Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021441--11430-3035967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 Nr. 1 ..ui na i i Dr. Bloch's Wochenschrift. Kenntniß gebrachten Wünsche in Erwägung zu ziehen und sich mit dieser ihm, dem Präsidenten, nach wie vor wichtig erscheinenden Angelegenheit zu beschäftigen. (Zustimmung). Der Präsident hält sodann, einer bisherigen Gepflogenheit folgend, einen kurzen Rückblick aus die Thätigkeit des Cultusvorstandes während des ablaufenden Kalenderjahres, indem er bemerkt, er wolle dem Cultusvorstande, der ja an den Arbeiten intensiv betheiligt war, nicht Bekanntes wiederholen, doch als Merkmal der Wirksamkeit müsse er betonen, daß die Anzahl der Sitzungen nicht weniger als 243 betragen habe, daß außer der nunmehr zum Abschlüsse gelangten Arbeit der inneren Reform vielfache Agenden principieller Natur, des Religionsunterrichtes und der Bethaus-Angelegenheiten, sowie segensreiche Gründungen in humanitärer Hinsicht erfolgt und zur Ausführung gelangt seien und daß zudem eine große Anzahl neuer humanitärer Stiftungen zur Persolvirung kamen. Ec weise insbesondere auf den Umstand hin, daß im Laufe dieses Jahres außer der Zinsenvertheilung aus großen Legaten, wie des Dr. H. S. Goldschmidt'schen u. s. w., für welche ja eigene Comites bestehen, im Laufe des Jahres nicht weniger als 375 Stipendienplätze aus 74 Stiftungen und Widmungen mit einem Zinsenbetrage von nahezu 80.000 K durch den Borstand zur Bertheilung gelangt seien. Der Präsident bemerkte des Weiteren: „Wie Sie sehen, weine Herren, hat der Cultusvorstand auch im abgelaufenen Jahre eine umfassende Thätigkeit entwickelt, an der, was bemerkt werden muß, das Bureau in anerkennenswerther Weise theilgenommen hat. Ich fühle mich verpflichtet, dem Vorstande und dem Vertreter-Collegium für ihre gewissenhafte und pflichttreue Thätigkeit den Dank auszusprechen. In gleicher Weise danke ich insbesondere den beiden Herren Vicepräsidenten für ihre werkthätige Unterstützung bei der Geschäftsführung, nicht minder unserem Ersten Secretär Herrn kais. Rath Dr. Lieben, dem bewährten Chef und der Seele unseres wackeren Beamtenkörpers. Ich danke Ihnen auch für das Vertrauen, mit dem Sie mich vor einem Jahre durch einstimmige Wahl zum Präsidenten beehrt haben und durch die Sie mir eine Auszeichnung zu Theil werden ließen, wie ich mir eine größere nicht denken kann. Ich muß aber die geehrten Herren daran erinnern, daß anläßlich meiner am 6. Jänner d. I. allerdings für einen Zeitraum von drei Jahren erfolgten Wahl zum Präsidenten ich mich mit Rücksicht auf meinen Gefundheitszustand zur Erklärung bemüssigt fand, das Amt nur für das Jahr 1901 annehmen zu können. Ich werde über ärztlichen Rath genöthigt sein, in der nächsten Zeit für mehrere Wochen nach dem Süden zu gehen und muß Sie daher bitten, mir zu gestatten, daß ich in den Ruhestand trete. Durch 16 Jahre, während welcher ich dem Vorstande angehöre, glaube ich meiner Pflicht als Gemeindemitglied nach Kräften entsprochen zu haben, und wenn ich mir vergegenwärtige, welch' hervorragende und pflichttreue Mitglieder der gegenwärtige Vorstand in sich birgt, habe ich für die Zukunft unserer großen Gemeinde keinerlei Besorgnisse. Ich bitte daher, meine Herren, mir mit Rücksicht auf meinen Gesundheitszustand den Austritt aus dem Cultusvorstande zu gestatten und mir ein gutes Andenken zu bewahren. Viceprästdent Dr. Stern: Ich fühle mich verpflichtet, den Worten des Herrn Präsidenten beizufügen, wir Alle anerkennen, daß wir es namentlich seinem Wirken, seinem besonders liebenswürdigen, concilianten Wesen zu danken haben, daß so manche Gegensätze hier ihren Ausgleich gefunden haben. Wir haben nicht allein in dem letzten Jahre, sondern eine ganze Reihe von Jahren Gelegenheit gehabt, seine Ausdauer, seinen Fleiß und seine Pflichttreue zu bewundern, mit welchen er sich allen Angelegenheiten widmete. Wir haben alle Ursache, dem Herrn Präsidenten, nachdem er uns so viel Lob gespendet hat, einen großen Theil des Lobes zuzuwenden und ihm für all das zu danken, was er für den Vorstand und die Gemeinde geleistet hat. Daran knüpft sich aber auch die Consequenz, daß wir den Herrn Präsidenten noch nicht entlassen wollen, daß wir im Gegentheil an sein Pflichtbewußtsein oppelliren, daß er dieses Amt, das er so lange und in so ausgezeichneter Weise bekleidet, auch weiter behalten möge. Wir haben ihn mit vielem Vorbedacht auf drei Jahre gewählt, er hat noch eine zweijährige Dienstzeit, und wir hoffen, daß er sie nicht abkürzen werde. Wenn er sagt, daß ihn sein Gesundheitszustand veranlasse, auf einige Zeit fortzugehen, so werden wir ihm jeden Urlaub gewähren, den er zur Herstellung der Gesundheit für erforderlich erachtet. Ich bitte Sie, beizustimmen dem Dankesvotum, welches ich dem Herrn Präsidenten hiemit zum Ausdrucke bringe (Bravo), zugleich aber auch dem Appell, den ich an ihn richte, sein Amt für die drei Jahre, für welche er gewählt wurde, zu behalten. Nach den noch fehlenden zwei Jahren werde» wir weiter sprechen. Ich bitte Sie, meine Herren, diesem meinem Anträge beizustimmen, und ich hoffe, daß der Herr Präsident einem einmüthigen Votum keinen Widerstand entgegensetzen wird. (Lebhafter Beifall und allseitige Zustimmung.) Herr Vertreter Theodor Ritter von T a u s s i g: Meine Herren! Es ist uns zur unumstößlichen Ueberzeugung geworden, daß der geehrte Herr Präsident für den Cultusvorstand unter den heutigen Verhältnissen unentbehrlich ist, und daß es eine Krise involviren würde, wenn der Herr- Präsident an seinem Entschlüsse festhielte, und ich glaube daher, im eigenen Namen und dem meiner engeren College» an seine Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit, welche unter den heutigen schwierigen Zeiten gewiß von uns allen in vollstem Maße bethätigt werden muß, appelliren zu sollen mit der dringenden Bitte, von seinem Entschlüsse abzugehen und uns auch weiterhin seine uns unentbehrlichen Kräfte und Mitwirkung zu leihen. Ich bitte Sie, meine Herren, dieser aus vollster Ueberzeugung ausgesprochenen Meinung Ihre Zustimmung zu ertheilen. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident, sichtlich bewegt, dankt in warmen Worten für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und für die ihn ehrenden Ausführungen der Herren Vorredner; er sei zu alt und besitze eine zu hohe Meinung von der Zusammensetzung des gegenwärtigen Vorstandes, um den von einem Herrn Vorredner gebrauchten Ausdruck der Unentbehrlichkeit wörtlich zu nehmen, bitte jedoch, ihm zur Fassung einer endgiltigen Entschließung noch einige Tage Zeit zu gönnen. . , Kais. Rath Weil bringt den beiden Herren Vicepräsidenten, den Mitgliedern des Vertretercollegiums, sowie jenem Comite, welches an der Reform der inneren Verwaltung gearbeitet hat, den Dank zum Ausdrucke. (Beifall.) Commereialrath Leopold P o l l a ck fügt hinzu, daß der Dank in erster Reihe den Herren Vertretern Ritter v. Taussig und Dr. Rappaport gebühre, er habe Gelegenheit gehabt, beide Herren bei der Arbeit zu sehen. (Beifall.) Nach Erledigung von Steuerangelegenheiten und Personalien wird die Sitzung geschlossen. Die nächste öffentliche Sitzung behufs statutengemäß vorgeschriebener Neuconstituirung des Vorstandes findet Montag den 6. Jänner 1902, Vormittags Uhr statt. Von dem Ziornstencongreß wird gemeldet: Die Beteiligung an dem V. Congreß ist eine sehr zahlreiche. Es sind 260 Delegirte anwesend, zumeist allerdings herrschen die Russen vor. Zu der Eröffnungssitzung hatten sich auch über tausend Gäste eingefunden, darunter viele Damen, besonders aus den Kreisen der jüdischen Gesellschaft in Basel. Als Doctor H e r z l, der Vorsitzende des Actions-Comitss, den Präsidentenstuhl einnahm, ging ein tosender Beifallssturm durch den Saal. In meisterhaften kurzen Worte versetzte Dr. Herzl die Anwesenden mitten in die zionistische Bewegung. Ueberall, so führte er aus, habe sie freudige Aufnahme gefunden. Die Judenfrage könne nur durch die Juden selbst gelöst werden; auch weitere Kreise kämen allmählich zu der Einsicht, daß einzig durch den Zionismus, der das jüdische Proletariat in Palästina seßhaft machen wolle, das Volk der Juden erlöst werden könne. Die wohlthätige Colonisation sei gescheitert, die nationale werde gelingen. Die politischen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung des zionistischen Programms entgegenstellen, lassen sich überwinden. Im Mai vorigen Jahres sei er, Dr. Herzl, vom Sultan Abdul Hamid in einer längeren Audienz empfangen worden und die Güte und Herzlichkeit dieses Empfanges habe ihn mit den besten Hoffnungen erfüllt. Er habe die Ueberzeugung gewonnen, daß das jüdische Volk in dem regierenden Kalifen einen Freund und Gönner besitze. Der Sultan habe ihn auch ermächtigt, dieses öffentlich mitzutheilen. Die Rede wurde 'mit großer Begeisterung ausgenommen. Zum Vorsitzenden des Congreßbureaus wurde Dr. Herzl (Wien) ernannt; als Vicepräsidenten wurden gewählt : Dr. Max R o r d a u (Paris), Dr. E. T s ch l e n o w (Moskau), Dr. Moses G a st e r (London) und Sir Francis Montefiore (London). Es folgten sodann die Wahlen der verschiedenen Ausschüsse und die Festsetzung der Geschäftsordnung. Der Rechenschaftsbericht des Actions-Comitäs, über dessen allgemeinen Theil Dr. Marmore! (Wien) reserirte, wurde gutgeheißen; ebenso auch der Cassabericht. Zum Schluffe ge-