Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 1 (3.1.1902)
- Date
- 1902-01-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch’s Jahrgang XIX Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthmns. % — —3 K. k. Postsparraffen-Arnk g -- -G- Men, 3. Jänner 1003. f Clearing-Verkehr Ar. 810.876. -•»- 4. -»-<" - ■ — — Ard artton und Adottmstratton: Lrsch eint jeden Freitag. Viru - >>. 'M1 —fr -- IX/1, Berggassr Ar. 39. Telephon Nr. 14.847. Sl-----r Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39. c Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie». $ Bxjugapxsia Kr SrSrrrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzetexeittplare 50 Heller, F2r»W Ximtimh? Halbjährig 10 Kronen. GanAhrig 20 „ Anzeigen: Die4mal gespaltenes PrtitzeUe 24 Heller. Inhalt: Leitartikel: An unsere Freunde und Gönner. — Neue Persecutionsgesetze in Rumänien. — Vom Jahrmark de Ätz Lebens: GlossenMr Tagesgeschichte. Der jüdische Eid. — Israelitischer Tempelverein für die beiden Gememdebezirke Mariahitf; und Neubau in Wien.—Co rrespondenzen: Plenarsitzung des Vorstandes der Cultusgemeinde. Basel, Brünn, Teltsch, Budapest, Effet, Temeswar, Matzen, Berlin, Petersburg.—V e r mi s ch t e s: Eingesendet, Wien, Floridsdorf, Großenzersdorf, Mährisch-Neustadt, Purgstall, Bielltz, Karlsbad, Olmütz, Vierzigjähriges Berufsjubiläum, Prag, Königsberg an der Eger, Gewitsch. Turnau. Innsbruck, Lemberg. ' Gaya, Ung-Brod, Antwerpen, Ludbreb, Mailand. — Feuilleton: Purim. — Briefkasten. — Inserate. Zur gefälligen Keachtnng! Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abon- NLmrnlsgrüühr, damit dir Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Die Administration. — . An unsere Freunde «nd Gönner! Die „Oesterreichische Wochenschrift" tritt mit der vorliegenden Nummer in ihren neunzehnten Jahrgang. Es sind^iebzehn Jahre des Kampfes, auf die wir zurückblicken, eines heiße.ü und mühevollen Kampfes für die Ehre und den Bestand ^des Judenthums gegen einen übermächtigen, scrupellosen, mit den vergifteten Waffen der Lüge und Verleumdung kämpfenden Feind7 Nicht einer flüchtigen Laune, nicht einem persönlichen Bedürfnisse verdankt die „Oesterreichische Wochenschrift" ihre Entstehung, sondern der harten Noth, die vor zwei Jahrzehnten mit der antisemitischen Bewegung an unsere Glaubensgenossen herantrat. Der Herausgeber dieses Blattes hatte, entflammt von heiligem Zorne gegen einen der gefährlichsten, weil gewissenlosesten Verkünder der neuen Lehre, gegen einen Fälscher und Meineidigen im Priestergewande die Waffen ergriffen, er allein, ohne Hilfe, ohne Bundesgenossen, ja selbst ohne jede andere Legitimation, als die seiner gründlichen Kenntniß des jüdischen Schriftthums, das unsere Feinde zu einem Schwerte gegen uns selbst umschmieden wollten. Wer jene Zeit noch in Erinnerung hat. weiß, welche schier unüberwindliche Schwierigkeiten sich diesem Kampfe für die Wahrheit entgegenstellten. Lauheit und Indolenz in unseren eigenen Reihen, vielfach mangelndes Interesse für den Preis, der dabei in Frage stand: die Ehre des jüdischen Volkes, die wir durch tausendjährige Verfolgungen rein und unbefleckt bewahrt hatten — auf der anderen Seite aber hohnlachende Geringschätzung des einzelnen Mannes, der die Tollkühnheit besaß, einer weltumspannenden Organisation Fehde anzusagen. Für die Streitschriften dieses Mannes fehlte es sogar an einem öffentlichen' Organ. Es mußte gebettelt werden, damit dieselben von Zeitungen zweiten Ranges abgedruckt wurden. _j5te übten dennoch ihre Wirkung und welche Wirkung! jDer Proceß Rohling - Bloch war eine Entscheidungsschlacht, die den wissenschaftlichen Antisemitismus mit einem Schlage aus der Welt schaffte. An seine Stelle trat der politische und sociale Antisemitismus, der die tägliche, unermüdliche Kleinarbeit der Abwehr erforderte. Wir gestehen offen: es war kein angenehmes, kein säuberliches Geschäft, sich mit dem Gesindel herumzuraufen, aber die Arbeit mußte gethan werden. ' Und um sie leisten zu können, mußte die „Oesterreichische Wochenschrift" gegründet werden; nicht länger durfte es von der Gnade dieser oder jener Tageszeitung abhängen, ob den Vertheidigern des bedrängten Judenlhums die erforderliche Publicirät zur Verfügung stand oder nicht. Frei und unbehindert von allen Nebenrücksichten mußten sie ihre Streitaxt schwingen können und sie haben sie geschwungen, siebzehn Jahre hindurch, unverzagt, ohne Ermüdung, im Vertrauen auf Gott und unseren heiligen Glauben. Wohl wuchs die Zahl unserer Feinde wie der Gand am Meere, aber auch unsere Mitkämpfer mehrten sich. Die WmÄs kalt und theilnahmslos seitab standen, die nur ungern an rhr Judenthum erinnert sein wollten, sie haben sich unter dem 2/eh^uen Zwange der gesellschaftlichen Scheidung zu uns gesellt, erkannt, daß sie die Achtung der Gegner nie gewinnen, '^WWtüng vor sich selbst aber nur dann bewahren können, wenn ^iemch5>langer gleichgiltig dem schweren Ringen ihrer Brüder tuen. ‘fiy&v "Die Menschen haben ein kurzes Gedächtttiß. Seit die Schaar unserer Mitstreiter sich verstärkt, die Zuversicht auf den endlichen Sieg gewachsen, seit das österreichische Judenthum eine große Kampfgemeinschaft geworden ist, haben Viele an der „Oesterreichischen Wochenschrift" zu nörgeln und zu kritteln begonnen. Sie vergessen, welche Verdienste wir, wir allein uns um die Kräftigung und Hebung unseres Stammesbewußtseins, um die wuchtige Abwehr des Gegners erworben. Sie vergessen, daß wir aus dem Kampf und s ü r den Kampf herausgewachsen sind und daß der Augenblick noch lange nicht gekommen ist, die Waffen aus der Hand zu legen. Wenn die „Oesterreichische Wochenschrift" nicht bestünde, sie müßte heute neu gegründet werden. Es gibt überzarte, empfindsame Seelen, die nach dem Grundsätze: „?ost hoc ergo propter hoc“ gegen üns den Borwnrf erheben, daß wir zur Verschärfung der Gegensätze beigetragen haben, weil wir jeden Hieb pünktlich Zurückgaben, zu jedem groben Klotz den groben Keil fanden. Das sind dieselben Leute, die sich nicht zu erkennen geben wollen, die sich ihrer Abstammung schämende erschreckt zusammenfahren, wenn sie einmal das Wort „Jude" gedruckt finden, die sich darüber freuen, daß jüdische Abgeordnete zu den ärgsten Beschimpfungen unserer Glaubensgemeinschaft stillschweigen, die nur deshalb noch dem Namen nach Juden bleiben, weil ihnen der Maubenswechsel heute nichts mehr nützen würde. - Die Kritik dieser Herren werden wir ruhig ertragen. Noch immer sind wir der Meinung, daß die beste Parade die Chamade, die wirksamste Defensive die Offensive ist, und daß man, wenn der Gegner uns anspeit, nicht gleichmüthig ausrufen darf: „Es regnet." Die treibende Kraft, die unser Blatt zum Leben rief, wirkt noch immer fort. Die antisemitische Bewegung wächst noch intensiv und extensiv.^ Was als Borwurf gegen uns ausgesprochen wird, ist unser Ruhm: Jawohl, der Antisemitismus ist das Lebensprincip der