindest den unleidlichen, politischen Verhältnissen in unserem internationalen, interconsefsionellen Curorte ist es zuzuschreiben, daß sich endlich jener festere Zusammenschluß der jüdischen Bewohnerschaft ergibt, wie er sich bei der oben angeführten Veranstaltung documentirte. Wollen wir uns der angenehmen Hoffnu ng hingeben, daß es weiterhin so bleibe. Der „Eintracht" aber se e nochmals Dank gesagt. Olmüh. Die hiesige Gemeindevertretung beschloß mit Stimmeneinhelligkeit, auf Grund des Statutes Herrn Doctor B. Oppenheim als Rabbiner definitiv anzustellen. Das Cultuspräsidium als Deputation verständigte denselben davon in ehrenvollster Weise und überreichte ihm den diesbezüglichen Vertrag. Kozlow. (Spende.) Herr Kasimir M a j e w s k i, Rentier aus dem unserer Stadt unweit gelegenen Dörfchen T a u r o w, hat die hiesigen Armen israelitischer Confession mit einer namhaften Spende bedacht, die umsomehr registrirt zu werden verdient, als der Spender Christ ist, wodurch documentirt wird, daß es noch edle Menschen gibt, bei denen die nunmehr hochgehenden Wogen des Antisemitismus die humanilären Empfindungen für die leidenden Mitmenschen nicht zu ersticken vermochten. Seitens des C u l t u s v o r st a n d e s und des R a b b i n a t e s ist ihm für diese hochherzige That ein Dankesvotum zugekommen. M. H. Franzensbad. Herr Dr. Isaak Folkwann in Turnau wurde zum Rabbiner und Prediger der israelitischen Cultusgemeinde in Franzensbad erwählt und wird im April d I. seine Thätigkeit daselbst aufnehmen. Troppau. Ter hier allgemein verehrte und beliebte Obercantor der hiesigen Cultusgemeinde Herr Max Singer mann bat einen schweren Verlust erlitten, indem sein Vater, der in Russisch- Polen und Rußland berühmt gewesene Cantor „Herschke" Singermann in Koni n, woselbst der Verblichene circa 27 Jahre als Cantor wirkte, vergangene Woche im 70. Lebensjahre gestorben ist. Der Verstorbene war durch seine aufrichtige Frömmigkeit, durch sein hervorragendes hebräisches Wissen, durch seinen lauteren und reinen Charakter, insbesondere aber durch seine glänzenden cantoralen Fähigkeiten bei all' denen, die ihn kannten, sehr beliebt and geschätzt. Tie Schüler des verstorbenen edlen Mannes, die nach Hunderten zählen, bekleiden heule im In- und Auslande hervorragende Cantorstellen. Darunter seine Söhne, unser geschätzte Obercantor, der Obercantor Singer mann in R a t i b o r und der Cantor und Lehrer K. Singerinann in Schildberg in Preußen. Ein Sohn ist ein angesehener Advocat in Rew-Aork. Die Beerdigung in Koni» gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der ganzen großen Gemeinde in Kanin. Zwei Rabbiner hielten ergreifende Nachrufe dem theueren Verblichenen, die seinen menschenfreundlichen, edlen, reinen Charakter und seine große Gesangskunst rühmten, und kein Auge blieb thränenleer. als man diesen gottergebenen Manne in die Erde senkte, der durch seine wahre Frömmigkeit, seinen begeisterten Gesang beim Gottesdienste die Gemeinde erbaut und erfreut hatte. Ungarisch-Brod. Der Senior unserer Gemeinde Herr Jeremias Grün wurde am vorigen Samstag im Alter von 91 Jahren plötzlich ins bessere Jenseits abberufen ohne vorhergehende Krankheit und ohne eigentlichen Todeskamps. Obwohl seit nahezu 9 Jahren des Augenlichtes beraubt, blieb sein Geistesblick hell und klar bis zum letzten Augenblick. Die beiden Kinder des Verblichenen, Rabblner Doctor Frankl-Grün aus Kremsier und dessen Bruder aus Wien, wurden telegraphisch berufen und widmeten bei der am Sonntag stattgefundenen Beerdigung, an der Rabbiner Dr. Jung, Cultusvorstand Brammer, Obercantor Rosenfeld, der Vorstand der Chewra Kadischa und fast sämmtliche Gemeindemitglieder sich betheiligten, einen aus dem Herzen kommenden Nachruf, der nicht verfehlte, tiefen Eindruck zu machen. Budapest. (Ein religiöses F e st m a h l.) Seit zwei Jahrzehnten existirt in Budapest (Theresienring 4) unter dem Namen „0 hi auch Nearim“ ein Verein, welcher es sich zur Aufgabe machte, jüdischen Jünglingen, welche aus Armuth ihrer Eltern oder aus anderem Grunde keine Gelegenheit hatten, sich das correcte Beten in hebräischer Sprache, sowie das Verständniß der Bibel anzueignen, einen gründlichen Unterricht in diesen Gegenständen unentgeltlich zu ertheilen. Die Kosten des Unterrichtes werden von den Mitgliedern bestritten. Der Unterricht ist zu einer Zeit anberaumt, wo die Zöglinge von der Schule frei sind. Ferner werden dieselben auch mit der jüdischen Liturgie bekannt gemacht. Die Confirmanden werden in den Tefilinritualien unterrichtet, die Unbeinittelten unter ihnen werden auch mit Talis, Tefilin, Gebetbuch und Chumisch zur Lar-Nirnvah-Feier beschenkt. Dieser Verein, welcher, wie aus seinem Namen deutlich zu ersehen ist, urspriingUch nur zur Erziehung der Jugend Israels gegründet wurde, hat im Laufe der Zeit seinen heilsamen Wirkungskreis erweitert und auch die Abhaltung von Talmudvorträgen für Erwachsene in sein Programm ausgenommen. Am 20. Februar feierten die Mitglieder dieses Vereines anläßlich der Beendigung des Talmudtractates Prachim das usuelle Sijum-Fest im Prunksaale des jüdischen Kindergarten-Vereines. Der Vereinslector Herr Rabbiner Simon Goldberger leitete diese Feier mit einem halachistischen Vortrage ein, welcher sowohl von großer Belesenheit als von Geistesschärfe zeigte. Sodann begann das Festmahl. Den ersten Trinkspruch hielt der neuerwählte Rabbiner Montz Feldmann, welcher sich hier großer Beliebtheit erfreut. Nachher ergriff der Präsident des Kindergarten-Vereines, Herr Tr. Alexander Groß, das Wort, um sowohl den Gründer des Vereines, Herrn Rabbiner Goldberger, als das geschätzte Präsidium hochleben zu lasten. Hierauf folgte eine wunderschöne Ansprache des sehr beliebten Schuldirectors Herrn Nathan Haläß, welche bte Aufmerksamkeit des ganzen Auditoriums auf sich lenkte. Prof. Dr. Sigmund Gonda erhob das Glas auf das Wohl des Präsidenten Herrn Jacob Messinger, den er zum Schluffe mit dem Bibelvers apostrophirte: „Nicht Jacob heiße Dein Name, sondern Israel, denn Du hast gekämpft mit Mächten und mit Menschen und Du hast gesiegt!" Großen Beifall erntete auch der Trinkspruch des hiesigen Buchhändlers Osias Geyer,welcher, an die Schlußsätze des Tractates Pesachim anknüpfend, für die Kräftigung des Vereines „Chinuch Nearim“ plaidirte. Hierauf sprachen die Herren: Emanuel Szenes, Max Szekely und die Brüder Ernst und Hugo Schey. Vicepräses Herr Adolf Weißfeld, Vater des rühmlichst bekannten Rechtsanwaltes und Reichsrathsabgeordneten Herrn Dr. Wilhelm Väzsonyi, machte in seinem Toaste auf

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