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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-11-01 · 44 (1.11.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
44 (1.11.1901)
Date
1901-11-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch’s Jahrgang ™1I Centralorgan für die gefanunten Interessen des Iudenthums. M K. kr. Postsparrassen-Arnk Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Ardsclion und Administration: Wien IX/1» Berggaffr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. *= Mir«, 1. Uovernder 1901. Erscheint jeden Freitag. - ’y» >1«—fr- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. U- »rzugSPrri» für Srstrrrrtch: Halbjährig 8 Aronen. Einzelexemplare 50 Heller. Zür'» Knslsnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Adolf Sonnenthal. — Der Orient und die Großmächte. — Leopoldstädter Frauen-Wohlthätigkeitsverein und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort in Wien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Hetze gegen die Frucht- und Mehlbörse. Ein judenreiner Bank-Scandal. Antisemitische Bubenstücke. Baron Rieger und Professor Masaryk. Eine bittere Enttäuschung. Heidnische Antisemiten. Die Blutlüge von Könitz. — Die Geschichte einer Judensteuer. — Die Gesammtorganisation der deutschen Juden. — Correspondenzen: Wien, Prag, Pilsen, Antisemitische Rohheit. Horowitz, Breslau, Berlin, Darmstadt, Baden, Posen, Sosnowice, Petersburg, Rom, Paris, London, Jaffa. — Vermischtes: Wien, Piesling, Troppau, Breslau, Paris, London. — Feuilleton: Aus dem galizischen Leben. — Brieftasten. — Inserate. Adolf Son«e«thal. Von L. Nsaye. Das hübsche Wort Hans Anderseits: „Mein Leben ist ein schönes Märchen, so reich und sonnig", das kann Sonnenthal, wie selten Einer, auf sich beziehen. Sein Leben ist wirklich wie eine schöne und erfreuliche Geschichte, in der alle Verwicklungen und Schwierigkeiten leicht und rasch überwunden werden, und die dann glücklich und gut und herrlich weitergeht, immer weiter und an der endlich das Schönste ist, daß sie nicht zu Ende ist, daß sie noch lange nicht zu Ende sein wird. Alles Bedrohliche und Romantische seiner Laufbahn fällt in die erste Jugend, später ist sein Leben ununterbrochen ein ruhiges, gesichertes Wirken und Wachsen. Er ist in Pest am 21. December 1832 geboren in einem sehr frommen, jüdischen Hause, wo gegen das Theater und die Schauspieler nicht nur das bürgerliche, sondern auch ein religiöses Vorurtheil herrschte. Und vorläufig wird er auch nur ein tüchtiger Schüler, der vor Allem Lernen lernt und den von anderen Knaben nur eine gewisse Tapferkeit und Ritterlichkeit auszeichnet, mit der er dann auch ein unwillkommenes Geschick empfängt und erträgt. Doch schon damals war sein Traum und seine Sehnsucht das Theater, und seine Feierstunden verbringt er entweder der Bühne gegenüber oder auf derselben als kleiner, aber muthiger Statist. Nun kommt die Episode seines Lebens, ohne welche alles Sonnige weniger licht, alles Erreichte weniger erfreulich wäre, weil der menschlich und künstlerisch nothwendige Gegensatz fehlen würde. Sonnenthal's Eltern verlieren ihr Vermögen, der Sohn kann nicht weiter studiren und wird in eine Schneiderwerkstatt gethan, um ein ehrsames Handwerk zu erlernen. Und er lernte es auch; er hat jede Aufgabe, die ihm vom Schicksal gestellt wurde, erfaßt und gelöst, und so lieferte er nach zwei Jahren eine seidene Weste, kein Meisteraber ein gutes Gesellenstück. Die Zunft und das Geschick sprachen ihn frei; er hat seinen Tribut gezahlt und das Glück darf seinen Liebling nun dem ersehnten Ziele zuführen. 1850 fährt Sonnenthal nach Wien ins Burgtheater. Den ersten Abend in der fremden Stadt verbringt er dort, bald wird ihm die Stadt theuer, wie keine andere, bald er ihr verwöhnter Liebling. Schon der Anfang ist unverhofft gut und ermuthigend. Dawison wird sein Lehrer, Laube sein Gönner. Freilich ist sein Name noch nicht auf dem Theaterzettel verzeichnet; erwirb wieder Statist wie in seiner Knabenzeit, aber der Figurant, der in der namenlosen Menge verschwindet, die der Zuschauer nur als Volk, Ritter, Rathsherrn, Dienerschaft u. s. w. kennt, blickt voller Hoffnung in die Zukunft und hält als Bannerträger in Deinhardsteiits „Hans Sachs" das Banner in sicherer, fester, zuverlässiger Hand. Diese schöne jugendliche Zuversicht ist ihm geblieben und das Banner hat er immer hochgehalten, das Banner der Kunst und Schönheit, das er nie sinken ließ, auch nicht zu einer Zeit, als der junge Realismus an die Pforten des Theaters pochte und in seinem Ueberschwang gern Alles herabgezogen hätte in die Niederungen nicht nur der alltäglichen, sondern auch der gemeinen Wirklichkeit. Sonnenthal verläßt nun das Burgtheater auf einige Zeit und geht in die Provinz. In Wien hatte er bisnun dem Publicum nur von gesattelten Pferden und gedeckten Tischen erzählen dürfen und der junge Mann will sich an kleineren Bühnen bilden; aber er geht wie ein junger Sohn aus dem Baterhause, in das er von der Wanderschaft heimkehren wird. Am 30. October 1851 tritt er in Temesvar zum erstenmale auf und seit dieser Zeit — fünfzig Jahre sind es nun — gehört er der Bühne. Durch mancherlei Städte und Städtchen führte ihn fürderhin seine Künstlerfahrt, von Temesvar gings nach Hermannstadt, bis nach Königsberg kam er gar und dann kehrte er in seine wirkliche Heimat nach Wien an das Burgtheater zurück. Die Wanderjahre waren nun vorbei und die Zeit des Wachsens, der Sammlung und des Erfolges beginnt. Von der Art seiner Kunst, zu Wienern, zu sprechen, ist fast überflüssig, denn sein Können ist durch und durch wienerisch. Alles Anmuthige, Liebenswürdige, Weiche und Zärtliche dieser wundervollen Stadt, die man wie eine schöne, gütige Frau lieben kann, das hat er in die Gestalten zu legen gewußt, die er verkörpert. Und ist er auch allmählich

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