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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
– (sequence 15)
Language
German
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*tr. 32 Dx. Vwm s WocheNfüM^ Sette 543 Unter solchen Liebkosungen waren sie bis zur Thüre des palastähnlichen Hauses gekommen, dessen Bel etage die junge Künstlerin mit ihrer Tante, einer Theatermutter rm unliebenswürdigen Sinne des Wortes, bewohnte. Als David seine Angebetete die hellbeleuchtete mit einem weichen Teppiche belegte Treppe hinausführte, dünkte er sich der Glücklichste der Sterblichen zu sein. Die herrlichsten Zukunftspläne erfüllten seine Seele. Er sah sich an der Seite des holden Geschöpfes durch ein reiches, glückliches Leben wandeln, so wie er jetzt liebeglühend und glückstrahlend an ihrer Seite die breite Treppe hinaufschritt. Mitternacht war längst vorüber, als er diese Treppe wieder hinabging, um den Fiaker zu besteigen, den er sich indessen hatte herholen lassen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Zwei englische Gelehrte, Lewis und G i b s o n, kauften 1896 im Süden Palästinas alte Handschriften auf, die aus der Geniza einer Synagoge m Kairo stammen sollten. Unter Geniza versteht man dort einen Behälter,' in dem alte und schadhafte Handschriften, die außer Gebrauch gekommen, ausbewahrt werden. Die Vertreter der Bibelwissenschaft haben noch immer mit der Enträthselung jener Handschriften zu thun. Es sind nicht nur Theile der Aquila-llebersetzung der Bibel, der Polyglosse des Origines, Stücke von Kirchenvätern darin gefunden worden, sondern man glaubt hier den Ursprunglichen Text des Buches Sirach, die hebräische Urschrift gefunden zu haben, aus welcher der Enkel des Verfassers erst die noch vorhandene griechische Uebersetzung im Jahre 18» vor unserem Zeitrechnung awgefertigt hat. Cowley und Neubauer in Oxford, S. Schechter und E. Taylor in Eambridge geben nach und nach aus den aufgefundenen Tafeln die einzelnen Stücke heraus. Von deutschen Gelehrten ging R. Smend in Görtingen in seinem Buche „Die hebräischen Fragmente der Weisheit des Jesus Sirach" auf die ursprünglichen Tafeln zurück. Während Nöldeke in der Zeitschrift für alttestamentllche Wissenschaft dafür eintrat, daß man in dem Sirachfund wirklich den echten Sirachtext vor sich habe, hat sich neuerdings vereinzelt die Meinung erhoben, daß dieser angeblich echte Sirachtext erst im Mittelalter entstanden sein könne. An dieser Debatte betheiligte sich Eduard König in Rostock mit seiner Schrift „Die Originalität des neuerlich entdeckten hebräischen Sirachtextes" (Mohr, Freiburg 1901). Die meisten Gelehrten sind einig in Bezug auf die Echtheit der Funde. Das Buch Sirach war nicht immer so aus dem Gedächtniß der Mitlebenden entschwunden. Man denke an den Hausverwalter in Jmuiermann's „Epigonen", den man geradezu sirachfest nennen kann. Für den Verlauf des hier skizzirten wissenschaftlichen Streites, dessen Ende noch nicht abzusehen ist, dürften sich daher auch weitere Kreise interessiren. „Ost und West", Jllustrirte Monatsschrift für modernes Judenthum. Verlag von S. Calvary & Co. Berlin. Vier Hefte der reichhaltigen und interessanten Zeitschrift liegen uns vor und der Inhalt läßt an Vortrefflichkeit und Mannigfaltigkeit nichts zu wünschen übrig. Alles» was das jüdische Geistes- und Kunstleben betrifft, alle Cultur- und Bildungsbestrebungen, alle Wün,che und Hoffnungen des jüdischen Volkes finden ein Echo in dieser trefflich ausgestatteten Publication und manche der veröffentlichten Aufsätze haben einen literarischen Werth, der weit über die Anforderungen des Tages hinausgeht. „Ost und West" zählt zu seinen Mitarbeitern die bedeutendsten jüdischen Künstler und Schriftsteller, aber mehr noch als die glänzenden Namen fesselt der starke und bewußt nationale Ton,, der uns aus' den Heften entgegenklingt, und die Begeisterung für das Judenthum, feine Tradition und feine Zukunft, die alle diese Arbeiten auszeichnet und bte besten Geister zu einer Gemeinschaft vereint, vor der alle Unterschiede des Lebens verblassen. Dem jungen Unternehmen ist aller Erfolg zu wünschen. n. Weshalb ich zum Deutschen Volksbund ging! Ein Aufruf an alle Antisemiten! Unter diesem Titel erschien im Berlage der „Deutschen Hochwacht" (früher „Deutsche Reform") eine von Johannes Wilverg verfaßte kleine Schrift, welche die gegenwärtigen antisemitischen Parteiverhältniffe beleuchtet, um für die Vereinsgründung der Firma Mosch & Förster Stimmung zu machen. Der Bersasser dieses Schristchens, der offen bekennt, daß er seit 16 Jahren in der Berliner antisemitischen Bewegung steht und dieselbe mit durchlebt hat, sagt seinen Parteigenossen keine Schmeicheleien. Er schreibt: „Bon Henrici bis heut! Jeden ehrlichen Antisemiten packt ein ingrimmiger Zorn, wenn er an diese Zeit zurückdenkt, und wer nun gar 16 Jahre hindurch seine Lunge, seine Gesundheit, seine Existenz und einen nicht unbeträchtlichen Theil seines Geldes geopfert hat, der möchte verzweifeln, wenn er sieht, wie bisher fast Alles umsonst war und wie wenig wir in so langer Zeit erreicht haben. Hätten wir nur stets die Sache im Auge gchabt, so wären wir heute die mächtigste und einflußreichste Parte: im ganzen Lande. Aber leider haben wir gar zu oft die Personenfrage statt der Sache in den Vordergrund gestellt. Und gerade daran mußten wir immer und immer uneoer scheitern. Keine einzige Partei hat je so viele Gaukler und Schaumschläger in ihren Reihen gezählt wie die unsrige, und keine Partei hat sich so von Phrasenhelden und elenden Spekulanten nasführen lassen wie die antisemitische. Wie der Ertrinkende sich in seiner Angst noch an einen Strohhalm klammert, so hoffte und vertraute der durch die Judennoth ausgesaugte und dem Untergang nahe Mittelstand auf Jeden, der sich ihm unter der Maske des Bolksbeglückers näherte, auf jeden Gaukler, der Heldenthaten versprach und mit großen Worten Begeisterung für unsere edle Sache heuchelte, nur um sich mit dem Gelde der allzeit operfreudigen Gesinnungsgenossen die Tasche zu füllen. Wer garantirt dafür, daß nicht vielleicht schon morgen wieder irgend ein „Speculant" auf den Gedanken kommt, einen neuen Verein aufzumachen? Ist diese Zersplitterung der Kräfte, sind die Geldopfer für nichts und wieder nichts nicht geradezu unverantwortlich? Und was gerade mit der Zahlungsfreudigkeit unserer braven Antisemiten für ein Mißbrauch getrieben wird, darüber könnte der Schreiber dieses aus seiner reichen Erfahrung gar Manches erzählen, wenn er nicht im Interesse unserer guten Sache fürs erste lieber schwiege. Der „Deutsche Volksbund" zerschlägt mit germanischer Keule, den alten Parteiplunder wie irdene Töpfe und errichtet an der Stelle politischer Phrasendrescherei und persönlicher Selbstsucht die ehernen Säulen deutscher Einigkeit und deutscher Arbeit. Deshalb bin ich zum „Deutschen Volksbund" gegangen und vergesse gern die hinter mir liegenden verlorenen 15 Jahre, die ich umsonst auf falscher Bahn gekämpft." Man sieht, Johannes Wilberg kennt seine Leute und wird, wenn er einmal einsehen wird, daß er jetzt im Gefolge des Deckofficiers a. D. Hans v. Mosch wieder auf falscher Bahn ist, künftig vielleicht auch ausplaudern, was er „für's erste lieber verschweigt". Dann dürften hübsche Dinge an's Tageslicht kommen! Notiz. Kaffeehaus in Preßburg. Der Herr Cafetier Jacob G r ü n f e l d ist mit seinem Kaffeehaus in ein neues Local, Kapuzmersttaße 3, überfiedelt. Das Local wurde sehr geschmackvoll und fein mit einem Aufwand großer Mühe und Kosten eingerichtet und ausgestattet. An unsere Gefinnungsgenoffen geht das Ersuchen, Herrn Grünfeld, über den alle Rabbinen sich sehr lobend äußern, nach Möglichkeit zu unterstützen. Briefkasten. A. B. Wir stehen dem Institute vollständig ferne und sind nicht in der Lage, irgend eine Auskunft zu ertheilen. Dt. Dt. in p. Brief abgesendet. Nachod. Wenden Sie sich an den israelitischen Handwerkerverein, Wien, IX., Grüne Thorgasse L0. L. H—r« Die Antisemiten können der Kaiserin Friedrich den Freisinn nicht verzeihen. Der brutale Haß gegen die edle Frau findet in einem der Wiener Antisemitenblätter folgenden Ausdruck: „Mögen die ekelhaften Handlanger des Judenthums, die noch an den Kerzen des Todtengemaches ihr Süpplein aufwärmen möchten, reden und schmieren, was sie wollen. Das seiner Größe und Selbstherrlichkeit bewußte deutsche Volk geleitet seinen Kaiser menschlich mitfühlend, aber mit dem nationalen Herzenswünsche zum Grabe seiner Mutter: „Möge uns keine Kaiserin Friedrich wiederkehren!" Z. M. in Wien. Ist kein Jude. Bernath L. N. Welcher Leser ist in der Lage, eine Firma namhaft zu machen, welche einen Blasebalg für den Zeboedet zum Aufblasen der Lunge erzeugt? Um Namhaftmachung einer solchen Firma ersucht die Redaction. Dr. L. G. V e r g a n i und Wolf befehden sich gegenwärtig, indem sie sich Eitate aus — Heine an den Kopf werfen. In einer Antwort K. H. Wolf's finden wir folgende Verse Heine's: „Ich bin kein Schaf, Ich bin kein Hund, Kein Hofrath und kein Schellfisch Ich bin ein Wolf geblieben Mein Herz und meine Zähne sind wölfisch." Man muß zugeben, die Antisemitenblätter haben endlich das Mittel gefunden, Geist in ihre Blätter zu bringen. Allerdings nicht eigenen, sondern den Geist Heine's.

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