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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Date
1901-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 658 Dr. Sloch's Nr. 40 Völkerschaften sind auf den englischen Inseln aneinander gestoßen, doch entstammten sie alle derselben Familie, der nordeuropäischen Menscheuart (!), dem liomo europaeus der Anthropologen. Und nun ist im Laufe der Jahrhunderte, durch Kreuzung, gefolgt von Inzucht, eine ganz neue, durchaus eigenartige und unvergleichlich scharf ausgeprägte Race hervorgegaugen. In dieser besonderen Race wurzelt Alles, was Englands Größe ausmacht". Aber was Englands Größe ausmacht, macht seltsamerweise Juda's Inferiorität aus. Genau so wie die Entstehung der „englischen Race", erklärt Chamberlain das Entstehen der „jüdischen Race": Durch Kreuzung verschiedener Völker, die in Kleinasien aufeinanderstießen: der Hethiter, der semitischen Araber und der arischen Amoniter, eventuell auch der Sumerier. (S. 348.) Dieser Kreuzung folgte dann mit einer Beharrlichkeit, die in der Weltgeschichte ohne Beispiel ist, eine zweitausendjährige Inzucht. Aus den ganz gleichen Daseinsbedingungen haben sich nun bei der „englischen Race" nur edle, bei der „jüdischen" nur unedle Eigenschaften entwickelt. Den Nachweis dafür sucht Chamberlain aus einem sehr willkürlich zusammeugetragenen „Consensus ingeniormn“ zu erbringen. Er citirt Cicero. Tiberius, den Hohenstaufen Friedrich, Friedrich den Großen, Bismarck, Herder, Goethe und Voltaire. (S. 335—37.) Aber selbst der widerspruchsvolle Chamberlain fühlt die Nothwendigkeit, über diesen Widerspruch hinwegzukommen. Und er legt sich dafür eine Theorie zurecht, die er durch einen mißverstandenen Satz Darwin's zu stützen sucht. Er sagt Seite 372: „Alle historisch großen Rac'en und Nationen sind aus Mischungen hervorgegaugen; wo aber der Unterschied der Typen ein unüberbrückbar tiefer ist, da entstehen Bastarde. Das ist hier der Fall. Die Kreuzung zwischen Beduinen und Syrier war — anatomisch betrachtet — wohl noch ärger, als die zwischen Spaniern und südamerikanischen Indianern. Dazu nun in später Stunde das Ferment eines europäisch-arischen Zusatzes: Ein derartiger Vorgang, so unbewußt er auch geschieht, ist ein blutschänderisches Verbrechen der Natur; auf chu kann nur ein elendes oder ein tragisches Schicksal erfolgen." Der Jude rangirt also nach Chamberlain noch tiefer als der Mestize, und er citirt hiezu Darwin's Wort: „Crossing obliterates characters“, das Kreuzen löscht die auszeichnenden Eigenschaften beider Elternracen aus. Untersuchen wir nun an der Hand der eigenen Angaben Ehamberlain's, wie weit jenes Wort Darwin's auf die Juden anwendbar ist und das „blutschänderische Verbrechen" der Kreuzung angeblich verschiedener Menschentypen ein Wesen erzeugt hat, „dessen Charakter Charakterlosigkeit ist". Auf Seite 372 gibt Chamberlain eine Reihe anthropologischer Zahlen. Diese Zahlen besagen für die Juden von damals und von heute, im Osten und im Westen Europas: 50 Percent der Juden zeigen den hethitischen Typus (Rundköpfe), nur 5 Percent weisen Züge und anatomische Bildung des echten Semiten (Wüstenbeduinen) mit dem charakteristischen Langkopf auf; bei 10 Percent trifft mau eine Haut-und Haarfarbe, manchmal auch Gesichtszüge au, die auf den Amoriter indo-europäischen Stammes weisen; 35 Percent stellen undefinirbare Mischformcn dar. Auch Luschau sagt: „Die Juden sind zusammengesetzt: Erstens aus wirklichen Semiten, zweitens aus arischen Amoritern, drittens und hauptsächlich aus den Nachkommen der alten Hethiter." Auf Seite 376 rühmt nun Chamberlain die „tüchtigen Eigenschaften" des Hethiters, seine große physische Kraft, seine Ausdauer, seinen Fleiß, seine Klugheit, seine Befähigung, zu herrschen, seine Tapferkeit als Krieger, seine Pflichttreue (das Beispiel Uria's), seine Güte, seinen ungekünstelten, heiteren Naturcultus. Und von dem Blute dieses ausgezeichneten Volkes rollen 50 Percent in den Adern der Juden! Trotzdem stellt er auf Seite 378 die „wilden, grausamen" Amoriter dem „Gesindel von Hebräern und Hethitern" gegenüber. Vom reinen Semiten rühmt er (Seite 379), er sei tapfer, gastfteundlich, frei. Aus dieser Mischung ist der „Bastard"-Jude hervorgegangen. Die Bastardirung, sagt er aber (S. 375), „gegensätzlicher Typen sehen wir auf allen Gebieten des Organischen zu Sterilität und Monstrosität führen". Daß der Jude physisch oder geistig steril ist, behaupten selbst seine Feinde nicht, eher das Gegentheil. Wohl aber sagt Chamberlain Seite 378: „Der Hethiter blieb, der Amoriter schwand. Kein Mensch entartet so schnell wie Lapouge's domo europaeus; wie schnell z. B. die Griechen Barbaren wurden, „in Syros, Partlios, Aegiptios degenerarunt“, bezeugt schon Livius. Er verliert seine Eigenheit gänzlich, dagegen besitzt er selber eine verhängnißvolle Assimilationsfähigkeit für das Fremdartige." Wer ist also steril, der „edle" Arier oder der „unedle" Hebräer und Hethiter, den Chamberlain zum „Gesindel" wirft! Prüfen wir nun den Dritten im Bunde, den echten Semiten. Herr Chamberlain hat Unglück mit seinen Citaten. Sie stehen meist an unrichtigster Stelle oder sie werden durch ihn selbst und andere Gewährsmänner Lügen gestraft. Auf Seite 353 läßt er Sayce von den Semiten sagen: „Erwählt der Wüstenbeduine das ansässige Leben, so vereint er in der Regel alle Laster des Nomaden und des Bauern. Faul, verräterisch, grausam, habgierig, feig, wird er mit Recht von allen Völkern als ein Auswurf der Menschheit betrachtet." Dem widerspricht die Glanzepoche der maurischen Herrschaft in Spanien, aber Chamberlain hilft sich rasch, indem er (S. 379) erklärt: „Der edle Maure Spaniens ist nichts weniger als ein reiner Wüstenaraber, meist zur Hälfte ein Berber (aus der arischen Verwandtschaft) und nimmt so reichlich gothisches Blut in seinen Adern auf, daß noch heute vornehme Einwohner Marokkos ihre Genealogie bis zu germanischen Ahnen zurückverfolgen können." Zugegeben! Aber wenn die Kreuzung zwischen Semiten und Syriern mit späterem arischen Einschlag „Blutschande" ist, warum dann nicht auch die Kreuzung von Semiten und Gothen, die weit verschiedenere Menschentypen darstellen, und wo bleibt bei der herrschen maurischen Cultur in Spanien „die Sterilität und Monstrosität"? Mit der willkürlichen Hypothese des „blutschänderischen Perbrechens" steht und fällt die Theorie Ehamberlain's von der besonderen jüdischen Race. Er hat sich ohne wissenschaftliche Begründung eine allerdings höchst originelle Formel construirt! Wir aber rufen ihm seine eigenen Worte (S. 375) entgegen: „Wer dürfte sich erkühnen, einen Menschen, ein .ganzes Volk auf eine Formel zuruckzuführen?" Es ist nur gut, daß er sich selbst auf Schritt und Tritt widerspricht. Auf Seite 936 behauptet er, der Hauptgrundsatz der germanischen Weltanschauung sei die Unterscheidung zwischen einer mechanisch deutbaren Welt (außer uns) und einer mechanisch nicht deutbaren Welt (in uns). Auf Seite 217 aber deutet er das Innerste des Menschen rein mechanisch, indem er erklärt, „daß die Form des Kopfes und die Structur des Gehirnes auf die Form und Structur der Gedanken von entscheidendem Einfluß sind, so daß der Einfluß der Umgebung, wenn er noch so groß angeschlagen wird, doch durch diese Jnitialsache der physischen Anlagen an bestimmte Fähigkeiten und Möglichkeiten gebunden, mit anderen Worten bestimmte Wege gewiesen wird." Das behauptet er von Christus, den er arischer Abstammung sein läßt, dessen innere Welt also mechanisch nicht deutbar sein müßte. Von der Sprache sagt er, an einer anderen Stelle (S. 295): „Die ganze Race z. B. ist es, welche die Sprache schafft, damit zugleich bestimmte künstlerische, philosophische, religiöse, ja sogar praktische Möglichkeiten, aber auch unübersteigliche Schranken"; dagegen an anderer Stelle (S. 343): „Was ein Semit ist, vermag kein Mensch zu sagen . . . . man hatte gewähnt, das sprachliche Kriterium sei. entscheidend — ein gewaltiger Jrrthum!" Bezüglich des Verhältnisses der Juden zu anderen Völkern hegt er Anschauungen, die, wenn nicht auf Illoyalität, so auf einer crassen Unkenntniß des jüdischen Schrift-

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