Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021433--11329-3035860
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 784 Dr. Bloches Wochenschrifk. Nr. 47 „Wer konnte so was denken! Und so verändert — kein Zug von früher: so ganz anders, schöner, kräftiger, männlicher, ganz wie ein Goj, wie ein Puriz. Sie verzeihen mir? Sie sehen gar nicht mehr aus, wie Einer von unsere Leut'. Ich kann es kaum fassen — der kleine magere, schwächliche Sender ein großer Herr mit zweierlei Tuch, mit der kaiserlichen Mütze!" Und Simon sprang herum und lachte, als wenn er wahnsinnig geworden wäre. ^Gottes Wunder! Gottes Wunder P, rief er. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Harnack's Vorlesungen über „Das Wesen des Christeuthums". Von ' Dr. Leo Back, Rabbiner in Oppeln. Breslau, Verlag von Wilhelm Koebner. Zu dem verächtlichen Urtheile. welches man seit Kurzem sehr mit Unrecht mit dem Namen „Pharisäer" verknüpft, trägt nicht wenig die moderne, protestantische Kritik des alten Bundes bei. An ihrer Spitze steht das vielgelesene Buch des berühmten Theologen Adolf Harnack: Das Wesen des Christenthums. Und gleichwohl wird kein Historiker, der das Wesen des Christenthums würdigen will, über folgende 3 Punkte leichterdings hinweggehen können, es sei denn auf Kosten der historischen Objectivität: 1. daß gerade die Pharisäer, d. s. die Perusch im, leuchtende Musterbilder wahrer Moral und Selbstverleugnung bildeten, 2. daß keine geschichtliche Darstellung des Christenthums als Tochterreligion ihre schuldige Ehrfurcht der jüdischen Religion als Mutter versagen können wird, und 3. daß in gleicher Weise das Judenthum dem civilisatorischen Einflüsse der Kirche auf die heidnische Welt nur Ehre und Anerkennung zollt. In dem Nachweis dieser 3 Cardinalbedingungen jeder objectiven Geschichte des Christenchums gipfelt die vorliegende Schrift. Sie verdient umso mehr unser Interesse, als gerade ein Rabbiner es ist, der dem anerkannten Theologieprofesior auf seinem eigenen Gebiete Schritt für Schritt die Jrrthümer nachweist, welche derselbe über das Judenthum verbreitet. Und dies nämlich voll wissenschaftlicher Gründlichkeit und Würde. Getreu dem Dichterworte: „Das Würdige beschreibt sich selbst", begnügen wir uns mit einem Citate aus derselben. Harnack schreibt unter Anderem über die Pharisäer: „Sie besaßen tausend Gebote von ihm (Gott) und glaubten ihn deshalb zu kennen '; er (der Stifter des Christenthums) hatte nur ein Gebot von ihm und darum kannte er ihn." Der Verfasser replicirt: „Ist es denn Herrn Harnack absolut unbekannt, daß es Hillel war, der den Inhalt der ganzen Gotteslehre in einen Satz zusammenschloß? Hat Herr Harnack nie etwas davon gehört, daß es her „officielle Führer des Volkes" Akiba war, der die ganze Religion in dem Gebote der Nächstenliebe enthalten fand? Weiß er nichts davon, welche Stellung Ben Asai, dem das Wort von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen Alles umfaßte, und Simlai, dem der ftomme Glaube die ganze Religion war, im Volke einnahmen. (S. 10.) Eine Ehrenpflicht der jüdischen Wissenschaft wäre es geradezu, dem Harnack'schen Buche, welches trotz der imponirenden Großartigkeit seiner Diction, seiner Methodik und seines dramatischen Apparates, wie der Verfasser mit Recht sagt, eine Atopie, ein Widerspruch zwischen „Benennung und Inhalt" ist, ein Werk entgegenzusetzen, worin in objectiver Weise „das Wesen des Judenthums" gewürdigt wäre. Alle Anzeichen der vorliegenden Schrift sprechen dafür, daß der Verfasser die entsprechenden Mtttel zu einem solchen Unternehmen in vollem Maße besitzt. Briefkasten. L. Im offenen Gerichtssaal wurde Dr. Neumayer von einem hohen Officier wegen einer lügnerischen Zeugenaussage angeklagt. Er trägt dieses Brandmal und bleibt Wiener Vicebürgermeister. R. Die portugiesische Regierung hat einen jüdischen Delegirten nach Marokko zu dem Zwecke entsendet, um die dortigen Juden zur Uebersiedlung nach Portugal zu bewegen und ihm das Recht eingeräumt, die Auswanderungslustigen mit Reisepäsien zu versehen. P. Der Präsidentenmörder Czolgosz hat in dem Gespräch mit dem katholischen Seelsorger Pastor Szandinski, der ihn im Gefängnisie besuchte, ausdrücklich erklärt, daß er einer alten katholischen Familie entstamme. N« Am 20. November 1657 starb Manasse ben Israel in Middelburg. Am 23. November 1848 wurde Hermann I e l l i n e k, der Bruder des berühmten Predigers, in Wien erschossen. I. SB. Es muß jedes Unrecht gerügt werden, auch wenn es dem Einen oder dem Anderen Unbehagen bereitet. F. in P. Chanuka-Leuchter und sonstige Thorabehänge erhalten Sie bei der Firma Brüder Goldmann, Wien, I. Bez., Adlergaffe 5. B. Neichenberg. Derlei Enunciationen dürfen blos mit voller Namensfertignng publicirt werden. Hermann Klein aus Kafchau. Ihr Aufsatz über A m a l e k ist wohl interessant, , doch für unser Blatt nicht geeignet. S. B. in D. Gelegentlich des 50jährigen Jubiläums des Depeschen-Bureaus Reuter wird der „Kasseler Allgemeinen Zeitung" geschrieben: „Für Kassel hat dieses Jubiläum insofern Interesse, als Reuter von hier stammt und seine Familie zu den altangesehenen israelitischen Familien Kassels gehört. Sein Vater hieß Samuel Josaphat, war Rabbiner in Witzenhausen und siedelte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts nach Kassel über. Er hinterließ drei Söhne. Julius Reuter, mit seinem ursprünglichen Namen Israel I os a p h a t, als dritter Sohn des ehemaligen Witzenhauser Rabbiners, im Jahre 1816 in Kassel geboren, betrieb ein kaufmännisches Geschäft, ohne dabei seine Rechnung zu finden und ging, aller Existenzmittel bar, im Jahre 1851 nach London, wo der intelligente Mann durch die Errichtung. des ersten telegraphischen Nachrichtendienstes seine finanzielle Position und seinen Weltruf begründete." Israel Josaphat ieß sich taufen und wurde später Baron Reuter. H^efinitiv Angestellter, mit den besten Referenzen, sucht Nebenbeschäftigung als Jncassant oder Vereinsdiener. Unter »»Vertrauenswürdig" poste restante II.» Stefaniestrasie. Samuel W. Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse Nr. 4, nächst dem Ring, offerirt in reichster Auswahl Professor Kfimpf’s allgemein beliebte Brautgebetbücher und deutsche Andachtsbücher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borden. 843 , Als Barmizwah-Geschenk eignet sich vorzüglich das berühmte Prachtwerk Professor Dr. Julius Fürsfs illustrirte fünf Bücher Moses m. deutsch. Uebersetzung. erläuternd. Anmerkungen u. 223 Illustr. Preis in Prachtband statt fl. 8.50 jetzt nur fl. 3.50 Samuel W. Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4. JULIUS MEINL JCaffee-Imporf WIEN-BUDAPEST-BRÜNN CENTRALE: WIEN, I., FLEISCHMARKT 7 FILIALEN IN WIEN: 1., Schottengasse 9 11., Taborstrasse 26 111., Landstrasse Hauptstrasse 41 IV., Wiedner Hauptstrasse 16 VI. . Mariahilferstrasse 31 VII. , Neustiftgasse 28 VII.. Mariahilferstrasse 112 IX. Servitengasse 12 X. , Himbergerstrasse 17! XI. Simmering, Hauptstrasse 90 XII. , Schönbrunnerstrasse 261 XIII. , Hietzing, Wattmanngasse 15 XVI. , Brunnengasse 34 j XVII. , Hernalser-Llnie Stadtbahn-Viaduct 86 | XVill, Währlnger-Linie Stadtbahn-Viaduct 118. Herausgeber uud Verantwortlicher Redacteur Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.