Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 848 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 51 verweigern. Leider wird diese stolze Absage eines einzelnen Juden der ruffischen Regierung kaum imponiren, ganz anders freilich wäre es, wenn alle jenseits der russischen Grenze lebenden Juden, namentlich aber sämmtliche jüdischen Geldborger von dem Geist des Mr. Spielmann beseelt wären. Die vielgeplagten 6 Millionen Juden Rußlands würden dann vielleicht nicht mehr so ganz schutzlos dastehen! London. (Die Kcebskrankheit unter den Juden.) Das bekannte englische medicinische Fachblatt „The Lancet“ bringt in seiner jüngsten Nummer einen aus der Feder des Dr. James Braithwaites herrührenden Artikel, in welchem eine neue Theorie über die Entstehung des Krebses aufgestellt wird. Darnach wird der Krebs durch den.übermäßigen Genuß von Salz hervorgerufen. Der Verfasser, der Privatdocent der Gynäcologie im Dorkshire-College und später viele Jahre hindurch consultirender Arzt im allgemeinen Krankenhause zu Leeds war, kam zu dieser Theorie durch die Thalsache, daß er während seiner langjährigen Praxis in einer von zahlreichen Juden bewohnten Gegend niemals bei jüdischen Frauen Uteruskrebs angetroffen hat. Auf weitere Nachfragen wurde ihm mitgetheilt, daß im Londoner Hospital während 5 Jahren ein einziger Fall von Uteruscarcinom bei einer Jüdin vorgekommen ist. gegen 178 Fälle unter den eingeborenen Engländerinnen. Die gleiche Erfahrung machte Dr. Abraham Cohen im Metropolitan-Hospital und Dr. Turnstall vom jüdischen Siechenhaus zu London hat ebenfalls Krebskränkheiten bei Juden nie gesehen. Diese verhältnißmäßige Immunität der Juden gegen Krebs kann freilich ein Erbstück der jüdischen Race sein, allein Dr. Braithwaites ist geneigt, dieselbe der Thatsache zuzuschreiben, daß die Juden keine Schinken essen. Dabei beruft er sich auf die von Professor Mc. Fadyean entdeckte Thatfache, daß das Schwein gerade das einzige Hausthier ist, welches niemals an Krebs leidet, und kommt zu dem Schlüsse, daß es das im Schinken enthaltene Salz und nicht das Fleisch selbst ist, dessen Genuß den Krebs erzeugt. Diese ganze Theorie scheint uns allerdings etwas gewagt, da es doch bekannt ist, daß selbst Juden,. die keine Schinken effen, große Vorliebe für alles Geräucherte, scharf Gesalzene und Gepfefferte haben. Bekannt sind die arg gepfefferten „polnischen Fische"', welche nahezu das Nationalgericht der russischen Juden sind. Auch hat Schreiber dieses Berichtes in manchen Krankenhäusern Deutschlands viele krebskranke Juden und Jüdinnen gesehen. Es wäre aber dennoch sehr erwünscht, wenn die jüdischen Aerzte in Deutschland und Rußland dieser Frage eine erhöhte Aufmerksamkeit schenken wollten. Sir Moses Ezekiel. L o u i s v i l l e (Kentucky), 10. November 1901. Unter diesem Titel bringt die heutige Sonntagsausgabe des Louisviller „Courier-Journal" einen Leitartikel, aus dem wir Folgendes unseren Lesern mittheilen: Die Statue Thomas Jefferson's, welche der Stadt Louisville von den Brüdern I. 28. und Bernhard Bernheim gewidmet, wurde heute in Gegenwart von etwa 5000 Bürgern enthüllt. Richter Pirtle präsidirte. Rabbi Enelow eröffnete und schloß die Ceremonien mit Gebet. Gouverneur Bradley von Kentucky hielt die Ueberreichungsrede und Mayor Weaver von Louisville übernahm die Statue im Namen der Stadt. Gouverneur Bradley gab in seiner Ansprache eine Unterhaltung mit Herrn I. W. Bernheim, der ihn bat,- die Ansprache bei der Enthüllung zn halten, wie folgt: „Ich muß einen Augenblick des Zwiegespräches, das ich mit einem der patriotischen Bürger, die diese Statue der Stadt schenkten, gedenken." Er sagte: „Ich dachte zuerst, daß das passendste Motiv unserer Widmung die Statue Abraham Lincoln's sei. Nach einiger Ueberlegung kamen ich und mein Bruder zu einem andern Entschlüsse. Denn sowohl ich als mein Bruder sind Fremdgeborene, wir wurden naturalisirt und beschützt von dieser Regierung. Und unter ihren Gesetzen erfreuten wir uns so vieler Wohlthaten, daß es weit passender ist, eine Jefferson- Statue zu stiften. Ihm, der mehr als Alle leistete, dieses Land frei zu machen und der unseren Erfolg und unser Glück dadurch ermöglichte, daß er die Amerikaner mit der Wahrheit und Gerechtigkeit inspirirte mit der unsterblichen Erklärung: Alle Menschen sind gleichberechtigt. Die Enthüllung dieser Statue hat eine besondere Md doppelte Bedeutung für uns, weil sie deutlich die Thatsache bekräftigt, daß der Jude zu den wärmsten und thätigsten Patrioten des Landes gehört, der bereit ist, seine Söhne in die Reihen der Baterlandsvertheidiger zu schicken, aber auch daß der Jude mit seinen Mitteln nicht geizt, jene Namen zu ehren, die unsere Regierung gründeten, deren Worte ewig gelten müssen für die Gleichheit aller Bürger ohne Rücksicht auf Glauben und Nationalität; zu gleicher Zeit werden auch hier die Leistungen des Genius und der Intelligenz der Juden bewiesen, indem sie nicht nur der Welt ihre Religion lehrten, sondern auch den Ruhm ihrer Kunst und Wiffens, denn die Jefferson-Statue wird nicht nur hier stehen als ein Monument des großen Verfassers der Unabhängig keitserklärung, sondern auch ihn, den Bildhauer, Sir Moses Ezekiel, verewigen. Die 6jährige Ethel, Tochter des Herrn B. Bernheim, zog die Schnur, die Hülle fiel und das Bild Jefferson's in Bronce stand vor der jubelnden Menge. Dieser erhabene Moment erfreute vielleicht keinen der Anwesenden mehr, als Sir Moses Ezekiel. Die schwarzen Augen des Bildhauers glänzten vom edlen Entzücken dieses verdienten Erfolges. Sir Moses Ezekiel ist von Geburt ein Virginier, obgleich er das letzte Vierteljahrhundert in Rom residirt. Er wurde 1844 in Richmond geboren, graduirte an der Virginia-Militärschule zu Lexington und nahm mit seinem Cadettencorps theil an der Schlacht von Newmarket. Von 1862—1869 studirte er in Cincinnati, von da ging er nach Berlin, wo er an der königlichen Kunstakademie studirte. 1873 gewann er den Michael Beer-Preis durch sein Werk „Israel", der ihm 1600 Thaler durch zwei Jahre einbrachte, um in Rom zu studiren. Das war das erstemal, daß ein Ausländer diesen Preis gewann. Die besten Produkte seiner Kunst sind: die Büste Washingtons in Cincinnati, die Büste James Marclock's in der Volksbibliothek von Cincinnati, das Monument der religiösen Freiheit im Fair Mount Park in Philadelphia und die Büste des Cardinals Hohenlohe. Er wurde vom König von Italien geadelt, für den er verschiedene Porträtbüsten schuf. Das letzte Werk Sir Moses ist eine Figur „Virgina über ihre gefallenen Söhne weinend" darstellend. Dieses Bildwerk schenkte er seiner Alma mater und wird dasselbe am Jahrestage der Newmarket-Schlacht, in der Sir Moses so tapfer mitfocht, enthüllt werden Folgender Brief vom Gesandten White wurde verlesen und ist von Interesse, weil er, von solcher Stelle geschrieben, zugleich als maßgebende Kunstkritik gelten kann. „Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika Berlin, Juni 12. 1901. Herrn Gebrüder Bernheim Gentlemen! Louisville, Ky. Gerade bevor die Jefferson-Statue und deren Piedestal nach Louisville verschifft werden sollten, hatte ich das Vergnügen, sie in der Broncegießerei in der Nähe Berlins zu sehen und ich wünsche Ihnen Glück zu dem wundervollen Erfolg des Werkes. Erlauben Sie mir zu behaupten, daß meine Erfahrung in diesen Angelegenheiten ein wenig groß ist. Sie fing vor 40 Jahren in Europa an und wurde genährt durch viele Reisen und. officielle Vertretungen auf dem Continent, und keine Statue oder Gruppe mag mehr superior als jene sein, welche Sie in Louisville enthüllen werden, und wenige derselben können ihr gleichgestellt werden. Es ist wirklich ein Kunstwerk. Die Figur Jefferson's ist lebenswahr. Das Piedestal ist auch ein Werk des Genius. Die Originalität der Figuren ist merkwürdig und deren Gruppirung meisterhaft. Ich hatte Gelegenheit, die Arbeiten des Herrn Ezekiel vor Jahren zu bewundern. Ich wurde in sein Stndio in Rom von einem berufenen Kunstrichter der ewigen Stadt geführt, der mir gestand : Keines der Ateliere sei anziehender als jenes Ezekiel's. Ich fand auch daselbst so viel herrliche Werke, daß ich ihn beauftragte, eine Statue für die Memorial-Kapelle der Cornell-Universität zu schaffen, welche von Allen, die sie gesehen, als eines der prächtigsten Bildwerke unseres Landes gerühmt wird. Seit jener Zeit wurde ich mit anderen Producten seiner Schaffenskraft bekannt und mußte sie stets bewundern. Ich hoffe, daß Sie mir gestatten, Ihnen über den Erfolg dieses Werkes zu gratuliren und Ihnen auch zu danken für diese patriotische und volkserhebende Spende an Ihre Mitbürger. Meine Hoffnung bleibt, daß Andere, gefunden werden, die Ihrem Beispiele folgen und die Statuen aufrichten werden von.Männern, wie Daniel Boone, Henry Clay und John I. Crittender auf geeigneten Plätzen auf den Gründen Kentuckys. Ich schreibe dieses aus meinem eigenen Impulse und zn keinem anderen Zweck, als meine Glückwünsche auszudrücken und Ihnen zu danken, mit keiner anderen! Absicht, als vielleicht etwas zu thuen, um die edleren Ziele der Bildhauerkunst zu fördern, welche darin bestehen, das Andenken großer Bürger, die die Dankbarkeit der Individuen und der Nation durch ihre Dienste erworben haben, zu verewigen. Ich verbleibe, meine Herren, respectvollst und aufrichtig Ihr Andrew White." Vermilchles. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I. Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Alfred Löwy: Bon Herrn Robert Ullmann in Berlin, L 40.—, von Herrn und Frau Dr. Julius Lederer, IX., Wasagaffe 2, K 40.— zusammen K 80.—.