Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021441--11433-3035970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Timișoara 3× ep/1002522
- Homer 2× ep/1025156
- Lugoj 1× ep/1205091
- Vršac 1× ep/1045948
OCR text
Nr. 1 Dr. Bloüz's Wochenschrift. Seite II Temesvar. (Israelitische- D i st r i c t s - V e rsammlung. Aus der am 5. Juni v.I. abgehaltenen Jahresversammlung des XXlll. israelitischen Gemeindedistrictes, welcher sich auf die Comitate Temesvar, Arad und Kraffü-Szöröny erstreckt, wurde eine aus neun Mitgliedern bestehende Commission zu dem Zwecke entsendet, um einen einheitlichen Religionsunterrichtsplan für die Mittelschulen sowie ein Ordnungs- und Disciplinarstatut für die israelitischen consessionellen Schulen auszuarbeiten. Diese Commission hat jüngst ihre erste Sitzung abgehalten, zu welcher erschienen waren: die Oberrabbiner Doctor Simon Händler (Lugos), Dr. Moriz Löwy (Temesvar), Doctor Alexander Rosenberg (Arad), Dr. Adolf Szidon (Versecz), ferner die Commissions-Mitglieder Dr. Armin König (Versecz), Doctor Heinrich Keppich (Temesvar), Dr. Moriz Steinhardt (Arad). Die Sitzung wurde vom Districtspräsidenten Salamon Sternthal eröffnet und wurden über seinen Antrag zum Präses der Commission Oberrabbiner Dr. Rosenberg und zum Vicepräses Oberrabbiner Dr. Löwy, zu Schriftführern Oberrabbiner Dr. Händler und Districtsnotär Kümmelheim-gewählt. Nach eingehender Berathung über die wichtigen Gegenstände wurde das Elaborat des Oberrabbiners Löwy zur Basis des Entwurfes eines einheitlichen Religionsunterrichtsplanes acceptirt und mit der Ausarbeitung desselben unter Berücksichtigung der im Laufe der Verhandlung vorgebrachten Ergänzungen ein engeres aus den Herren Dr. Simon Händler, Dr. Moriz Löwy, Dr. Alexander Rosenberg und Dr. Adolf Szidon bestehendes Comite betraut. Matzen. (Die Beschuldigung eines Ritualmordes.) Wir berichteten jüngst, daß der Knecht Johann Homer in Ungereigen das Gerücht verbreitet hatte, das Dienstmädchen Marie Klenka sei von drm gerade aus dem Militärdienste heimgekehrten Karl Steiner, einem Bruder ihres Dienstgebers David Steiner, zu rituellen Zwecken abgeschlachtet worden;' ein dritter Bruder, der Brauereivertreter Isidor Steiner aus Unter-Gänserndorf, habe hiebei Hilfe geleistet. Marie Klenka war von ihrem Dienstplatze Plötzlich verschwunden, was Homer, einem früheren Bediensteten des Herrn David Steiner, zu dieser Anschuldigung Anlaß gab, die auch alsbald in der ganzen Gegend gläubig nacherzählt wurde. Die Gendarmerie entdeckte bald, daß die Todtgeglaubte in Dürnkrut wohlbehalten als Taglöhnerin in dcr Zuckerfabrik arbeite. Sie hatte sich heimlich entfernt, um an keine Kündigungsfrist gebunden zu sein. Johann Homer, welcher erklärte, er habe die Geschichte von Anderen gehört ünd nur nacherzählt, wurde heute in Folge der von Dr. Leopold R o s e n f e l d erhobenen Ehrenbeleidigungs- Klage vom Bezirksgerichte Matzen zu fünf Tagen Arrests, verschärft durch ein hartes Lager und Beschränkung auf Arrestantenkost, verurtheilt. Berlin. Vorzeitig geschlossen wurde kürzlich eine Versammlung im Industrie-Palast, in welcher der Rechercheur George Enthüllungen über die Konitzer Affaire machte. Der größte Theil der Anwesenden bestand aus Antisemiten, die den Redner fortwährend durch Lärm und Zwischenrufe unterbrachen. Als derselbe an der Hand verschiedener Vorkommnisse der Meinung Ausdruck gab, daß eine bereits bekannte Persönlichkeit entweder der Mörder sei oder diesem wenigstens nahe stehe, verursachten die Antisemiten einen derartigen Lärm, daß die Versammlung geschlossen werden mußte. Ein starkes Schutzmannaufgebot war auf der Treppe und in dem Hofe zusammengezogerO um etwaigen Schlägereien zu begegnen. Petersburg. (Verwarnung einer jüdischen Zeitung.) Die in Petersburg in russischer Sprache zweimal wöchentlich erscheinende jüdische Zeitung „Woschod" hat am 24. November l. I. lvegen vier namhaft gemachter Artikel vom Minister' des Innern die erste Verwarnung erhalten. Dieselbe wird damit motivirt, daß das Blatt eine „schädliche Richtung" einzuschlagen scheine. Der „Woschod" hat aber in den incriminirten Artikeln nicht etwa die russische Regierung, sondern nur die ruffischen Antisemiten angegriffen, welche in Rußland allerdings eine Art Nebenregierung etablirt haben. Durch die dem Blatte dafür ertheilte Verwarnung ist aber documentirt worden, daß die schmutzige Person des Geschäftsantisemiten Suworin in Rußland ebenso unantastbar ist, wie die geheiligte des Czaren. Herr Suworin hat es wirklich weit gebracht! Noch, vor dreißig Jahren ein subalterner Abschreiber, der unter Dictat des jüdischen Journalisten Landau judenfreundliche Artikel niederschrieb, hat er es nur durch den bloßen Antisemitismus zum vielfachen Millionär gebracht, der von seinen jüdischen Gegnern bei Gefahr einer - Verwarnung nur noch mit Sammthandschuhen angefaßt werden darf? Eingesendet, An unsere Glaubensgenossen! In einer Ausschreibung des Wiener Magistrates zur Bewerbung um die Lazar und Katharina Goldstein'sche Stiftung für Witwen und Waisen von Lehrern und Rabbinern wird im flagranten Widerspruche mit den Bestimmungen des Stiftsbriefes die Beibringung des Taufscheines gefordert. Durch diesen concreten Fall aufmerksam gemacht, hat die „O e st e r r e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e U n i o n" beschlossen, die Verleihung von Stiftungen jüdisch-confessioncllen und interconfessionellen Charakters daraufhin zu c o n t r o l i r e n, ob dabei dem Willen des Stifters und den Bestimmungen des Stiftsbriefes genau entsprochen wird. Wir ersuchen daher alle jene Glaubensgenossen, die sich um solche Stiftungen bewerben wollen, sich in unserem Bureau, Wien, I., Dorotheergasse 12 zu melden, wo ihnen auch Auskünfte über die einzelnen Stiftungen vermittelt werden Für den Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union": Paul-Schiff Präsident. E. B. Wien. (Berlobun g.) Fräulein Juni Stein. Tochter des verstorbenen Großindustriellen Herrn S. Stein und Schwester hes Großindustriellen Herrn Doro Stein, hat sich mit Herrn Arthur Vecsey, Director der Siebenbürger Waldindustrie- Actiengesellschaft in Budapest, verlobt. Den beiden Familien des Brautpaares sind aus diesem Anlässe aus den weitesten Gesellschaftskreisen zahlreiche Sympathiekundgebungen zugekommen. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 5. Jänner, l/22 Uhr Nachmittags, findet im Tempel Wien I., Seitenstettengasse, die Trauung des Fräulein Seraphine S ch r a m e k, Tochter des Großindustriellen Herrn Adolf S ch r a m e k, mit Herrn Karl Ehren zweig statt. Wien. (Doppel-Trauung.) Sonntag den 5. Jänner d. I. finden um y,2 Uhr Nachmittags im israelitischen Tempel XX. Kluckygasse die Doppel-Trauungen der. beiden Töchter des Armenrathes Herr Adolf Schreiber, des Fräulein Er^ia Schreiber mit Herrn Ernst Frankl und Laura Schreiber mit Herrn Ludwig B r o d statt. Wien- (Kaiserlicher Rath Julius Pollak.) Mit Ablauf des Jahres zog sich der bisherige Wiener Vertreter der Schweizerischen Creditanstalt, kaiserlicher Rath Julius Pollak, nach fast vierzigjähriger kaufmännischer Thätigkeit ins Privatleben zurück. Seit länger als 33 Jahren vertrat er in Oesterreich-Ungarn die Züricher Schweizerische Creditanstalt und war auch innerhalb dieser Zeit alleiniger Vorstand des von diesem Institut mit einem Commanditcapital von 2 Gulden hier ins Leben gerufenen Oesterreichifch-schweizer'ischen Ereditvereins. Seit nahezu 24 Jahren bekleidet Herr Pollak das kaufmännische Ehrenamt eines Censors der Orsterreichisch ungarischen Bank. Im Jahre 1873 wurde er vom Bundesrath zum Commissär für die Wiener Weltausstellung ernannt und war später während der Dauer von ungefähr zehn Jahren Mitglied der niederösterreichischen Handelsnnd Gewerbekammer und des Berwaltungsrathes des Niederösterreichischen Gewerbevereins. 1878 wurde ihm in Anerkennung seines verdienstvollen, gemeinnützigen Wirkens und in Würdigung seiner rastlosen Bemühungen um die Hebung und Befestigung der Handelsbeziehungen zwischen Oesterreich und der Schweiz das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens verliehen. 1899 ist er, in Anerkennung seiner Mitwirkung beim Zustandekommen des Handelsvertrages zwischen Oesterreich und der Schweiz, mit dem Titel eines kaiserlichen Rathes ausgezeichnet worden, und später, zur Zeit des zwischen Frankreich und der Schweiz bestandenen mehrjährigen Zollkrieges, hat er für seine erfolgreiche Förderung des Exports österreichischer Industrie-Erzeugnisse nach der Schweiz den Titel eines k. k. Commercialrathes erhalten. Nach rastloser Thätigkeit zog sich kaiserlicher Rath Pollak nun vom Geschäfte zurück. Wien. (Erzherzog Carl — Protector des Vereins „Jugendschu tz".) Erzherzog Carl, der älteste Sohn des Erzherzogs Otto, hat mit Erlaubniß seines Vaters sein erstes Protectorat überommen. Dem Verein „Jugendschutz", der es fich zur Aufgabe gemacht hat, arme Schulkinder vor den Unbilden der strengen Jahreszeit zu schützen und der nach einjährigem Bestand Heuer schon in der Lage war, mehr als 200 Kinder mit vollständiger Winterkleidung zu versehen