Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 45 (8.11.1901)
- Date
- 1901-11-08
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021385-3021431--11294-3035823- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 45 Dr. Bloch's Wochrnschrifi. Seite 751 Wie wahr und charakteristisch ist der übliche Gesang bei einer jüdischen Hochzeit: „Maseltow dem Mechitonim, Maseltow dem Schwäher, Maseltow der Schwieger!" Denn in den meisten Fällen ist eine jüdische Heirat mehr ein conveniabler Contract beider Mechitonim als das Herzensbündniß beider Verlobte. — Barschadski schildert uns in seiner Skizze „Unausgeführt!" den innern Seelenkampf eines Menschen,, der das Leben sich nehmen möchte und doch mit allen seinen Fasern am Leben hängt. Er führte den Plan nicht aus, nicht weil ihm dazu Energie fehlt, sondern weil sein innerer Hang zum Leben sich dagegen sträubt. Da steckt ein psychologischer Zug des Juden, der zu jeder Zeit und in jeder Situation dem Sein huldigt und „einen lebendigen Hund einem tobten Löwen" vorzieht. Dieser psychologische Kampf ist mit wahrer Meisterschaft dargestellt. — Auch Dr. M. I. B a r d i c z e w s k i hat sich mit zwei Beiträgen im Achiasaf eingefunden. Sein Essay schildert uns die literarischen Verdienste der zwei namhaften und beliebten Schriftsteller M. L. Lilienblum und David Frisch mann; und mit seiner Erzählung „Zweiundeinhalb Jahre" will er sagen : „Wir lieben die Dichter, doch wir heiraten sie nicht." Oder: „Es lieben die Dichter, doch sie heiraten nicht." Es ist fast Mode geworden, bei Bardiczewski immer mit einem Gedankenstrich stehen zu bleiben. Ich, für meine Person, verweile sehr ungern bei ihm. Er ist einer der Decadenten der Junghebräer. Vielleicht in Wirklichkeit einer. Er ist hart, wortkarg, geheimnißvoll, mit einem Nimbus umgeben; er ist Symbolist. Diesmal aber — der Wahrheit ihre Steuer! — ist er geradezu graziös im Schreiben. Diesmal ist er weniger hart, weniger geheimnißvoll, weniger mit Fragezeichen, Punkten und Gedankenstrichen. Diesmal ist er, nicht wie er ist, nur wie er sein soll. Vielleicht that er dies aus Rücksicht für seine Gegner Lilienblum und Frischmann k Oder vielleicht ist dies ein Schritt zur Besserung? — Unter den lyrischen Gedichten des Kalenders sind „Moses" von D. Frischmann und „Messias" von I. L. Brochowitz die gelungensten und schönsten. Der bekannte Lyriker CH. N. B i a l i k ist diesmal mit seinem Gedichte „Beim Oeffnen des Fensters" entweder aus dem Fenster oder aus dem Parnaß gefallen. Ein Artikel über den „Judentag", Biographien und Photographien F r ä n k e l's, Friedman n's, Perez'« u. A. m. eine allgemeine Uebcrsicht über die Ereignisse des Jahres 568l, und schließlich Nekrologe beschließen diesen ausgezeichnet redigirten Kalender, der wohl verdient, von jedem Juden gelesen zu werden. Tarnopol. Samuel Meisels. Jüdisch-literarischer Abreißkalender pro 1902. Herausgegeben von Rabb. Dr. H e p p n e r. Der allgemein beliebte Kalender, der in der kurzen Zeit seines Bestehens schon in weite Kreise gedrungen ist, erscheint soeben für das kommende Jahr und bringt neben dem bekannten vortrefflichen Inhalt noch einige beachtenswerthe Neuerungen, die geeignet sind, den Werth des Kalenders zu erhöhen. So sind die wichtigsten Tage durch Rothdruck kenntlich gemacht und der Sabbath-Ausgang ist angegeben. Trotz dieser Verbesserungen ist der Preis des Kalenders herabgesetzt worden und der mit bedeutender Sachkenntmß und großem Wissen zusammengestellte Kalender sollte in keinem jüdischen Hause fehlen. Die Kunst-Woche. Moderne illustrirte Zeitschrift. Wöchentlich ein Heft mit Kunstbeilagen. Verlag von Szelinski u. Comp., Wien, I., Am Hof Nr. 15. Diese neue Publication stellt sich die schwierige Aufgabe, eine Zeitschrift für Dilettanten zu sein und dennoch nicht des Kunstwerthes zu entbehren. In dem ersten Hefte ist ein beachtenswerther Versuch zur Lösung gemacht und nach dem Gebotenen läßt sich annehmen, daß die Kunst-Woche bald einen hervorragenden Platz unter den vielen existirenden Kunstblättern einnehmen und ein größeres Publicum interessiren wird. Der Preis ist ein ungewöhnlich billiger, das Heft 50 Pfg, das Quartal (12 Hefte umfassend) 6 Mark. Dieses Entgegenkommen der Verlagshandlung wird nicht wenig zur Popularisirung der Neu- Erscheinung beitragen. Kriefkaste«. G. S. in N. K. In der nächsten Nummer. L. Die antisemitischen Blätter Deutschlands und Oesterreichs, welche nicht müde werden, darüber Lärm zu schlagen, daß Houston Stewart Chamberlain vom deutschen Kaiser empfangen und zur kaiserlichen Abendtafel zugezogen worden, haben die interessante Unterredung Wilhelm II. mit dem Generaldicector der Hamburg-Amerika Packetfahrt-Actien-Gesellschaft Ball in den Lesern mitzutheilen — verabsäumt. K. Den Conservativen Tirols scheint endlich die Wahrheit aufzudämmern, daß die wüste Judenhetze und der antisemitlsche Chauvinismus schließlich zur „Los von Rom"-Bewegung und zu einem Antichristenthum führen mußte. Allein die Erkenntniß kommt etwas spät. Erklärung. In Folge mehrfacher Interpellationen bezüglich einiger früher erschienenen, hauptsächlich jedoch des in der vorigen Nummer der Zeitschrift „Tie Wahrheit" veröffentlichten aggressiven Leitartikels sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich weder mit der Redigirung der Zeitschrift „Die Wahrheit" und mit der Beilage „Allgemeine Cantorenzeitung", noch mit den erwähnten aggressiven Kundgebungen in einem wie immer Namen habenden Zusammenhangs stehe. Obercantor Singer, Präses des Oester.-ung. Cantorenvereines. Danksagung-, Aus Anlass der Vermälung unserer Tochter Hermine mit Herrn Ludwig Rothmiiller sind uns zahlreiche Beweise herzlicher Theiluahme zugekommen. Wir bitten alle Frenude und Corporationen, insbesondere den hochgeehrten Cult n s- und Bethaus vors t and, sowie die geehrte Beamteukörperschaft der israelitischen Cultusgemeinde, aut diesem Wege unseru verbindlichsten Dank entgegeunehmen zu wollen. Familie Nathan Kdeigsbetger II., Praterstrasse 21. Concurs. D e israelitische Cultusgemeinde in Brand eis a. d. Elbe sieht sich in Folge der andauernden Krankheit ihres langjährigen, wohlverdienten Rabbiners veranlasst, die Stelle eines Rabbinats-Verwesers, zugleich Cantors und Koreh zu besetzen. Die Bewerber dürfen nicht älter als 40 Jahre und müssen zur Ertheilung des Religionsunterrichtes an Volks- und Bürgerschulen mit böhmischer Unterrichtssprache befähigt sein. Musikalisch gebildete Personen werden bevorzugt. Die mit der zu besetzenden Stelle verbundenen Bezüge werden mit dem Aufzunehmenden vereinbart werden. Gesuche mit Angabe der bisherigen Verwendung sind bis längstens 15. November 1 J. an dan Cultusgemaind -Vorsteher JUOr. Richard Ullmann in Brandeis a. d. Elbe einzusenden. Concurs. In der israelitischen Cultusgemeinde Baden bei Wien ist die Stelle eines Religiooslehrers für " ■ und Burgersthuleu zu besetzen. Derselbe hat zugleich als II. CANTOR zu fnngiren und muss musikalisch gebildet sein und bedeute nde Stimmmittel besitzen. Die Anstellung ist provisorisch auf ein Jahr. Gehalt Kronen 2000 Reflectantin, welche das 40. Lebensjahr noch nicht zurückgelegt haben, wollen ihre Originaldocumente bis zum 15. December 1 J. an den gefertigten Vorstand einsenden. Bei etwaigen Probe Vorträgen werden nur dem Aceeptirten die Spesen vergütet. Baden. 5. November 1901. Oer Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Obcrlabbiuttm Fanny Giidkmnnn-Stistnng für Kranke weiblichen Gejchlechter. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien bringt hiemit zur Kenntniß, daß aus den Zinsen der obigen Stiftung per 72 Kronen am Sterbetage der sei. Frau Fanny Güdemann, d. i. am 6. Schebat (14. Jänner 1902) ein oder zwei israelitische Kranke weiblichen Geschlechtes betheilt werden. Die Bewerberinnen haben ihre diesfälligen, mit einem Armuths- und einem Krankheitszeugnisse belegten Gesuche bis zum 30. November 1901 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde in Wien I., Seitenstettengaffe 4, I. Stock) woselbst während der Amtsstunden von 9—12 Uhr Vormittags Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen. Auf nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Wien, 1. November 1901. 5