Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 5 (31.1.1902)
- Date
- 1902-01-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 80 Dl- Vloch's Wochenschrift. Nr 5 weiteren Kreise erschlossen waren. Von der talmudischen Literatur int Besonderen läßt sich sogar behaupten, sie war vor ihren Autoren da. Man citirte sie allenthalben, ihre Aussprüche waren volksthümlich, dem jüdischen Volksgeist ureigen geworden. Aber wer dachte an bestimmte. unterschiedliche Individualitäten, wenn er Namen wie Jose b Zimra, Simlai, Berechja, Abie u. A. m. anführte? Diese Namen mit Fleisch und Blut umkleidet, ihnen persönliches Leben eingehaucht zu haben, ist ein Hauptblatt in dem so überaus dichten Ehrenkranz der Verdienste Bacher's um die jüdische Wissenschaft. Er hat durch den blühenden Garten der Agada uns die Wege gebahnt und nach passenden Beeten übersichtlich und gefällig die Blumen geordnet. Freilich, kein leichtes Beginnen diese Gärtncrarbeit. Eine Bibliothek für sich bilden die bisher erschienenen sechs stattlichen Bände über die Tannaiten und Amoräer, deren erster jetzt in zweiter Auflage erscheint; nun reiht sich ihnen als siebenter ein überaus verdienstlicher Registerband an, und noch ist das Werk nicht erschöpft. Noch soll — und wir hoffen, in nicht zu langer Frist — eine Bearbeitung der anonymen Agada folgen. Gäbe es für die jüdische Literatur einen Nobelpreis, nicht so leicht würde ein Werk mit diesem in den Mitbewerb treten. Es bildet nicht nur einen wesentlich wichtigen Beitrag zur Erforschung des talmudischen Schriftthums, wie wir ihn ähnlich bisher nur in der Geschichte der jüdischen Tradition von Weiß besitzen, sondern wie der hochverehrte Verfasser in dem Vorwort zum ersten Band der „palästimsche Amoräer" selbst betont, um die Geschichte der hebräischen Dichtkunst von den letzten Ausläufern der allhebräischen Literatur bis zu den jüdischen Dichtern des Mittelalters, ferner um eine Bereicherung der Kenntniß des heiligen Landes in der Vergangenheit, um Bausteine zu dem längst ersehnten neuhebräischen Wörterbuch, welches keinen berufeneren Bearbeiter als Bacher finden könnte u. s w. Die Vorrede zu dem vor drei Jahren erschienenen^ dritten Bande schließt mit den Worten: „Mit dankbarem Gemüthe übergebe ich den Schlußband meines Werkes der Oeffentlichkeit. Mit besonderer Geuugthuung erfüllt mich der Gedanke, daß ich in ihm zum erstenmale das Urheberrecht der alten Lehrer des Judenthums an dem, was sie zur Bereicherung der jüdischen Gedankenwelt beitrugen, feststellen durfte". Wie Bacher hier getreulich gehalten, was er im ersten Bande versprochen, so möge es ihm auch vergönnt sein, fernerhin uns Alles das — und es ist sehr viel — zu geben, was wir von ihm erhoffen. — G —. Danksagung. Anläßlich des Ablebens unseres unvergeßlichen Gatten, resp. Vaters und Lchwieger Vaters des k. k. L.-G.-R. Dr. Jacob Kohn sind uns von zahlreichen Corporationen, Verwandten und Bekannten so innige und in so hohem Maße ehrende Beweise der Theilnahme zugekommen, daß wir außer Stande sind, allen Einzelnen gebührend zu danken. Wir erlauben uns daher, alle Diejenigen, die durch Ehrenbezeugungen für den theueren Dahingeschiedenen und durch Beileidskundgebungen uns in unserem namenlosen Schmerze Trost zu spenden und Linderung zu verschaffen versuchten, zu bitten, auf diesem Wege unseren innigsten Dank entgegennehmen zu wollen. Insbesondere sagen wir den Vertretern der isr. Cultusgemeinde und der verschiedenen Behörden, der Oesterr.-Jsr. Urlion und den anderen Vereinen für die dem theuren Dahingeschiedenen erwiesene letzte Ehre, der „Oesterr. Wochenschrift" und der gesammten gesinnungsfreundlichen Presse für ihre ehrenden Nachrufe und ganz besonders Sr. Ehrwörden dem Herrn Rabbiner Dr. S ch m i e d l und den Herren Dr. Marcus Spitzer und Dr. Marcel H o f f m a n n. die in tief empfundenen und ergreifenden Reden der Verdienste und Charaktereigenschaften des theuren Dahingeschiedenen gedachten, unfern innigstgefühlten und wärmsten Dank. Karoline Kohn, k. k. Landesgerichtsrathswitwe, als Gattin. Therese Kohn, als Tochter. Dr. meä. Armin Kohn, als Schwiegersohn auch im Namen der übrigen Leidtragenden. Briefkasten. G. in G. „Schönerer's Wunsch, die Alldeutschen mögen wieder zum alten Heidenthum zurückkehren, scheint bereits in Erfüllung zu geh'n. Sre opfern schon ihrem „Götzen" Geld, die Ehre, und — ihre Töchter." L. in V. Die zwei -jüdischen Künstler, der Maler und Radierer Hermann Struck-Berlin ist zum Mitglied der Royal Society of Paniter-Ecliers and Engrawers in London gewählt und der holländische Maler Josef Israels zum Ehrenmitglied der Berliner Secession ernannt worden. L. Der vormalige nordamerikanische Gesandte am türkischen Hof, Herr Oscar Straus in N e w - Y o r k ist zum Vertreter der Vereinigten Staaten beim ständigen Internationalen Schiedsgericht im Haag ernannt worden. Sein Vorgänger war der verstorbene ehemalige Präsident Harrison. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Joses ßaffel in London, welcher dem König Eduard V II. vier Millionen Mark zu einem wohlthätigen Zwecke übergeben hat, ist der «-ohn eines deutschen Juden. B. Max Rägis ist am 14. d. M. in Algier verhaftet worden. Er hat eme dreiiährige Haft zu verbüßen. Alter Abonnent. Nicht gezogen. Mazzoth Lieferung. Die Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde gibt bekannt, dass sie Offerte für die Lieferung von circa 280 Metercentner Mazzoth entgegennimmt. Die Mazzoth müssen unter strenger Beobachtung der rituellen Vorschriften her gestellt werden, viereckig, 22—24 Stück per Kilo. Der Schluss des Einreichungstermines ist am 12. Februar 1902. Die Lieferung wird im Ganzen oder theilweise vergeben. Nähere Auskünfte in der Kanzlei l. , Seitenstettengasse 2, von 9—10 Uhr Vormittags. Oer Vorstand der Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Samuel W. 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