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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-01-03 · 1 (3.1.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
1 (3.1.1902)
Date
1902-01-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 1 in G. erhielt auf dessen Bittgesuch und in Folge Intervention des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, sowie des Redacteurs Herrn Dr. Bloch die landesrabbinische Zustimmung, während Dr. G. in Pr. eine Approbation auf drei Jahre und die zweite auf sechs Jahre erhielt, welche nach Ablauf der Frist wieder erneuert werden muß. Die Brünner Cultusgemeinde verdient in Bezug auf Gottesdienst, Casualsunctionen, strenge sparsame Wirthschaft, unparteiische von Protection und Corruption unberührte Verwaltung als eine M u st e r g e mei n d e zu gelten. Die Sorge für den Säckel der Steuerträger prädominirt, so daß es kaum noch eine Gemeinde gibt, deren Contribuenten so wenig belastet sind, wie in Brünn. Die Maximalsteuer, welche jedoch nur ein Einziger entrichtet, beträgt 200 fl. Die geringste war bisher 4 fl. 50 kr. Zieht einer vom Lande nach Brünn, verwundert er sich, da nicht selten nur den fünften bis zehnten Theil deflen zu bezahlen, was er in seiner Heimatsgemeinde zu entrichten hatte; dafür wird Manchem, der nach Wien übersttdelt, die unangenehme Ucberraschung, mit dem zehnfachen Betrage seines bisherigen Cultusbeitrages besteuert zu werden. Bon den zwölf zur Probepredigt Berufenen haben schon acht abgelehnt. Um auch den Schein einer Parteinahme in seiner Doppelstellung als Local-Ober- und mährischer Landesrabbiner zu vermeiden, soll Herr Dr. P l a c z e k gesonnen sein, den vom Vorstande gewählten Candidaten, behufs Ertheilung der unerläßlichen landesrabbinischen Autorisation, von zwei oder drei hervorragenden mährischen Rabbinen in seiner Gegen wart prüfen zu lassen. Selbstverständlich würde bei einem im Amte bereits bewährten Rabbiner von einer eigentlichen Prüfung abgesehen werden. Teltsch. Der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde sind zufolge Aufrufes in der „Oesterreichischen Wochenschrift" zur Erbauung eines Tempels folgende Spenden zugegangen: Gustav Bauer, Jglau K 10; Dr. Wertheimer, Jamnitz 10; Dr. Rudolf Schwarz, Jglau 6; Brüder Lauer, Jglau 20; Heinrich Eisler, Wien 80; Jg. n; Jacob Kuffner, Wien 10; Johann Spitz, Datschitz 8; Max Lilling, Deutschbrod 10; Adolf Bß, Wien 2; Jakob Herzog, Mißlitz 4; Dr. Jakob Gleißner, Jowuitz 10; Hermann Grünfeld, Jglau 10; Hermann Pollack, Jglau 25; I. Theumann, Wien 20; Sigmund Grünberger, Trebitsch 10; Alois Winter, Gastern 10; Ignatz stastnv, Budapest 50; Dr. Adolf Löwi, Wien 50; Hermann Subak's Nachfolger, Trebitsch 20; Hermann Fritsch u. Neffe, Brünn 5; Frau Fuchs, Ober-Cerekwe 10; Weiß u. Feldmann, Jglau 20; Stuckart, Zlabings 4; Jakob S. Schön. Ung.-Brod 2; Adolf Zeißl, Boskowitz 10; H. Glattauer u. Co., Prag 10; Hermann Pollack's Söhne, Wien 20; Julius Meinl, Wien 5; I. Turnowsky u. Co., Wien 4; Rudinger u. Herz, Wien 10; Josef Fantl u. Sohn, Budweis 10; Moritz Mahler, Wien 10; Adolf Pächter, Bodenbach 10; Wilhelm Taussig, Trebitsch 10; Brüder Taußky, Wien 4; Max Spitzer, Wien 20; Dr. Richard Karpeles, Trebitsch 4; Horowitz u. Witrofsky, Brünn 10; Wilhelm Freiberg, Reichenberg 8; Gebrüder Kaufmann, Piesling 6; Berger u. Munk, Königgrätz 6; Amalie Böhm, Klattau 10; Bondi u. Mayer, Wien 10; Em. Jakob Friedmann u. Bruder, Brünn 6; Lederer u. Porges, Brünn 10; Josef Rezek, Pfaffenschlag 8; Gerstmanu u. Lindner, Brünn 5; Josef Jelinek, Brünn 15; Gottlieb Taußig, Wien 10; Wilhelm Fuchs, Stecken 5; W. Löwensild, Wien 10; I. Kohn. Jglau 10; Dr. M. L. Stern, Triesch 20 K. Budapest. (Jüdische Mitglieder des Magnatenhauses.) Se. Majestät der Kaiser hat den Generaldirector Sigmund Kornfeld als Vertreter des Handels. in ba§ Magnatenhaus berufen. Außer Sigmund Kornfeld sind noch Carl Schwab und Sigmund Brody Mitglieder des Magnatenhauses. Sigmund Kornfeld wurde am 27. März 1852 zu Jenikau in Böhmen, als Sohn einer berühmten jüdischen Gelehrten- und Rabbinerfamilie, geboren. Nach Absolvirung seiner Studien wirkte er in Bankhäusern in Prag, Wien und Paris. Schon mit 20 Jahren war er Director des Böhmischen Bankvereins und nach kurzer Zeit Director der Prager Filiale der österreichischen Handels- und Creditanstalt. Im Jahre 1878 berief ihn die ungarische allgemeine Ceditbank auf die Stelle des leitenden Directors, und seither entfallet er auf finanziellem, commerciellem, industriellem und humanitärem Gebiete, sowie auf dem des Communicationswesens eine umfassende Thätigkeit. An der Jnitiirung und Schaffung von bedeutenderr volkswtrth- Wochenschrrfr« schaftlichen Unternehmungen hat er einen entscheidenden Autheil, wie er denn auch wesentlich zur Emancipirung des Budapester Geldmarktes vom Auslande beigetragen hat. Bon diesen Unternehmungen seien die folgenden genannt: die ungarische Fluß- und Seeschiffahrts-Actiengesellschaft, deren Zweck es ist, die ungarische Flußschiffahrt selbstständig zu machen; die Budapest-Fünfki-chner Eisenbahn, die Fiumaner Petroleumraffinertt-A.-G., die Actien-Gesellschaft für elektrische und Veikehrsunternehmnngen, der Budapester Giro- und Cassenverein rc. In Anerkennung seiner Verdienste ist Kornfeld im Jahre 1890 durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone lll. Clcsse. im Jahre 1893 dmch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone ll. Classe ausgezeichnet worden. Generaldirector Kornfeld zählt zu den ersten Finanzcapacitäten der Monarchie; ohne ihn ist eine größere volkswirthschaftliche Transaction heutzutage kaum denkbar. Kornfeld ist den Traditionen seiner ehrwürdigen Familie jederzeit treu geblieben und als guter Jude für die Ehre des jüdischen Namens jederzeit eingetreten. Budapest. Die „Bester Cbewra-Kadischa" hielt unter dem Vorsitze des köu. Raths Dr. Philipp Weinmann eine außerordentliche Generalversammlung ab, deren Gegenstand die Wahl der Vorstandsmitglieder bildete. Nachdem der Vorsitzende der Trauer um den verstorbenen Präsidenten Moses ' Ehrlich Ausdruck verliehen hatte, betonte Dr. Weinmann die Bedeutung dieser Würde und bat die Mitglieder, jenem Manne ihr Vertrauen entgegeuzubringen, der am würdigsten ist, die Agenden dieses Vereines zu leiten. Die Generalversammlung beschloß einhellig, die ihr vorgelegte Kandidatenliste anzunehmen. Demgemäß wurden mit Acclamation zum Präsidenten Jakob B o s ch a n, zum Vicepräsidenten Eluard F l e is ch m a n n, zu Vorstandsmitgliedern Emanuel I. Weiß und Julius Adler gewählt. Der neue Präsident der „Chewra-Kadischa". Jakob Bo sch an, ist vermöge seines Charakters, seines Wohlthätigkeitssinnes und seiner Herzensgüte für diese ehrenvolle Stelle förmlich berufen. Jakob Boschan, der Curator der Pestcr israelitischen Religionsgemeinde, Vorsteher und Vicepräsident des israelitischen Knabenwaisenhauses, von der Regierung ernanntes Mitglied der leitenden Commission des Rabbinenseminars, Präses des „Aharas Reim"-Vereins, Präses der israelitischen Religionsgemeinde in Tahi-Tütfalu rc. ist, hat seinerzeit in Gemeinschaft mit seiner verstorbenen Frau, geb. Csillag, das im V. Bezirk, Mondgasse 23 gelegene vierstöckige Haus als Stiftung für gemeinnützige Zwecke schon bei Lebzeiten umschreiben lassen. Effek. Die köstlichsten Früchte, welche das moderne Judenthum zeitigt, sind die der Wohlthätigkeit. Als solche edle Frucht muß auch die neueste Schöpfung in unserer Gemeinde bezeichnet werden, die den Namen „Jüdische Volksküche" trägt. Diese Justitution, welche mit edler Spontanität in einigen Tagen hier geschaffen wurde, verdankt ihre Entstehung der zielbewußten und thaterzeugenden Initiative des auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit unermüdlich schaffenden Cultusvorstehers Dr. Hugo Spitzer. Von der Idee ausgehend, daß der armen jüdischen Bevölkerung, namentlich aber der hungernden Schuljugend Gelegenheit geboten werden müsse, sich mit ausreichender ritueller Kost zu versorgen, gewann er für die neue Idee den israelitischen Frauenwohlthätigkeitsverein, dessen eifrige Präsidentin, Frau Friederike- Bauer, unterstützt von der Bicepräsidentin Frau Dr. Hugo Spitzer und allen Comitedamen, sich mjt wahrer Begeisterung in den Dienst der hier neuen Art der Wohlthätigkeitspflege stellte. In einigen Tagen liefen an Spenden über 400 Kronen ein, ebenso die ganze Volksküche-Einrichtung und Victualien in sehr reicher Menge, so daß der Bestand der ursprünglich blos für die Wintermonate geplanten Volksinstitution bereits bis zum Sommer gesichert ist. Die Bethätigung der auf humanitärem Gebiete Großartiges leistenden Gemeindcmitglieder war ein echter Kiddusch haschem, da sie unserem Judenthume neuerliche ungetheilte Bewunderung und Anerkennung in den Augen aller hier vertretenen Confessionen eintrug. Die neue Volksküche beköstigt täglich 30 bis 40 Arme und vertheilt täglich eine Gratisjause an mittellose. Schulkinder. Die Art und Weise, wie hierzulande die nichts weniger als orthodox zu nennenden Juden ihre socialen Pflichten auffassen, geht zur Genüge aus dem Berichte über die Organisation der Volksküche und der Beschaffung ihrer Mittel hervor. Das Bewußtsein, Gutes geschaffen zu haben, ist ein' reicher Lohn sowohl für den Initiator und die wohlthätigen Damen Esseks, als auch für die in das Geben Anmuth hineinlegenden Mitglieder der hiesigen Cultusgemeinde, auf deren werkthätige Mitwirkung btt jeder zweckmäßigen Wohlthätigkeits-Action mit unzweifelhafter Sicherheit gerechnet werden kann. N. S,

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