Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 38 (20.9.1901)
- Date
- 1901-09-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 88 Gelte 635 Vr. Vlvch s Wochenschrift. Philadelphia. (Reiche Spenden) hat die vor einiger Zeit in Philadelphia verstorbene Frau Emily Philipp für jüdische Zwecke hinterlassen. Es wurde im Ganzen an 24 jüdische Institutionen ein Betrag von 134.500 Dollars hinterlaffen. Davon erhielten acht verschiedene jüdische Krankenhäuser 65.500, neun Schulen, Waisenhäuser und Altersversorgungs-Anstalten erhielten zusammen 26.000 Dollars, 38.000 Dollars erhielten fünf jüdische Wohlthätigkeits- und Unterstützungsvereine, 4000 Dollars erhielt der Verein zur Unterstützung jüdischer Emigranten und 2000 Dollars wurden endlich der Alliance vermacht. Vermischtes. Wien. Für die in Doboj (Bosnien) gefallenen Soldaten veranstaltete der Kriegerverband des achten Infanterieregimentes in Wien Sonntag den 8. d. M. eine Gedächtnißfeier. Für die Angehörigen mosaischen Glaubens wurde um 8 Uhr Früh im Tempel in der Inneren Stadt ein feierlicher Gottesdienst abgehalten. In Vertretung des Oberrabbiners Dr. Güdemann hielt Rabbiner Dr. Bach die Gedächtnißrede. Redner sagte unter Anderem: Der jüdische Soldat sei doppelt freudig in den Kampf gezogen, galt es doch, dem Landesvater, der ihm die Freiheit und Gleichberechtigung gab, dankbaren Tribut zu zollen. Dr. Bach gab sodann der Hoffnung Ausdruck, daß der traurige Unterschied, den die Gesellschaft heutzutage in Bezug auf Nationalität und Confession macht, in den Reihen der Armee nie Eingang finden werde. Zum Schlüsse forderte er die anwesenden Mitglieder des Kriegerverbandes auf, ihren gefallenen Kameraden, welchen Glaubens und Nationalität sie auch angehören möchten, ein liebevolles Andenken zu bewahren. E. B. Wien. (Decorirung) Der König von Serbie" hat dem Wiener Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Berthold Reif das Commandeurkreuz des Sava-Ordens verliehen. Der Decorirte ist der Schwiegersohn der sich auf Humanitären Gebiete auszeichnenden Frau Regierungsrath Gintel-Fröhlich. Wien. Der Director der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, Herr A. S. Fischer, hat sich, wegen vorgerückten Alters, nun zur Ruhe gesetzt und dieses Amt der jüngeren Kraft seines Sohnes, dem nunmehrigen Director der jüdischen Kinderbewahranstalt, Herrn Max Fischer, übertragen. Infolge dieses Rücktrittes ward dem Herrn Fischer seu. für seine vieljährigen verdienstvollen Leistungen auf dem Gebiete des Kindergartens in einer Zuschrift die hochortige Belobung ausgesprochen. Wien. Der Schriftsteller N. G o l a n t erhielt vom Großfürsten Constantin von Rußland folgendes Schreiben: 26. A. 1901. 8. September. Schloß Pavlovsk. Sehr geehrter Herr! Im Aufträge und im Namen Seiner kaiserlichen Hoheit des Großfürsten Constantin Constantinowitsch habe ich die Ehre, Ihnen für die ihm zugesandte kritische Arbeit bestens zu danken. Seiner kaiserlichen Hoheit ist Ihre literarische Thätigkeit bekannt und sympathisch in hohem Grad. Auch glaubt er, daß eine gegenseitige literarische Bekanntschaft der beiden (der russischen ui'd der deutschen) Lesewelten einer weiteren sehr wünschenswerthen Annäherung auch auf anderen Gebieten fördernd sein könnte. Hochachtungsvoll der Ihrige General Alexander Kirejew. Wien. (Kaiser Franz Josefs-Ferienheim.) In der abgelaufenen Woche ist die dritte Serie der vom Verein „Ferienheim" entsendeten Ferien-Colonien nach Wien zurückgekehrt. Aus dem Kaiser Franz Josefs-Ferienheim in Tischnowitz trafen 110, aus Petrau 53, aus Sauerbrunn 12 und aus Bad Hall 10 Cvlonisten ein. Das Aussehen der Kinder war ein vorzügliches, die Gewichtszunahme beträgt durchschnittlich per Kopf 27 kg. Jnsgesammt wurden in diesem Jahre vom Verein „Ferienheim" nahezu 600 Kinder zum Landaufenthalte entsendet. Wien. (Tefilas-Hanorim.) Der von diesem Vereine aus Anlaß des Neujahrsfestes zum ersten Male veranstaltete Gottesdienst fiel durch das Zusammenwirken der daran theilnehmenden' Funktionäre in jeder Bähung höchst weihevoll und würdig aus. Die Theilnahme sowohl der Knaben, als auch der Mädchen war eine sehr rege, und es gewährte einen geradezu überwältigenden Eindruck, mit welcher tiefen Andacht die kleinen und großen Schüler und Schülerinnen sowohl den in feierlicher Weise von den Herren CantorenL. Münz und M. Rindskopf in Begleitung eines kleinen Chores, bestehend aus Waisenknaben, vorgetragenen Gebeten, als auch der der Weihe des Tages und den kleinen Zuhörern entsprechenden Predigt des Herrn Dr. Max Huß zuhörten. Dem Gottesdienste selbst wohnten außer den obgenannten Functionären auch noch der Herr Oberlehrer. Po ll ak, Herr Lehrer Deutsch und an den Abenden Herr Director Mauthner und Herr Oberschulinspector Kanitz bei und sprachen fich alle höchst lobend sowohl über die Einrichtung des Schülergottesdienstes, als auch über das vollständige Gelingen desselben aus. Allgemein kam der Wunsch zum Ausdrucke, daß es dem Vereine gelingen möge, zum kommenden Jahre derlei Kindergottesdienste auch in anderen Bezirken, namentlich in der Inneren Stadt, sowie in Mariahilf zu veranstalten, ein Wunsch, der jedoch nur durch zahlreiche neue Beitrittserklärungen erreicht werden könnte. Das größte Verdienst um die Erreichung dieses Zieles gebührt allerdings der eifrigen Thätigkeit des Obmannes dieses Vereines Herrn I. G o l l e r st e p p e r, sowie des Schriftführers Herrn Doctor Alexander K o h n. Wien. (Amtseinführung eines Rabbiners.) Freitag den 6 d M. fand die feierliche Einführung des neugewählten Rabbiners des Montefiore-Bethanses, Sr. Ehrwürden Herrn Doctor Moritz Rosenfeld, in sein Amt statt, aus welchem Anlasse ein feierlicher Gottesdienst im Vereinsbethause II Bezirk, Taborstraße 38 abgehalten wurde. Die Feier gestaltete sich zu einer sehr erhebenden und nahm folgenden Verlauf: Nach dem Mineha-Gebete begaben sich der Vereinsobmann Herr I. A. Wasservogel, Vorstandsmitglied Herr Jakob Weiß und zwei der ältesten Bethausbesucher Moriz W o l k e n st e i n und M. K r a k a u e r in die Wohnung Sr. Ehrwürden, um ihn in die Synagoge zu begleiten. An der Psotte des Gotteshauses erwartete ihn der gesammte Vorstand und führte ihn zum Rabbinatssitze, während der Cantor F i s ch m a n n das Lnrneb- Habu recitirte. Nach Absingung der Sabbath-Psalmen trat Herr Jakob Winter, Obmann-Stellvertreter, an Se. Ehrwürden, um ihn im Aufträge des Vorstandes und des Vereines zu begrüßen. Hinweisend auf den erst kurzen Bestand des Bethauses erhoffe er vom neuen Rabbiner, den er der vollsten Sympathien des Gesammtvorstandes, als auch des ganzen Vereines versicherte, die Förderung und weitere Entwicklung des Gotteshauses, sowie die Gründung eines Veth-Barnidraseh. Mit der Bitte, als Symbol des Antrittes die Kanzel zu besteigen, schloß die eindrucksvolle Ansprache. In der sich anschließerden Antrittsrede erfüllte Se. Ehrwürden, der sich durch seine bisherige Thätigkeit im Montefiore-Bethause den Ruf eines tüchtigen Kanzelredners erworben hatte, die Erwartungen der Zuhörer in solch hohem Maße, daß dem Gesammtvorstande von sämmtlichen Vereinsmitgliedern und Bethausbesuchern der Dank ausgesprochen wurde, daß es ihm gelungen ist, eine solch glückliche Wahl zu treffen. Das Maariv-Gebet beschloß die wahrhaft gelungene Feier, um die sich der ganze Vorstand verdienstlich gemacht und zu der viele Delegationen und Ehrengäste erschienen waren, so z. B. vom ehrwürdigen Rabbinate Herr Rabbiner M. K r a m e r, für die wohllöbliche Cultusgemeinde Herr Dr. Marcus Spitzer, Vertreter der Vereine Adass Jisroel, Tomech Ewjonim. Marpe Lanefesch, Talmud - Thora. Achdus Jisroel, die Vorstände der Schwestervereine, Kranken-, Witwen- und Waisen- Unterstützungsverein Montefiore, sowie von benachbarten Bethäusern u. s. w. r. k. Wien. (Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender in Wien.) Bei der am 3. d. M. stattgehabten constituirenden Sitzung wurde an Stelle des ausgetretenen Herrn. Friedrich Schneid Herr Saul Klausner, Kaufmann, HL, Kolonitzgasse 11, zum Obmanne des Vereines gewählt. E. B. Wien. („Verein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischerBru st leidender auf dem Lande.") Auf mehrfache Anfragen theilen wir mit, daß Spenden für den wohlthätig wirkenden „Verein zur unentgeltlichen Verpflegung jüdischer Brustleidender auf dem Lande" von dem hochverdienten Präfidenten dieses Vereines Heren Dr. Adolf Hoffman n, I., Hoher Markt, „Ankerhof" in Wien und von der ebenso hochverdienten Bereinsfunctionärin. Frau Regierungsrath Fanni Gintl-Fröhlich, IX., Währingerstraße 22 in Wien, dankend entgegengenommen und quittirt werden. Die Redaetion. Prag. (Eine muthige That eines Juden.) Die Paffanten der Dejwitzerstraße waren Zeugen einer aufregenden Scene, welche glücklicherweife ohne ernste Folgen verlies. Auf der Straße längs des Exereierplatzes raste eine elegante Equipage dahin, den schaumbedeckten, im Zickzack einherstürmenden Pferden preisgegeben. Auf dem Bocke saß der Kutscher, der die Besinnung und mit