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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
18 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Date
1901-07-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 27 Dr■ BlOCh 8 Jahrgang jyjj^ Eentrslorgan für die gefsmmien Interesseir des Iudenihums. , 5. Juli 1901. int jeden Freit ag. ■> ■<* »■<» - Wie«, IX/1, Berggaffc SO. : Bloch'S Wochenschrift, Wien. Inhalt. Leitartikel: Antisemitische Bankbrüche. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Es tagt. Eine antisemitische Volksvertretung. Die „Bluthunde von Polna". Der Kronzeuge im Hilsner-Proceß. Die Tortur in Rußland. Antisemitische Anbiederungen. Die Rothschild- und Judenbahn. Stanislaus Tillinger. Leichenverbrennung oder Grabstätte. Berichtigung bezüglich der überhandnehmenden Leichenverbrennung vom Standpunkte des Judenthums von Rabbiner Dr. M. Klotz, Prag. Ist eine andere Art der Bestattung als die des Begrabens im Judenthume zulässig oder nicht? — vibre Labikorstd. — Eorresvondenzen: Plenarsitzung des israelitischen Cultusvorstandes. Wien-Währing. Die Neuwahlen in der Prager Cultusgemeinde-Repräsentanz in Prag. Hohenelbe Vagujhely. Essek. Berlin. Hamburg. Paris. — Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Oberhollabrunn, Pohrlitz. Prag, Proßnitz Friedek-Mistek, Friedek, Budweis, Loschitz, Delatyn, Arad, Kottbus, Kapstadt, Paris. — Feuilleton: Der Unessane tokef. — Briefkasten. — Inserate. R. kt. postspsrcasten-Amt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Administration: Vien IX/1, Berggasise Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. Wien <Lrsche Brief-Adresse: Telegramm-Adresse Bejugaprei» für Srstrrrrich Halbjährig 8 Jtconen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Prtitzeile 24 Heller. Antisemitische Vankbrüche. Seit einem Jahre vollziehen sich in der arischen Finanzwell Deutschlands Ereignisse, die ihres Gleichen nicht , einmal in den finanziellen Katastrophen der polnisch-antisemitischen Schlachta finden. Bankbruch folgt auf Bankbruch! Das wäre frellich nichts Neues. Der große Börsenkrach des Jahres 1873 und andere ähnliche Peripetien bieten Beispiele, wie mitten in einer großen ökonomischen Krise der Zusammenbruch eines einzelnen führenden Institutes den Untergang-zahlreicher anderer Unternehmungen im Gefolge hat. Aber die Bankbrüche in Pommern und Sachsen sind grundverschieden von einer solchen allgemeinen Katastrophe, deren elementaren Verheerungen sich schließlich auch die solidesten Institute nicht entziehen können.- Was gegenwärtig im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte vorgeht, muß als eine Wirkung specifisch arisch-antisemitischer Moral bezeichnet werden. Die Antisemiten haben das Wort vorder „Tarnopoler Moral", das ursprünglich auf das weitgedehnte Gewissen eines kernarischen Tarnopoler Bürgermeisters und Reichsrathsabgeordneten geprägt war, auf die polnischen Juden übertragen. Mit viel größerem Rechte kann man heute von einer „pommerschen" oder „sächsischen Moral" sprechen. Der Sturz der arischen Pommernbanken, der muckerischen Spielhagen banken, der Dresdener Creditanstalt, der Kummerwerke, der Leipziger Bank sind nicht durch den Sturm einer Alles erschütternden Weltkrise, sondern durch die persönliche Unredlichkeit ihrer arisch-antisemitischen Leiter verschuldet. In einem sehr maßgebenden deutschen Finanzblatte lesen wir folgende bemerkenswerthe Ausführung: „Der Krach der Spielhagenbanken und der Pommernbanken ist, man darf ja doch auch Krisen nicht beleidigen! eben durchaus nicht auf die Krise, sondern auf die mangelhafte, geradezu unredliche Gebahrung der Banken zurückzuführen. Zur Krise gehört es nicht, daß man Pfandbriefe auf Grund erlogener Schätzungen ausgibt, und ebensowenig läßt sich der Fall der Dresdener Creditanstalt und der Kummerwerke oder die Katastrophe in Leipzig als ein Symptom der Krise anführen-. In einem anderen Blatte heißt es: „Es sind Dinge geschehen, die selbst das Jahr 1873 in Oesterreich nicht zu verzeichnen hatte. Die Emission junger Actien, die Aufhäufung von Gründungspapieren in den Cassen der Banken auf die Namen von Committenten und durch Bezahlung, bezw. Belehnung im Conto-Correntverkehr, die Wechselreitereien im großen Style, das Alles haben wir im Jahre 1873 auch in Oesterreich gesehen. Daß aber ein Bankdirector das ganze Actiencapital, den Reservefonds und darüber einem einzigen Schuldner creditirt, das ist nicht vorgekommen. Ein Debitor mit 85 Millionen Mark, das ist eine neue Erscheinung in der Finanzwelt, und die deutschen Banken werden es dulden müssen, daß man von nun ab ihre Gestionen mit mißtrauischen Augen betrachtet". Drastisch wird der Vertrauensmißbrauch, den die Spitzen der Leipziger „guten", d. h. arischen Gesellschaft, mit den Clienten der Bank getrieben haben, in folgenden Zeilen geschildert: „Ein so crasser Fall wie der Zusammenbruch der Leipziger Bank ist bei uns selbst im Krachjahre nicht vorgekommen. Was waren denn im Vergleiche zur Leipziger Bank jene österreichischen Banken, die im Jahre 1873 zugrunde gingen? Zwerge mit zwei MAionen Gulden Capital oder wenig darüber. Von so winzigen Banken, denen von Hans aus keine große Bedeutung innewohnte, kommt erst ein Dutzend zusammengenommen an Capitalsstärke der Leipziger Bank gleich, die über ein voll eingezahltes Actiencapital von 48 Millionen Mark nebst 16 Millionen Mark Reserven verfügte. Keine österreichische Bank, die nur halb so viel Capital hatte, ist dem Krach zum Opfer gefallen. Was den Casus der Leipziger Bank noch tragischer macht, ist der Umstand, daß das große Publicum von der verzweifelten Lage des Instituts so wenig eine Ahnung hatte, daß die Actien noch einen Tag vor derJnsolvenzerklärung 140, das ist 40 Percent über Pari, standen. Ein Courswerth von 67 Millionen Mark wurde über Nacht, in wenigen Stunden zur wertHlsse'n Maculatur, Niemand konnte sich retten. Mau

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