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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Date
1901-09-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch’s Jahrgang XV111 Centralorgsn für die gesammten Interessen des Indenihums. K. k. Postsparrassen-Vmk Clearing -V er Kehr Nr. 810 976. Ardartton und AdmimstraNvn: Wien IX/1, Berggasse Nr. 89. Telephon Nr. 14.847. Wien. 6. September 1901. 4-4- —4- © L r s cheint jeden Freitag. -■»- 4 - Brief-Adresie: Wien, IX/1, Derggaffe 3S. Telegramm-Adresse: Dloch's Wochenschrift, Wien. ve;ugspreis für Sellerrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Huafanb: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 * Anzeigen: Die 4mal gespaltene j Petitzeile 24 Heller. 3k- Znhalt. Leitartikel: Sections-Ehef Eduard Ritter von Gniewosz. — Das Wiederaufleben der jüdischen Wissenschaften in Amerika. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Elericalen und der Antisemitismus. Die Verrohung der Bevölkerung. Arische Mädchenhändler. Bekenntnisse einer schönen Seele. Antisemitische Seelenvergifter. Eine amüsante Episode. Der „Schames". — Co r r e ipondenzen: E. B. Wien, Ein Nothschrei der jüdischen Hausirer. Die Ofner Rabbinerwahl. Hohenau, Klagenfurt, Dürrmaul, Prag, Klattau, Agram, Kronstadt, Hamburg, Bukarest, Konstantinopel, Paris, New-Uork. - Vermischtes: Wien, Jungbunzlau. Brünn, Bielitz, Prag, Saaz, Dambotitz, Berlin, Frankfurt a. M., Homburg v. d. H.. Mühlheim a. R., Kairo, Mainz, Cincinnati. — Feuilleton: Der Unesaane tokef. — Briefkasten. — Inserate. Srrtions-Thef Eduard Ritter von Gniekws;. Ein Gedenkblatt zu seinem achtzigsten Geburtstag. Hut ab! vor diesem wackeren, ehrfurchtgebietenden Greis, der ein „Jachid bedoro14, ein Einzigartiger in seinem Zeitalter. Eduard Gniewosz, der heute seinen achtzigsten Geburtstag feiert, steht auch uns Juden nah. Auch wir dürfen von ihm sagen: „denn er ist unser!" Stand er doch sein Leben lang auf Seite der Verfolgten und unschuldig Bedrängten. Und wo fand er Verfolgtere und Bedrängtere, als wir Juden es sind? Wer erinnert sich nicht der flammenden Rede, die er einst im Abgeordnetenhaus zur Vertheidigung der unter dem schweren Drucke der Verhältnisse in geistigem und physischem Elend dahinsiechenden jüdischen Massen Galiziens hielt. Und als er die Genesis dieses Elends in lapidaren Worten enthüllte, die Ursachen schilderte, die Bedrängnisse und Bedränger in markanter Weise zeichnete, da war es, als ob die Hunderte gegen die Unglücklichen erhoben gewesenen Hände plötzlich in der Luft erstarrten. Wer sich unschuldig fühlt — so klang es aus seiner wie ein Strafgericht sich anhörenden Rede — wer sich unschuldig fühlt, der werfe den ersten Stein! Und stille ward's. Die Rollen schienen mit eins vertauscht. Die Ankläger wurden zu Angeklagten. Eduard Gniewosz stand, seitdem er öffentlich zu wirken anstng, durch seine große Hochherzigkeit und sein stark ausgeprägtes Rechtsgefühl dazu gedrängt, stets auf Seite der Verfolgten. Nie blickte er liebäugelnd oder erwartungsvoll nach Oben, sein mitleidsvoller, mitfühlender Blick war immer auf das Volkswohl gerichtet. Darum genießt er denn auch die tiefste Verehrung und die Liebe besonders der breiten Volksschichten Galiziens, der jüdischen wie der christlichen, die sein edles, humanes Wirken am besten zu beobachten Gelegenheit hatten. Wer Fühlung mit allen diesen Volksclassen hat, der weiß, wie tief Gniewosz sein Andenken in deren Herzen eingegraben hat. Hier nur ein Beispiel. Es war im Juli 1895 Ich hatte damals die fern von der Bahn und weitab von jedem Verkehr liegende Ortschaft Ch. zu besuchen. Man informirte mich irrthümlich dieselbe sei am besten und kürzesten von der zwischen Stanislau und Kolomea gelegenen Eisenbahnstation Korzöw aus zu erreichen. Ich langte gegen 4 Uhr Morgens bei strömendem Regen in Korzöw an. Das Stationsgebäude und das hinter demselben gelegene Wirthshaus waren wie ansgestorben. Von einem Wagen keine Spur. Auf mein wiederholtes Pochen erschien endlich der Wirth, schlaftrunken, ein Jude, und erklärte mir, nachdem er seine Gedanken einigermaßen in Ordnung gebracht hatte, daß von Korzöw aus ein Verkehr mit Ch. überhaupt nicht unterhalten werde, noch seien hier Wagen zu bekommen. Doch, fügte er, sich besinnend, hinzu — in der Nacht sei ein Bauer aus jener Richtung mit Getreide in die Station eingefahren, der jeden Augenblick wieder einspannen und heimfahren müsse. Für Geld und gute Worte dürste er mich mitnehmen und unterwegs wäre vielleicht eher ein Wagen zu bekommen, der mich dann nach Chbrächte Unterdessen kam der Bauer und ich trug ihm, von dem Wirthe unterstützt, meine Bitte vor. Er radebrechte das Deutsche, das er, wie er mir sagte, nothdürftig beim Militär erlernt,. ich hinwiederum das Polnische, und so verständigten wir uns leidlich. Er erklärte sich bereit, mich bis in sein Heimatsdorf, wo er Gutsbesitzer war, mitzunehmen, von dort nach dem Städtchen Obertyu sei nur ein Katzensprung und in Obertyn werde unschwer ein Wagen nach Ch. zu bekommen sein. Wir hatten einen endlosen Koth zu bewältigen, denn wir befuhren einen sogenannten polnischen Weg, eine Straße gab es da nicht, und der schwere Leiterwagen bewegte sich nur langsam und ächzend vorwärts. Wir suchten uns den Weg, so gut es ging, durch Zwiegespräche zu kürzen. Er erzählte mir, daß er ein gutsituirter Bauer sei, gegen 100 Joch Feld und Wiesen und einige Joch Wald sein Eigen nenne, ein braves, arbeitsames Weib und eine kleine Schaar tüchtig mitschaffender Kinder besitze. Er sei eigentlich nicht in dieser Gegend, sondern im Sanoker Kreis geboren und habe sich erst vor etwa acht Jahren hier angekauft. — „Aus dem Sanoker Kreis seio Ihr" fiel ich ihm ins Wort, „da werdet Ihr vielleicht den dortigen Reichsrathsabgeordueteu Gniewosz kennen". — Die Nennung des Namens Gniewosz wirkte

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