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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-10 · 2 (10.1.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 2 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 21 Die' Erwerbung des Heimatsrechtes in Wien muß rasch und allgemein erfolgen. Zu diesem Zwecke möge sich aus der Mitte der ungarischen Juden selbst ein C o m i t 6 constituiren, welches die Agitation unter den Landsleuten einleitet, von Haus zu Haus, von Mann zu Mann geht und durch persönliche Aufklärung jeden Einzelnen von der Nothwendigkeit dieser Action überzeugt. Dieser Mahnruf der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat das Resultat erzielt, daß über Einladung eines Actionscomites am 1. Jänner im Galeriesaale des Hotel Union eine stark besuchte Versammlung der Ausländer stattgefunden, um über die Gründung eines Rechtshilfevereins für Ausländer zu berathen. Nachdem der Vorsitzende, Polizeirath v. R u e b e r, die Versammlung mit einer kurzen Ansprache eröffnet hatte, erstattete der Obmann des Actionscomites, Paul Reinhardt, das Referat. Er berichtete über die bisher unternommenen Schritte zur rascheren Erledigung der bei der Polizeidirection eingereichten Gesuche um Bestätigung der Seßhaftigkeit und constatirte, daß das größtmöglichste Entgegenkommen zugesichert wurde. Während der letzten acht Monate habe die Polizei 70.000 Gesuche um Wohnungsbestätigungen erledigt. Redner machte ferner darauf aufmerksam, daß seit mehreren Tagen ausländische Gesuchsteller um das Heimatsrecht Vorladungen zum Magistat erhielten, wo man an dieselben die Aufforderung richtete, Taxen für die Aufnahme zu bezahlen. Herr Reinhardt empfahl, in allen Fällen gegen die Forderung einer Gebühr den Recurs sofort zu Protokoll zu geben. Reichsrathsabgeordneter Dr. Ofner erklärte, daß nach seiner Ueberzeugung der Verwaltungsgerichtshof die Beschwerde der Gemeinde abweisen und auch in seiner Motivirung — dies sei von besonderer Wichtigkeit — zu Gunsten der Heimatlosen erkennen werde. Für alle Fälle aber, insbesondere falls vom Berwaltungsgerichtshofe eine gegentheilige Motivirung beschlossen werden sollte, wolle er auf zweierlei praktische Folgen aufmerksam machen. Wenn nämlich der Standpunkt der Regierung durch den Verwaltungsgerichtshof zu Recht erklärt werden sollte, dann möge das ActionscomitS versuchen, durch ein Majestätsgesuch die Sanction des bekannten niederösterreichischen Landtagsbeschlusses, betreffend die Abänderung des Paragraph 7 des Gemeindestatuts, zu verhüten. Ferner mache er aufmerksam, daß, insolange die Sanction dieses Landesgesetzes nicht erfolgt sei, die Gemeinde Wien auch nicht berechtigt sei, eine Gebühr zu erheben. Deßhalb soll die Zeit bis zur Sanction von den um Aufnahme in den Heimatsverband petitionirenden Ausländern noch ausgenützt werden, ihre diesbezüglichen Gesuche so rasch als möglich einzubringen, um dadurch eine gebührenlose Erledigung zu erwirken. (Beifall.) Der Vorsitzende regte hierauf die Gründung eines Rechtsschutzvereines für in Oesterreich domicilirende Ungarn, Ausländer und Heimatlose an. Nachdem noch Herr Reinhardt die Nothwendigkeit eines solchen Vereines dargelegt hatte, wurde die Gründung desselben beschlossen, und haben auch sofort die meisten Anwesenden ihren Beitritt angemeldet. Weitere Beitrittsanmeldungen sind an das Actions-Comitö der Ausländer, VI., Getreidemarkt Nr. 15, zu richten. Correspondenzen. Oeffentliche Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 6. Jänner 1902, unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserl. Rath Heinrich Klinger. Aus den Einläufen werden zur Kenntniß gebracht an Spenden: von „Anonymus".. . . . K 600.— zur Verkeilung an folgende humanitäre Institute: für die „Chewra-Kadischa".K 100.— „ das Altersversorgungshaus . . . . „ 50.— „ „ Siechenhaus.. 50.— „ den Waisenverein.. 50.— „ die Armenanstalt.„ 50.— „ den israel. Frauenwohlthätigkeitsverein „ 50.— „ das Taubstummeninstitut . . . . „ 50.— „ „ Blindeninstitut.„ 50.— „ den Verein zur Errichtung von Volksküchen nach israelitischem Mus. . . „ 50.— für die israelitische Kinderbewahranstalt . K 50.— „ den Theresien-Kreuzer-Verein . . . „ 50.— von Herrn Oberrabbiner Dr. Moritz Güdemann, zur Errichtung einer neuen Mikwah.K 200.— Zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau: von Herrn Alois Lemberger.„ 100.— - S. M.. 50.- „ Frau Jenny Koritschoner.„ 10 — » H. S.- 5.- „ Herrn Dr. Alfred Berger als Ergebniß einer Sammlung.„ 326.45 Den Spendern wird der Dank votirt. Der Vorsitzende constatirt die Beschlußfähigkeit und bemerkt : „Die geehrten Herren, welche der Schlußsitzung des Vorjahres anwohnten, erinnern sich, daß ich glaubte, im Hinblicke auf meine nicht zum besten bestellte Gesundheit nunmehr nach 16jähriger Wirksamkeit aus dem Vorstande scheiden zu sollen; jedoch der warme Appell an mein Pflichtgefühl, welcher in dieser Sitzung von zwei hervorragenden Mitgliedern des Cultusvorstandes unter Ihrer Zustimmung an mich gerichtet wurde, sowie auch die mittlerweile aus Wählerkreisen und von Vereinen an mich gelangten Bertrauenskundgebungen veranlaffen mich, Ihrem Beispiele der Pflichttreue zu folgen und so weit meine Kräfte reichen, in dem Amte weiter auszuharren." Zum Schluffe seiner von lebhaftem Beifalle begleiteten Ausführungen gibt der Präsident dem Wunsche und der lleberzeugung Ausdruck, daß ihm der Cultusvorstand nach wie vor bei der Führung der Geschäfte seine Unterstützung und Nachsicht zutheil laffen werde. Der Präsident theilt weiters mit, daß die Uebergabe des von den Freiherren Albert und Nathaniel v. Rothschild aus Eigenem errichteten und aus gestatteten Pavillons für eine chirurgische und gynäkologische Abtheilung an den Cultusvorstanö Sonntag den 12. Jänner 1902 um halb 12 Uhr stattfinden werde, zu welcher auch an die Mitglieder des Cultusvorstandes die Einladungen ergehen werden; er müsse jedoch gleichzeitig bemerken, daß das Baucomite genöthigt war, sich mit Rücksicht auf die Beschränktheit des verfügbaren Raumes bezüglich der Einladung anderer Gäste die größte Reserve aufzuerlegen. Der Präsident läßt sodann ein an den Vorstand gelangtes Schreiben der israelitischen Armenanstalt zur Verlesung bringen, des Inhaltes, daß Herr k. k. Baurath Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t zum Vice-Präsidenten der israelitischen Armenanstalt gewählt worden sei und daß weiters Herr Wilhelm P a p p e n h e i m zur Wahl in die Leitung dieser Körperschaft vorgeschlagen werde. Bei der hierauf folgenden Abstimmung wird Herr Wilhelm Pappenheim per acclamationem einhellig in den Vorstand der israelitischen Armenanstalt gewählt. Zum wichtigsten Punkte der Tagesordnung, Constituirung des Cultusvorstandes, übergehend, bemerkt der Vorsitzende, daß gemäß § 20 der Wahlordnung zunächst der I. Bice-Präsident zu wählen sei. Der Vorsitzende ersucht die Herren Vorsteher Leopold von Lieben und Dr. Alfred Berger das Amt des Scrutiniums zu übernehmen. Aus der hierauf vorgenommenen Wahl geht Herr Dr. Alfred Stern als I. Vice-Präsideut hervor. Herr Dr. Stern dankt mit herzlichen Worten für den wiederholten Beweis des Vertrauens und erklärt die Wahl anzunehmen. Er werde an der Seite des verehrten Herrn Präsidenten seines Amtes zu walten haben. Für den Fall, als der Präsident zur Kräftigung seiner Gesundheit einen Urlaub anzutreten wünschen sollte, werde ihm ein solcher gewiß gegönnt werden, und er — der Viee-Präfident — werde der ihm sodann in der Leitung der Präsidialgeschäste an erster Stelle obliegenden erhöhten Thätigkeit gerne Nachkommen; er werde sich hiebei die Einhaltung der neuen Geschäftsordnung zur Richtschnur nehmen, jener Geschäftsordnung, deren Grundgedanken er seit Jahren verfochten und deren endliche Realisirung er mit Genugthuung begrüßt. Redner fügt hinzu: In den letzten Jahren war das Wirken des Vorstandes mehr und mehr auf die Pflege der Wohlthätigkeitsinstitute gerichtet. Was geschaffen wurde, ist Ihnen allen wohl bekannt und soeben haben Sie die Einladung zur Eröffnung eines neuen Institutes erhalten, welches die Munificenz eines edlen Wohlthäters

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