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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Date
1901-10-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 6Ö0 Dr. Blocht WochmMMfL Nr. 43 Zunächst können wir die traurige Thatsache nicht mit St llschweigen übergehen, daß die Deutschen in Oesterreich, und namentlich die Alldeutschen, von der Nützlichkeit und Notwendigkeit, Gottsched ihrem Verständnisse näher zu bringen, nicht ganz überzeugt zu sein scheinen. Herr Reichel führt bittere Klage darüber, daß ein früheres, dem gleichen Zwecke dienendes Rundschreiben an die deutschen Vereine in Oesterreich nahezu erfolglos geblieben sei, obwohl ja „unter den vielen tausend Deutschen, die sich in den zahlreichen Bünden und Vereinen befinden, doch wohl wenigstens hundert Männer anzutreffen sein werden, für welche drei Mark keine Rolle spielen". Man sieht, die Ansprüche des Herrn Reichel sind überaus bescheiden — und dennoch diese grausame Enttäuschung! Um nun dieser kränkenden Theilnahmslosigkeit entgegenzuwirken, geht Herr Reichel daran, Gottsched's Beziehungen zu Oesterreich und seinen maßgebenden Einfluß auf die deutsche Cultur der Ostmark den Deutschen in Oesterreich zum Bewußtsein zu bringen. Wir citiren nun wörtlich: „Wie es damals in Deutschland an einem Manne fehlte, der die politische Einigungsarbeit hätte verrichten können, so fehlte es vor Allem an einer maßgebenden, weitschauenden Persönlichkeit, welche befähigt gewesen wäre, die sprachliche Einigung, diese Vorbedindung der politischen, in die Wege zu leiten.. Ein Stubengelehrter wäre dieser nur von staatsmännischen Gesichtspunkten aus durchführbaren Aufgabe nicht gewachsen gewesen; nur ein Gelehrter, der zugleich politischen Weitblick und staatsmännische Thatkraft besaß, konnte sie bewältigen. Gottsched war dieser Gelehrte. Schon frühzeitig hatte er deshalb sein Augenmerk auf die Schweiz und auf das katholische Oesterreich gerichtet. . . Im. Jahre 1760 kam es dann, dank dem unablässigen Drängen Gottscheds, zur Begründung der ersten „Deutschen Gesellschaft" in Wien, deren Vorsitzender der bedeutendste Gottsched- Schüler Oesterreichs: Josef von Sonnenfels, wurde. Sonnenfels wurde zugleich, den Bahnen Gottscheds folgend, der Reformator der österreichischen Schaubühne, auf der Gottsched's „sterbender Cato" (die Schriftgelehrten der „U. d. W." machen daraus eine sterbende Kati) seit 1748 seine Herrschaft ausübte . . . Die Hauptwerke Gottsched's bildeten die feste Grundlage, auf der sich das geistige Leben des deutschen Volkes in Oesterreich in gemeinsamen Bahnen mit dem geistigen Leben. Nord- und Mittel-Deutschlands bewegte. Vor Allem aber wurde Oesterreich durch die Schaffung des Begriffes einer zusammenhängenden National-Literatur in einen engen Zusammenhang mit dem neuerwachten Geistesleben der Nation gebracht — kurz, wenn Oesterreich seit etwa 150 Jahren mit ein ebenbürtiges Glied des deutschen Volkskörpers ist, so hat es das in allererster Linie den rastlosen und zielbewußten Bemühungen Gottsched's zu danken." Wir glauben das Herrn Eugen Reichel auf's Wort, wie es offenbar auch Herr Schönerer, seme „Unverfälschten deutschen Worte" und sämmtliche Alldeutsche glauben, obwohl sie verstockt genug sind, für diese Erkenntniß das kleine Opfer von drei Mark zu versagen. Aber wir erlauben uns doch, in angeborener jüdischer Unbescheidenheit die Herren Reichel und Schönerer auf den für sie gewiß nicht ganz nebensächlichen Umstand aufmerksam zu machen, daß der „bedeutendste Gottsched-Schüler Oesterreichs", der „Reformator der österreichischen Schaubühne", der Mann, der „den Bahnen Gottsched's folgend", mitgeholfen hat, Oesterreich zu einem „ebenbürtigen Gliede des deutschen Volkskörpers" zu machen, daß Josef v. Sonnenfels ein — Racenjude war. Es ist noch gar nicht lauge her, seit dem heute von den „Unverfälschten deutschen Worten" als Begründer der Gemeinsamkeit des geistigen Lebens der Deutschen Oesterreichs mit dem geistigen Leben der Reichsdeutschen so gepriesenen Sonnenfels im Vereine mit dem Judenstämmling van Smieten von der alldeutschen Presse die schlimmsten jüdischen Raceneigeuthümlichkeiten nachgesagt und daß ihre Namen von den christlich-socialen Blättern gleich. mit drei bedeutsamen Ausrufungszeicheu gedruckt wurden. Es freut uns, daß die Herren Schönerer und Wolf sich nun so gründlich bekehrt haben, daß sie in dem Juden, Freimaurer und „Jlluminaten" Sonnenfels den Wiedererwecker des literarischen und politischen Deutschthums in Oesterreich und damit den Stammvater der heutigen alldeutschen Bewegung anerkennen. Wenn Herr Schönerer den braven Schmul Leeb Kohn aus seinem Familien-Stammbaum nicht zu tilgen vermag, warum sollte sich das Deutschthum in Oesterreich eines Vorläufers wie Sonnenfels schämen? Wir haben nichts dagegen, daß die „Unverfälschten deutschen Worte" auch weiterhin seinen Ruhm verkünden, und daß Herr Reichel mit seinem leuchtenden Namen unter den Alldeutschen Oesterreichs schnorren geht. Wenn man den Dingen tiefer auf den Grund sieht, wird man finden, daß das Deutschthum in Oesterreich und im Reiche draußen dem Judenthum noch viel, viel mehr zu danken hat, als der Schüler Gottsched's für dasselbe geleistet, vielleicht sogar mehr, als die Herren Schönerer und Wolf gethan haben. Und deshalb empfehlen wir aufrichtig und nachdrücklich, das Buch des Herrn Reichel zu beziehen und mit den verlangten drei Mark nicht zu knausern, Wenn in dem Werke selbst über Sonnenfels' Verdienste dasselbe steht wie in der Anpreisung des alldeutschen Parteiorganes, dann wird doch manchem Anhänger des radical-nationalen Antisemitismus eine Ahnung aufdämmern, wie unverschämt er von seinen Führern zum Narren gehalten wird. Da» Duell ßöwrnfeld-Koyka. Wir hätten weder persönlich noch sachlich mit dem Zweikampfe zwischen dem Herrn Lieutenant von Soyka und dem Fabrikanten- Ernst Löwenfeld das Geringste zu schaffen. Wir verabscheuen das Duell, nicht nur weil es Menschenleben gefährdet, weil es auch nicht den geringsten Beweis von Muth in der Annahme, von Feigheit in der Ablehnung erbringt; weil es den Grundsätzen der Religion ebenso wie den Gesetzen des Staates widerspricht; — sondern auch deshalb, weil der ganze Duellunfug auf keiner anderen Basis beruht, als auf einem Vorurtheil, und wir jedes Vorurtheil als ein der wahren Cultur und Ethik widersprechendes Verharren in barbarischen, ungerechten, unmenschlichen Anschauungen erkennen. Wir lassen uns auch auf die Ursache dieses Duells nicht ein und wiederholen, daß es uns sachlich gar nichts angeht. Ob und aus welchem Grunde zwei beliebige Personen mit Säbel oder Pistolen gegeneinander losgehen, läßt uns ganz gleichgiltig. Aber auch persönlich, d. i. vom Standpunkte der Zugehörigkeit der Glaubensgenossenschaft, berührt uns dieser Zweikampf nicht im Mindesten. Keiner der beiden Duellanten war ein Jude. Weder Herr Lieutenant Soyka, noch Herr Ernst Löwenfeld war ein Jude. Geradesogut wie Herrn Löwenfeld könnte man uns den Erzbischof Kohn und den Dr. Caspar Schwarz oder den Herrn Dr. Porzer als Juden präsentiren. Alle diese Getauften haben den Glauben ihrer Väter abgeschworen und ihr Volk verlassen. Gar kein Band besteht zwischen ihnen und den Juden. Sie gehören ganz und gar der Glaubensgemeinschaft an, die sie ausgenommen hat, und der Nationalität, der sie sich angeschlossen haben. Mögen sie Czechen oder Deutsche oder Auchdeutsche sein — Juden sind sie nicht. Gerade beim Judenthum geht es nicht an, den Glauben abzulegen und dem Stamm treu zu bleiben. Wer aus der Religion austritt, verläßt auch den Stamm. Wie ihn die fremde Religion ausnimmt, so müssen ihn auch die Angehörigen dieser Religion als einen der Ihrigen anerkennen. Herr Löwenfeld ist am allerwenigsten Jude, dessen Familie schon in der zweiten oder dritten Generation nicht mehr jüdisch ist und dessen Frau gleichfalls nicht dem jüdi-

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