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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Mr. 47 Dr. Bloch’s Jahrgang XVIII Centrslorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. V. k. Posssparraffrn-Amk Clearing-Verkehr Ar. 610.976. ArdsrUon und Administration; Wir» IX/1, BerggaT» Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. -s§t-- lUicn, 22. November 1901. »-4- =» Erscheint jeden Freitag. -■» - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, .Wien. BejuBspwia für Srstrrrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare SO Heller, Mr'» Ausland: Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die4malgespaltene Prtitzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Die Confessionalisirung der Universitäten. — Vom Jahrmarkt des Lebe ns: Glossen zur Tagesgeschichle. Mommsen über Universitätsunterricht und Confession. Die guten Arier und die bösen Juden. Antisemitische Lügen. Germanische Cultur. Professor Masaryk über den Antisemitismus. — Jüdische Richter in Baiern und Hessen. — Zur Auswanderung österreichischer 3ut>en aus Amerika. — Correspondenzen: Aus der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. s MWien, Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Die Emigration aus Rumänien. Wien. Badeil b. W., Pilsen, Preßburg, Frankfurt, a. M., Magdeburg, Graf Pückler's Erzählungen. Das Attentat gegen Max Regis. Kiew, Warschau. Minsk, London. — Vermischtes: Wien, Essegg, Teplitz, Kopreinitz, Klattau, Hussowitz, Tod einer Hundertjährigen. Troppau, . ^Nikolsburg, Preßburg, Breslau, Bonn a. Rh., Breslau, Beuthen, Frankfurt a. M., Hamm, Wiesbaden. — Feuilleton: Aus * , dem galizischen Leben. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die ConfelsionatihrunK der Umverlitäien. „Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei." Keine stolzere Errungenschaft hat unser Verfassungsfrühling aufzuweisen als diese Bestimmung des Staatsgrundgesetzes, mit welcher Oesterreich aus einem geistig weit zurückgebliebenen Staatswesen sich zur Höhe jener Geistesfreiheit erheben sollte, die an den deutschen Universitäten seit mehr denn hundert Jahren gedieh und dem deutschen Volke den Ehrennamen des „Volkes der Denker und Dichter" verschafft hatte. Aus den deutschen Hochschulen ging ein starkes und muthiges Geschlecht hervor, das auf allen Gebieten geistiger Arbeit neue Wege bahnte, das die Grundsätze der Wahrheit und des Rechtes ins praktische Leben umsetzte, den mächtigen wirthschaftlichen Aufschwung der Nation und ihre politische Einigung vorbereitete. Selbst die gewaltigen militärischen Erfolge der deutschen Heere waren im letzten Grunde die Frucht der freien Entfaltung der Wissenschaft, und wenn man von den Siegen des „deutschen Schulmeisters" sprach, so war unter dieser Bezeichnung der Unterricht von der untersten bis zur höchsten Stufe verstanden, wie ja Moltke das Kriegshandwerk zur Höhe einer großen Wissenschaft erhoben hat. Das Beispiel des deutschen Volkes hat ermunternd auf Oesterreich gewirkt. Schon die Universitätsreform des clericalen Grafen Leo Thun hat die stärksten Dämme niedergerissen, die Oesterreich von jeder Berührung mit dem deutschen Geistesleben abgeschlossen hatten. Als dann nach den Katastrophen, in die der Elericalismus den Staat gestürzt hatte, die Freiheit der Wissenschaft auch bei uns proclamirt wurde, erfolgte ein ■ reger Austausch von Lehrern und Lernenden zwischen österreichischen und deutschen Universitäten, und es ergab sich die erfreuliche Thatsache, daß mit der politischen Trennung beider Reiche die Gemeinsamkeit der geistigen Interessen eine Stärkung erfuhr. Allmälig hat sich das geändert. Aus Stätten der freien Forschung hat man die Universitäten zu Zuchtanstalten für gefügige Werkzeuge des jeweiligen Staatswillens uniformen wollen. Und da der gegenwärtige Staatswille draußen und bei uns ein reactionärer,, ein auf die Stärkung der kirchlichen Gewalt gerichteter ist, so will man auch die Hochschulen der clericalen Reaction dienstbar machen. Gegen diese Erniedrigung der Wissenschaft wendet sich kein Geringerer als Theodor Mommsen mit flammenden Worten, die wir an anderer Stelle wörtlich wiedergeben. Die deutschen Universitäten sind in Gefahr, confessionalisirt zu werden. Mommsen bezeichnet die Wahrhaftigkeit, die voraussetzungslose Forschung, die nicht Zweckerwägungen und augenblicklichen praktischen Bedürfnissen, sondern der reinen Erkenntniß dient, als den Lebensnerv des deutschen Volkes. Dieser Lebensnerv aber soll getroffen werden, indem man die Anstellung der Lehrkräfte auch an den weltlichen Faeultäten nunmehr von deren Gefügigkeit gegenüber dem confessionellen Dogma -abhängig macht. Eine Degradirung des Universitätslebens, eine Sünde wider den heiligen Geist nennt der große Historiker dieses Beginnen, durch welches der Forschungsfreiheit geistliche und ministerielle Schranken gezogen werden. Nicht ohne Grund wendet sich Mommsen mit seiner Warnung vor solchen confessionellen Rücksichten und confessionellem „Rechtszwang" zunächst an die studierende Jugend. Es ist nicht zu verkennen, daß diese der Wissenschaft abträgliche Strömung zusammenfällt mit der antisemitischen Bewegung an den deutschen Hochschulen. Auch der protestantische Elericalismus bedient sich des Judenhasses als mächtigen Hebels zur Knebelung der Geister. Zuerst ging es gegen jüdische Professoren, jetzt geht es auch schon gegen die Universitätslehrer katholischen Bekenntnisses. Die Professoren collegien scheiden sich nicht nur nach akademischen Disciplinen. es vollzieht sich bereits eine zweite Scheidung nach dem Religionsbekenntnisse, und Geschichte, Philosophie und Rechtswissenschaft nehmen ein anderes Gesicht an, je nachdem sie von einem protestantischen, katholischen oder jüdischen Lehrer vorgetragen werden. Der Geist confessioneller Unduldsamkeit ist aus den Reihen der Studentenschaft emporgestiegen in die Professorencollegien. Welche Ausbrüche der Brutalität er zeitigt, lehrt folgende fürchterliche Episode, die sich jüngst in der Berliner Hochschule abgespielt hat: In seiner Vorlesung über den Reichs-Eivilproceß em> Pfahl Professor Köhler bei Besprechung der einschlägigen Literatur den von W i l m o w s k i und L e v y heraus-

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