Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021441--11438-3035975- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 16 Dr. Bloch's Wochonschrifl. Nr 1 habe nichts von ihm gehört. Ein einziger Brief kam uns während des Feldzuges von ihm zu, der hier in dieser Stadt geschrieben war, - o sein Regiment einen Rasttag hielt. An diesem Briefe zeigte er an, daß sie auf dem Marsche nach Prag begriffen sind und bat in innigen Worten um Verzeihung für seinen Ungehorsam. Dies war das letzte Lebenszeichen von ihm. Bon da an blieb er verschollen. Unterdessen brach in unserer Heimat die grause Gesährtin des Krieges, die Cholera, aus. Mein Mann und mein guter, sanfter Jakob fielen ihr zum Opfer. Zrsterer starb, nachdem er seinen abwesenden Erstgeborenen gesegnet und mir aufgetragen, ihn aufzusuchen und ihm die väterliche Verzeihung zu überbringen, in meinen Armen. Mich selbst hat diese Geißel verschont: Gott wollte mich zu größerem Leiden, zu einem einsamen, kinderlosen Leben erhalten. Galten- und kinderlos, durch den plötzlichen Tod des Mannes fast verarmt, blieb mir im Leben nur eine einzige Hoffnung übrig, die Hoffnung auf Wiederfinden meines nun einzigen verschollenen Kindes. In Deutschland befand er sich nicht, das hatte ich bald heraus gebracht; darum machte ich mein kleines Besitzthum zu Geld und begab mich auf die abenteuerliche Fahrt, den Spuren des Verschollenen zu folgen. Mein vorläufiges Reiseziel war dieses Städtchen in Böhmen, von wo der letzte Brief an uns datirt war. Das Weitere wiffen Sie, mein Kind, vielleicht besser, als ich selbst, welche gleich nach der Ankunft, von schwerer Krankheit erfaßt, mich wochenlang in Fieberphantasien wälzte, Sie, liebste Fanni, welche ohnehin genug mit der Pflege des leidenden Vaters zu thun hatten, nahmen sich auch liebreich der fremden kranken Frau an, pflegten und trösteten mich, so daß es mir möglich wurde, diese schwere Zeit zu überkommen. Jetzt, wo ich nach und nach kräftiger werde, werde ich Ihre Hauswirthschaft übernehmen, da meine Mittel zur Weiterreise oder zum Alleinleben nicht mehr ausreichen. Sobald ich ganz gekräftigt bin, suche ich mir ebenfalls in Prag einen Dienstposten, wozu Sie, liebste Fanni, mir hoffentlich behilflich sein werden." „Bitte, Frau Ahrons", sagte nach einer Weile das junge Mädchen; „wäre es nicht besser für Sie, wenn Sie alsdann lieber in Ihre Heimat gingen? Zu Haufe ist zu Hause! Glauben Sie mir! Ich selber, deren Jugend hier eine so trübselige war, verlaffe nur ungerne meine Heimat, trotzdem sie mir nichts anderes als Schmach und Entbehrungen geboten hatte". „Alles nur das nicht! Sollte ich wie einst Naemi in meine Vaterstadt zurückkehren, gatten- und kinderlos, arm und verlassen? Als Mara, die Verbitterte, wie Naemi sagte? Ja, wenn mir gleich Naemi eine treue opfermüthige Ruth zur Seite stünde, welche die bedeutungsvollen Worte spräche: Nur Her Tod kann mich von Dir trennen, ja, dann würde ich diesen Marterweg denn doch antreten. Wenn Sie, liebe Fanni, mich begleiten würden!" „O, mit tausend Freuden, liebe Frau Ahrons, gehe ich mit Ihnen. Auch im Reiche draußen wird man fleißige Hände zu schätzen wiffen und überall ist das Brot, wie man sagt, auf zwei Seiten gebacken. Werden Sie, nur bald ganz gesund; das Reisegeld für uns Beide werde ich bald erspart haben." Frau Ahrons. schüttelte den Kopf. „Ein solches Opfer könnte ich von Ihnen nicht annehmen, liebe Fanni. Ja, wenn in meiner Heimat für Sie eine Partie in Aussicht stünde, wie einst für die treue Ruth." (Fortsetzung folgt.) Kriefkaste«. L. In der Sammlung zeitgenössischer Aussprüche zur „Judenfrage" von Carl Ed. Klopfer (München, 1891) findet sich der folgende Ausspruch von P- K Rosegger: „Daß man die Laster der Juden aufdeckt, ist recht; aber daß man dabei die Laster der Nichtjuden verschweigt, das ist schlecht." R. Zweifellos ist der Hausherr von der Krugerstraße, der llrteutone Schönerer im Vereine mit dem Herrn Wolf und Abgeordneten Tschan der entsprechendste und angemeffenste Vertreter der germanischen Sittlichkeit gegenüber dem unsittlichen Semitismus! B. Baron Josef v. Hirsch, der Vater des Baron Moriz v. Hirsch starb am 9 December 1885 zu München. Der mährische Landesrabbiner Abraham Placzek starb am 10. December 1894 zu Boskowitz. I. M., Csougrad. In einen localen Gemeindezwist uns einzumengen, haben wir keine Veranlassung. S. S. Versorgt. L. Der abgängige Fabrikant Israel war ein racenreiner Arier und hat seinerzeit seine racenreine Abstammung als Geschäftsreclame in antisemitischen Journalen verkünden laffen. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Josef K. Der Mißbrauch der reichsräthlichen Jmmui.ität zu einem elenden Schimpfexceß in der Form einer Interpellation durch den Pater Scheicher hat nicht gehindert, daß Se. Majestät der Kaiser befohlen hat, das Strafverfahren gegen den Fabrikanten Ernst Löwenfeld und dessen Secundanten Dr. Jacobsohn einzustellen. Die gemeine Hetze dieses sogenannten Priesters der Liebe war wiederum einmal erfolglos. Notiz. Für 1 Krone 40.000 Kronen zu erhalten, hat Jeder Gelegenheit, der sich ein Los der Wiener Wärmestuben-Lotterie kauft. Die Ziehung findet unwiderruflich schon am 16. Jänner statt. SflP" An unsere geehrten Leser richten wir die ergebene Bitte, in Hotels, Restaurants, Cafss, Pensionen, an Bahnhöfen, in Lesezimmern immer wieder die „Oesterreichische Wochenschrift" zu verlangen oder empfehlen zu wollen. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse Nr. 4, nächst dem Ring, offerirt in reichster Auswahl Professor Kfimpf’s allgemein beliebte Brantgebetbücher and deutsche Andachtsbücher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten ElnbSnden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borden. 843 Als Barmizwah-Gesehenk eignet sich vorzüglich das berühmte Prachtwerk Professor Dr. Julius Fürstfs illustrirte fünf Bücher Hoses m. deutsch. Uebersetzung, erläuternd. Anmerkungen u. 223 IUustr Preis in Prachtband statt fl. 8.50 jetzt nur fl. 3.50 Samuel W. Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4. JULIUS MEINL Jfaffee-Import WIEN-BUDAPEST-BRÜNN CENTRALE: WIEN, I., FLEISCHMARKT 7 FILIALEN IN WIEN : 1., Schottengasse 7 11., Taborstrasse 26 111., Landstrasse Hauptstrasse 4t IV., Wiedner Hauptstrasse 16 VI. . Mariahilferstrasse 31 VII. , Neustiftgasse 28 VII.. Mariahilferstrasse 112 IX. , Servitengasse 12 X. , Himbergerstrasse 17 XI. , Simmering, Hauptstrasse 90 XII. , Schönbrunnerstrasse 261 XIII. , Hietzing, Wattmanngasse 15 XVI. , Brunnengasse 34 XVII. , Hernalser-Llnle Stadtbahn-Viaduct 86 XVIII., Währlnger-Linie Stadtbahn-Viaduct 118. S. Bloch. — Druck von L. Beck u. Sohn, Wien. VIII.