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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-27 · 39 (27.9.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
39 (27.9.1901)
Date
1901-09-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 39 Dl*■ Bloch’s Iahrg-ns XVU1 G Centralorgan für die gelammten Interessen des Indenthums. T5. k. Postsparcagen-Amt ■' Clearing-Verkehr Ar. 810.976. Eefcactton und Administrslion Wien IX/1, Verggasse Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. m a ■■■ Wien, 27. September 1901. Erscheint jeden Freitag. --M—-- Brief-Adresse: Wien, IX/1» Berggasse 3S. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift. Wien. M-- —■ =% Vezngsprej, für Srstrrrrtch: ^aidjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» NuLlrmd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. % *== - — M Inhalt. Leitartikel: Die Schächthetze in Wien. — Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit. - Die Lautagswahlen. — Franz v. Kazinczy und die Juden. — Ein preußischer Oberpräsidialrath für die Pharisäer. — Correspondeuzen: Die zweite Etappe zur confessionellen Schule. Präsident Dr. Alfred Stern. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Die Arretirung am Versöhnungstage. Graz. Frankfurt a. M. Die Antisemiten und der Proceß Sternberg. Der Landesausschuß der national-liberalen Partei Badens. Emden, Bucarest, Eonstantiuopel, Petersburg, Cherson, London. — Vermischtes: Wien, Baden, Karlsbad, Lundenburg, Salzburg, Budapest, Nürnberg — Feuilleton: Aus dem galizischen Leben. — Briefkasten. — Inserate. — Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnementsgrbühr, damit dir Zuwendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beiträge wolle man die beigelegten Post-Checks benützen. Die Administration der ».Vesterr Wochenschrift * Me Kchiichthetze in Wien. natan nom Prov. 14, 14. Die Natur und das innerste Wesen arischer Humanitätsbestrebungen hatten wir in den letzten Tagen Gelegenheit auf ihren wahren Werth zu würdigen. Wien beherbergte in seinen Mauern eine vornehme Versammlung von Männern, welche sich in den Dienst der Barmherzigkeit und des Mitleides gestellt haben, trefflicher Männer, welche ihre barmherzige Fürsorge den Thieren verschiedenster Art zuwenden. Die österreichischenThierschutzvereine haben in Wien ihren Berbandstag abgehalten und sie wurden begrüßt durch Vertreter des Ministeriums, der Statthalterei und durch den Herrn Bürgermeister Dr. Lueger. Man sah in dieser Versammlung Geistliche, Künstler, Schriftsteller u. s. w., die sich Alle vereinten, die in der Form von Thierquälereien verübten »Versündigungen gegen Gott und die Natur" zu verdammen und die Autorität des Gesetzes zum Schutze gegen Thiermißhandlung anzurufen. Triumphirend hat die arische Barmherzigkeit sich vor aller Welt offenbart. Menschliches Mitleid mit dem leidenden Thiere! Es gibt kein edleres, ideelleres Bestreben! Wohin aber richtete diese erleuchtete Versammlung zunächst ihr Augenmerk, um das leidende Thier vor der menschlichen Barbarei zu schützen? Die. grausamste Marterart ist zweifellos die Jag d, bei welcher die Thiere zuerst stundenlang in Todesangst mit Hunden gehetzt werden und nachher, oft blos angeschoffen, noch tagelang leiden müssen, bis sie schließlich verenden. Gegen die scheußliche Grausamkeit der Hetzjagden hat jene hohe Versammlung ihre Stimme nicht erhoben und kein gesetzliches Verbot der Thierjagden angeregt. Offenbar handelt es sich da um ein vielverbreitetes Vergnügen hoher Herrschaften, da verstummt die arische Barmherzigkeit. Dagegen ward beschlossen, an die Regierung die Bitte zu richten, gegen die beim bisherigen Schlachtbetriebe vorkommenden Tierquälereien einzuschreiten und die nöthigen Schritte zur gesetzlichen Einführung der Betäubung aller Schlachtthiere zu thun. Auch die Juden werden gebeten, das seit Jahrtausenden bestehende Religiousgesetz bezüglich des rituellen Schlachtens abzuschaffen und die Thiere zu betäuben, bevor das Messer des Schächters sie tödtet. Gleichzeitig hat der Wiener Stadtrath, dessen Humanität und Barmherzigkeit in ganz Europa sprichwörtlich geworden, den Beschluß eines S ch äch tv er b ote s für den Gemeinderath vorbereitet. Wer könnte noch zweifeln, daß wir die glücklichen Genossen einer Zeit sind, in welcher wahrhaft menschlich gesinnte Männer sich nicht blos begnügen, mit der edelsten Humanität ihre Mitmenschen, sondern auch die Thierwelt zu behandeln. Wir leben in Wien, dem Centrum des Antisemitismus. Man hetzt, schürt und wühlt gegen die Juden, man versammelt sich, um die schauerlichsten Beschuldigungen gegen die Juden zu verbreiten; in Wort und Schrift, in Journalen und Flugblättern werden Juden und Judenthum dem blutigsten Haffe preisgegeben; man citirt Alles, was der unwissende Rohling und Consorten gegen den Talmud und die jüdischen Religionsgesetze seit Jahren geschrieben haben; man verlästert die Juden als Unmenschen, denen Lug und Trug gegen Nichtjuden gestattet ist; man behauptet mit unerhörter Frechheit und Verlogenheit, daß die Juden Christenblut zu rituellen Zwecken gebrauchen; man geht darauf aus, die Juden herzlos und unbarmherzig zu bedrängen, das Mittelalter als Muster zu empfehlen, wie die Juden behandelt werden müssen. Beide Erscheinungen, Thierschutz und Antisemitismus, ziehen an uns in einer und derselben Stadt vorüber. Wäre es nicht zu empfehlen, daß einmal ein internationaler Congreß zusammenträte, um die Menschen vor Barbareien und Quälereien zu schützen? Thiere sollen in unserer Zeit menschlich, und Menschen wie wilde Thiere behandelt werden? Hunderttausende von Menschen verlieren durch das tolle Treiben und Toben der Antisemiten ihr moralisches Leben, und die höchsten Güter der Menschheit werden von den Wellen des Antisemitismus ruinirt. Alle moralischen Begriffe, Lehren und Grundsätze werden in den Köpfen derer, welche von den Anti-

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