Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3020846-3021385-3021422--11141-3035661
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 36 Vr. Vlvät'S Wochenschrift» Seite 607 ihrem theueren Bruder genügende Aufmerksamkeit schenken, dessen schmucke Gestatt m der Gaste aussehenerregend war. So kamen sie unter traulichen Gesprächen bis vor die Thüre des Friedhofes an. Sie fröhlich, voll guter Laune, er mit ememmale ernst geworden. Flora zog den großen Schlüssel aus ihrer Kleidertasche hervor, klopfte oamtt drermal an die versperrte Thüre, einem allen Aberglauben gemäß, um vre bösen Gel,rer, welche an dieser Slalte Hausen, aus ore Ankunft von levenoen Menschenklnoeru aufmerksam zu machen und zum schleunrgeu Äcrschloludeu zu veranlassen. Dann harrte sie eitlen Momenr rang, uuo als sie die Lusl reru glauvle, östuele sie langsam das verrostete Schloß und velral an oer Hand oes Bruders das Toolenseid. Keine Spur von bösen Geistern war au diesem Orte zu vernehmen. Heuige Ruhe lagerte üver dieser Ställe des Fcieoens. Aus jeoem Grashalm blinkte em Tyautrvpsen, gleichsam als waren^ es ore Tyränen, vre hier vergossen wurden uuo gleich den Seufzern, welche denjenigen entfuhren, die hier lyr Tyeuerstes zur ewigen Ltuye beiteten, ourchschauerle der leise Morgeuwind oas Geäste der wild und ungepflegt wachsenoen Siraucher uitd medern zum Tyeile verkrüppelten Baume. Keine von Menschenhand gepflauzre Blume schuiuckre eilten der vielen Graoyugeln, nel»t, l»ur Steinchen lagen aus den mehr oder minder hoyeri Grabsteinen aufgeschichlei, von lievender Hand hieyergelegr. Der Jude bekränzt das Haupt seiner Lieben zur Lebenszeit mit Blumeil, im Tvoe jedoch reicht er iyiieu feine megr. Da muß oer graue, uttverwustriche, feinem Berderven unterllegenoe Slcln es audeuteu, daß ore Luve dauerhafter ist als die ousieude, faroeuprachlige, jeooch rasch welkende Blume, daß oie Erinnerung uu den lheureii Todren wahrer so lange, vis der Slein, den die ttevende Hand oorr medergelegt, verwittert und in Arome zerfällt. Inmitten des Bes chajim angelangt, schmiegte sich Flora innig an den oermeinilicheti Braver an, gleichsam um oas Traurige, das sie ihm zu eulhüllen im Begriffe war, in etwas zu Miloern. „Dnvw!" sing sie thräneuden Auges ati. „Nicht nur das Grab oer Mutter besuchen wir heute, sönoern auch »wch ein anoereS. Auch Unser armer Barer yar hier auf diesem iSottesacker seine vtuye gesunoen. nach einer mühseligen LLanoerung. In meinen Armen ist ^r verscyleoen." Tief bewegt rief David aus: „Auch er, der gute Feibisch, liegt hier, das wußte ich ja nicht. Darum hat mu Gyette auf meine Frage eine ausweichende Antwort gegeoen!" Berweisenb unterbrach ihn die Schwester. »Ich weiß wohl von Cheile, daß er Dein Stiefvater war, aoer darum loniilest Du ihn doch Baker nennen, er har es reichlich um Dich verdient." David wurde verlegen. Wenn er nicht jetzt hier an diesem Orte und m Dieser Srunoe eui volles Bekennlniß avleglc, so machte er sich viesem arglosen Klnoe gegenüber elrtes Ultverzeih- Uchen Berrrauensoruches schuldig. Darum faßte er sich rasch uuo sagte: »Die Bande des Blutes st»id es nicht allein, weiche die Menschen an einander knüpfen, es gibt stärkere noch als diese. Gl» solches Bano, das oer unenottcyen Lieoe und Daukoarkett, ist es, welches mich das Andenken oer ylngegangeneu Theueril hochyatteu laßt. Denn auch die Frau, deren Grab jener Leichenstein schmückt, war nicht meme leibliche Mutter." Berwlrrt, unfähig, ihn gauz zu verstehen, riß sich Flora von ihm los. „Also bist Du nicht mein Bruder, David?" „Dem Blure nach nicht!" „Und Du ließest, Sie ließen mich glauben —" „Keinen Borwurf, Flora, wenigstens an dieser heiligen Stätte nicht, ^zch bin aus oer Ferne yleyergekommeu, um Dir Aufkläruiig zu brlngetl und gleicyzettig an Deinem treuen Schwester- Herzen, von dem ich nicht nnneymeu konnte, daß es mir so schnell entfremdet werde, Trost und Beruhigung zu schöpfen für all' das bittere Weh, das ich im Gewüyle oer großen, Dir unbekannreii Welt gesunoen. Sollte ich mich m Dir gelauscht haben, Flora „Du hast Dich nicht gerauscht, Du armer Bruder, wenn Alles Dich verlassen hat, die Schwester ist Dir treu geolieven." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. Es ist richtig, daß in Melbourne kürzlich zwei jüdische Militärs hohe Orden erhielten, und zwar: Oberstlieutenant Salomon für vierzig Jahre Dienstzeit und Major I. Daniels, der 22 Jahre im Dienste steht. K. in Berlin. Die Anzahl der russischen Studenten und S t u d e n t i n n e n an der Berliner Universität beträgt gegenwärtig nach amtlichen russischen Mittheilungen etwa 300. B. Beim Budapester Rennen am Stefanstage wurde der Königspreis von 60.000 Kronen von dem Favoritpferde Ritka II. gewonnen. Der glückliche Besitzer dieses Pferdes ist der Jude Alexander Ritter von Lederer. Damit noch nicht genug, holten sich noch die Werde der Herren Kohner, Ludwig v. Schosberger und Baron Springer erste Preist. Unter den 7 Rennen, welche an diesem Tage absolvirt wurden, haben sonach nicht weniger als vier Juden den ersten Preis davongetragen. N. N. Die Verwaltung des Spitales der israelitischen Cultusgemeinde dankt bestens im Namen der armen sanken für die giftigst übersandte Spende von X 20.-. B. in L. Zum israelitischen Neujahrsfeste dominiren Anfichts-(Post) Karten als Wunschkarten (auch mit jüdischem Texte). Große Auswahl dürsten Sie bei der Papier- und Postkarten-Versandtfirma Marcus Silber st ein. Men, I., Eßlinggasse 8, finden. K. in Lemberg. Der Domherr und Canonicus Pater Johann Mard yrosiewicz, der wegen des Verbrechens der Unterschlagung zu acht Monaten Gefängniß verurtheilt worden ist, fungirte viele Jahre hindurch als Director des „Pius Mons" (einer Darlehens-Casse für Arme nach dem Muster der im Mittelalter von der katholischen Geistlichkeit errichteten Institute), und da der mit dieser Stellung verbundene Jahresgehalt für sein luxuriöses, verschwenderisches Leben nicht ausreichte, ergänzte er ihn allmälig durch eine Viertelmillion Kronen, welche er mit dem Aufwande raffinirter Schwindeleien unterschlug. Mardyrosiewicz war einer der hingebungsvollsten und eifrigsten Förderer des Antisemitismus in Galizien, der unausgesetzt in Wort und Schrift gegen die „jüdische Corruption" polterte. Zweifellos hat er eben dadurch sein verbrecherisches Treiben ungehindert fortsetzen können. Es genügt immer noch, daß Einer mit vollen Backen über die „Eorruption der. Juden" schimpft, um im Stillen längere oder kürzere Zeit den verbrecherischesten Machenschaften sich widmen zu können. Herrn M. Mayer, Karlsbad. Rufen Sie gegen jede antisemitische Beleidigung, ob sie nun in Wort oder Schrift begangen wird, die Intervention des Rechtsschutzbureaus der „Oesterreich! sch- Jsraelitischen Union", IX., Berggasse 20, an. I. L. in Zborow. Die genannten Personen find Brüder. Cultusvorstaud Bonyhad. Der Vorschlag ist löblich und vernünftig, dürste sich aber schwer angesichts der menschlichen Eitelkeit realisiren lassen. Esrogim Luluwim Whadasim. 6 Stück Esrogim Parager lila Qualität ä Kronen 5.— n n n Ha n n n 9. 0 n n n » „ » 12. 6 „ „ „ Miwchurim „ . „ 16.— Miwcher Schebinuwcher von 4 bis 12 K per Stück, Lulnwim von 70 h bis 1 K 20 h per Stück, Hadasim 3 K per 100. Versendet gegen Nachname ohne Angabe unter Garantie gewissenhafter Bedienung. Lippe. RAPP, Triest. 911 Kundmachung Die Nachprüfungen aus der mosaischen Reifglonslehre für Schüler und Schülerinnen an Volks- und Bürgerschulen finden in der Religionsschule I. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock, statt, und zwar für Schüler (Schülerinnen), wohnhaft im Bezirke I., II, XI., oder XX., am Mittwoch, den 18. September d. J. von 10—11 Uhr für Schüler (Schülerinnen) wohnhaft in einem der Bezirke III. bis inclusive X., oder XIX., am Mittwoch, den II. und Donnerstag, den 12. Septemper d. I. von 9-10 Ohr, Der Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde. Bei dem israelitischen Religionslehrer in dem herrlichen Innsbruck werden zwei Knaben eventuell auch Mädchen aus feinen jüdischen Häusern bei liebevoller Behandlung und gewissenhafter Aufsicht in Pension genommen. In Innsbruck ist ein Gymnasium, eine Realschule, eine Handelsakademie, eine Mädchen-Mittelschule und mehrere höhere Töchterschulen. 912 (Auch Universität.) Adressen erbeten unter J. SCHULHOF, Rabbiner, Innsbruck.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.