Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 48 (29.11.1901)
- Date
- 1901-11-29
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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©eite, 796 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 48 Die Grundsteinlegung der neuen Synagoge in Macon (Georgia). Macon (Ga.), 31. Oktober 1901. . Wir haben kaum eine imposantere Ceremonie in Macon gesehen» als die der Grundsteinlegung der neuen Synagoge gestern Nachmittags 3 Uhr. Die Ceremonie wurde geleitet vom Großmeister Max. Meyerhardt von der Maurer Groß-Loge, welche hier während der letzten zwei Tage Sitzung hielt. Die Musikcapelle des 22. Regiments besorgte die instrumentale Musik und ein wohlgeschulter Chor den Gesangs Der hochwürdige Herr I. L. White, der Pastor der ersten Vaptisten-Gemeinde, und der ehrwürdige Rabbiner Marcuson folgten dem Grißmeister in ihren Ansprachen. Es mögen an 3000 Menschen um die Rednerbühne gestanden haben. 800 davon waren Freimaurer Georgias, dft' Auszeichnungen der Großloge und weiße Schürzen tragend. Der Grundstein wurde am nordöstlichen Ende gegen 12 Fuß über das Straßenniveau gesetzt und eine Bühne aufgerichtet für Jene, welche die Ceremonie leiteten. Die zinnerne Kiste, welche in den Eckstein gelegt wurde, ward versiegelt und enthält Documente und Artikel als aufzubewahrende Memoirs. Als diese Dinge in die Kiste gelegt, diese in dem Stein geborgen und der Stein in die Fuge gelegt worden war, sagte der Großmeister: „Generationen nach Generationen sollen vergehen, bis Du wieder von Menschenauge gesehen werden sollst." Der Eckstein wurde nach den Regeln der Freimaurer gelegt. Nachdem die 22. Regimentscapelle eine feierliche Hymne gespielt hatte, hielt der Großmeister eine schöne eindrucksvolle Ansprache, deren Schluß folgendermaßen lautete: „Und nun können wir hoffen, daß von diesem Tempel, dessen Grundstein wir heute legen, ausgehen wird der Impuls für das Gute durch viele kommende Jahre. Hier möge der Betrübte Trost finden! Hier die Tieftrauernden die süßeste Beruhigung erhalten! Hier der Schmerzerfüllte Linderung holen! Hier möge das Wort Gottes rein und kräftig erschallen. Hier sollen die Lehren der Brüderlichkeit gelehrt werden, die großen Lehren Gottes Vaterschaft und der Menschen allgemeine Brüderlichkeit. Hier soll die Wohlthätigkeit der Gedanken und die Wohlthätigkeit der Herzen die Menschen zusammenbinden in den goldenen Ketten der Freundschaft. Es möge dieses Haus in Wahrheit werden ein Gebethaus für alle Völker, ein Tempel, in dessen Allerheiligsten ewig wohnen möge der lebende Gott." Der große Chor sang eine Hymne und der ehrwürdige I. L. White hielt die Weiherede, deren Text war: Was die Welt dem Juden schuldet. Und er ward seinem Text gerecht. Rabbi Jsaac E. Marcuson folgte mit einer Ansprache und wandte sich zum Schluffe zu den anwesenden versammelten Maurern wie folgt: „Hochehrwürdiger Großmeister und Brüder Maurer! Im Namen der Congregation „Beth Israel“ habe ich Ihnen Dank zu sagen für die heute ausgeführten Ceremonien. So oft als die rosige Aurora erscheinen wird über jene Hügel dort, den neugeborenen Tag zu künden, so oft die Sonne zieren wird die Mauern mit ihrem goldenen Lichte, so lange wird das Motto Ihrer Gesellschaft „Es werde Licht" ftisch in unserer Seele leuchten. Es können diese Mauern zur Ruine sinken, der Stein, den Sie eben gelegt, kann in Staub zerfallen, aber die Worte, die Sie gesprochen, werden immer stark und fest bleiben. Sie sollen Mahnrut bleiben für unser Leben. Und wo immer Jrrthümer und Aberglauben Raum finden, wo immer Unwissenheit und Bigotterie die Augen der Menschen blenden, da wollen wir uns mühen, das Licht der Wahrheit anzuzünden, um Glück für die ganze Menschheit zu bringen." Vermischtes. Wien. Sonntag den 1. December l. I. um halb 2 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Bethause ll., Gr. Schiffgasse 8, die Trauung des Fräulein Hermine Hofbauer, Tochter des Herrn Bernhard Hofbauer, Präsident der „Freien Vereinigung für die Interessen der Orthodoxen in Niederösterreich", mit dem Kaufmann Herrn Isidor Felsenburg statt. E. B. Wien. Die Trauung des Herrn Richard P e r u tz mitFräulein Alice Lederer, TochterdesGroßi^dustriellen Herrn Gottlieb Lederer in Wien, findet am 1. December d. I. im T mpel der Seitenstettengaffe statt. Wie». (T r a u u n g.) Sonntag den 1. December l. I. um 7s4 Uhr Nachmittags findet im Tempel, I., Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Gisela Günsberger, Tochter des Herrn Heinrich Günsberger, mit Herrn Felix Stricker statt. E. B. Wien. (Trauung.) Am 1. December d. I. findet in Prag die Trauung des Großindustriellen Herrn Wilhelm Goldschmidt, in Firma I. Goldschmidt & Söhne in Wien und Hohenelbe, mit Fräulein Louise Pfefferkorn aus Arnau statt. Wie». (Verlobung.) Frl. Jda Freyberg, Tochter des Herrn Wilhelm Freyberg, Fabriksbesitzer, hat sich mit Herrn Robert Politzer, Sohn des Herrn Ludwig Politzer, k. k. Hofjuwelier, verlobt. Wien. (Jubiläum.) Herr Leo F r u ch t e r, Sollicitator' in der Kanzlei des Herrn Dr. Leo Ehrentheil, begeht Ende dieses Monats fein zwanzigjähriges Dienstjubiläum. Wien. (Der Verein zur Hebung der Gewerbe), I., Wipplingerstraße 26, hält Sonntag den 1. December 1901 um 7 Uhr' Abends im großen Festsaale des Niederösterreichischen Gewerbe-Vereines. I., Eschenbachgosse 11, eine Plenarversammlung ab. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Bürgerschuldirectors Simon über: „Wie erziehen wir unsere Töchter zur Erwerbsfähigkeit". 3. Discussion (unter Beiziehung mehrerer Frauenvereine), jener Vereinspräsidenlinnen, die die Institutionen für die gewerbliche und arbeitende Bevölkerung geschaffen haben. Damen und Gäste willkommen. S. B r o d, Präsident, Alfred Kisch, Schriftführer. Wien. Sonntag den 1. December 1901, präcise 7,11 Uhr Vormittags, findet in Sohr's Restauration, II., Circusgasse 3, ein Bekleidungsfest der Humanitären Tischgesellschaft zur Bekleidung armer alter Männer israelitischer Confession statt. Wien-Mariahilf. Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein für Mariahilf und Neubau veranstaltet, wie alljährlich, auch Heuer eine Kinder-Betheilung für die armen schulebesuchenden Mädchen der beiden Bezirke. Die Betheiligung findet am Sonntag den 1. December d. I. in der Vereins-Kanzlei, VI., Schmalzhofgasse 3, statt. Die Zahl der im heurigen Jahre mit completen Winteranzügen bekleideten Mädchen beträgt 50. Wien. Mittwoch den 4.. December l. I., 8 Uhr Abends, findet im großen Festsaale des „Jüdischen Volksvereines", II., Leopoldsgasse 49, ein Vortrag des Herrn Dr. Karl Lifczis, Hof- und Gerichts-Advocaten, über das Thema „Napoleon I. und die Juden" statt. Gäste, auch Damen, willkommen. Wien. Der Krankenunterstützungsverein „Oseh Chesed“ II., Schiffamtsgaffe 5, veranstaltet am 30. d. M. um 9 Uhr Abends in M. Guth's Restaurant, II., Stefaniestraße 6, einen Unterhaltungsabend mit reichhaltigem Programm. Es wird um zahlreichen Besuch ersucht. Wien. Der Vorstand des israelitischen Bethausvereines Brigittenau beruft für den 28. November 1901, um halb 7 Uhr Abends, in den Saallocalitäten des „Wettandhofes", XX., Klosterneuburgerstraße 33 die Generalversammlung der Mitglieder des Bethausvereines Brigittenau. Im Falle der Beschlußunfähigkeit dieser Generalversammlung findet an demselben Tage, Abends halb 8 Uhr, in denselben Localitäten eine außerordentliche Generalversammlung statt, die mit Ausnahme des Punktes 3 der Tagesordnung, ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlußfähig ist. In Ansehung dieses Punktes der Tagesordnung wird auf die Bestimmung des § 8. Absatz 5, der Bereinsstatuten verwiesen. Tagesordnung: 1. Berichterstattung des Obmannes. 2. Wahl von 5 Vorstandsmitgliedern. 3. Statutenänderung. 4. Anträge. Die Herren Vereinsmitglieder werden um zuverlässiges Erscheinen höflichst ersucht, da der Versuch der Statutenänderung schon zweimal an dem unzureichenden Besuche gescheitert ist. E. B. Wien. (Todesfall.) Herr Leopold Kann, Vorstandsmitglied des israelitischen Bethausvereines im IX. Bezirke, wurde Sonntag den 24. d. M. unter überaus großer Betheiligung zu Grabe getragen. Herr Gemeinde-Rabbiner Dr. G e l b h a u s widmete dem Dahingeschiedenen in beredten Worten einen warmen, tiefgefühlten Nachruf, in welchem die Frömmigkeit und Nächstenliebe desselben in markanter Weise hervorgehoben erscheinen, der auf die Trauergäste, namentlich aber auf die Familienmitglieder tiefen, nachhaltigen Eindruck machte. Herr Ober-Cantor Kläger, unter Assistenz des Cantors Pekarnik und des geschulten Chores, besorgte den choralen Theil der Trauerfeier in tiefergreifender Weise. E. B. Wien. (Todesfall.) Vorige Woche verschied hier Frau^Charlotte Pollaczek geb. Löw-Beer, Gemalin des k. k. Commercialrathes Herrn Wilhelm Pollaczek, nach langer, schmerzhafter Krankheit im Alter von 53 Jahren, eine durch reiche Gaben des Herzens und des Gemüthes ausgezeichnete Dame, die ihre Befriedigung suchte und fand im Wohlthun und der unermüdlichen Pflege der Menschenliebe. Die Verschiedene war eine treue, aufopfernde Gattin und eine liebevolle, zärtliche Mutter, deren allzufrüh erfolgter Hingang die Patrizierfamilien Löw-Beer in Boskowitz-Brünn und Pollaczek in Prag in tiefe Trauer versetzt hat. Die Sympathien für die Letzteren